Artikel

Nennt mich altmodisch

Viele sind ja ihren eigenen Angaben zufolge gar nicht so begeistert davon, „ständig erreichbar zu sein“. Die Tatsache, dass man sie erreichen will, scheint aber doch ausreichend Input für ihren Selbstwert zu bieten, denn sonst würden sie ihr Handy einfach ignorieren, wenn es gerade etwas Besseres zu erleben gibt – etwa echte menschliche Gesellschaft.

Daraus folgt, dass der persönlich Anwesende, dem die Handyrückseite gezeigt wird, für sie wohl nicht unter „etwas Besseres“ fällt. Fun fact: Dieser persönlich Anwesende ist ebenfalls in der Lage, diese Schlussfolgerung zu ziehen – und fragt sich, wozu er sich gerade genau in dieser Gesellschaft befindet – in der mit den Handyrückseiten an der Stelle, wo eigentlich aufmerksame Gesichter sein sollten. Dieses Gefühl, wenn Leute mitten im persönlichen Gespräch plötzlich ihr Handy in der Hand haben und sich ohne Vorwarnung einfach aus der aktuellen Wirklichkeit und Gesellschaft ausklinken – es ist kein angenehmes.

Weiterlesen

Artikel

Verlorenes Hefegebäck

Unlängst war ich mit einem Freund in der Pizzeria. Als wir dort nach dem Essen noch so kellnervernachlässigt zusammensitzen und per Strohhalm in unseren Gläsern nach noch unverdunsteten Resten schlürfen, da beleuchten wir verbal wieder einmal ausgiebig unser beider Lebenssituationen. Meine, in diesem Moment, und dabei entkommt ihm, dem Freund, eine ungemein pointierte Bemerkung, über die wir minutenlang schallend lachen.

Weiterlesen

Artikel

Sehr geehrter Herr Ergo!

Am 4.3. habe ich Ihnen per Mail meine neue Adresse mitgeteilt, am 2.6. meinen neuen Nachnamen.

Am 16.6. schicken Sie einen Brief an die alte Adresse und bestätigen, dass aufgrund meiner schriftlichen Mitteilung der Name des Versicherungsnehmers nunmehr auf den alten Nachnamen lautet.

Ich gebe zu, Sie verwirren mich. Aber ich bin ziemlich sicher, dass es doch so ist:
• Neuer Nachname: […] • Aktuelle Adresse: […]

Anbei nochmal das amtliche Dokument. Die Information über den geänderten Nachnamen findet sich ganz unten.
Ja, dass man bei einer Namensänderung nach Scheidung eine neue Heiratsurkunde bekommt, finde auch ich ein wenig irreführend.

Mit den besten Wünschen für ein konzentriertes Arbeiten,
Frau Pfanne

Artikel

Weltgeschehen und Regenbögen

Bei der Fußball-EM in Frankreich schlagen sogenannte Fans einander die Zähne ein. In Wien demonstrieren die Rechten, die Linken stellen sich dagegen, die Polizei pfeffersprayt drauflos, und dann behauptet jeder, die anderen hätten angefangen. Eine britische Abgeordnete wird auf offener Straße ermordet. Journalistinnen und andere Frauen, die im Netz offen ihre Meinung kundtun, müssen sich gemeinsam wehren gegen die tägliche Flut an Hass, Gewaltdrohungen und Vergewaltigungswünschen. In Orlando schießt ein Mann auf die Besucher einer Schwulenbar, 49 Menschen sterben, 53 werden verletzt. Vieles davon ist offensichtlich politisch motiviert, dass es schon peinlich ist, wie störrisch die Vorfälle von offizieller Seite als „psychisches Problem eines Einzelnen“ dargestellt werden. Oder Betroffenen geraten wird, dieses oder jenes Phänomen „einfach zu ignorieren“.

Weiterlesen

Artikel

Meisterwerke der Ingenieurskunst

Man kauft sich ein Produkt. Man nimmt es in Betrieb. Man benutzt es ein Weilchen und ahnt nichts Böses. Da plötzlich steht breitbeinig und ebenso -schultrig ein Denkfehler im Raum. Kein eigener, der in diesem Raum eine Berechtigung zum plötzlichen Dastehen hätte, nein, ein Fremddenkfehler! Was macht der denn da, fragt man sich. Er will bestaunt werden. So sei es!

Weiterlesen

Artikel

Ergebnisse der Probenentnahme

Ich sags ja nur ungern, aber: Ich hatte recht!

In diesem Eintrag vom letzten Jahr berichtete ich über die Verunreinigung der Flüsschen hier in der Gegend – Schaumbildung, Seifengeruch, etc – kein massiver Geruch, aber einer, den ich regelmäßig wahrnahm und auch wiedererkannte, selbst wenn andere Nasen den Kopf schüttelten. (Hochsensibel eben.)

Diesen Umstand hatte ich letztes Jahr schließlich dem Gewässerschutz zur Kenntnis gebracht und um Untersuchung gebeten. Wir fuhren gemeinsam an verschiedene Stellen, es wurden Proben entnommen und analysiert, doch danach hörte ich sehr lange nichts mehr von vom Gewässerschutz NÖ. (Sehr nette Menschen dort übrigens!)

Soeben erhielt ich dieses Schreiben per E-Mail:

Sehr geehrte Frau Pfanne!

Ich kann Ihnen erfreulicherweise mitteilen, dass sich die vermutete Gewässerverunreinigung im Neubach bestätigt hat. Nach langen Suchen haben wir nunmehr auch einen Verursacher gefunden. Gut Ding braucht Weile, hi, hi.

Genauere Informationen erhielt ich zwar nicht, aber ich bin gespannt, wie sich die Wasserqualität in der nächsten Zeit entwickeln wird.

YESSSS!

Artikel

Die Sau im Dorf lassen

Irgendwo im topaktuellen Internetgesetz steht geschrieben, dass du zu allem eine Meinung haben musst, und zwar sofocht – sonst kannst du diese ja nicht ebenso schnell der Öffentlichkeit kundtun. Manche Säue sind ja so schnell vorbeigetrieben, dass sich womöglich schon morgen oder in zwei Stunden keiner mehr für deine möglichst geschliffen formulierte Empörung interessiert!

Dass man jedoch zur Meinungsbildung über Informationen verfügen sollte, die in ihrer Ausführlichkeit über den Informationsgehalt eines Tweets deutlich hinausgehen, wird in der Hektik gerne übersehen. Heute sind zwar alle Informationen nur einen Klick entfernt, aber wohin klickt man bloß, und man hat ja  auch gar keine Zeit!

Ich persönlich leiste mir den Luxus, zu vielen Dingen keine Meinung zu haben.  Ich verstehe aber den Ärger und die Sorge des Herrn jawl, und ich spüre das auch. Die Konsequenzen, die so ein vorschnelles Urteilen für die involvierten Menschen haben kann, sind furchterregend und können ganze Leben zerstören. Das sollte man bedenken, bevor man sein Urteil online verkündet. 

Im Zweifelsfall kann man auch vorher flugs einen prüfenden Blick vor die eigene Tür werfen, ob da nicht dringender Kehrbedarf besteht. Fegen entspannt, und man kann sich dabei geistig mit den Dingen befassen, von denen man sich sonst durch das Tagesgeschehen nur allzu bereitwillig ablenken lässt.

Artikel

Hinter dem Teflon

Im Netz ist ja nichts für die Ewigkeit gemacht. Ewigkeit bedeutet in diesem Zusammenhang: Zeitspannen > fünf Jahre. Die zugrundeliegende Programmierung im Web bleibt zwar gleich – und selbst das ist nur sehr oberflächlich betrachtet wahr – aber die großen Programme und kleinen Helferleins für das Onlinestellen von Inhalten entwickeln sich ständig weiter. Oder eben auch nicht. Kommt es zu einer Entwicklungsdiskrepanz zwischen großem Programm und kleinem Helfer, dann passiert’s schonmal, dass einem etwa das Helferlein zur Anzeige von Fotos im Blog quasi unter den Tippfingern wegstirbt. Weiterlesen