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Corona – sechs .. Bash the bash

Dieser Artikel ist Teil 6 von 9 in der Serie "Corona" ...

Was mir unheimlich gegen den Strich geht – und nicht erst seit heute – ist dieses allgegenwärtige Bashing von allem, was andere machen und du selbst nicht. Was andere haben und du selbst nicht. Was andere leben und du selbst nicht.

(Und ja, mir ist die Ironie des Bashing-Bashens durchaus bewusst, aber das hier muss jetzt endlich mal raus.)

Haus oder Wohnung?
Die während der Ausgangsbeschränkungen in Wohnungen festsaßen, waren es denen neidig, die Haus und Garten besitzen, weil “die können wenigstens raus”. Die mit Haus und Garten konnten nicht nachvollziehen, warum die in der Stadt “unbedingt raus müssen”, oder warum sie um die Schließung der Bundesgärten so ein Theater machen, weil zuhausebleiben für sie ja auch nicht so schlimm ist.

Vieles bleibt in der Phantasie- und Gedankenlosigkeit leider unsichtbar:

* Dass manche in ihrer Wohnung vielleicht ohne Grünblick wohnen oder nordseitig und den ganzen Tag nicht einen einzigen Sonnenstrahl abbekommen. Dass sie keinen Balkon haben, geschweige denn einen privaten Garten oder Feldwege zum Spazierengehen. Dass sie auf öffentlichen Raum und öffentliches Grün angewiesen sind und auch auf die Ruhe dort, weil in vielen Wohnhäusern die Nachbarn ständiger akustischer Teil des eigenen Lebens sind. Dass sie nicht deshalb in der Stadt wohnen, weil sie Grün nicht mögen würden, sondern weil es aus zig Gründen eben die passende Entscheidung war.

* Dass die mit dem Haus oft ein Leben lang sparen und jeden verdienten Euro in die Anschaffung und Erhaltung dieses Hauses und Gartens gesteckt haben, und auch jede freie Minute ins Selbermachen von Dingen, dass manche ein Haus haben, aber keinen Garten – das kann sich wiederum die Wohnungsfraktion in der Stadt nicht vorstellen. Für sie ist das alles eh nur ererbt und in den Schoß gefallen und erhält sich selbst – obwohl sie genau wissen, dass Wohnen niemals gratis ist, sobald man seine Kindheit mal hinter sich hat. Und wenn was nicht in Ordnung ist, sagt man es doch einfach dem Vermieter oder ruft Wiener Wohnen an, und fertig.

Ein Haus ist niemals fertig und bedarf einer Menge Instandhaltung, ständig. Es ist nicht nur viel mehr Fläche sauberzuhalten. Da ist die Dachrinne zu reparieren, sonst wird die Fassade nass und das Wasser spritzt zum Nachbarn rüber. Die Dachschindeln haben Schlupfwinkel, und Siebenschläfer rupfen dann Löcher in die Glaswolle, machen es sich dort bequem und kacken den ganzen Dachboden voll. Der Schnee muss weggeschaufelt werden. Der Sockel ist brüchig und Wasser dringt ins Gemäuer ein, Instabilität und Schimmel drohen. Im Keller sind Mäuse, in der Garage ein Heizkörper undicht. Ein Fenster hat sich ausgehängt. Eine Außenjalousie klemmt. Der Kanalabfluss muss von Blättern befreit werden, bevor es regnet, weil sonst die Garage unter Wasser steht. Ein Wespennest ist direkt vorm Fenster. Der Fußboden am Gang löst sich langsam auf.

Und während man das alles noch nicht erledigt hat, wuchert im ach-so-beneidenswerten Garten alles wie wild, wenn man da nicht sehr viel Arbeit reinsteckt und den Abfall, der dabei in großen Mengen entsteht, regelmäßig entsorgen fährt. Und der Frühling wartet nicht, bis man für das alles mal Zeit hat. Wenn man Gemüse im Garten will oder gar braucht, muss man Gemüse ziehen, Gemüse umpflanzen, Schädlinge bekämpfen, unerwünschte Triebe entfernen, Gemüse an Stangen binden.
Für das alles braucht man Material. Man hat viel im Haus, aber nicht alles, auch aus Kosten- und Platzgründen.

* Manche wohnen gar in einer Wohnung am Land! Die haben auch keinen eigenen Garten und keinen Balkon, zahlen aber genausoviel Miete wie in der Stadt. Dafür haben sie eben einen Spazierweg vor dem Haus, aber keinen Billa. Sie sind auf ein Auto angewiesen und stecken auch da viel Geld rein, um mobil und damit arbeits- und lebensfähig zu bleiben.

Stadt oder Land?
Pendler sind in der Stadt nicht willkommen, allein der ganze Verkehr, sollen doch am Land bleiben (wo es weniger Arbeitsplätze gibt), weil sie hätten ja nicht da hinziehen müssen (wo sie vielleicht schon aufgewachsen sind).

Die stadtflüchtigen Wochenendspazierer sind am Land nicht willkommen, weil da könnt ja jeder kommen und einfach das Grün genießen (das wir für uns gepachtet haben), weil sie hätten ja nicht da hinziehen müssen (wo sie vielleicht schon aufgewachsen sind).

Am Land zu wohnen und wohnen zu bleiben erfordert viel Verzicht und viel Aufwand, den man in der Stadt nicht hat.
In der Stadt zu wohnen erfordert viel Verzicht auf Ruhe und Raum und Grün, den man am Land nicht in Kauf nehmen muss.
Ja, wir könnten alle unsere Situation “halt einfach ändern”, aber sie hat eben auch ihre Gründe. Oder hat deine Situation vielleicht keine?

Kinder oder keine Kinder?
Die, die keine Kinder haben, bashen die, die jetzt mit ihren Kindern 24/7 zurande kommen müssen, seit die Schulen geschlossen sind – weil warum haben sie dann überhaupt Kinder, wenn sie keine Zeit mit ihnen verbringen wollen?
Die, die Kinder haben, bashen die ohne Kinder, weil die ja keine Ahnung haben, was Stress überhaupt bedeutet, und sie ja alle Zukunft der Welt wuppen, während die anderen sich ein schönes Leben machen.

Dass andere vielleicht auch gern Kinder gehabt hätten, aber keine bekommen konnten oder verloren haben; dass sich kein*e geeignete*r Partner*in gefunden hat; dass Krankheit ihnen eine Zukunft mit Kindern verwehrt hat – geschenkt.
Dass nicht alle ihr Wunschkind bekommen haben – sowohl in puncto Anzahl als auch Persönlichkeit, dass Alleinerziehende keine*n Partner*in haben und alles allein schultern müssen – geschenkt.

Selbstständig oder Angestellt?
Dasselbe mit der Arbeitssituation.
Die von daheim arbeiten können, haben keine Vorstellung davon, dass es Arbeiten gibt, die man vor Ort erledigen muss.
Die angestellt sind, haben keine Vorstellung von Unternehmerrisiko oder fehlender Arbeitslosenversicherung. Von der Zeit und der Mühe und der Verantwortung, die Unternehmer in ihre Firma stecken, auch um die Arbeitsplätze genau der Angestellten zu erhalten, die genau diesen Unternehmern jeden Euro neiden, der aus staatlicher wirtschaftlicher Hilfe kommt.
Die Unternehmer haben keine Ahnung mehr, wie es ist, in einer Hierarchie nicht ganz oben zu stehen und sich ausgebeutet zu fühlen, ohne was mitzureden zu haben – obwohl das für viele überhaupt erst der Grund war, sich selbstständig zu machen.

Einfache Hackler glauben, die Unternehmer hättens alle so gut, wären reich und würden vom Finanzamt alles zurückkriegen, was sie ausgeben – weil sie ja “alles absetzen” könnten. Das ist Unsinn. Aber man weiß es eben nicht besser und erzählt einander lieber weiterhin unwahre Geschichten, die in die vorhandene Kerbe schlagen und die Kluft so ständig vertiefen.
“Die anderen habens besser als ich.”

* Dass Unternehmer mitunter Material brauchen, um ihre Aufträge fertigzustellen und überhaupt eine Rechnung legen zu dürfen, mit deren hoffentlicher Bezahlung sie die nächste Kühlschrankfüllung finanzieren, kommt in anderen Lebenssituationen einfach nicht vor, also ist es jenseits aller Vorstellbarkeit.

*Dass man privat vielleicht seit Wochen in einer Baustelle sitzt, seit die Geschäfte schließen mussten, und nichtmal fließendes Wasser hat, oder es durch ein Fenster reinzieht, das nicht mehr fertig eingeschäumt werden konnte, dass ganze Räume nicht benutzbar sind, dass eine halb-umgebaute Küche ohne Herd nicht gerade für Behaglichkeit sorgt während einer Ausgangssperre. Jenseits aller Vorstellbarkeit.

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Und das alles nur, weil man selber eh so bequem zu Hause sitzt und derzeit ja nichts tun muss, wenn man nicht will? Wo man dabei doch so viel Zeit zum ~Nachdenken~ hat?

Gesehen werden
Armutsbetroffene werden nicht gesehen. Wogegen sie zu kämpfen haben, wie schwer es ist, der Armutsfalle wieder zu entkommen, weil man vieles verliert, was für andere ganz selbstverständlich ist. Die Unwissenheit über den Verlust dieser Annehmlichkeiten machts, dass Nichtbetroffene sich nicht vorstellen können, dass gedachte Hilfestellungen aus der eigenen Situation wie Überziehungsrahmen (etc. etc.) einfach nicht dafür sorgen können, dass man “wieder auf die Beine kommen” müsste, weil sie nicht mehr da sind! Könnt ihr euch nicht vorstellen.

Verführerische selektive Wahrnehmung
Aber andere Realitäten werden genausowenig gesehen.
Es wird niemand mehr wirklich gesehen.
Die Nachteile und Schwierigkeiten jeder*s einzelnen werden unter den Teppich gekehrt. Es wird selektiv gesehen, welche Annehmlichkeiten sie oder er hat – und seien sie erfunden, s.o. – und dann wird auf sie eingedroschen – aus Neid auf etwas, das in dieser Form oft gar nicht existiert oder nicht ausschließlich. Und wenn’s eine Armutsbetroffene ist, dann unterstellt man ihr einfach, sie hätte doch ein feines Leben in der sozialen Hängematte und ohne Arbeit. Die Hausbewohner hätten ein feines Leben mit Haus und Garten, was reines Vergnügen bedeutet. Die Wohnungsmenschen hätten ein feines Leben in der üppigen Infrastruktur.

Das beginnt ja schon da, wo die Lebensrealität einer Frau einem Mann nie richtig zugänglich wird, außer er verkleidet sich als eine und lebt ein paar Wochen so. Weil er nie dabei ist, wenn eine Frau allein der übrigen Welt begegnet. Weil seine pure Anwesenheit diese Begegnung verändert. Kann alles nicht sein, weil nicht existiert, was er nicht wahrnimmt? Aber wir sind ja so aufgeklärt!

Man muss anderen auch glauben, was sie erleben.
Oder es sich einfach vorstellen können. Dann muss man auch nicht alles selbst erlebt haben, um Verständnis aufzubringen. Sofern man das eigene hochdramatische Mimimi mal kurz beiseite lässt.

Gerade auf Social Media steht eben nicht die gesamte Lebenssituation in jedem Posting, sondern nur ein Ausschnitt aus dem jeweiligen Denken, das daraus entspringt und darauf gründet! Man darf also dennoch davon ausgehen, dass es diese Lebenssituation gibt, und dass man sie nicht allumfassend kennt, manchmal sogar einfach gar nicht. Es gibt also keinerlei Beurteilungsgrundlage.

Was man einzig beurteilen kann, ist ob jemand seine fehlende Beurteilungsgrundlage wahrnimmt oder nicht.

Und heute früh sehe ich, jetzt wollt ihr die Leute für deppert hinstellen – sie gar “besachwaltern lassen” (srsly?) – die sich heute am ersten Tag der Öffnung bei den Baumärkten anstellen.
Ihr dürft ruhig auch mal davon ausgehen, dass man sich das eher nicht geben wird, wenn man nicht muss.

Was dieses Bashing wirklich aussagt ist:
“Ich hab nicht die geringste Ahnung von der Realität anderer Menschen, und sie interessiert mich auch nicht.” Wie viele von den Schlechtmachern und FürDeppertErklärern wohl die eigenen Annehmlichkeiten schlicht nicht zu schätzen wissen und/oder unter den Tisch fallen lassen, damit sie nicht so ignorant wirken, wie sie eventuell sind?

Bequemer ist: Schuld am eigenen Nichthaben und Nichtsein sind natürlich die anderen, die haben und sind. Man kann einfach irgendwas ~glauben~, was sich grad anbietet. Und wenn diese anderen dann Dinge tun, die man selbst nicht täte, oder wenns ihnen womöglich dreckig geht – dann aber, auf sie mit Häme! “Das habt ihr jetzt von eurem Anderssein, ihr Deppen. Wärt ihr doch so gscheit wie ich, dann hättet ihr euch das erspart.”
Wenn sie schon offen zeigen oder sagen, dass es ihnen dreckig geht, und sie sich damit auch verletzbar machen? Wirklich?

Othering
Es gibt dafür einen Begriff – man nennt es Othering. Das “Andersmachen” von allem Menschlichen, was von der eigenen Wirklichkeit abweicht. Das erklärte Endziel von Othering ist übrigens, feindliche Lager zu schaffen, die “Einen” (die Guten natürlich!) über “die Anderen” zu erhöhen, was ein wenig künstlichen Selbstwert stiften soll – und letztlich alle Empathie zu töten. Denn wer anders ist, kann nicht dazugehören und muss daher ausgeschlossen und letztlich auch ausgerottet werden.
Und das geht nur ohne Empathie und mit deutlicher Erhöhung der Einen gegen die Anderen.
Und das wollt ihr wirklich mitspielen? Es beginnt im Kleinen und wird dort etabliert, jeden Tag.

Phantasielosigkeit und Gedankenlosigkeit, Ungerührtheit, Ignoranz, Unkenntnis – und Unkenntnis über diese Unkenntnis. Keine gute Kombination. Aufwachen!

Vielfalt!
Wenn alle so wären wie du, nur damit du sie besser verstehen kannst, dann würden alle DEINEN Job wollen, und du würdest keinen mehr kriegen. Alle würden DEINE Wohnung wollen und die Miete wäre doppelt so hoch. Alle würden das kaufen wollen, was DU kaufen willst, und es wäre teurer oder nicht mehr erhältlich. Alles andere, was die Welt jetzt noch bunt und lebendig macht, würde im Desinteresse eingehen und verschwinden.

Wenn keiner mehr am Land leben würde, müssten alle in die Stadt ziehen. Es wäre voller, lauter, die Mieten wären noch höher, die Öffis wären überlastet, der Verkehr unerträglich. Verbindungen nach draußen gäbe es nicht mehr – wozu Infrastruktur, wenn da keiner mehr wohnt?

Wären alle Angestellte und Arbeiter, gäbs niemanden mehr, der das Risiko eines Unternehmertums auf sich nähme, und damit keine Arbeitsplätze mehr, für niemanden. Wären alle Unternehmer, könnte niemand die Sicherheit eines Arbeitsplatzes samt der zugehörigen festen Zeiten und arbeitsrechtlichen Absicherungen genießen. Nun, das Verständnis würde eventuell steigen. Die Konkurrenz aber auch!

Augen auf
Lasst euch doch nicht vom täglichen Othering der populistischen Extremisten und den wiederkäuenden Medien diese hirnrissige Schwarzweißsicht der Welt aufdrängen und einimpfen, in der alles schwarz sein muss, was nicht weiß ist – wo ihr doch genau und besser wisst, wie bunt die Welt ist!
Lasst euch doch nicht ständig gegeneinander aufbringen! Wofür denn? Mit welchem Ziel? Eine Einheitlichkeit, die niemandem was bringen würde und für niemanden wünschenswert ist? Alles, was an euch selbst bunt und anders ist, würde dem zum Opfer fallen.

Es gibt auch noch andere Denkweisen, freundlich changierendes Buntstufen-Gewaber.
Verständnis entsteht, wenn man sich für die Lebensrealitäten anderer interessiert, ohne sie vorzuverurteilen, nur weil man auf das erste “Hä?” reinfällt, das die fremdenängstliche Ecke des Urwaldgehirns ausspuckt.
Idealerweise beruht das Interesse auf Gegenseitigkeit. Jemand muss damit anfangen. Du kannst kein Verständnis erwarten, wenn du selbst keines aufbringst. Wir sind nicht im Kindergarten.

Wenn du also nächstens Aversionen verspüren solltest gegenüber irgendjemandem mit einer anderen Lebensrealität als du – versuch es als Zeichen dafür zu sehen, dass du zu wenig darüber wissen könntest. Statt dafür, dass die anderen fix deppert sein müssen, weil du es nicht nachvollziehen kannst.

Du willst was Besonderes sein? Dann lass die anderen auch besonders und anders sein, und akzeptier sie, so wie du akzeptiert werden willst. Es gibt immer eine zweite Seite – oder meistens sogar noch mehr.
Innehalten. Nachfragen. Informieren. Interesse!
Solange du diese Seiten nicht entdeckt hast – weitersuchen. Dann erst schimpfen oder schadenfroh jubilieren.
Falls es dann noch angebracht scheint.

Artikel

Corona – drei

Dieser Artikel ist Teil 3 von 9 in der Serie "Corona" ...

Grausliche Einblicke und Auswürfe
Auffällig ist, das war es auch schon früher, wie viele Menschen man mit offenem Mund durch die Gegend stapfen oder in selbiger herumsitzen sieht. Dass in den Medien der (Un)sinn einer Atemschutzmaske zum eigenen Schutz diskutiert wird, ist zwar recht und würdig, schützt sie doch eher die Mitmenschheit vor dem eigenen unkontrollierten Auswurf als umgekehrt.

Eine Ausnahme von dieser Regel würde ich aber bei diesen Menschen machen, die keine echte Kontrolle über den Schließungsgrad ihres Mundes zu haben scheinen. Denn wie wir wissen, die wir uns für unseren Körper interessieren, bietet die Nase eine recht brauchbare Filterfunktion für allerlei Keime, Allergene und anderes Kleinzeug. Aber natürlich nur, wenn man sie auch benützt! Wer das nicht kann, ist mit so einer Maske sicher besser dran. Man würde dann von der anderen Seite im Vorbeigehen keine fremden Zähne und Gaumenzäpfchen sehen, und das wäre auch schön.

Es fällt einem mit diesem neuen, nennen wir’s mal Coronabewusstsein, auch anderes auf:
* Ein Mensch, der hustet, ohne sich irgendwas vorzuhalten – sei es nun ein Ellbogen, den unser Gesundheitsministerium auf der vergeblichen Suche nach dem Begriff “Armbeuge” zum Reinhusten vorschlug (wurde mittlerweile korrigiert), sei es eine nackte Hand, (oh mein Gott), oder von mir aus bei entsprechend vorhandener Biegsamkeit auch ein Bein.
* Eine Joggerin, die alle 50m auf den Boden spuckt, als gäbe es nicht auch die Möglichkeit, sich seines Speichels zu entledigen, indem man ihn einfach schluckt, so wie der Rest der Welt das großteils seit Jahrhunderten zu tun pflegt.
* Menschen, die “zu nahe” beisammenstehen. Und das, Herrschaften, wird uns womöglich noch einige Zeit nach dieser Krise beschäftigen, sofern wir sie überleben: Die jetzt per Angstinjektion in uns festgesetzten Nähe-Alarme bei uns selbst und bei der Beobachtung anderer.

Medis per SMS
Habe erstmals per SMS an die Hausärztin meine Rheuma-Medikamente nachbestellt. Ach, das geduldige Schlangestehen vor dem Hausarzt-Schalter, wo ich mich, teils unter immunsuppressiver Therapie, zwischen schneuzenden, röchelnden und hustenden Leuten ja besonders wohlfühle, wenn ich da nur ein Rezept abholen will. Da muss erst eine Pandemie kommen, damit wir uns das ersparen. Jetzt, juchuu: SMS hin, Bestätigung retour, Arzt bestellt direkt in der Apotheke (sogar einen Dreimonats-Vorrat, was bisher für normalsterbliche Kassenpatienten so unmöglich war wie ein MRT-Termin am nächsten Tag).
Zwei Tage später kann man die erwünschten Drogen auch schon abholen, danke, Wiederschaun.

Neues Einkaufserlebnis
Bin mutig und gehe selbst zur Apotheke. (Eigentlich nicht aus Mut, sondern aus einer anderen Pest-oder-Cholera-Überlegung heraus, die ich hier aus Langatmig- und -weiligkeitsgründen nicht darlege.)
Vor Apotheke eine Outdoor-Schlange, also jetzt nicht im Sinne von Boa Constrictor oder hierzulande eher Blindschleiche, sondern eine aus Kunden und -innen. Schon vor einigen Tagen beim Vorbeifahren gesehen – man stellt sich jetzt am Gehsteig vor der Apotheke an, mit 1.5m Mindestabstand zwischen den Wartenden, so will es das Schild im Apothekenfenster.

Stelle mich brav ans Ende der Schlange. Windrichtung aber leider ungünstig, weht aus Richtung der vor mir Wartenden. Halte Luft an. Hüpfe zwischendurch zum Atmen auf die Straße. Ist eh kein Verkehr mehr.
Mit dem behandschuhten und bemundschutzten Apotheker wird nun durch die geschlossene Schiebetür kommuniziert. Der Ware-Geld-Austausch findet jetzt durch die Rezeptklappe statt. Es werden nur Scheine akzeptiert, Bankomatzahlung geht aber auch. Dazu muss man seine Karte hergeben und seinen PIN-Code aufsagen. Datensicherheit einfach nicht mehr relevant. 1,5 Meter sind doch nicht genug. Zahle lieber bar.

Brauche neuen Kühlschrank für den Dreimonatsvorrat.

Herde heißts beim Tier, und auch nicht bei jedem
Wundere mich, dass das Wort “Herdenimmunität”, so zutreffend es auch bei Epidemien sein mag, ohne nennenswerten Widerstand der Political-Correctness-Polizei benutzt wird. Der sprachlich verwandte “Herdentrieb” ist ja auch ein eher nicht so wertschätzend gebrauchter Begriff. Weil es für den einzelnen Menschen, aber auch für Gruppen ebensolcher nicht schmeichelhaft ist, mit Tieren gleichgesetzt zu werden, umso mehr, wenn es Tiere sind, die dem Mainstream folgen, obwohl sie sich gerne für so speziell halten.

Aber egal – die Idee, die vor allem Johnson in GB zu Beginn des Corona-Ausbruches noch überzeugt vertrat – vielleicht First-Information-Bias seinerseits – ist ja mittlerweile eher wieder vom Tisch, scheint mir. Es geht ja so schnell! Als Natascha Strobl vorgestern auf Twitter schrieb:
“Und wann ist der Konsens von „so wenige Neuinfektionen wie möglich, davor nachforschen und isolieren“ zu „Eigentlich hatte Johnson recht – Herdenimmunität“ gegangen?”
hab ich noch heiter daruntergesetzt:
“Ich meine, nichtmal Johnson glaubt, dass Johnson recht hatte.”
Das gilt mittlerweile eventuell umso mehr, seit Johnson erfahren hat, dass Johnson selbst mit dem Virus infiziert ist.

Währenddessen im Amiland
Schaut man über das größere Wasser nach Westen, wundert man sich über ganz andere Ansagen. Das Agieren des seltsamen Präsidenten seit Ausbruch der Pandemie, das Beschwichtigen und Herunterspielen, als wäre das Virus eine Fliege und die USA wären Chuck Norris; die seines Amtes mehr als nur unwürdigen Ausbrüche vor Presse und Publikum, zB als er gefragt wird, was er den Menschen zu sagen hat, die Angst haben… dabei bleibt mir zusehends die Spucke weg.
Aber da kann man mal sehen, was passiert, wenn einer, der nicht ganz stabil ist, sein Mitgefühl mit Angstbetroffenen kontaktieren soll und dabei unangenehmerweise an seine eigene Angst erinnert wird.

Noch spuckeloser macht es mich aber, dass der seltsame Präsident neuerdings findet, man könnte doch auch mal ein paar (Tausend) Menschen zum Wohle der Wirtschaft über die Klinge springen lassen.
Dazu möchte ich Folgendes anregen:
Wer fordert, dass infizierte Menschen sich und ihr Leben doch gefälligst für die Wirtschaft im Lande opfern sollen, sollte vor allem eines:
Mit gutem Beispiel vorangehen.

Nun noch ein Anekdötchen:
Plausch mit Mutter. Mutter stellt fest, sie sei jetzt erst draufgekommen, welcher Unterschied sprachlich zwischen EPIdemie und PANdemie bestehe.
(Exkurs: epi: “aus der Mitte heraus”, für ein lokal begrenztes Phänomen; “pan”: alle, jeder; für ein länder- und kontintentübergreifendes; “demos” darin jeweils: Volk)
Sage: “Du bist ja so gscheit!”
Sie: “Geh naaa, dann denk i ma eher: Geh bitte, was habidn bisher gwusst eigentlich?”
Fasse zusammen: “Gö? Kaum is ma gscheiter wordn, hoit ma si aa scho für an Trottl.”

Aber Sokrates konnte ja gar kein Wienerisch. Russisch übrigens auch nicht, ich hingegen kann den angedeuteten Sokrates-Spruch auch auf Russisch zitieren. Das tu ich aber nur mündlich. Klingt auch viel schöner als schriftlich.

Eins meiner Lieblings-Fun-Facts ist ja, dass Sokrates auf Russisch “Sakrat” heißt, was ein bisschen nach einem despektierlichen Ausdruck für einen Insektenbefall an intimen Körperstellen klingt. All das lernte ich anno dazumal natürlich, wie es sich für ein Kind der 70er gehört, in der legendären ORF-Sendung “Russisch” mit der strengen Lehrerin mit dem zarten Oberlippenbart. Das Zitat und den Namen lernte ich da. Nicht das mit den Krabbeltierchen natürlich.
Plädiere daher hiermit für die Ausstrahlung von historischen Russisch-Wiederholungen zur lehrreichen Ausgangsbeschränkungsüberbrückung.

Natürlich könnte ich auch mit dem angemessenen Ernst einer Zeitzeugin von der Lage in Österreich berichten, habe ich doch in der letzten Woche meine Zeit großteils mit Sozialpartnervereinbarungen, Kurzarbeitsanträgen und den dazugehörigen Richtlinien und Berechnungen verbracht. Könnte darüber also ausführlich schreiben. Würde die Lektüre dieses Erfahrungsberichtes aber niemandem zumuten wollen. Denn wenn unsere Regierung sagt, dass das ganz unbürokratisch wird, dann meint sie das auch nicht.

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Corona – zwo

Dieser Artikel ist Teil 2 von 9 in der Serie "Corona" ...

Daheimbleiben – wird das Wetter mitspielen?
Ab morgen, Samstag, wird das Wetter grob umschlagen, und das wird so schmerzhaft, wie es klingt – mit 10 Grad weniger und Regen. Die letzten Tage waren ja wunderbar warm und sonnig. Da fällt es den Menschen natürlich schwerer, die Ausgangsbeschränkungen zu befolgen und zu Hause zu bleiben, wie sie es sollen. Natürlich ist ein Spaziergang “erlaubt”.

Auf Social Media kursieren Fotos von Menschentrauben, die sich scheinbar fröhlich am Donaukanal oder in anderen Erholungsgebieten Wiens tummeln. Ob der empfohlene Sicherheitsabstand von einmal meiner Körpergröße da eingehalten wird, lässt sich schon aufgrund der Perspektive schwer erkennen.
Über diesen Fotos steht oft geschrieben, wie dumm und selbstsüchtig diese Menschen seien, und wie sehr sie andere gefährden. Der/die Fotograf*in selbst ist hingegen nie im Bild, was wohl die eigene Daheimgebliebenheit unterstreichen soll. Eventuell markiert das den Beginn einer plötzlichen Trendwende weg vom Selfie. Wer will sich schon selbst denunzieren?

Als Sonnenmensch freu ich mich natürlich auch über Wärme und Sonnenschein. Man muss aber auch da vorsichtig sein, mir ist nämlich schon passiert, dass das Klimafreunde ärgert, die ihr Engagement mehr im urteilenden Aktivismus sehen. Weil, wie kann man sich bloß über klimawandelbedingtes Wetter freuen? Verwerflich. Habe daher testweise aufgehört, mich darüber zu freuen. In dieser Zeit fiel mir auf, dass es auch dann schön ist, wenn ich mich nicht freue. Seither freue ich mich wieder, erzähle es aber nur noch meinen engsten Vertrauten.

Nur Ältere gefährdet?
Habe einen Artikel in der ZEIT gelesen, in der die Sterbestatistik aufgrund des Coronavirus aus Deutschland besprochen wurde. Darin hieß es, Menschen mit Vorerkrankungen wie Bluthochdruck, Diabetes und Herzkrankheiten seien stärker gefährdet, besonders wenn sie obendrein älter sind.
Und dann stand da der bemerkenswerte Satz: “Wer über 80 war, starb besonders häufig.” Hoffe dennoch weiterhin, man stirbt nur einmal, oder wenn doch nicht, dann höchstens seltener, und nicht häufig. Ein Freund merkte daraufhin an, dass einmaliges Sterben eventuell zu einer nachfolgenden Immunität gegen das Sterben führe. Die Studien sind sich dazu aber noch nicht einig.

Bei der Rückkehr von einer Hunderunde traf ich die alte Dame aus dem dritten Stock, die gerade mit Mundschutz und Gummihandschuhen im Stiegenhaus zugange war. Aus dem Gespräch ergab sich, dass in Bezug auf den persönlichen Gefährdungsgrad ein gewisses Konkurrenzdenken herrschen dürfte, was sie mir letztlich mitteilte in Form eines: “Owa, Sie! Se san do no net so oid wia i!”
Dann fuhr sie fort, die Lichtschalter und Geländer im Stiegenhaus zu desinfizieren. Habe das zuvor schon andere Nachbarn machen sehen, mit unterschiedlich neuwertig wirkenden Fetzen. Benutze die Lichtschalter jetzt gar nicht mehr.

PS:
Wer lieber richtig informative Links und wissenschaftliche Artikel lesen möchte als meine unernsten Betrachtungen, schaue sich zB bei Felix im Wiener-Alltag-Blog um.

PPS:
Am Land habe ich mehr Möglichkeiten, in die Natur zu gehen, ohne versehentlich eine Traube mit anderen Menschen zu bilden. Bin mir also meiner vorteilhaften Lage bewusst, fühle mich daher eher zur Erleichterung berufen als zum Panikmultiplikator. Poste darum auf Twitter winzige Videos für alle, die gerade nicht in der Natur auftanken können.

Und natürlich Flauschbild(er) von Conny.

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Etoshalender beim Santa Flausch – Weihnachtsmarkt 2019!

etoshalender2020 Die brandneuen Etoshalender 2020 sind eingetroffen! Und sie sind sehr schön!

Wie immer hat der Kalender zwölf unglaublich tolle A3-Seiten mit liebevoll selbstgemachten und herzverlesenen Fotos, und als Draufgabe ein buntes Deckblatt! Wie gewohnt mit Schutzfolie vorne, Spiralbindung, in elegantem Schwarz. Passt garantiert in jedes Büro und jedes Wohnzimmer :)
Das Thema 2020 ist Wasser.

Und wie immer beginnt der Etoshalender im Februar und endet im Januar, damit man auch gemütlich Zeit hat, seine Liebsten damit zu beschenken.

Zu kaufen gibt’s meine Kalender heuer erstmals auch von mir persönlich, live und in Farbe, und zwar… da!

SantaFlausch Flyer

Einer der Künstlertische dort ist meiner! Ich werde nicht nur Etoshalender 2020 dabeihaben, sondern erstmals auch edle Posters von meinen Fotografien. Vielleicht auch ein paar meiner Airbrush-Bilder.
Federgeist! Glitzerflausch!
Und obendrein ein paar ausgesprochen glitzerflauschige Überraschungen von meiner Künstler-Freundin Nicole!

Ich freu mich drauf, euch dort zu sehen!

Alle Infos zum Santa Flausch – Weihnachtsmarkt gibts auf der Website der Roten Kapelle.
Bitte dort insbesondere auch die Hinweise zur Erreichbarkeit beachten! Man braucht ein bisschen Entschlossenheit, um die Location zu finden. Lohnt sich aber, wird nämlich mit Punsch und Keksen belohnt! Natürlich gibts auch andere heiße Getränke – und nicht zuletzt eine Menge famose Kunst und Kunsthandwerk, und das alles für gute Zwecke. Und indoor, man muss also nicht frieren (man darf aber, mit seinem Punsch vor der Tür, wenn man will).

Das wird mit Sicherheit der flauschigste Markt des Jahres!

Und natürlich ist #SantaFlausch auch auf Twitter! Wer folgt, wird geflauscht :)

Kommt alle und sagt es weiter!
Eine Einladung per Mail zum Weiterleiten – mit Flyer und allem Drum und Dran – lasse ich euch gerne zukommen!
Mailt mir dazu einfach! -> etosha ÄT weblog.co.at

Natürlich könnt ihr eure Kalender wie gewohnt auch mit einem einfachen Mail an die genannte Adresse bestellen.
Ein Exemplar kostet 22€, die Gewinne werden von mir gespendet.

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Woher der Zuspruch?

Auf einen Artikel bei der Frau @KatQuat aka FireRedFriederike hab ich heute einen langen Kommentar hinterlassen… und werde irgendwann nicht mehr wissen, dass ich das nicht hier gebloggt hab, sondern dort kommentiert. Daher hier mein Kommentar, für meine Suchfunktion.

Kurz zitiert gings darum:

Ist es nicht außerordentlich eigenartig, dass eine Partei wie die ÖVP, die – zusammengefasst – sagt „Kümmert euch um euch selber und wer das nicht zusammenbringt, ist selber schuld“ einen derartigen Zuspruch erfährt? Die das Dogma „sich um Schwächere kümmern“ so komplett pervertiert und aus der Pervertierung die Erzählung von Erfolg strickt?

Ich greif mal kurzerhand einen Aspekt heraus: Die Geschichte vom leistungsstarken Idealbürger und seinem “sozial schwachen” Gegenstück, das ersterem immer nur in der Tasche hängt, ist voll aufgegangen, in allzu vielen Gehirnen. Ist es nicht immer stärker scham- und angstbesetzt, Hilfe zu brauchen? Umso mehr, je öfter dir erzählt wird, dass du es doch alleine schaffen können musst. ZB von Leuten, die es ja auch geschafft haben – unter welchen Umständen, lassen sie sehr gerne unter den Tisch fallen, weil die erhaltene private Unterstützung von 0-25 ja wiederum aus “Leistung” stammte, qua Eltern quasi den eigenen Kreisen zuzurechnen sind. In manchen Kreisen steht die Unterstützung so selbstverständlich zu, dass man deren Funktion als jahrelange Starthilfe komplett negieren kann.

Schwupps, und plötzlich stehen sie auf eigenen Beinen und denken: Na, das war doch eh ganz leicht! Daraus folgt ein Nichtzuständigseinwollen für andere, die “nur kosten und nix beitragen”, weil: “Um mich hat sich der Staat(!) auch nicht gekümmert, und ich habs trotzdem geschafft”.
Leute, für die sich ihre gesamte Erfahrung von “Ich hab kein Geld” darauf beschränkt, dass sie gerade keines dabei haben.
Die Adelung zum Leistungsträger obendrauf, Platzen vor Stolz, Ende der Solidarität.

Ja, sie ist in der Tat außerordentlich eigenartig, die Sache mit dem Zuspruch, die du als Kernpunkt definierst. Hab dazu auch gebloggt, noch vor der Wahl, weil auch mir nicht eingeht, dass so viele Leute die Story “endlich geht was weiter” weitererzähl(t hab)en.

Es wird nicht in die Tiefe geschaut, sagte mir dazu jemand – nein, es wird nichtmal knapp unter die Oberfläche geschaut. Was die Sozialstaat-Demontagen aus dem letzten Jahr tatsächlich bedeuten, ist (fatalerweise für diese Wahl) noch gar nicht lange genug am Wirken, das werden viele erst checken, wenn sie das nächste Mal beim AMS sitzen. Bis dahin glauben sie die Erzählung, dass den Bösen extra was weggenommen wurde, damit für sie, die Fleißigen, mehr bleibt. Sie merken nicht, dass sie während der geilen Zaubertricks auch immer die andere Hand hätten im Auge behalten müssen.

Ich meine, es ist der gewollte Effekt des liberalen Narrativs, und dem konnten sich über die Jahre auch sozialdemokratische Hirne nicht entziehen – nach außen hin müssten wir Soli sein, aber jeder kämpft für sich allein. Gehts nicht auch da vor allem um persönliche Vorteile? Um die first-hand-Angebote von Genossen? Wo soll da unter “Was kannst du für mich tun?” noch Raum gefunden werden für ein “Was können wir für die Menschen tun?” Geht’s den meisten aufgrund genau dieses Netzwerkes ZU gut? Ich vermute, ja. Sonst wäre man revolutionär laut geworden, auf die Barrikaden gegangen, hätte Revidierungen jedes einzelnen Punktes gefordert und versprochen; den Leuten hörbar vermittelt, was da gerade ratzfatz passiert ist.

Nun müssen die, die vom Kümmern profitieren, ja für ihre Annäherung an die Adelung zu Leistungsträgern vor allem eins: hackeln. Da bleibt eben nicht viel Zeit fürs Kümmern darum, was da politisch eigentlich genau passiert. Viele von ihnen glauben daher wohl lieber die einfachen Geschichten, auch wenn sie erfunden sind – und nicht die komplexen.

— Ende Kommentar.—

Zusatz:

Vielleicht ist diese Sozialdarwinismus ein Ausdruck einer Mentalität der FürImmerJung-Illusion – dieser dummdreiste Glaube, den Menschen haben, die noch nie richtig krank waren, die in Fülle aufgewachsen sind und bis zum Antritt der ersten gutbezahlten Stelle finanziert worden sind.

Ich kanns auch “allein” schaffen, ich brauche niemanden, es ist peinlich, wenn ich jemanden brauche oder es nicht allein schaffe. Und was für mich gilt, muss für die anderen auch gelten.

Daraus entsteht dann vielleicht genau dieses Ideal der Fehlerlosigkeit, der Perfektion, die nicht zu erreichen ist, und jeder kämpft nur noch für sich selbst, weil die anderen nur mehr als Perfektions-Kontrollinstanz (=Bestätiger) fungieren (dürfen) und nicht mehr als Beistand und Kümmerer.

Und Geldadel. Wer sich Pflege, Kinderbetreuung, Gesundheit auf privater Ebene leisten kann, private Krankenversicherung und alles Pipapo, hat auch weniger Angst davor, was passiert wenn…

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Handgemenge

Ich wurde gestern gefragt, warum die “linke” Twitter-Bubble hierzulande sich intern derzeit so zerrauft, warum darin so viel Aggression und Streit herrscht. Ich habe erklärt, was ich für den Grund halte, und wurde daraufhin eindringlich gebeten, das zu bloggen. Also blogge ich es.

Es geht dabei nicht nur um Social Media, sondern um eine Gesellschaft. Twitter-Bubble kann hier stellvertretend für alle kleinen und größeren Gruppen stehen, schätze ich. Familien, Freundeskreise, Arbeitsgruppen, Vereine, vielleicht sogar Parteien… Die Wege sind dann vielleicht andere, das Prinzip bleibt vermutlich gleich.

Mich mit dem, was zu fremd ist und mich zornig macht, weiter abzugeben, kostet mich auf Dauer zu viel Zeit, Kraft und Nerven. -> Schotten dicht.
Die erste Auftrennung in Richtig und Falsch ist damit schonmal geglückt – wir verschließen unsere Bubble-Grenzen: Alles, was extrem rechts ist und hetzt oder provoziert, Grenzen verletzt, entwürdigend beleidigt und unverhältnismäßig attackiert, wird geblockt. Legitim, denn meine Bubble suche ich mir immer noch selber aus, auf Social Media ebenso wie im echten (Privat-)Leben.

Oft wird davor noch “diskutiert” bzw “zurückgeschlagen” – mit harten Bandagen, weil jeder weiß, dass mit ExtremRechts nur schwer zu diskutieren ist: Affekte wie Sorge und Angst werden da dreist zu politischen Argumenten aufgebläht, Menschenverachtung und Übergriffigkeit als freie Meinung kostümiert und die Aggression daraus unreflektiert auf gruppierte Ziele entladen. Man gewöhnt sich schnell an, darauf – wenn überhaupt – nur sehr harten Konter zu geben.

Völlig dicht ist die Bubble ja nie. Die Attacken gehen weiter, wenn auch aus anderer Richtung. Die zornige, aggressive oder oft auch hilflose Energie aus den übrigen Interaktionen brodelt in uns weiter – und wird entsprechend kommentiert. Sie wird damit ständig in die Bubble importiert und schließlich auf deren Mitglieder projiziert. Ausagiert wird all das innerhalb der weitgehend abgeschotteten Bubble. Grenzüberschreitungen und Methoden* aus dem Umgang mit ExtremRechts werden dabei mitunter 1:1 für Zwiste innerhalb der Bubble übernommen. Und der angewöhnte harte Konter lässt einen womöglich in der nächsten Diskussion mit einem Bekannten vergessen, wen man vor sich hat.
*Etwa “Anprangerungen” wie Nonmentions und Screenshots statt Tweets mit Link, auf die der Gemeinte auch reagieren könnte.

Kurz gesagt, “friendly fire” wird allzu unbedacht eröffnet, und Zack! Alles zersplittert. Und wie soll eine zersplitterte Gesellschaftsgruppe gemeinsamen Widerstand leisten?

Die linken Fraktionen fahren oft kein vehementes Programm, eines mit eigener Sprache und eigenen Werten, das sich Raum verschaffen würde, sondern liefern nur Kritik oder gar segmentweise Anbiederung an rechte Standpunkte – sie, die es doch besser wissen müssten und sowas beherrschen sollten! Daran stören wir uns!

Und wir schaffens im Kleinen genausowenig. Warum? Weil wir tagtäglich fremdes Gift von Außerhalb mit “nach Hause” bringen, einerseits die fremdinitiierte Aggression, andererseits die fremden Denkmuster, an denen wir unsere Kritik festmachen – und mit der wir diese Denkmuster weiter verstärken!

Denn auch die toxischen, fremden Inhalte werden in die Bubble importiert – in Form von Zitaten, “Einzelfällen”, “Entgleisungen”, Artikeln, Schlagzeilen und deren Interpretationen.
Wie im letzten Blog-Eintrag ausgeführt, beeinflusst das ständige Wiederholen von vorgefertigten Deutungsrahmen/Frames* sowohl die Ausprägungen unserer neuronalen Netze als auch in weiterer Folge unsere schiere Wahrnehmung der Wirklichkeit! Wir nehmen buchstäblich die Wirklichkeit gefiltert wahr, gefiltert nach Rahmen und etablierten Denkmustern. Welche sich etablieren, bestimmt die Wiederholung. Welche Filter wirken dürfen, bestimmt nicht das logische Nachdenken!

Jeder kennt die beinah sprichwörtliche Aufforderung, jetzt nicht an einen rosa Elefanten zu denken, und weiß, wie wenig sie funktioniert. Auch Frames werden auf diese Weise im Hirn aktiviert – durch ihre schlichte Erwähnung. Da hilft kein “nicht” und kein “kein” davor, eine Negierung – wie stark sie auch immer sein mag – ist nicht in der Lage, die Aktivierung eines Frames zu verhindern. Daraus folgt: Selbst wenn wir eine Aussage empört wiederholen, verstärken wir damit die erleichterte Aufnahme der kritisierten Kacke in die Gehirne aller! Durch unsere Wiederholung und damit Aktivierung des abgelehnten Denkmusters in unserem eigenen Gehirn und in dem der Leser findet das Muster ganz von selber seinen Weg in die Normalität.
* Willkürliche Zusammenhänge, sprachliche Umdeutungen, Herabwürdigungen, absichtlich auf weitverbreitete Assoziationsketten abzielende Begriffe, insgesamt: Denkmuster.

Und nein, dagegen ist niemand immun. Du nicht. Und ich auch nicht. Auch politische Experten nicht.
Es ist uns auch ein bisschen peinlich, dass man (mithilfe von simplem “Priming” zB) mit unseren Hirnen einfach so Sachen machen kann, ohne dass wir es wollen. Diese Mechanismen zu ignorieren und uns selbst eine freie Wahl der Denkmuster zu bescheinigen, ist weitaus leichter, als diesen Mechanismen ins Gesicht zu sehen. Das ist menschlich! Aber es muss uns zu allererst bewusst werden, dass jeder Pfad, der in unseren Gehirnen ausgeleuchtet und weiter ausgetreten wird – i.e.: unser Denken – extrem von außen beeinflusst ist, mit jedem Wort und jedem Satz, den wir hören und lesen. Und damit auch jeder Satz, den wir daraufhin ausspucken. Wenn wir das nicht (an)erkennen und unser Sprach- und Schreibverhalten danach drastisch verändern, fungieren wir als Multiplikatoren der anderen Seite, statt uns eindeutig zu positionieren. Und wir merken es noch nichtmal.
(Bitte lest dazu (nochmal) die ersten paar Kapitel von “Politisches Framing”! Bitte!)

Zur lösungsorientierten Überlegung trägt ein Gedanke wesentlich bei: Man erhält Antwort auf das, was man fragt. Im Vergleich zur Frage “Warum?” erhält man die besseren Antworten auf die Frage: “Was?”
Was kann da helfen? Was kann ich selber tun? Was können wir dann gemeinsam tun?

Ich werfe mal ein bisschen was in die Runde: Erstmal Bewusstmachung!
Reflexion – Hinterfragen des eigenen Empfindens und Handelns. Selbstkritik. Affektkontrolle.
Wo kommt das her? Welchem Denkmuster entspringt es? Ist es eines, das ich transportieren und verstärken will? Wie verleihe ich mir am besten Ausdruck? Und wie nicht?
Zeitlicher Idealpunkt dafür: Vor der Interaktion mit anderen. Vor dem Abschicken eines Tweets, einer Reply, eines Mails.
Input-Management: Wie viel meiner Zeit und Aufmerksamkeit widme ich fremden Denkmustern, die ich mir freiwillig oder unfreiwillig täglich reinziehe? Wo liegen meine Grenzen? Was funktioniert am besten als Ausgleich?

Und auch: Wieder öfter das verstärken, was Aufmerksamkeit verdient hat.
Es ist ein alter Hut: Es gibt keine “schlechte Publicity” – es gibt nur Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit oder eben keine Aufmerksamkeit. Freilich kann man nicht alles, was einem nicht passt, totschweigen. Aber auch nicht alles davon muss hervorgezerrt und kommentiert werden. Nicht, während wir immer noch zu wenig von dem dagegenstellen, was für uns tatsächlich von Wert ist.

Es liegt nicht daran, dass wir keine gute Streitkultur hätten. Es liegt daran, dass wir dem Wind, der uns zerzaust, ungeschützt ausgesetzt sind, ohne dass es uns überhaupt bewusst wird, und dass wir dagegen noch keine guten Strategien haben. Also tun wir weiter so, als wären wir unzerzausbar, während wir schon aussehen wie ein Mopp, mit dem man auch gut in die Ecken kommt. :)

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Ich kann dazu gern noch weiter differenzieren und ins Detail gehen. Denn auch wenn es so wirken mag – ich meine es nicht schwarz-weiß. Es wird aber vielleicht schwarz-weiß interpretiert, weil alles derzeit gern schwarz-weiß interpretiert wird.

Allerdings war ich gestern in diesem Gespräch, das sich noch am Parkplatz fortsetzte, schon erstaunt von dem Statement: “Ich hab das so noch nirgends gelesen! Das müssten alle hören, schreib das!”. Sogar eine anonyme Zuhörerin hat sich aus dem Dickicht immer näher an das Gespräch herangepirscht und uns schließlich nach dem konkreten Anlass und mich nach dem Blog-Link gefragt.

Meine Einträge neigen bekanntlich aber ohnehin zu überbordender Länge. :) Also schick ich’s einfach mal so raus und schaue, ob das vorhergesagte Interesse tatsächlich eintritt – und auf welche Komponente(n) es sich richtet. Bitte sehr gern in die Kommentare damit! Auch Twitter-Kommentar, Twitter-DM oder E-Mail (etosha ÄT weblog.co.at) geht natürlich. Merci! <3

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Foto Know-How: Langzeitbelichtung & ND-Filter

Eigens für alle, die sich für Langzeitbelichtungen interessieren, aber damit noch keine Erfahrung haben – und speziell für meine Twitterfreunde @BirgitMathon, @evakalla und @oleschri (ich weiß, dass du nicht danach gefragt hast, hihi) – hier eine kleine Starthilfe – Tipps und Tricks für das Fotografieren mit einem ND-Filter.

Zum Prinzip:
Drei Faktoren beeinflussen bekanntlich die Belichtungszeit:

  • Das Umgebungslicht
  • Die Blendenöffnung (“f-Wert” – größerer Zahlenwert = kleinere Öffnung!)
  • Der ISO-Wert (Nachgebaute “Lichtempfindlichkeit des Films”)

Der englische Begriff für Langzeitbelichtung lautet “Slow Shutter Speed”, der ist aber irreführend. Denn der Kameraverschluss bewegt sich dabei nicht langsamer als sonst – er bleibt nur länger offen.

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Hier, bei der Arbeit!

Ja, ich bin noch da, aber ich bin aus naheliegenden Gründen viel mit meiner Vorbereitung für Twittkultur beschäftigt!

Meine Texte hab ich vorbereitet und so zurechtgestutzt, dass sie in mein 12-Minuten-Zeitfenster passen. Und ich übe das Vorlesen, damit noch schnell ein wenig motorisches Gedächtnis angelegt wird, sodass ich auch im lampenfiebrigen Zustand meinen Text noch rausbringe, wenn die letzten zwei Hirnzellen sich panisch kreischend vertschüsst haben.

Diesen Freitag, 21.11., 19:30h, Wien! Nicht verpassen!