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Leistungskult

Ich hatte in letzter Zeit bei verschiedenen Gelegenheiten den Leistungsgedanken auf dem Tisch. Wurde unter anderem gefragt, was daran so problematisch sein soll. Und: „Wenn ich jeden (Mitarbeiter) uneingeschränkt für sein Da-Sein wertschätze, unabhängig von seiner Leistung – wer soll dann die Arbeit machen?“

Niemand wird bestreiten, dass es Sinn ergibt, in jener Umgebung Leistung als Wertmaßstab anzulegen, in der es um Leistung geht – in der Wirtschaft. Doch selbst da wird unfair umgesprungen mit den Begrifflichkeiten. In unseren Breiten ist mit „Leistungsträger“ nur derjenige gemeint, der viel Geld verdient und daher „stark ist“, weil er ja „trägt“ – wohingegen all jene, die „nur“ viel leisten, aber wenig verdienen, in dieser Deutung schonmal durch den Rost fallen. Kein Träger, nicht stark, keine Leistung.

Womöglich muss man sich sogar fragen, ob der Kampf um gleiche Bezahlung bei gleicher Arbeit, den Feministinnen seit Jahrzehnten führen, nicht ein aussichtsloses Kämpfen ist um einen Wert innerhalb eines Wertesystems, das von der privilegierten Gruppe geschaffen wurde, um genau solche Wertunterschiede herauszuarbeiten. Die Rechnung würde dann gar nicht aufgehen können, weil jedes Berufsfeld, das von Frauen erobert werden kann, als Antwort auch abgewertet werden kann.
Aber abseits von Frauen und Männern: die Wahrscheinlichkeit des sozialen Aufstiegs steigt generell mit den initial vorhandenen Privilegien. Es ist nicht für jede(n) Dahergelaufene(n) so, dass Leistung und Fleiß sich automatisch auch auszahlen.

Das Prinzip wird aber auch auf vieles andere übertragen – beispielsweise auf den Staat und seine „Leistungen“ als „Dienstleister“, womit Bürger und Bürgerin zu Kunde und Kundin werden, die nur bedient werden, wenn sie die entsprechende Zahlung auch leisten können – oder vorab leisten konnten.

Soziales Netz, von wegen! Das klingt, als würde jemand, der sich auf seine Arbeitslosenversicherung verlässt, leichtsinnig unnötige Risiken eingehen, wenn er sich ins dieses Netz fallen lässt – immer schön nach unten mit den Nutzlosen – und damit den anderen automatisch und sofort zur Last fallen. Dabei, au contraire, stellt er sich schlicht jenen Risiken, die ein ganz ordinäres Arbeitsleben eben so mit sich bringt: Arbeitsunfähigkeit, Krankenstand, Entlassung, eigene Kündigung, Jobwechsel aus allerlei Gründen. Der Arbeitnehmer trägt mit seinen Beiträgen zu diesem sozialen Netz bei, ist ein Teil davon! Und er muss diese Risiken eingehen, weil ihm ja auch nichts anderes übrigbleibt, wenn er nicht zufällig mit dem Silberlöffel im Mund geboren wurde.
Die Arbeitslosenbeiträge bei Wenigverdienern werden nun aber gesenkt oder überhaupt erlassen – ein bitteres „Zuckerl“, wenn man bedenkt, dass dafür die (Versicherungsvergütung) Notstandshilfe abgeschafft und stattdessen in der (Sozialleistung) Mindestsicherung untergebracht werden soll. Denn auch dann kann der Staat leichter behaupten: Die haben ja auch nichts beigetragen. Mehr Abhängigkeit vom Gutdünken des angeblichen Dienstleisters Staat – und damit auch von seinem Ansinnen, im Antragsfall erstmal auf das Vermögen des Bittstellers zuzugreifen oder ihn anzuweisen, dieses erstmal zu verbrauchen, bevor er „vom Staat was will“. Vulgo: Eure Armut kotzt uns an.

In Extremfällen wird die ganze Lebensberechtigung eines Menschen darauf gegründet, ob er (wem?) nützlich sein kann oder nicht. Eines Menschen, nicht eines Arbeiters! Inklusion ist wichtig, die Rhetorik drumherum zielt aber auch häufig darauf ab, „den Wert“ jener Menschen hervorzuheben, die von der Norm der Mehrheitsgesellschaft abweichen, vielleicht um die gesellschaftliche(?) Akzeptanz zu erhöhen – über den Leistungsgedanken. „Kann was hackeln, ist also nicht völlig sinnlos auf der Welt“ ist ein sehr rudimentärer Gedankengang – aber er wird von Menschen gedacht, jeden Tag.

Oder geflüchtete Menschen – sie sollen arbeiten, weil sie das System sonst „nur ausnutzen“ (dürfen das aber je nach Asylstatus oft gar nicht); wenn sie dann aber tatsächlich arbeiten, sind sie der Rechten ein Dorn im Auge, weil sie dann ja doch was beitragen; und dann werden diese Menschen trotz zB vorhandener Lehrstelle abgeschoben. Sie sollen unsere Sprache sprechen und das auch beweisen können, aber das Erreichen dieser Leistung wird vom Staat nicht mehr finanziell unterstützt.

Übertragen wird das Prinzip aber auch aufs Privatleben – auch hier: auf Menschen, nicht auf Arbeiter. Auf Menschen in einem Umfeld, das von Liebe, Respekt und Toleranz geprägt sein sollte, nicht von Leistungsdruck. Von „Wer macht mehr im Haushalt?“ bis hin zu „Und, wie war ich?“ durchzieht das Prinzip Leistung auch noch unser intimstes Privatleben wie ein Furz, der einfach nicht vergehen will.

Dann ist jener Mensch in einer Beziehung, der „weniger leistet“, plötzlich auch weniger wert – und mit weniger leisten ist auch hier nicht gemeint: in Arbeits- oder Tätigkeitszeit, sondern: in Euro. Denn die Tage auf der Erde haben bei allen nur maximal 24 verwertbare Stunden. Eine Abwärtsspirale, denn die unproduktiven = nichts oder wenig einbringenden Tätigkeiten übernimmt dann sinnvollerweise der (meist die-)jenige mit dem ohnehin schon niedrigeren Stundensatz, weil der mit dem höheren freilich stets „Besseres zu tun hat“. Die Bewertung ist hier sehr offensichtlich. Damit bleiben traditionell prestigearme (warum bloß?) Hausarbeit, soziale Belange, die Pflege von Kindern oder alten oder kranken Familienmitgliedern, Besorgungen, das Warten auf Handwerker, Wasserableser oder Paketdienst bei dem, dessen Zeit ohnehin nicht so viel wert ist. Es wirkt wie ein Naturgesetz – nur dass es keines ist! Geld ist bedrucktes Papier, keine natürliche Erscheinung.
Überlegt euch doch mal, wie sehr dieses Prinzip tatsächlich auch unser Privatleben bestimmt, wie buchstäblich bis in die hinterste Schlafzimmerecke alles davon durchwirkt ist, dass „der Markt das regelt“!

Und nicht nur die Zuständigkeiten. Ständiger Wettbewerb auch im Privatleben: besser sein, klüger sein, mehr wissen, besser können, die bessere beste Freundin sein wollen, der bessere Schachspieler… der greifbare Triumph des Wertvoller-Seins lockt die Selbstbewertung in den beharrlichen Vergleich mit anderen und lässt Wünsche nach Gemeinsamkeit, Teamwork, Augenhöhe und Intimität darben und letztlich verhungern. Das Leistungsprinzip schafft unglückliche Beziehungen und abgewertete PartnerInnen, weil die Mär nicht ausstirbt, dass nur ein potenter Ernährer und Beschützer, der im Konkurrenzkampf obsiegt hat und etwas darstellt, auch etwas wert ist und eine Frau abkriegen wird. Dass seine Zeit rar ist, macht ihn freilich noch wertvoller als zB die einer Frau, die „sowieso da ist und Zeit hat“. Das schlägt sich nicht nur bei Entscheidungen nieder, sondern auch im Umgang, in der Ausdrucksweise, in den Selbstverständlichkeiten, in einer fortgesetzten Privilegienblindheit, die als ganz normaler Anspruch gelebt wird.

Als ein Mensch, der aus gesundheitlichen Gründen nicht voll leistungsfähig ist, ohne dass der Staat mir da irgendein Netz gespannt hätte, bekam ich dieses Gefälle besonders deutlich zu spüren. Da liegt manchen zu allererst die Behauptung nahe, dieses Gefühl wäre inneren Ursprungs, die anderen würden das ja gar nicht so sehen – es wäre sozusagen nur in meinem Kopf. Oder es wäre damit gar die „Richtigkeit“ des Leistungsgedankens bestätigt.
Aber das ist so nicht. Die anderen sehen das gar nicht so, weil sie es sich nie bewusst gemacht haben. Weil sie das Leben aus dieser Perspektive nicht kennen. (Noch nicht.)

Ja, du fühlst dich tatsächlich irgendwann unterlegen, wenn du nicht gleich viel zum gemeinsamen Leben beitragen kannst. Du erlebst, wie derjenige die Entscheidungen trifft, der das Geld hat, und du dazu aufgefordert wirst, „wenigstens auch irgendwas beizutragen“ – zumindest, indem du dich gefälligst diesen Entscheidungen widerspruchslos fügst, aber auch, indem du sie „unterstützt“ – was in der Praxis fix bedeutet, dass dir die Anwesenheit, Arbeit, das Ertragen und die Aufsicht bleibt über Dinge, die du selbst nicht mitentscheiden durftest.
Daraufhin versuchst du gleichzuziehen, wobei du mitunter die eigene Gesundheit noch weiter zerstörst. Du möchtest dich nicht rechtfertigen müssen, warum du dieses oder jenes weggeworfen hast, wo du es doch nicht bezahlt hast. Oder auch, warum du etwas aufheben möchtest.
Daraus folgt in zugespitzter Form: Nur wer das Geld hat, kann sich auch eine eigene Meinung leisten. Alle anderen tun das, was ihnen gesagt wird.
Am Ende wird dir deine „Leistung im Haushalt“ mit einem Putzfrauen-Stundenlohn abgerechnet und diese Summe als Abfindungsleistung bei einer Scheidung vorgeschlagen. Natürlich nicht für alle Jahre, nur für die letzten fünf.

Das prägt sich ein, nicht nur in Form von einzelnen, konkreten Aussagen, sondern auch mit der gesamten Dynamik, die daraus oft ebenso unmerklich wie unweigerlich entsteht. Diese Atmosphäre schafft den erwünschten Spin hinter der eigenen Stirn: dass du als chronisch kranker Mensch weniger wert wärst und deshalb weniger mitzureden hättest, dir mehr gefallen lassen müsstest, weil du „nicht mehr verdient“ hättest und ja „erhalten werden“ müsstest. Und dieser Gedanke, der mehr zu einem Gefühl wird, bleibt auch dann erhalten, wenn das schon gar nicht mehr zutrifft.
Unbemerkt bleibt von den Leistungswert-Anbetern gern, dass so ein Mensch mit diesem (oft fremden) Leistungsgedanken im Kopf die vermeintliche Schuldigkeit oft doppelt und dreifach tut – in Form von ausgleichenden Gratisleistungen, die oft als selbstverständlich genommen werden, aber zusätzlich als Zurückhaltung, Geduld, Unterordnung, vorauseilender Gehorsam, Lebenszeit – und das auch noch freiwillig, weil nach und nach in ihm das Gefühl entstanden ist, eine Schuld zu tilgen zu haben, die er nie zurückzahlen kann. Und weil er das Gefühl für den initial durchaus hohen Wert der eigenen Zeit selbst allmählich verloren hat, für den Wert von Ideenreichtum, Lösungsvorschlägen, Mithilfe und Bereitung hindernisfreier Wege für andere Familienmitglieder.

Was der weniger leistungsfähige Mensch allerdings nicht verliert – und dafür bin ich meiner früh im Leben aufgetauchten Erkrankung tatsächlich dankbar – ist das Gespür für die Balance, die es braucht, um das Leben schön zu machen, und das Bewusstsein, dass Leistung kein ständig verfügbares Gut ist, auf das man sich im Leben verlassen und auf das man daher sein Luftschloss bauen könnte.

Aber siehe da, das Prinzip setzt sich vielerorts immer wieder durch, wenn Firma, Karriere, Leistung nunmal Vorrang haben vor der Beziehung, der Familie, vor Spaß, Freizeit, Schlaf, Liebe, Freiheit, Blumenwiesen im Sonnenschein, Genießen und Zeitnehmen: Leistung ist einfach wichtiger, nur sie bringt das Geld, nur sie bringt den Lebensstil, und selbst wenn’s mit weniger auch (und vielleicht sogar schöner) ginge, bleibt sie das Killerargument Nummer 1: Es muss sein. Das andere muss warten, denn es ist „nur Privatvergnügen“. (Und bringt keinen Push beim Selbstwert und der gesellschaftlichen wie privaten Aufwertung, Deutungs- und Entscheidungshoheit.)

Selbstverständlich verinnerlicht der weniger leistungsfähige Mensch unter stetem Tropfen dieses Prinzip auch dann, wenn er im Grunde nie daran geglaubt hat, dass Menschen nur das wert wären, was sie leisten können; selbst wenn er sowohl liberale Dogmen von „jeder kann alles erreichen“ und „ist seines Glückes Schmied“ mit einer hochgezogenen Braue quittiert als auch Extremauswürfe wie „Manche leben länger, als sie nützlich sind“* als zutiefst gehässig, verächtlich und arrogant empfindet. Und vor allem als schwachsinnig kurzsichtig. Melodien der Arschgeigen.
*(wie ein Salzburger Idiotärer es über die „Omas gegen Rechts“ hervorgegiftelt hat)

Denn was dabei gern vergessen wird: Beinahe jeder Mensch wird früher oder später zu einem, der nicht mehr so leistungsfähig ist. Abgesehen von Alter, Krankheit oder Unfall geschieht das nicht zuletzt durch die Folgen übertriebener Leistungsbereitschaft, die dem sozialen Tier Mensch zu wenig Raum und Zeit für zwischenmenschliche Erfüllung, Entspannung, Freude und Lachen lassen und all das, was das Leben aufwertet, ohne etwas zu kosten – was oft eine innere Leere und Selbstzweifel zur Folge hat. Das wiederum wird, in Ermangelung anderer Strategien, mit noch mehr Leistung zu bekämpfen versucht, auf dass der Selbstwert sich gefälligst regeneriere, aber letztlich zu Burnout und Depressionen führt.

Was ebenfalls gern vergessen wird: Menschen, die am Ende ihrer Leistungsfähigkeit angekommen sind, können Spaß, Freizeit, Schlaf, Liebe, Freiheit, Blumenwiesen im Sonnenschein, Genießen und Zeitnehmen nicht einfach so nachholen. Diese Zutaten muss man laufend ins Leben einmischen, um seinen Glanz zu erhalten. Und die Vorstellung von dem Pölsterchen, das man sich schafft, von dem aus man dann „irgendwann später“ bequem alles genießen kann, wofür einem während des Schaffens leider die Zeit fehlte, ist oft eine Illusion; das Möhrchen, das man sich selbst an der Angelschnur vor die Nase hält, um durchzuhalten – und dabei vergisst zu leben. „Irgendwann später“ ist man weder so gesund noch so unternehmungslustig noch so angstbefreit noch so energiegeladen wie als jüngerer Mensch. Manche sind das auch in der Pension, mit etwas Glück. Oder aber sie können nicht mehr gut gehen. Oder nicht mehr gut sehen oder denken. Oder sie sind antriebslos, ängstlicher, oder einfach müde.

Oder tot. Selig jene, die bis kurz vor der Pension voll reinhackeln und dann nach einem Herzinfarkt einfach umfallen! Der leistungsgemachte Selbstwert blieb dann wohl durchgehend erhalten, und selig sind dann auch die entlasteten Pensionskassen. Ob es ein glückliches Leben ist, in dem der Mensch seinen Wert vor sich und anderen ständig neu beweisen muss, indem er täglich besser, pfiffiger, schneller und in weiterer Folge reicher ist als andere, unter Verzicht auf Nähe und zwischenmenschliche Wärme, auf Naturerlebnisse, Familie und Geborgenheit – das bleibt fragwürdig. Solange an das Dogma vom hohen Wert des Nützlichen geglaubt wird – vielleicht. Solange die Leere nicht überhand nimmt, solange das Erfolgserlebnis Arbeit eben ausgibt.

So lange wird der/die Nützliche sich auch nicht fragen müssen, ob es objektiv betrachtet tatsächlich „mehr leistet“ als andere, oder nur besser dafür bezahlt wird, und ob das einen Unterschied macht; ob es den Reichtum in diesem Ausmaß braucht, um glücklich leben zu können; wie weit es durch Neid und Missgunst und Auchhabenwollen beim Blick in Nachbars Garten zur Leistung angetrieben wird, um Dinge zu kaufen, die es gar nicht bräuchte, wenn andere sie nicht auch hätten; ob es die Kinder unbedingt antreiben muss, weil „etwas aus ihnen werden muss“. Während wieder andere weit mehr Stunden aufwenden müssen, um gerade so über die Runden zu kommen, und dadurch ebenfalls keine Zeit fürs Leben haben, für ihre Herzenspartner, ihre Kinder, ihre Eltern, ihre Freunde. Während wieder andere sich gerne ihren Wert innerhalb dieses Systems in Form von Leistung erarbeiten würden, dazu aber erst gar keine Chance kriegen.

Der Markt regelt das, in der Tat! Der Markt ist nur leider völlig frei von Empathie oder Verständnis für menschliche Grundbedürfnisse.

Das Leben ist letztlich nicht mehr als eine Aneinanderreihung von Momenten. Sind sie schön, ist auch das Leben schön. Ich will damit nicht sagen, dass Arbeit nicht schön sein oder für schöne Momente sorgen kann. Wer ausschließlich darauf seinen Wert und sein Glück baut, wird nur früher oder später eine geplatzte Illusion unterm Hintern haben.

Menschen sind keine Aktien. Es geht auch mit weniger. Und man hat mehr Zeit für Schönes – mit Menschen, die das auch so sehen und auch Schönes erleben möchten. Und ja, manchmal fürchte ich, dass das als scheinheilig interpretiert werden könnte, sobald ich an den Leistungen anderer partizipiere, sei es die Badewanne im Haus meiner Mutter oder der Wellnessbereich im Wohnhaus bei meinem Freund. Bin ich womöglich eine Schmarotzerin? Und innerhalb welches Wertesystems wollen wir das jetzt ausdiskutieren?

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Handgemenge

Ich wurde gestern gefragt, warum die „linke“ Twitter-Bubble hierzulande sich intern derzeit so zerrauft, warum darin so viel Aggression und Streit herrscht. Ich habe erklärt, was ich für den Grund halte, und wurde daraufhin eindringlich gebeten, das zu bloggen. Also blogge ich es.

Es geht dabei nicht nur um Social Media, sondern um eine Gesellschaft. Twitter-Bubble kann hier stellvertretend für alle kleinen und größeren Gruppen stehen, schätze ich. Familien, Freundeskreise, Arbeitsgruppen, Vereine, vielleicht sogar Parteien… Die Wege sind dann vielleicht andere, das Prinzip bleibt vermutlich gleich.

Mich mit dem, was zu fremd ist und mich zornig macht, weiter abzugeben, kostet mich auf Dauer zu viel Zeit, Kraft und Nerven. -> Schotten dicht.
Die erste Auftrennung in Richtig und Falsch ist damit schonmal geglückt – wir verschließen unsere Bubble-Grenzen: Alles, was extrem rechts ist und hetzt oder provoziert, Grenzen verletzt, entwürdigend beleidigt und unverhältnismäßig attackiert, wird geblockt. Legitim, denn meine Bubble suche ich mir immer noch selber aus, auf Social Media ebenso wie im echten (Privat-)Leben.

Oft wird davor noch „diskutiert“ bzw „zurückgeschlagen“ – mit harten Bandagen, weil jeder weiß, dass mit ExtremRechts nur schwer zu diskutieren ist: Affekte wie Sorge und Angst werden da dreist zu politischen Argumenten aufgebläht, Menschenverachtung und Übergriffigkeit als freie Meinung kostümiert und die Aggression daraus unreflektiert auf gruppierte Ziele entladen. Man gewöhnt sich schnell an, darauf – wenn überhaupt – nur sehr harten Konter zu geben.

Völlig dicht ist die Bubble ja nie. Die Attacken gehen weiter, wenn auch aus anderer Richtung. Die zornige, aggressive oder oft auch hilflose Energie aus den übrigen Interaktionen brodelt in uns weiter – und wird entsprechend kommentiert. Sie wird damit ständig in die Bubble importiert und schließlich auf deren Mitglieder projiziert. Ausagiert wird all das innerhalb der weitgehend abgeschotteten Bubble. Grenzüberschreitungen und Methoden* aus dem Umgang mit ExtremRechts werden dabei mitunter 1:1 für Zwiste innerhalb der Bubble übernommen. Und der angewöhnte harte Konter lässt einen womöglich in der nächsten Diskussion mit einem Bekannten vergessen, wen man vor sich hat.
*Etwa „Anprangerungen“ wie Nonmentions und Screenshots statt Tweets mit Link, auf die der Gemeinte auch reagieren könnte.

Kurz gesagt, „friendly fire“ wird allzu unbedacht eröffnet, und Zack! Alles zersplittert. Und wie soll eine zersplitterte Gesellschaftsgruppe gemeinsamen Widerstand leisten?

Die linken Fraktionen fahren oft kein vehementes Programm, eines mit eigener Sprache und eigenen Werten, das sich Raum verschaffen würde, sondern liefern nur Kritik oder gar segmentweise Anbiederung an rechte Standpunkte – sie, die es doch besser wissen müssten und sowas beherrschen sollten! Daran stören wir uns!

Und wir schaffens im Kleinen genausowenig. Warum? Weil wir tagtäglich fremdes Gift von Außerhalb mit „nach Hause“ bringen, einerseits die fremdinitiierte Aggression, andererseits die fremden Denkmuster, an denen wir unsere Kritik festmachen – und mit der wir diese Denkmuster weiter verstärken!

Denn auch die toxischen, fremden Inhalte werden in die Bubble importiert – in Form von Zitaten, „Einzelfällen“, „Entgleisungen“, Artikeln, Schlagzeilen und deren Interpretationen.
Wie im letzten Blog-Eintrag ausgeführt, beeinflusst das ständige Wiederholen von vorgefertigten Deutungsrahmen/Frames* sowohl die Ausprägungen unserer neuronalen Netze als auch in weiterer Folge unsere schiere Wahrnehmung der Wirklichkeit! Wir nehmen buchstäblich die Wirklichkeit gefiltert wahr, gefiltert nach Rahmen und etablierten Denkmustern. Welche sich etablieren, bestimmt die Wiederholung. Welche Filter wirken dürfen, bestimmt nicht das logische Nachdenken!

Jeder kennt die beinah sprichwörtliche Aufforderung, jetzt nicht an einen rosa Elefanten zu denken, und weiß, wie wenig sie funktioniert. Auch Frames werden auf diese Weise im Hirn aktiviert – durch ihre schlichte Erwähnung. Da hilft kein „nicht“ und kein „kein“ davor, eine Negierung – wie stark sie auch immer sein mag – ist nicht in der Lage, die Aktivierung eines Frames zu verhindern. Daraus folgt: Selbst wenn wir eine Aussage empört wiederholen, verstärken wir damit die erleichterte Aufnahme der kritisierten Kacke in die Gehirne aller! Durch unsere Wiederholung und damit Aktivierung des abgelehnten Denkmusters in unserem eigenen Gehirn und in dem der Leser findet das Muster ganz von selber seinen Weg in die Normalität.
* Willkürliche Zusammenhänge, sprachliche Umdeutungen, Herabwürdigungen, absichtlich auf weitverbreitete Assoziationsketten abzielende Begriffe, insgesamt: Denkmuster.

Und nein, dagegen ist niemand immun. Du nicht. Und ich auch nicht. Auch politische Experten nicht.
Es ist uns auch ein bisschen peinlich, dass man (mithilfe von simplem „Priming“ zB) mit unseren Hirnen einfach so Sachen machen kann, ohne dass wir es wollen. Diese Mechanismen zu ignorieren und uns selbst eine freie Wahl der Denkmuster zu bescheinigen, ist weitaus leichter, als diesen Mechanismen ins Gesicht zu sehen. Das ist menschlich! Aber es muss uns zu allererst bewusst werden, dass jeder Pfad, der in unseren Gehirnen ausgeleuchtet und weiter ausgetreten wird – i.e.: unser Denken – extrem von außen beeinflusst ist, mit jedem Wort und jedem Satz, den wir hören und lesen. Und damit auch jeder Satz, den wir daraufhin ausspucken. Wenn wir das nicht (an)erkennen und unser Sprach- und Schreibverhalten danach drastisch verändern, fungieren wir als Multiplikatoren der anderen Seite, statt uns eindeutig zu positionieren. Und wir merken es noch nichtmal.
(Bitte lest dazu (nochmal) die ersten paar Kapitel von „Politisches Framing“! Bitte!)

Zur lösungsorientierten Überlegung trägt ein Gedanke wesentlich bei: Man erhält Antwort auf das, was man fragt. Im Vergleich zur Frage „Warum?“ erhält man die besseren Antworten auf die Frage: „Was?“
Was kann da helfen? Was kann ich selber tun? Was können wir dann gemeinsam tun?

Ich werfe mal ein bisschen was in die Runde: Erstmal Bewusstmachung!
Reflexion – Hinterfragen des eigenen Empfindens und Handelns. Selbstkritik. Affektkontrolle.
Wo kommt das her? Welchem Denkmuster entspringt es? Ist es eines, das ich transportieren und verstärken will? Wie verleihe ich mir am besten Ausdruck? Und wie nicht?
Zeitlicher Idealpunkt dafür: Vor der Interaktion mit anderen. Vor dem Abschicken eines Tweets, einer Reply, eines Mails.
Input-Management: Wie viel meiner Zeit und Aufmerksamkeit widme ich fremden Denkmustern, die ich mir freiwillig oder unfreiwillig täglich reinziehe? Wo liegen meine Grenzen? Was funktioniert am besten als Ausgleich?

Und auch: Wieder öfter das verstärken, was Aufmerksamkeit verdient hat.
Es ist ein alter Hut: Es gibt keine „schlechte Publicity“ – es gibt nur Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit oder eben keine Aufmerksamkeit. Freilich kann man nicht alles, was einem nicht passt, totschweigen. Aber auch nicht alles davon muss hervorgezerrt und kommentiert werden. Nicht, während wir immer noch zu wenig von dem dagegenstellen, was für uns tatsächlich von Wert ist.

Es liegt nicht daran, dass wir keine gute Streitkultur hätten. Es liegt daran, dass wir dem Wind, der uns zerzaust, ungeschützt ausgesetzt sind, ohne dass es uns überhaupt bewusst wird, und dass wir dagegen noch keine guten Strategien haben. Also tun wir weiter so, als wären wir unzerzausbar, während wir schon aussehen wie ein Mopp, mit dem man auch gut in die Ecken kommt. :)

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Ich kann dazu gern noch weiter differenzieren und ins Detail gehen. Denn auch wenn es so wirken mag – ich meine es nicht schwarz-weiß. Es wird aber vielleicht schwarz-weiß interpretiert, weil alles derzeit gern schwarz-weiß interpretiert wird.

Allerdings war ich gestern in diesem Gespräch, das sich noch am Parkplatz fortsetzte, schon erstaunt von dem Statement: „Ich hab das so noch nirgends gelesen! Das müssten alle hören, schreib das!“. Sogar eine anonyme Zuhörerin hat sich aus dem Dickicht immer näher an das Gespräch herangepirscht und uns schließlich nach dem konkreten Anlass und mich nach dem Blog-Link gefragt.

Meine Einträge neigen bekanntlich aber ohnehin zu überbordender Länge. :) Also schick ich’s einfach mal so raus und schaue, ob das vorhergesagte Interesse tatsächlich eintritt – und auf welche Komponente(n) es sich richtet. Bitte sehr gern in die Kommentare damit! Auch Twitter-Kommentar, Twitter-DM oder E-Mail (etosha ÄT weblog.co.at) geht natürlich. Merci! <3

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Nein? Arschloch.

Macht einen Nein-Sagen gleich zum Arschloch?
Eine eingehende Sichtung von Nettigkeit und Nachgiebigkeit, von Grenzsetzung und Gefühlsabwehr.

Ich hab „Widerworte“ gelesen, die „Emanzen-Kolumne“ auf kupf.at von Jelena Gučanin, die sich darin auf die Psychologin Jacqui Marson bezieht. Sie richtet sich gegen anerzogenes Nett-Sein und plädiert für häufigeres Nein-Sagen.
Titel: „Mehr Arschlochfrauen“.

„Das Ideal der netten Frau verneint ihren Selbstwert, ihre Würde, ihre Intelligenz und ihre Selbstliebe. Denn die Botschaft ist: Frauen sind da, um anderen zu gefallen.“

schreibt Jelena Gučanin in der Kolumne.
Und das stimmt völlig.
Und es kann weg.

Was in dem Artikel als Arschloch-Verhalten gedeutet wird, ist jedoch nichts weiter als gesunde Grenzsetzung, legitime Abgrenzung und faire Verteilung der Verantwortlichkeiten, was wohl viele Frauen rein deshalb schon als Arschlochsein abnicken, weil ihnen ein faires 50:50 konsequent aberzogen wurde.

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Teilen: Leben, Weisheit, Meinung

Heute werde ich nicht den Staub meiner grenzenlosen Weisheit über eure Hirne und Herzen pusten.
Heute möchte ich subjektive Meinung lesen. Eure!

Meine Frage lautet:
Wie teilt man ein Leben miteinander?

Was sind für euch die wesentlichen Aspekte dabei? Wie bezieht man den anderen mit ein? Wie hält man einander auf dem Laufenden? Und worüber – was wollt ihr erfahren, und was nicht unbedingt? Oder anders: Was teilt ihr mit, was behaltet ihr für euch?
Verliert man den Kontakt leichter, wenn man nicht zusammen wohnt oder sich selten sieht? Wie bietet ihr eure Hilfe an, und wie oft bittet ihr selbst direkt um Hilfe?
Wie verschafft ihr euch Alleinzeit? Wie erhält man die gegenseitige Wertschätzung aufrecht?
Worauf kommt’s eurer Meinung nach an?

Es geht natürlich um Partnerschaft, aber nicht nur. Auch um Freundschaften, letztlich um jede ernstgemeinte Teilnahme am Leben anderer – und um die Einladung anderer in euer eigenes Leben. Meine Fragen sind nicht als strenger Rahmen zu verstehen, nur als Anregung.

Natürlich hab ich dazu eigene Überlegungen. Aber mich interessiert, wie ihr das seht und handhabt – und statt erstmal Output zu liefern und dann zu schauen, was kommt, bitte ich heute mal ganz dreist um Input.
(Darf von BloggerkollegInnEn auch gerne als Stöckchen mitgenommen werden – bitte um Trackback.)

Danke für eure Mühe!

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Von Hirnen und Menschen (3)

8. WEM DER SCHUH PASST…

Die Verhaltens- und Denkweisen in diesem Video mögen recht verbreitet sein, und es finden sich offenbar auch viele darin wieder. Die Menschen lachen. Das ist gut. Vereinzelt sieht man im Publikum aber auch welche, die sich ohne ein Lächeln etwas verloren am Kopf kratzen.
Gar nicht mehr lustig ist es, wenn die Bestätigung dieser Verhaltensweisen dazu führt, dass sie alternativlos bleiben und in jeder Beziehungssituation angewendet werden mit der fundamentalen Begründung „isso“. Auch dann, wenn sie sich auf die Beziehung ungünstig oder sogar zerstörerisch auswirken.

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Von Hirnen und Menschen (2)

7. EXKURS: WAS DAS PATRIARCHAT MIT DEN MÄNNERN MACHT
(Teil eines noch ausführlicheren Textes, den ich schon sehr lange in Arbeit habe. Ich versuche hier, zusammenzufassen bzw. nur einen Teilbereich davon zu beleuchten.)

Reden wär schön. Nicht nur, weil das Teilen von innersten Geheimnissen für die Nähe in einer Beziehung so wichtig ist. Nicht nur, weil diese Frau mit dem so andersartigen Gehirn sich das eben wünscht, weil sie dieses innere Bedürfnis nach vertrauensvollen Momenten und Intimität spürt – und sich beim Stillen dieses Bedürfnisses nicht auf die rein körperlich-sexuelle Ebene beschränken (lassen) will.

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Von Hirnen und Menschen (1)

Ein Video ist Thema dieses Eintrags. Es ist nicht ganz verkehrt, sich das vorab anzuschauen, damit man auch weiß, wovon ich hier tippe – sofern man Englisch kann. Für jene Leser, die des Englischen nicht ausreichend mächtig sind, gibt es hier meine Beschreibung des Inhaltes auf Deutsch. (Der Übersichtlichkeit halber steht sie unten in den Kommentaren. Von dort kann man sich nach dem Lesen leicht wieder zurück hierher klicken.)

Der Mann auf der Bühne im Video heißt Mark Gungor und gibt als Ehe-Experte kabarettistische Ehe-„Seminare“, etwa darin, wie man verheiratet bleibt, ohne einander umzubringen. Ich finde den Ausschnitt auf so vielen Ebenen verkehrt, dass er mich zu ausgiebigem Kopfschütteln veranlasste und zu soviel Augenrollen, dass ich dabei fast nach hinten umgefallen wäre. Daher hier meine persönliche Meinung dazu – in zwei Teilen. Der zweite Teil wird dann einen Abschnitt beinhalten, den ich ohnehin schon länger in der Schublade hatte.

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Große Erwartungen?

Nimm, was dir geschenkt wird, und erfreue dich daran – aber erwarte nichts.

                Erwartungen – ein Minenfeld? Woher kommen unsere Erwartungen?
                Ist es überhaupt noch zeitgemäß, welche zu haben?
                Muss man alle Erwartungen auch erfüllen?
                Und wieviel wissen wir überhaupt
                über die Erwartungen anderer?
                Und über unsere eigenen?

ip-4636 Als Kind erlebt man mit Freuden seine ersten Geburtstage, das Christkind, seine Freunde, die zum Spielen und Übernachten kommen wollen, das Feuerwerk zu Silvester, sofern man das Schlafbedürfnis niederkämpfen kann – und das alles mit großen, leuchtenden Augen. Wir warten mit Vorfreude auf das nächste Mal. Nach den ersten Erfahrungen mit diesen Dingen entstehen auch Erwartungen. Wir erwarten zu Weihnachen ein gewisses Glitzern, dass das Glöckchen klingelt, dass die Familie kommt, dass es Geschenke gibt. Und all das tritt dann auch ein. Erwartungen sind was Wunderbares!

Unsere Erwartungen werden von Anfang an gestrickt und gefärbt durch unsere tägliche Wirklichkeit, die wir im Nachhinein unsere Vergangenheit nennen, durch das, was wir uns für die Zukunft wünschen, und durch die Menschen, mit denen wir bisher zu tun hatten. Unsere Integrität ist wohl das Ergebnis aller genannten Faktoren. Wir lernen im Laufe eines Lebens, was „richtig“ ist, wie „es sein muss“, damit wir zufrieden sind. Erwartungen werden geboren.

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BTBs* kleines Unglücksbrevier

(wird bei Gelegenheit zum Manifest ausgebaut)

* BTB = Blacktime Bird = meine Band, drei Menschen, die nicht nur miteinander Musik machen.
Angesetzte Bandproben entwickeln sich wahlweise zur Musik-, Sauf-, Lach- oder Gesprächstherapie.
Sehr häufig aber geht es zynisch zu. Manchmal schreibe ich mit.
Ähnlichkeiten mit lebenden, toten oder untoten Personen sind nicht beweisbar.

Man soll sich das Leben nicht allzu angenehm machen. Zuverlässig wiederkehrende Empfindungen von Unglück und Frustration geben einem ja überhaupt erst das Gefühl, so richtig am Leben zu sein. Um diese Empfindungen nicht am Wiederkehren zu hindern, muss man schon etwas strategische Planung investieren und jede Wahl mit Bedacht treffen. Glücklich und leicht wie eine Gänsedaune durch den Tag hüpfen, als gäb’s kein Morgen – das kann schließlich jeder.

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Einfach weiteratmen

Öffne die Türen nur einen Spalt, und der Wind wird sie wieder zuschlagen. Öffne sie weit und lass den Wind herein. Spür ihn. Deine Türen sind geöffnet. Du hast es zugelassen. Lass es einfach sein. Streng dich nicht zu sehr an. Spiele! Was du zugelassen hast, gehört für immer dir. Niemand kann es dir nehmen. Du kannst es nicht vergessen oder verlernen. Entspann dich. Don’t try so hard. Es ist alles bereits vorhanden. Lass die Idee los, dass du dir dabei schwertust. Akzeptiere, dass es dir leicht fällt. Es liegt in deiner Natur. Du kannst es nicht verlieren. Atme! Flieg! Lande auf den Beinen. Schau dich um.

Nicht alles muss für immer so bleiben, wie es jetzt ist. Keiner verändert sich, weil er muss. Man verändert sich, weil man es kann. Weil man es wählt. Du kannst alles sein. Die Menschheit bestimmt nicht, wer du bist, außer du lässt sie. Keine Beschränkung. Dir gehört alles, was du zu dir rufst. Du brauchst es nicht festzuhalten. Du brauchst nicht darauf zu sitzen und es neidig zu bewachen. Spüre, dass alles, was du willst, dir bereits gehört. Du brauchst es nur hereinzubitten.

Wenn es zu dir kommt, muss es einen Eingang finden. Also mach das Bett, die Kammer, das Lager. Vertraue. Vertraue dir. Schaffe ein Lager aus Vertrauen, ein weiches, kuscheliges, weites Lager, einen Raum, einen Ort. If you hurry too much, it will be gone. Du wirst vorbeilaufen. Keep your pace slow and your eyes open. Your feelings open. Es gibt nichts zu erreichen. Alles ist bereits vorhanden. Es gibt also auch keinen Grund, sich zu beeilen, sich zu treten, sich anzustrengen.

Let it come easy. Relax. Enjoy the ride.