Artikel

Corona – zwo

Daheimbleiben – wird das Wetter mitspielen?
Ab morgen, Samstag, wird das Wetter grob umschlagen, und das wird so schmerzhaft, wie es klingt – mit 10 Grad weniger und Regen. Die letzten Tage waren ja wunderbar warm und sonnig. Da fällt es den Menschen natürlich schwerer, die Ausgangsbeschränkungen zu befolgen und zu Hause zu bleiben, wie sie es sollen. Natürlich ist ein Spaziergang „erlaubt“.

Auf Social Media kursieren Fotos von Menschentrauben, die sich scheinbar fröhlich am Donaukanal oder in anderen Erholungsgebieten Wiens tummeln. Ob der empfohlene Sicherheitsabstand von einmal meiner Körpergröße da eingehalten wird, lässt sich schon aufgrund der Perspektive schwer erkennen.
Über diesen Fotos steht oft geschrieben, wie dumm und selbstsüchtig diese Menschen seien, und wie sehr sie andere gefährden. Der/die Fotograf*in selbst ist hingegen nie im Bild, was wohl die eigene Daheimgebliebenheit unterstreichen soll. Eventuell markiert das den Beginn einer plötzlichen Trendwende weg vom Selfie. Wer will sich schon selbst denunzieren?

Als Sonnenmensch freu ich mich natürlich auch über Wärme und Sonnenschein. Man muss aber auch da vorsichtig sein, mir ist nämlich schon passiert, dass das Klimafreunde ärgert, die ihr Engagement mehr im urteilenden Aktivismus sehen. Weil, wie kann man sich bloß über klimawandelbedingtes Wetter freuen? Verwerflich. Habe daher testweise aufgehört, mich darüber zu freuen. In dieser Zeit fiel mir auf, dass es auch dann schön ist, wenn ich mich nicht freue. Seither freue ich mich wieder, erzähle es aber nur noch meinen engsten Vertrauten.

Nur Ältere gefährdet?
Habe einen Artikel in der ZEIT gelesen, in der die Sterbestatistik aufgrund des Coronavirus aus Deutschland besprochen wurde. Darin hieß es, Menschen mit Vorerkrankungen wie Bluthochdruck, Diabetes und Herzkrankheiten seien stärker gefährdet, besonders wenn sie obendrein älter sind.
Und dann stand da der bemerkenswerte Satz: „Wer über 80 war, starb besonders häufig.“ Hoffe dennoch weiterhin, man stirbt nur einmal, oder wenn doch nicht, dann höchstens seltener, und nicht häufig. Ein Freund merkte daraufhin an, dass einmaliges Sterben eventuell zu einer nachfolgenden Immunität gegen das Sterben führe. Die Studien sind sich dazu aber noch nicht einig.

Bei der Rückkehr von einer Hunderunde traf ich die alte Dame aus dem dritten Stock, die gerade mit Mundschutz und Gummihandschuhen im Stiegenhaus zugange war. Aus dem Gespräch ergab sich, dass in Bezug auf den persönlichen Gefährdungsgrad ein gewisses Konkurrenzdenken herrschen dürfte, was sie mir letztlich mitteilte in Form eines: „Owa, Sie! Se san do no net so oid wia i!“
Dann fuhr sie fort, die Lichtschalter und Geländer im Stiegenhaus zu desinfizieren. Habe das zuvor schon andere Nachbarn machen sehen, mit unterschiedlich neuwertig wirkenden Fetzen. Benutze die Lichtschalter jetzt gar nicht mehr.

PS:
Wer lieber richtig informative Links und wissenschaftliche Artikel lesen möchte als meine unernsten Betrachtungen, schaue sich zB bei Felix im Wiener-Alltag-Blog um.

PPS:
Am Land habe ich mehr Möglichkeiten, in die Natur zu gehen, ohne versehentlich eine Traube mit anderen Menschen zu bilden. Bin mir also meiner vorteilhaften Lage bewusst, fühle mich daher eher zur Erleichterung berufen als zum Panikmultiplikator. Poste darum auf Twitter winzige Videos für alle, die gerade nicht in der Natur auftanken können.

Und natürlich Flauschbild(er) von Conny.

Inhaltsverzeichnis Corona

Artikel

Corona – eins

Das Corona-Virus geht um.

Wisst ihr, ne? Wir sind nun also fast am Ende der ersten Arbeitswoche unter Ausgangsbeschränkungen angekommen. Ich bin schon etwas länger weitgehend isoliert, weil ich krank war. Und weil ich immunsuppressive Medis gegen Rheuma bekomme (mir verabreiche, um genau zu sein).
Abgesehen von Nahrungsaufnahmeorgien mit meiner Familie zu meinem Geburtstag und mit meinen Freunden ein paar Tage später fanden meine Sozialkontakte schon seit Mitte Februar weitgehend virtuell statt. Also, die Kontakte sind schon echt, nur die Verbindung virtuell.

Home-Office
Arbeite ja nun schon seit Jahren daheim – sowohl angestellt als auch selbständig, in der artgerechten Haltung von Büchern, vulgo Bilanzbuchhaltung. Habe also Vorsprung und könnte auch Tipps geben, wurde aber bisher nicht um ein Interview gebeten. Die anderen, die neuerdings von zu Hause arbeiten, müssen daher ohne meine Hilfe lernen, wie man korrekt zuhause verwahrlost und den Pyjama den ganzen Tag nicht auszieht. Und wie man bei den Hunderunden erfolgreich verbirgt, dass dem so ist. Unterschied zu früher: Bin viel sicherer, dass niemand zu Besuch kommen wird. Hilft nicht.

Was mich daran erinnert, dass back in old Lanzendorf die alte Frau, die wir qua Wohnrecht mit dem Haus „mitgekauft“ hatten, am Treppenabsatz zu erscheinen pflegte, wenn ich am staubsaugen war, um mir dort über das Staubsaugergeräusch die immer selbe laute Frage zu stellen: „Ah, kriagt’s leicht an Besuch?“

Alle zwei Wochen muss ich aber zum Betrieb fahren, um die alten Zettel gegen neue Zettel einzutauschen. Buchhaltung, Sie verstehen. Diese Woche fand das Meeting am Tor statt. Auf meine Ankunft an diesem Tor musste ich zuvor mit Schreien aufmerksam machen, weil ich mein Handy daheim vergessen hatte. Man ist ja gleich so peinlich laut ohne Elektronik!

Man bemerkte mich schließlich, und die Chefin kam kurz darauf samt Hund zum Tor, reckte mir aus großer Entfernung ein Sackerl mit Belegen durch das Gitter entgegen und hustete dann. Sie hat aber auch schon gehustet, als es noch nicht in war.
Chef schrieb mir ein paar Tage später, nachdem ich ihm eine Saldenliste für Februar übermittelt hatte, diese Liste werde wohl künftig für mich leichter – „durch Copy-Paste bei den Erlöskonten“. Galgenhumor, so wichtig!

Systemrelevanz
Es gibt auch schöne Seiten! Die bisher selbstverständlichen Leistungen vieler Mitmenschen sind plötzlich weit weniger selbstverständlich, sondern systemrelevant. Sind es doch sie, die das Werkl am Laufen halten, die sich weiterhin hinauswagen müssen in die virenverseuchte Wirklichkeit, was uns Daheimbleibern höchsten Respekt abringt. Wenn wir nicht gerade damit beschäftigt sind, uns angemessen leid zu tun, weil wir bei schönem Wetter und mitunter sogar neuer Freizeit daheimbleiben müssen.

Es sind übrigens zu einem wesentlichen Teil sogenannte „Frauenberufe“, deren Wahl man Frauen gerne flapsig als Selberschuld ankreidet, wenn sie über Pay Gaps zu reden wagen. Und natürlich sind es auch andere Tätigkeiten durch Männer, Frauen und allem dazwischen, deren gesellschaftliches Ansehen mitunter bisher zu wünschen übrig ließ.

Und ja, möge sich dieser höchste Respekt für die Menschen im Gesundheitswesen, Verkauf, Transport und in der Sicherheit und IT etc. für sie ausgiebig niederschlagen, am besten in Form von Boni, Prämien und permanenten Gehaltserhöhungen, die endlich die reale Relevanz dieser Berufe widerspiegeln. Die jäh aufgekeimte Dankbarkeit ihrer Mitmenschen bringt für sie zwar vielleicht eine gewisse Genugtuung mit sich, aber davon können sich diese Menschen leider auch nix kaufen. Abgesehen davon, dass die Regale derzeit ohnehin leer sind, wenn sie endlich Feierabend haben.

Finster betrachtet ist die neue Wertschätzung ja auch nur ein Zeichen dafür, dass den Irrelevanten die Relevanz dieser Menschen und ihrer Tätigkeit gerade zum ersten Mal bewusst wird. Genießen wir sie trotzdem, solange sie im Vordergrund bleibt, denn was die Bewusstwerdung der eigenen Irrelevanz anrichtet, sehen wir seit Jahren an nationalistischen Denkfluchtpunkten in der ganzen Welt.

Gestern hörte ich eine Nachbarin – gegenüber um die Ecke, wo ich nicht hinsehe – von ihrem Balkon rufen, als die Müllabfuhr kam. Sie bedankte sich freundlich bei dem Herrn, der den Mülleimer umherrollte. Stelle mir gerne vor, dass sie dazu auch einen Geldschein aus ihrer nackten Hand herunterflattern ließ, den der freilich wohlinformierte Herr aus dem orangen Lkw allerdings gleich mit entsorgte.

Möge euch der Humor nicht ausgehen, denn es ist auch mit Humor noch schwer genug!

Fortsetzung folgt.

Inhaltsverzeichnis Corona

Artikel

Etoshalender beim Santa Flausch – Weihnachtsmarkt 2019!

etoshalender2020 Die brandneuen Etoshalender 2020 sind eingetroffen! Und sie sind sehr schön!

Wie immer hat der Kalender zwölf unglaublich tolle A3-Seiten mit liebevoll selbstgemachten und herzverlesenen Fotos, und als Draufgabe ein buntes Deckblatt! Wie gewohnt mit Schutzfolie vorne, Spiralbindung, in elegantem Schwarz. Passt garantiert in jedes Büro und jedes Wohnzimmer :)
Das Thema 2020 ist Wasser.

Und wie immer beginnt der Etoshalender im Februar und endet im Januar, damit man auch gemütlich Zeit hat, seine Liebsten damit zu beschenken.

Zu kaufen gibt’s meine Kalender heuer erstmals auch von mir persönlich, live und in Farbe, und zwar… da!

SantaFlausch Flyer

Einer der Künstlertische dort ist meiner! Ich werde nicht nur Etoshalender 2020 dabeihaben, sondern erstmals auch edle Posters von meinen Fotografien. Vielleicht auch ein paar meiner Airbrush-Bilder.
Federgeist! Glitzerflausch!
Und obendrein ein paar ausgesprochen glitzerflauschige Überraschungen von meiner Künstler-Freundin Nicole!

Ich freu mich drauf, euch dort zu sehen!

Alle Infos zum Santa Flausch – Weihnachtsmarkt gibts auf der Website der Roten Kapelle.
Bitte dort insbesondere auch die Hinweise zur Erreichbarkeit beachten! Man braucht ein bisschen Entschlossenheit, um die Location zu finden. Lohnt sich aber, wird nämlich mit Punsch und Keksen belohnt! Natürlich gibts auch andere heiße Getränke – und nicht zuletzt eine Menge famose Kunst und Kunsthandwerk, und das alles für gute Zwecke. Und indoor, man muss also nicht frieren (man darf aber, mit seinem Punsch vor der Tür, wenn man will).

Das wird mit Sicherheit der flauschigste Markt des Jahres!

Und natürlich ist #SantaFlausch auch auf Twitter! Wer folgt, wird geflauscht :)

Kommt alle und sagt es weiter!
Eine Einladung per Mail zum Weiterleiten – mit Flyer und allem Drum und Dran – lasse ich euch gerne zukommen!
Mailt mir dazu einfach! -> etosha ÄT weblog.co.at

Natürlich könnt ihr eure Kalender wie gewohnt auch mit einem einfachen Mail an die genannte Adresse bestellen.
Ein Exemplar kostet 22€, die Gewinne werden von mir gespendet.

Artikel

Etoshalender 2019!

Es ist wieder soweit, ich bestelle die neuen Kalender! Er wird so eine Art Ode an das Fernweh.

kalender2019-sneak

Wie gewohnt in A3, Spiralbindung, schwarz und elegant. Ach, was red ich…
Er hat zwölf unglaublich tolle Seiten mit herzverlesenen, überaus selbstgemachten Fotos und als Draufgabe ein Deckblatt! Mit Schutzfolie vorne! Er wird wahnsinnig schön.

Kostenpunkt: unverändert 20€. Wer möchte einen, zwei oder fünf? Bitte flott bescheidsagen!
(wie immer auch gern per Mail: etoshaÄTweblog.co.at.)

Artikel

Unsere Sprache wiederfinden

Von Wortgebilden, impliziten Geschichten und Deutungsrahmen, und wie wir unsere Weltsicht wieder stärker in den Köpfen verankern können – vor allem in unseren eigenen.

Ich weiß, ihr seid entsetzt von der Niedertracht. Ich bin es auch. Ihr habt gehört, was sie sagen, und gelesen, was sie schreiben. Ihr kennt ihre Polemik und ihre Schuldumkehr und ihre Deutungsrahmen zur Genüge. Vielleicht sogar schon zu gut. Ihre Wortgebilde, wenn sie Journalisten mit Tieren vergleichen oder flüchtende Menschen mit Treibgut auf Wassermassen – und mehr wiederhole ich hier auch schon nicht, um meine nachfolgende Argumentation nicht von vornherein ad absurdum zu führen.

Ihre wertungs- und assoziationsbeladenen Wortgebilde und Formulierungen, wie sie im Moment „in aller Munde“ sind, erschaffen Geschichten, und darin werden einzelne Aspekte hervorgehoben, während andere unter den Tisch fallen sollen. Man kann sich ein Hobby daraus machen, diese Worte und Geschichten zu zerpflücken und die darin appetitlich vorgekauten Aspekte klar zu benennen.

Man kann mit diesen Worten und Formulierungen ganze Weltbilder herbeischreiben. Aber vor allem: herbei-zitieren! Denn die implizite Geschichte dahinter – und wenn sie noch so schlecht erfunden, noch so unfair gewichtet ist – diese Geschichte lebt und überlebt durch ihre Wiederholung. Durch ihre Wiederholung! Jene Bereiche in unseren Gehirnen, welche Worte und die Geschichten dahinter integrieren und als Teil der Realität verankern, werden ausgetretener und breiter, je öfter sie wiederholt werden – ganz egal, wie wir sie bewerten mögen. Unsere neuronalen Verbindungen werden durch schiere Wiederholung gefestigt. Jeder, der schonmal ein Instrument oder eine Sprache gelernt hat, weiß das. Wer eine Passage zu schnell übt und sie dadurch immer wieder falsch spielt, übt den Fehler mit und wird ihn nicht mehr los.

Die Wiederholung besteht aus Input und Output! Auch bei euch selbst? Ja, natürlich. Noch während ihr Worte ungläubig wiederholt, werden sie für euer Gehirn bereits ein wenig glaubhafter. Für die Verbreitung und Verankerung in den Gehirnen macht es nicht den geringsten Unterschied, ob die Wiederholung entsetzt oder begeistert erfolgt, ob sie bejaht wird oder empört zurückgewiesen. Die implizite Geschichte hinter einem abwertenden Begriff wird mit jeder einzelnen Wiederholung für alle Gehirne ein Stückchen echter und gewohnter.

Noch wichtiger ist aber: Die Etablierung dieser Geschichten im Gehirn wirkt sich direkt auf unsere Wahrnehmung der Welt aus. Je ausgetretener ein neuronaler Pfad, desto direkter der Zugriff zu impliziten Geschichten – der Wahrheitsgehalt ist dabei irrelevant! Wir assoziieren und verbinden, was wir gut genug kennen. Umgekehrt weigert sich das Gehirn, eine Information aufzunehmen, wenn sie nicht in bereits ausgetretene Denkpfade passt. Und es sind genau diese Pfade – und nicht etwa bewusstes Abwägen und Nachdenken – die die Grundlage für unsere alltäglichen Entscheidungen bilden.
Und wir merken es nicht. Denken ist daher viel weniger Glückssache als Gewohnheitssache.

All das ist nicht meine persönliche Erfindung, es ist kognitionswissenschaftlich erwiesen und hundertfach bestätigt. Ebenso erwiesen ist: Menschen mit politischer Ahnung und Erfahrung sind diesen Effekten gegenüber nicht etwa immun, sondern ihnen sogar stärker ausgeliefert als Otto & -ilie Normalverbraucher.

Die Veranwortung für die „Salonfähigkeit“ dessen, was in den letzten Monaten aus allen Ecken hervorkriecht, liegt somit nicht nur bei den Erfindern und Befürwortern, sondern auch bei uns – bei dem, was wir wiederholen, festigen und damit als wiederholbar und festigbar für alle determinieren und als gegeben hinnehmen. Und ja, auch dann, wenn euch dieser Gedanke gerade noch so zuwider ist.

Noch einen (für mich: zu) großen Schritt weiter geht die Kontraproduktivität, wenn ihr erfindet, „was als nächstes kommt“. Ich habe viel zu viele Tweets von dieser Art in meiner werten Bubble gesehen. Auch von Menschen mit viel Reichweite, die es wirklich besser wissen sollten. Auch diese zitiere ich hier aus naheliegenden Gründen freilich nicht.
Denkt bitte lange und bewusst darüber nach, vor wessen Karren ihr euch damit… „spannen lasst“? Nein: selber bereitwillig spannt! Überlegt, auf welchen eurer von inhalierten Geschichten vergifteten Gehirnpfaden diese Ideen geboren werden. Und wohin eure Energie fließt, wenn ihr eure Ideen dazu, „was als nächstes kommt“, dann öffentlich und damit für andere denkbar macht. Was ihr damit stärkt.
Denkt darüber nach, wozu euch das macht. Ein Tipp: Zu talentierten Zynikern schonmal nicht. Ihr weckt damit auch niemanden auf oder zeigt, wie absurd das alles schon ist. Ihr zeigt nur, wie absurd leicht euer Hirn vom durchgehenden Bombardement mit Hass und Intoleranz beeinflussbar ist, wenn es munter weiterspinnt, was es schon initial in dessen Grundidee für entsetzlich gehalten hat.

Der Punkt hier ist: Ihr könnt sicher sein, dass sie ausreichend eigene Ideen haben – ihr seht es jeden Tag! Sie brauchen euren Beitrag nicht, nehmen aber bestimmt gern die kostenlose PR, Energie und euren Verve, der darin steckt, wenn ihr all das so freizügig anbietet.

Wenn ihr fragt, was als nächstes kommt, werdet ihr eine Antwort auf das erhalten, was ihr gefragt habt. Oder ihr gebt sie euch gleich selbst. Das ist ein trauriger kleiner Schaltkreis, aus dem keine breiten und gangbaren Wege auf eurer eigenen Seite des Terrains entstehen.

Ihr könnt euch also weiterhin in einer Weltsicht herumtreiben, die euch nicht gefällt und euren Hirnen und Herzen nicht guttut, in der ihr machtlos seid. Vergesst aber dabei nie, dass man aus einer schwachen Position keinen starken Move machen kann! Ihr reaktiviert und stärkt damit nur das, was euch und vielen anderen Menschen nicht guttut.

Oder wir konzentrieren jedes Quäntchen unserer Energie dort, wo sie in unsere Weltsicht fließt und sich dort versammelt! Beginnt, eure eigenen Geschichten zu erzählen! Sagt ruhig, dass ihr dagegen seid, wenn eines der Stichworte aufkommt – aber dann erzählt von eurer eigenen Weltsicht, von eurer eigenen Vision für die Zukunft, von euren eigenen Wertvorstellungen! Und erzählt in positiven Worten! „Nicht in Verneinungen von Hetze, Hass, Verhöhnung“ transportiert immer noch (wait for it…) Hetze, Hass und Verhöhnung. Auch wenn ein „Nicht“ davorsteht!

Sind es Geschichten von Vertrauen, Zusammenhalt und Solidarität, oder von sozialen Fallschirmen für alle, von Förderung sinnhafter Frauenprojekte, von gelebter Toleranz und Integration? Dann erzählt sie!
Sind es Geschichten von frauenfeindlichem oder wertefeindlichem Verhalten, das auch für euch so nicht tolerierbar ist, mit dem die Gesellschaft entschlossener umgehen müsste, sind es Geschichten von Problemen, die benannt werden müssen, dann erzählt davon! Scheut euch nicht vor Differenzierung.

Wenn euch die oktroyierte Spaltung in Links oder Rechts unvermeidlich scheint, dann investiert eure Kreativität auf eurer Seite der Energie! Wenn nicht, dann sucht nach Gemeinsamkeiten und Unterschieden.

Denn auch unsere Weltsicht und alle unsere Geschichten werden für die Zukunft wahrer, wenn wir nicht über all dem Hass vergessen, sie immer wieder zu erzählen! Mit jedem einzelnen Mal, bei dem wir sie erzählen! Nur wer die Worte sagt, stärkt auch die Weltsicht, denn nur dort, wo Worte fallen, werden auch Gedankenpfade etabliert! Wenn wir ein Bild dazu haben und dieses Bild auch in die Welt bringen, wenn wir mehr darüber sprechen, was wir wollen, und weniger darüber, was wir nicht wollen… dann werden Gehirnpfade hell aufleuchten und sich ausweiten – Pfade in eine Zukunft, die für uns alle friedlich, sicher, frei und voller Liebe sein darf.

¸¸,ø¤º°`°º¤ø,¸¸,ø¤º°`°º¤ø,¸¸,ø¤º°`°º¤ø,¸¸,ø¤º°`°º¤ø,¸¸

„Wer in Diskursen nicht sagt, was er ideologisch meint, der macht sich der Fehlkommunikation schuldig – mit allen Konsequenzen!“
Elisabeth Wehling

¸¸,ø¤º°`°º¤ø,¸¸,ø¤º°`°º¤ø,¸¸,ø¤º°`°º¤ø,¸¸,ø¤º°`°º¤ø,¸¸

Ja, es zu benennen ist natürlich auch unvermeidlich, und dennoch war mein Blogeintrag auch hiervon getriggert:
Leitartikel TT von Karin Leitner