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Männer, die Lächeln einfordern, haben mich radikalisiert

Man sieht so aus, wie man eben aussieht. Man schaut in einer Situation so drein, wie man eben dreinschaut. Mit dem Gesicht, das einem von der Natur gegeben wurde, und das sich im Lauf der Zeit so verändert hat, wie ein Gesicht das eben tut, wenn man lebt. Mit welchem Gesicht sollte man auch sonst dreinschauen? Ein Recht, das man allen Menschen durchaus zugestehen kann, ohne daran zu sterben.

Sollte man meinen. Hätten da nicht gewisse Menschen folgenden Anspruch:
„Frauen haben schön auszuschauen, und falls deren Gesichtsausdruck oder Erscheinungsbild nicht zu meiner vollsten Zufriedenheit ausfällt, dann ist es mein Recht, sie vor allen anderen laut aufzufordern, mein Anrecht auf Erfreuung meines Auges zu erfüllen.“

Wer diese Frauen sind – wuascht. Was sie gerade tun – wuascht. Wie sie sich gerade fühlen – wuascht.

Es wird nicht bemerkt, wie hirnverbrannt absurd das ist. Bis man es erzählt. Bis man es aufschreibt. Da wirds konkreter und isolierter, als Geschehnis, das ausgelöst wird vom Anspruch irgendeines Mannes.

Im Kontext des Geschehens fällts offenbar kaum jemandem auf:
Zufälliger männlicher Partygast, der gerade seinen Welcome-Cocktail genießt, zu meiner Freundin, die gerade wochenlang die perfekte Organisation ebendieser Party gestemmt hat:

„Kannst mal ein bissl freundlicher dreinschauen?“

(Und die Männer rundherum so: „…“)

Er richtet diesen Anspruch für alle deutlich vernehmbar…
– nicht vielleicht an seine „eigene“ Frau (obwohl: ~~~ Einspruch Euer Ehren)
– sondern an irgendeine Frau, die Frau des Jubilars, die Frau „eines anderen“, die Frau des Abends (~~~ detto)
– somit im Grunde an jede beliebige Frau, die es wagt, in seinem Blickfeld nicht seinen persönlichen Vorstellungen zu entsprechen.

Anspruch. An andere Menschen. An alle anderen Menschen, evtl nur an Frauen. Einfach so.

Wirklich? Es wird von frau also erwartet, gefälligst nicht ihr angestammtes Gesicht offen zur Schau zu stellen und damit einfach herumzurennen, wie es ihr beliebt, sondern sich unter Beobachtung dauerhaft zu verstellen, sodass ihr natürliches Äußeres für ihn, ihr Publikum, nicht gar so eine Zumutung darstellt? Und dieses „Anrecht“ wird offenbar als so selbstverständlich empfunden, dass man es jederzeit einfordern kann? Qua Penis oder wie?

Na Oida, gehts noch?? Ernsthaft, Menners: Was. stimmt. nicht. mit. euch?
Ist das womöglich dieses „Humorvoll“, das dann in Kontaktanzeigen von Frischgeschiedenen steht?

Wie oft fordern Frauen eigentlich die gefällige Aufhübschung der Umgebung durch den freundlichen Gesichtsausdruck eines zufällig im Blickfeld befindlichen Mannes? Welche Frau auf einer Party sagt zu irgendeinem Mann, mit dem sie nichts zu schaffen hat, er soll mal ein bissl lächeln? Oder gfälligst den Bauch einziehen? Oder sich mal rasieren? Oder die Spucke aus seinen Mundwinkeln entfernen?

Aufgepasst, vom Anspruchsdenken gebeutelte Leuts:
‣ Andere Menschen, egal welchen Geschlechts, sind nicht dazu da, euch die Umgebung zu verschönern.
‣ Ihr seid auch selbst nicht immer ein Ausbund an optischer Lieblichkeit. Wie oft werdet ihr mit dieser Tatsache offen konfrontiert? Ah eh nie? Und, is das eh gut so?
‣ Wenn ihr nicht damit zurechtkommt, wie jemand dreinschaut – dann dreht doch euren Kopf weg und schaut woanders hin! Ihr seid doch alle so gscheit, und da kommt ihr nicht auf die einfachste Lösung der Welt?

Und warum ist das so? Weil ihr euch gar nicht an der Optik selbst stört. Ihr stört euch an dem vermeintlichen Angriff, den diese Optik auf eure Ansprüche darstellt.
„Die anderen haben dafür zu sorgen, dass mein Auge erfreut bleibt“? Wirklich?
Think again. AND AGAIN.
Anspruch weg, Eigenverantwortung her. Zu schwierig?

Wie kann es eigentlich sein, dass ausgerechnet solche Männer sich zuverlässig für die Krone der Schöpfung, für das starke Geschlecht, für die bessere Menschversion halten? Wie kann man sich so benehmen und sich gleichzeitig dem anderen Geschlecht überlegen fühlen? Ist da irgendwer zu Hause innerlich?

~~~ Mein Einspruch von oben: Macht es einen Unterschied, dass die Frau in der konkreten Situation wochenlang die liebevollste und perfekteste Party-Organisation hingelegt hatte, die man sich vorstellen kann, und natürlich auch zu diesem Zeitpunkt sehr beschäftigt war – Gäste begrüßen, zum Geschenketisch weisen, andere Helfer in Abläufe einweihen, Zeug von A nach B tragen – als der Fritze schon entspannt seinen Cocktail schlürfte?
Oder macht es einen Unterschied, dass es nicht „seine“ Frau war, zu der er das gesagt hat, sondern die „eines anderen“?

Höchstens machts das noch ein bisschen absurder, falls überhaupt noch möglich.
Das Überraschende ist nämlich: Sie hat nicht nur dann das Recht, so dreinzuschauen, wie sie eben dreinschaut, wenn sie vorher oder währenddessen etwas Großartiges leistet, oder wenn sie die Frau von jemand anderem ist. Sie hat dieses Recht immer.

Da steht man nun als (sehr unfreiwillige) Beobachterin. Und was sagt man dann auf sowas?
? „Es ist nicht ihre Aufgabe, deine Umgebung zu verschönern, toxischer Lurch.“
? „Wenn sie Gesichter machen könnt, hättest du schon längst ein anderes.“
? „Schau doch erstmal selbst ein bissl schöner aus, zufälliger Mann ohne Stil und Hirn, und zieh den Bauch ein bissl ein, heast.“
? „Ansprüche auf Äußerlichkeiten? Und deine inneren Werte so? Renovierungsbedürftig?“
? „Deine Mama hat sicher öfter freundlich geschaut, aber du warst eben vielleicht mit 4 noch süß genug.“

Wer wäre da wohl am Ende als jener Gast markiert worden, der schon in den ersten 5 Minuten „die Stimmung verdorben“ hat, der „den heiligen Status Quo in Frage stellt“ und natürlich „keinen Spaß versteht“? Hm. Womöglich ich. Frau hat sich eben auch im weiteren Verlauf zu verstellen, um die „Schönheit“ der „Situation“ nicht zu „zerstören“.

Hübsch bleiben, Goschn halten. Im Jahr 2019 im echten Leben maximal erlaubt ist eine (gutmütige!) Rechtfertigung:
„Ich schaue nicht unfreundlich, sondern konzentriert.“
Wir danken für diese Aufklärung – die nicht nötig gewesen wäre, wenn nicht jemand dem wirren Impuls nachgegeben hätte, seine Ansprüche herauszukrähen.

Wir Frauen sollen also nicht nur den random-männlichen Anspruch an unser eigenes Aussehen auf Zuruf erfüllen? Wir sollen auch noch die absurde Kritik an diesem Aussehen und dem unserer Mitfrauen widerspruchslos hinnehmen? Höflich genug bleiben, um euch nicht zu sagen, dass es eure gschissenen Anspruchsäußerungen sind, die hier die Umgebung verpesten?

Dazu ein so klares NEIN, dass es noch in 2032 widerhallt. Ihr könnts alle mal scheißen gehen, wenns nach mir geht.

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Nachsatz:
Ja, ich weiß, dass es für das Phänomen der normal dreinschauenden Frau sogar einen abwertenden englischen Dreibuchstaber gibt. Ich mache den hier nicht weiter populär, mit Absicht. Wer ihn drunterkommentiert, fliegt raus.

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Fusion durch die Mitte

Du sitzt irgendwo und tust irgendwas. Ich frage: ja, aber nein. Fehlen spürst du, doch wohl nicht dieselbe Sehnsucht, die aus Blei, die keinen Moment Aufschub mehr erträgt. Sonst wärst du längst hier. Aber endlose Momente kommen nach. Frage wieder: theoretisch ja, aber dann doch nicht, leider.

Ein Teil von etwas Besonderem sein! Nicht der besonderste Teil darin, der mit dem wichtigeren Ziel, der mehr Rücksicht braucht. Der auf ein Sorry wartet, das er selbst nicht kann, und mir Verzeihung mit einem Immer verspricht, das nie halten kann. Der xmal Nein sagen dürfen muss, um eines von mir zu respektieren. Schon zu Beginn, leere Kilometer als Anklage gegen mein Nein. Und am Ende, zum alten Plan mein Nein – ab in die Tonne damit, und mit mir auch gleich. Spiel die dir zugedachte Rolle no matter what oder hau doch ab, mir egal, dass du Geburtstag hast.

Und dann stirbt einer, und der war vielleicht verdammt unglücklich, so wenig Zeit, nur noch ein Jahr, im Vergleich. Ich will dich anschreien, so wenig Zeit! Für all das Geld gibst du deine Zeit, kriegst du keine Zeit zurück. Kannst sie nicht nachholen. Kriegst dafür auch keine, die dich liebt. Oder die du lieben kannst. Nicht zurückholen! Nicht gutmachen! Nur weitermachen. Zeit zurückkaufen, mit feinem Lebensstil als Blendwerk und Illusion. Spielzeug, originalverpackt, nicht für uns, für mich, „Spiel du doch und leb mein Leben, vertretungsweise!“ Behalten, was du nicht brauchst, aus Zeitmangel. Dafür wegwerfen, was du vielleicht doch gebraucht hättest… gegen alle Behauptungen. Doch wofür keine Kapazitäten übrigbleiben, das kann auch nicht wichtig sein.

Kein Schlaf, keine Nahrung, und dann zu viel, ungeregeltes Alles, schwindeliger Ruhepol, rastlos am Sprung. Der Kraft hinterherhecheln und auf Stabilität warten. Den Kopf nie richtig freikriegen, bei aller Flucht in Flow, Schlaf, Wichtigkeiten. Hochgestimmt, wenn was klappt, und wenn nicht, am Boden. Liegt alles nur an der schwachen Seele? Andersrum, weil die Seele deinen Körper braucht, und dein Körper deine Zuwendung. Jetzt, verlässlich, regelmäßig, nicht später. Kannst auch Zuwendung nicht nachholen, auch nicht mit zehnmal-so-lang.

Ein neues Ziel, Beweis für Existenz? Statt zu leben, was du hast. Meine beschwörende Stimme gegen die Jagd nach anderen. Will es in dein Ohr brüllen! Hab Angst, du wirst wieder umfallen, aber nicht wieder aufstehen! Die war da, von Anfang an. Werde dich geliebt haben, und es wird umsonst gewesen sein, eine weitere leere Ecke im Keller meines Herzens, die nie wieder von Präsenz erfüllt wird, ein Karton materieller Erinnerung, unter Staub und Spinnweben in fahlem Mondlicht, Buch, Stofftier, Napf. Es spielt keine Rolle. Und ist doch das einzige, was zählt.

Ich wünschte, du tätest das alles nicht. Nicht so besinnungslos. Würdest selbst bremsen, bevor es dich bremst.
Eine, der du glaubst – was sie sieht. Was sie tut. Was sie sagt. Die gute Absicht. Das wär ich gern gewesen. Mit mir zu Bett statt schnell nochmal weg.

Irgendwas killt dich immer. Mein Anspruch, mein Fehlen, klar. Die eigenen Ansprüche in Camouflage aus dem Hinterhalt, unsichtbar. Oder noch mehr erreichen wollen. Mehr, wichtiger, als meine sinnlose Liebe.

Dafür etwas aufzugeben, als stolze Tat, die den Worten folgt, verantwortlich, nicht chronologisch verdreht als Pfand mit Dankbarkeitsanspruch. Nachfragen, hinhören, verstehen wollen, neu Maß nehmen… Zeit nehmen, bedingungslos. Wars nicht wert. Aber Bedingungsloses erwarten. Was hätte ich dafür noch aufgeben sollen. Zeit mit dir?

Man soll immer dreimal fragen: nein, leider. Lasse dich also hier zurück, gebe dich auf, wie du mich aufgegeben hast. Keine Worte gefunden, die klar genug wären, was diese Zeit ist, für die du kein Gefühl hast. Das kann nur die Zeit. Und dann ist es zu spät.

In meinem Traum sind wir zusammen. Weil Liebe mehr zählt als alles andere, in meinem Traum. Alt ist er geworden. Liebe besiegt nicht alles. Nicht, wenn sie auf halbem Weg verreckt. Es war wohl nie wirklich wahr, die Illusion kann weg, die Hoffnung auch. Stolz und Vorurteil sind mächtiger. Und jetzt? Die Brücke aus „Ich liebe dich“ kracht zusammen unter dem Druck von „Ich kann nicht“.

Aber ich schreie nicht, sinke auch nicht weinend an deine Schulter. Du sitzt irgendwo und tust irgendwas.

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Süße Ernte

Gedacht sei ein exquisiter Mango-Club, der keinen finanziellen Beitrag verlangt, sondern einen persönlichen. Weil dieser Club nur dann funktioniert, wenn alle ihren Anteil leisten: Baumpflege, Gießen, Unwetterfolgen beseitigen, Schädlinge bekämpfen, Ernte, Schutz vor Frost.

Die Mangos sind mit Abstand die besten im Lande. Und sie sind nicht käuflich, sie werden nur unter den Mitgliedern verteilt.

Du willst unbedingt dort Mitglied sein, kannst aber diesen persönlichen Beitrag nicht oder zu wenig leisten. Weil man dich sehr mag, ruft man dich oft an, schreibt dir, lädt dich ein, und fordert dich schließlich zur Mithilfe auf. Du versprichst, in Zukunft deinen Beitrag zu erbringen, aber bei den nächsten paar Gelegenheiten hilfst du jedesmal ein bisschen weniger dort mit und schließlich gar nicht mehr.

Wenn du dann kommst und „deinen Anteil“ an Mangos abholen willst und dort argumentierst, dass du ja auch einen Job zu machen hast, einen anderen Verein und eine Ehe zu führen, und dass man das ja auch verstehen muss, dann wird man dir dort sagen:

„Es sind deine Entscheidungen, die zu deinen Umständen führen. Dafür, wie du deine anderen Verpflichtungen verteilst, liegt weder die Verantwortung noch die Entscheidung bei uns. Deine Prioritäten musst du selber setzen. Wenn du dabei sein willst, dann gibt es dafür Regeln: Es muss dir wichtig genug sein, damit du den Beitrag hier auch leisten kannst und willst. Nur dann kannst nur deinen gesamten Anteil an Früchten mitnehmen. Die Pflege der Bäume aber ist keine Regel – sie ist eine Notwendigkeit.“

Würdest du dem Club vorwerfen, das wäre unfair, und er hätte dir alle Mangos geben müssen? Oder ihm vorhalten, du hättest soeben deine Ehe für ihn aufgegeben, und er hätte dir doch daher aus Dankbarkeit Mangos anbieten müssen?
Wohl nicht. Das wäre ein absurder Anspruch.

All das würde wohl erst recht gelten, wenn der gedachte Verein nur aus zwei Leuten bestünde.
Wenn dir die Arbeit an Mangobäumen, die Bedingung für eine gute Ernte ist, gar keine Freude macht, dann solltest du deinen Wunsch nach der Mitgliedschaft in diesem exquisiten Club hinterfragen.

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Der Feminist, das unbekannte Wesen

Zur Spiegel-Kolumne „Wie kann ich als Mann Feminist sein?“ von Margarete Stokowski möchte ich ein paar Punkte hinzufügen.

(Via Twitter gefunden -> Hier hab ich Platz, hier darf ich schreibm. :)

Zur Frage „Warum sollte ich überhaupt einer sein wollen?“ eine provokative Überlegung retour: „Die wollen mir doch meine Rechte als Mann wegnehmen!“
-> Hm, bedeutet das nicht auch: „Fairness ist mir unwichtig, solange ich meine Rechte behalte“? Zu welcher Art Mensch würde Sie so ein Gedanke machen? Aus meiner Sicht jedenfalls zu einem, der sich, wenns mal in die andere Richtung unfair wird, auch nicht beschweren dürfte.
Ernsthaft, ich hab dazu schon so viel in der Schublade, hadere aber leider wie so oft mit mir wegen der Länge, in die ich so gerne gehe – und das nur, um in meinen eigenen Worten große Hintergründe zu beleuchten, die jede:r ernsthaft Interessierte mittlerweile genausogut oder besser anderswo nachlesen kann. Unter anderem in den Artikeln, die in der oben zitierten Kolumne verlinkt sind – darum: Lesebefehl auch für diese Artikel.
Ganz unten beleuchte ich aber noch ein paar Quadratzentimeter der Bestrebungen von Feminismus, und dass da auch Männerrechte ein großes Thema sind (woah!).

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Leistungskult

Ich hatte in letzter Zeit bei verschiedenen Gelegenheiten den Leistungsgedanken auf dem Tisch. Wurde unter anderem gefragt, was daran so problematisch sein soll. Und: „Wenn ich jeden (Mitarbeiter) uneingeschränkt für sein Da-Sein wertschätze, unabhängig von seiner Leistung – wer soll dann die Arbeit machen?“

Niemand wird bestreiten, dass es Sinn ergibt, in jener Umgebung Leistung als Wertmaßstab anzulegen, in der es um Leistung geht – in der Wirtschaft. Doch selbst da wird unfair umgesprungen mit den Begrifflichkeiten. In unseren Breiten ist mit „Leistungsträger“ nur derjenige gemeint, der viel Geld verdient und daher „stark ist“, weil er ja „trägt“ – wohingegen all jene, die „nur“ viel leisten, aber wenig verdienen, in dieser Deutung schonmal durch den Rost fallen. Kein Träger, nicht stark, keine Leistung.

Womöglich muss man sich sogar fragen, ob der Kampf um gleiche Bezahlung bei gleicher Arbeit, den Feministinnen seit Jahrzehnten führen, nicht ein aussichtsloses Kämpfen ist um einen Wert innerhalb eines Wertesystems, das von der privilegierten Gruppe geschaffen wurde, um genau solche Wertunterschiede herauszuarbeiten. Die Rechnung würde dann gar nicht aufgehen können, weil jedes Berufsfeld, das von Frauen erobert werden kann, als Antwort auch abgewertet werden kann.
Aber abseits von Frauen und Männern: die Wahrscheinlichkeit des sozialen Aufstiegs steigt generell mit den initial vorhandenen Privilegien. Es ist nicht für jede(n) Dahergelaufene(n) so, dass Leistung und Fleiß sich automatisch auch auszahlen.

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Auch politisch inkorrekt

Es war bemerkenswert, wie viele unwillige, ablehnende Reaktionen es auf Social Media auf die schriftliche Entschuldigung des Herrn Dönmez für seine sexistische Beleidigung der Frau Chebli gab. Seine Entschuldigung wurde zerrissen, mit Kritik an allen Sätzen und Halbsätzen, nicht nur an einem.

Viele kritisierten ja ein „falls sich jemand verletzt gefühlt hat“ – das da übrigens gar nicht stand. So ein „falls“ hätte besagt, er hätte sich nur in diesem Fall entschuldigt und ansonsten gar nicht; und obendrein, er würde es tatsächlich für denkbar halten, dass sich gar niemand verletzt gefühlt hat.

Ob man verinnerlichten Sexismus mit einem Moment der Schwäche entschuldigen kann, sei dahingestellt – der Moment der Schwäche besteht wohl eher darin, das, was man ohnehin denkt, nicht für sich behalten zu können, was am Licht auf die Sache und Person nicht wahnsinnig viel verbessert.

Zu Recht in Zweifel gezogen wird eine Entschuldigung aber, wenn ein Nachdenken und eine Entschuldigung nur aufgrund der öffentlichen Reaktion auf das eigene Verhalten erfolgte, und nicht etwa aufgrund persönlicher Reflektion und Bewertung dieses eigenen Verhaltens.
Aber im Verhältnis dazu, wie selten sich heutzutage öffentlich für irgendwelche vorangegangenen, unerträglichen Wortmeldungen überhaupt noch entschuldigt wird, war sie ja gar nicht soo schlecht.

Nur unter ehrlichen und fairen Verhältnissen ergibt eine ehrlich gemeinte Entschuldigung überhaupt Sinn. Sie wird immer unredlich sein, wenn das Setting es auch ist. Im politischen Zusammenhang geht es ja letztlich ohnehin weniger um Vergebung als darum, eventuell doch noch den eigenen Arsch zu retten und seine Position nicht zu verlieren.

Im Falle Dönmez ist das nur so halb gelungen, und das lag letztlich wohl weniger an der missglückten Entschuldigung als an der transportierten Haltung. Vielleicht wurde auch das angestrebte Ziel erreicht – NR bleiben, nur nicht mehr in der Fraktion? Man weiß es nicht. Seine an den Haaren herbeigezogenen Umdeutungsversuche sprechen aber eher dagegen.

Vor sexistischen Ansagen wird nicht nachgedacht, das ist charakteristisch, eben weil es sich nicht nur um einen oberflächlichen Witz handelt, der halt grad passt. Es ist eine so tief verwurzelte Weltsicht, dass die Betroffenen sie wohl innerlich für die Wahrheit halten, mit der man heutzutage höchstens aus sozialverträglichen Gründen hinterm Berg halten muss – nicht, weil sie als grundlegend falsch empfunden werden könnte. „Es kommt nix raus, was nicht auch drin ist“, rufen da allerlei Großmütter. Daher wohl auch die Kritik am „Moment der Schwäche“. Sexismus ist keine Schwäche, sondern ein Ausdruck eines völlig unreflektierten Glaubens an die Überlegenheit der eigenen Gruppe, auch als Chauvinismus bekannt.

Echte Gleichstellung und ehrlicher Respekt vor Mitgliedern einer anderen Gruppe bedeutet, dass Vorurteile und Abwertungen gar nicht erst gehegt oder zumindest innerlich aufs Nachdrücklichste und immer wieder herausgefordert, objektiviert und korrigiert werden – und nicht, dass sie nur nicht geäußert werden.
Oder, einfacher formuliert: Ein Sexist bleibt ein Sexist, auch wenn er sich noch so schön entschuldigt. Nur dass eben mit einer ehrlichen Entschuldigung – in Absicht und Formulierung – hier eben gar nicht erst zu rechnen war.

Wäre es für Frauen tatsächlich so einfach, dauerhaft an gute Jobs zu kommen, die dann auch über Blowjobs hinausgehen, hätten sie nicht jahrhundertelang für gleichwertige Bildung für Frauen gekämpft.

Geht mann allerdings ganz selbstverständlich davon aus, nur sexuelle Dienste am anderen Geschlecht würden Frauen gute Jobs verschaffen, dann deutet das in erster Linie wohl darauf hin, dass diese Schlussfolgerung aus selbst angewandter „Praxis“ entstanden sein dürfte. Es liegt also doch nicht am Peter-Prinzip, dass manche Stellen fehlbesetzt sind, sondern eventuell daran, dass Angestellte anhand von, sagen wir mal, eher jobfremden „Skills“ ausgewählt werden?
Naja, jeder in seinem beruflichen Umfeld, was ihm am wichtigsten erscheint; hat ja nicht jeder den wirtschaftlichen Erfolg als sein oberstes Ziel. Das ist natürlich in erster Linie ein Armutszeugnis für den Absender. Solche Bewerbungsszenarien allen anderen (Männern) ebenfalls zu unterstellen, ist aber auch eine Beleidigung für alle (Männer), deren Aufgabe es ist, Stellen zu besetzen; nicht nur für die gemeinten Frauen.

Daher ist es fraglich, ob irgendeine auch noch so form(ulierungs)vollendete Entschuldigung hier tatsächlich Ruf oder auch nur Glaubwürdigkeit hätten wiederherstellen oder auch nur teilweise reparieren können. Aber dass sich nicht mehr Männer von dieser Unterstellung beleidigt gefühlt haben – das wiederum zeigt die scheinheiligen „Werte“ in dieser Kultur. Sie merken gar nicht, dass sie gerade pauschal als Blowjob-Vergewaltiger bezeichnet wurden, oder es ist ihnen einfach egal.

Für mich waren die vielen negativen Reaktionen auf die Entschuldigung insofern erfreulich, als sie mein Empfinden bestätigten: Entschuldigungen, die gar keine sind, sollten auch nicht als solche getarnt werden.

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Nein? Arschloch.

Macht einen Nein-Sagen gleich zum Arschloch?
Eine eingehende Sichtung von Nettigkeit und Nachgiebigkeit, von Grenzsetzung und Gefühlsabwehr.

Ich hab „Widerworte“ gelesen, die „Emanzen-Kolumne“ auf kupf.at von Jelena Gučanin, die sich darin auf die Psychologin Jacqui Marson bezieht. Sie richtet sich gegen anerzogenes Nett-Sein und plädiert für häufigeres Nein-Sagen.
Titel: „Mehr Arschlochfrauen“.

„Das Ideal der netten Frau verneint ihren Selbstwert, ihre Würde, ihre Intelligenz und ihre Selbstliebe. Denn die Botschaft ist: Frauen sind da, um anderen zu gefallen.“

schreibt Jelena Gučanin in der Kolumne.
Und das stimmt völlig.
Und es kann weg.

Was in dem Artikel als Arschloch-Verhalten gedeutet wird, ist jedoch nichts weiter als gesunde Grenzsetzung, legitime Abgrenzung und faire Verteilung der Verantwortlichkeiten, was wohl viele Frauen rein deshalb schon als Arschlochsein abnicken, weil ihnen ein faires 50:50 konsequent aberzogen wurde.

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„Hm?“ ist keine Frage

Es ist ein Laut mit einem stimmlichen Fragezeichen hintendran, ein Laut, der sichs leicht macht. Wer darauf nicht die erwünschte Antwort erhält, sollte sein Gegenüber nicht für stur oder taub halten. Es möchte eventuell nur stattdessen eine tatsächlich ausformulierte, aus echtem Interesse entstandene Frage gestellt bekommen. Etwas, das ein bisschen mehr Mühe erfordert.

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Aua

Wenn der Partner beim Liebesspiel plötzlich Aua sagt, weil wir ihm versehentlich wehgetan haben, dann halten wir erstmal inne. Wir entschuldigen uns und fragen nach. Wir verändern vielleicht die Position. Mit Sicherheit aber lassen wir sofort das bleiben, was wir gerade getan haben und wie wir es getan haben, und versuchen uns einzuprägen: Nicht so machen! Tut weh!

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Teilen: Leben, Weisheit, Meinung

Heute werde ich nicht den Staub meiner grenzenlosen Weisheit über eure Hirne und Herzen pusten.
Heute möchte ich subjektive Meinung lesen. Eure!

Meine Frage lautet:
Wie teilt man ein Leben miteinander?

Was sind für euch die wesentlichen Aspekte dabei? Wie bezieht man den anderen mit ein? Wie hält man einander auf dem Laufenden? Und worüber – was wollt ihr erfahren, und was nicht unbedingt? Oder anders: Was teilt ihr mit, was behaltet ihr für euch?
Verliert man den Kontakt leichter, wenn man nicht zusammen wohnt oder sich selten sieht? Wie bietet ihr eure Hilfe an, und wie oft bittet ihr selbst direkt um Hilfe?
Wie verschafft ihr euch Alleinzeit? Wie erhält man die gegenseitige Wertschätzung aufrecht?
Worauf kommt’s eurer Meinung nach an?

Es geht natürlich um Partnerschaft, aber nicht nur. Auch um Freundschaften, letztlich um jede ernstgemeinte Teilnahme am Leben anderer – und um die Einladung anderer in euer eigenes Leben. Meine Fragen sind nicht als strenger Rahmen zu verstehen, nur als Anregung.

Natürlich hab ich dazu eigene Überlegungen. Aber mich interessiert, wie ihr das seht und handhabt – und statt erstmal Output zu liefern und dann zu schauen, was kommt, bitte ich heute mal ganz dreist um Input.
(Darf von BloggerkollegInnEn auch gerne als Stöckchen mitgenommen werden – bitte um Trackback.)

Danke für eure Mühe!