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BTBs* kleines Unglücksbrevier

(wird bei Gelegenheit zum Manifest ausgebaut)

* BTB = Blacktime Bird = meine Band, drei Menschen, die nicht nur miteinander Musik machen.
Angesetzte Bandproben entwickeln sich wahlweise zur Musik-, Sauf-, Lach- oder Gesprächstherapie.
Sehr häufig aber geht es zynisch zu. Manchmal schreibe ich mit.
Ähnlichkeiten mit lebenden, toten oder untoten Personen sind nicht beweisbar.

Man soll sich das Leben nicht allzu angenehm machen. Zuverlässig wiederkehrende Empfindungen von Unglück und Frustration geben einem ja überhaupt erst das Gefühl, so richtig am Leben zu sein. Um diese Empfindungen nicht am Wiederkehren zu hindern, muss man schon etwas strategische Planung investieren und jede Wahl mit Bedacht treffen. Glücklich und leicht wie eine Gänsedaune durch den Tag hüpfen, als gäb’s kein Morgen – das kann schließlich jeder.

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Einfach weiteratmen

Öffne die Türen nur einen Spalt, und der Wind wird sie wieder zuschlagen. Öffne sie weit und lass den Wind herein. Spür ihn. Deine Türen sind geöffnet. Du hast es zugelassen. Lass es einfach sein. Streng dich nicht zu sehr an. Spiele! Was du zugelassen hast, gehört für immer dir. Niemand kann es dir nehmen. Du kannst es nicht vergessen oder verlernen. Entspann dich. Don’t try so hard. Es ist alles bereits vorhanden. Lass die Idee los, dass du dir dabei schwertust. Akzeptiere, dass es dir leicht fällt. Es liegt in deiner Natur. Du kannst es nicht verlieren. Atme! Flieg! Lande auf den Beinen. Schau dich um.

Nicht alles muss für immer so bleiben, wie es jetzt ist. Keiner verändert sich, weil er muss. Man verändert sich, weil man es kann. Weil man es wählt. Du kannst alles sein. Die Menschheit bestimmt nicht, wer du bist, außer du lässt sie. Keine Beschränkung. Dir gehört alles, was du zu dir rufst. Du brauchst es nicht festzuhalten. Du brauchst nicht darauf zu sitzen und es neidig zu bewachen. Spüre, dass alles, was du willst, dir bereits gehört. Du brauchst es nur hereinzubitten.

Wenn es zu dir kommt, muss es einen Eingang finden. Also mach das Bett, die Kammer, das Lager. Vertraue. Vertraue dir. Schaffe ein Lager aus Vertrauen, ein weiches, kuscheliges, weites Lager, einen Raum, einen Ort. If you hurry too much, it will be gone. Du wirst vorbeilaufen. Keep your pace slow and your eyes open. Your feelings open. Es gibt nichts zu erreichen. Alles ist bereits vorhanden. Es gibt also auch keinen Grund, sich zu beeilen, sich zu treten, sich anzustrengen.

Let it come easy. Relax. Enjoy the ride.

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Foto Know-How: Langzeitbelichtung & ND-Filter

Eigens für alle, die sich für Langzeitbelichtungen interessieren, aber damit noch keine Erfahrung haben – und speziell für meine Twitterfreunde @BirgitMathon, @evakalla und @oleschri (ich weiß, dass du nicht danach gefragt hast, hihi) – hier eine kleine Starthilfe – Tipps und Tricks für das Fotografieren mit einem ND-Filter.

Zum Prinzip:
Drei Faktoren beeinflussen bekanntlich die Belichtungszeit:

  • Das Umgebungslicht
  • Die Blendenöffnung („f-Wert“ – größerer Zahlenwert = kleinere Öffnung!)
  • Der ISO-Wert (Nachgebaute „Lichtempfindlichkeit des Films“)

Der englische Begriff für Langzeitbelichtung lautet „Slow Shutter Speed“, der ist aber irreführend. Denn der Kameraverschluss bewegt sich dabei nicht langsamer als sonst – er bleibt nur länger offen.

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Die unaussprechliche Reaktion

Martin und ich, wir haben am Wochenende gemeinsam experimentiert. Wir haben eine Belousov-Zhabotinsky-Reaktion in der Petrischale nachgebaut. Das ist, kurz gesagt, ein chemisches System aus diversen Lösungen und einem Indikator, wobei der Zustand des Indikators ständig zwischen der reduzierten und der oxidierten Form wechselt und zu einem Farbwechsel führt.

Noch kurzer gesagt: Es ist eine sehr hübsche Angelegenheit!

Martin hat mich genötigt, das Ganze ordentlich zu fotografieren. Hier das erste Ergebnis!

Ihr dürft das gerne toll finden, teilen, weitersagen!

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SYSK!

From the SYSK Podcast episode How Animal Domestication works:

Zebras account for more injuries to zoo keepers than any other animal at the zoo! – Man, that is one pissed off stripey horse!

And:

An animal that does follow a social hierarchy is basically prearranged to be domesticated. ‚Cause you just take that alpha male, you punch him in the face a couple of times in front of everybody, make ‚em cry, and then now you’re the alpha male! And you say, „Start laying eggs!“ And they listen to you! And then they’re domesticated. – After you have punched the chicken?

You really should listen to Stuff you should know. (Podcast on iTunes) It’s great fun!
I also highly recommend the episode How the Human Microbiome Project works.

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Sinn und Unsinn

Es steht ja so vieles geschrieben. Es wird so vieles gesagt. Ein beträchtlicher Teil davon ist grober Unsinn.

Die WKO zum Thema Vorsteuererstattung:

Neu ist in diesem Zusammenhang, dass die Frist für die Einbringung des Erstattungsantrages spätestens der 30.09. des Folgejahres (bisher 30.06.) ist. Für die Praxis bedeutet dies eine Verlängerung um 3 Monate.

Auch für die Theorie bedeutet dies eine Verlängerung um 3 Monate.

இڿڰۣ-ڰۣ—

Immer, überall im Zusammenhang mit selbstgemachten Kräutertees:

Den Tee schluckweise trinken!

Wie schon auf diversen Medien diskutiert: ich wüsste nicht, wie sonst.

இڿڰۣ-ڰۣ—

Aus einer Online-Klamotten-Werbeeinblendung:

Dieser BH macht den Tag zum Wohlfühlerlebnis!

Nein. Nirgends. Niemals.

இڿڰۣ-ڰۣ—

Die Tierarzt-Sekretärin am Telefon:

Oh, sie is eigentlich nicht mehr im Haus. Ich muss sie kurz fragen.

Ein Ausbund an Diskretion. Fürs nächste Mal weiß ich das dann auch gleich, danke.

இڿڰۣ-ڰۣ—

Manche Dinge sind ganz klar als Spam erkennbar:

Der beste Preis und die Zustellung mit Geschwindigkeit des Blitzes.

இڿڰۣ-ڰۣ—

Andere sind zwar völlig wahr, klingen aber trotzdem komisch:

Der kleine Wiesenkopfameisenbläuling ernährt sich vom großen Wiesenknopf.

இڿڰۣ-ڰۣ—

Zu alledem und meiner Auffassung davon könnte man aber auch Goethe zitieren:

Es hört doch jeder nur, was er versteht.

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Nullsummenspiel, irrelevantes

Mein Freund Miro schickte mir diesen Link zum Zwiebelfisch. Dieser betrauert den Mangel an Bindestrichen, der in unserer Sprache seit geraumer Zeit durch ein Mehr an Nichts kompensiert wird. Vor kurzer Zeit betrauerte er noch, dass der Bindestrich in gewissen Fällen mehr trennt, als er verbindet. Jetzt wünscht er ihn sich zurück.

Alles völlig wahr. Alleinstehende Hauptwörter ohne jedes sprachliche Gleitmittel sind ein trauriger Anblick, an den wir uns jedoch wohl gewöhnen müssen, so wie man sich immer an das gewöhnen muss, was die Mittelpracht der Bildungsschicht für richtig hält. Ja, Sprache verändert sich täglich, das ist natürlich. Nicht immer jedoch sind die importierten Einflüsse, in diesem Fall aus Übersee, zu ihrem Wohl, das muss man auch mal sagen dürfen.

Selbst Hauptwörter, die man einst sorgfältig mit einem Binnen-s verbunden hat, damit sie beim Zusammenspiel nicht quietschen, diese gefälligen, widerstandsberuhigten Wesen, die keiner Zunge was zuleide tun, werden heute auseinandergerissen, was meinem Gefühl nach eine besondere Grausamkeit erfordert.
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FAQ, Q&A oder F&A – Fragen halt! Und Antworten!

Es haben mich im Lauf der Zeit eine Menge Fragen erreicht, die ich jetzt ausführlichst beantwortet habe. Ich stelle sie hier alle in einem Eintrag online. Es ist recht viel, aber teilt es euch ruhig ein. Ich könnte es auch anders machen und jede Frage in einen eigenen Eintrag stellen, aber dann begänne jemand, der hier reinstolpert und von oben zu lesen beginnt, mit der letzten Frage – was meinen ganzen schönen Bogen an wahnsinnig lustigen Running Gags zunichte machen würde.

Dein Hund geht mit auf große Fahrt, oder?

Nein, Cindy musste leider daheimbleiben und wird von meiner Mama gehütet. Nichtmal in ihren jüngeren Jahren hab ich ihr Flugreisen zugemutet, meist aber auch deshalb, weil diese Reisen relativ kurz waren, womit sich dieser Stress für sie und für uns nicht gelohnt hätte.

Im vergangenen Jahr ging es ihr auch nicht so gut, so im März gings los. Sie trinkt und frisst viel zu viel, ist aufgebläht, hechelt wie wild, ist matt, bettelt wie irr, und sie sabbert sogar dabei, was früher nie der Fall war. An manchen Tagen konnte sie gar nicht aufstehen, an anderen kehrte sie nach 50 Metern Spaziergang um und kroch in Zeitlupe und im Passgang nach Hause zurück. Einmal wollte sie sogar nichtmal mit mir im Auto mitfahren, sondern lieber daheim bleiben – mein Unterwegs-Hund! Total ungewöhnlich. Morbus Cushing war der Verdacht, wurde dann aber irgendwie auch wieder ausgeschlossen, ohne wesentliche Verbesserung außer der tagesabhängigen (und natürlich ohne Kostenschonung für die Tests).

Sie ist jetzt am 3. Dezember 13 Jahre alt geworden, natürlich findet da jeder, „Tja, die wird eben alt, isso“. Sicher, aber es ist ein kleiner Hund, da hätte ich mir einfach ein paar Jährchen mehr erhofft, und das Tempo der Veränderung war mir nicht geheuer, genausowenig wie die merkwürdige Art und Weise. Zusätzlich entwickelte sie dann noch ein großes Geschwür an der Milchleiste, direkt neben einem Lymphknoten, und dieser ist ebenfalls geschwollen. Viel Hoffnung macht man sich da nicht mehr, und es wird auch in diesem Alter keine Behandlung oder OP mehr empfohlen – gleichzeitig erscheint es mir so absurd, dabei zuzusehen und einfach nichts zu unternehmen.

Fazit: Meine wunderbar kluge und so zuckersüße Frau Hund ist zu alt und in zu schlechtem Zustand, um auf große Fahrt zu gehen, und es wäre ihr hier auch viel zu heiß. Dann noch all die streunenden Hunde hier und die unvorhersehbaren Tagesaktivitäten – ich wüsste gar nicht, wie das wäre, entspannt jedenfalls sicher nicht. Aber sie fehlt mir. Sehr, sehr. Nicht, dass ich meine Freunde, meine Familie nicht vermissen würde. Aber mein Hund ist sonst immer und überall mit, und wer mich kennt, der weiß – da wedelt immer dieses schwarze, lockige Pelzding an meiner Seite, ohne Hund gibt es mich gar nicht. Sie ist körperlich und seelisch meine Erweiterung, mein Anhängsel, gefühlsmäßig (seltsamerweise) an meiner rechten Körperseite. Entsprechend schwer fällt es mir, mich an das kalte, leere Gefühl dort zu gewöhnen. Oder mich von der Befürchtung zu befreien, dass sie Anfang März, wenn wir zurückkommen, schon nicht mehr da sein könnte.

Wie war die palauische Buenanoche?

Unser Weihnachtstag war in religiöser Hinsicht so unspektakulär, wie es die daheim immer sind. Martin und ich sind ja nicht sonderlich religionsaffin, und die einzige Tradition, die sich für den Weihnachtstag selbst je ergeben hat, ist dass ich was echt Gutes koche, während ich gelegentlich darüber meckere, dass er sich irgendwo verkriecht, statt mir beim Kochen Gesellschaft zu leisten. Die nächsten Tage verbringen wir dann bei der Family.

Am 24.12. untertags waren wir im Norden von Babeldaob unterwegs und sahen uns die dortigen Monolithen und die prächtige Aussicht an, unterbrochen von heftigen Regenschauern, die das ganze Meer wiederholt im Wolkenmeer verschwinden ließen.

Von dort stammte auch dieses Weihnachtsfoto, das ich per Mail und auf den angeblichsozialen Medien verbreitete, und das bei euch offenbar ebenfalls einige Fragen aufwarf, die ich im weiteren auch brav beantworten werde.

Anschließend waren wir an einem eigenwilligen Strand mit breiter Sandbank vor dem Außenriff, sahen dort das Wochenendhaus des Präsidenten, außerdem fünfzig Zentimeter tiefes Wasser, in dem man kaum gegen die Strömung anschwimmen konnte, und eine Qualle mit blauen Tentakeln, die angeblich bös weh tut, wenn man ihr zu nahe kommt.

Abends gab es Hühnerschnitzel. Die Brösel für die Panier rieb ich per Hand auf der Küchenreibe aus getoastetem Weißbrot, weil man Brot hier bei der Luftfeuchtigkeit nicht einfach trocknen kann – man kann es an der Luft nur schimmeln lassen. Zum Schnitzel gab es Petersilkartoffeln, junge Erbsenschoten und Salat, außerdem stand der Adventskalender meiner Freundin N mit 24 geöffneten Türchen auf dem Tisch, sowie eine Kerze in korrekt entzündetem Zustand. Wir fanden, damit war der Ankunft unseres Herrn Genüge getan. Es war chillig und hätte Ihm sicher auch gefallen.

Im Institut fand einige Tage zuvor eine Weihnachtsfeier statt. Da wurde zu sehr lauter palauanischer Schlagermusik und sehr großem Moskitoaufkommen sehr viel getanzt (ja, auch ich musste einmal – frau wird geholt, zu Kollege Arius sagt man nicht nein). Palauanische Schlagermusik ist wie deutsche oder österreichische. Sie besteht im Wesentlichen aus zwei oder drei Akkorden, zu denen mit höchst entschlossener Stimme der Akkordvielfalt entsprechend abwechslungsreiche Melodien gesungen werden, und das klingt in etwa so exotisch wie Radio Burgenland. Es gab ein Buffet, jedoch keinen Nachtisch und keine Kekse. Aber genügend Merlot.

Ach, und der Bericht über diese Betelnuß war auch sehr aufschlußreich. Nun noch bitte paar Testergebnisse, wie schmeckt sone Nuß eigentlich? Dreht das in der Birne? Kriegt man davon Hunger? Ein Teil 2 ist eigentlich unvermeidlich.

Wie ich bereits schrieb – mein Probierdrang dahingehend hält sich in engen Grenzen. Man erzählt sich wie gesagt, es sei ein wenig anregend, wie Kaffee und Zigarette. Vielleicht überlege ich es mir ja aber noch anders, wer weiß? Noch ist nicht aller Palautage Abend. Um „nie“ zu sagen, bin ich schon zu alt und weise.

Du beschreibst das so entspannt. Wie is das Gefühl, wie wirkt Palau auf euch?

Entschleunigt. Die Geduldsmuskulatur wird trotzdem trainiert. Es ist wunderschön, und es nervt mich maßlos – immer abwechselnd.

Die Leute sind sehr sozial und offen und gesprächig, das kommt mir sehr entgegen und hat mich sicher noch offener werden lassen. Man spricht Menschen doch lieber an, wenn man im Vorhinein weiß, dass die Reaktion aller Wahrscheinlichkeit nach sehr positiv ausfallen wird. Ich rede ja sowieso jeden an, auch daheim, ich pfeif mir für gewöhnlich nix, und hier kommt das gut an, wogegen ich daheim oft seltsame Reaktion ernte – oder gar keine.

Martin ist generell der etwas weniger Soziale von uns beiden, wenn man so will. Auch daheim in unserem Lande bin ich diejenige, die mit der Kassierin plaudert oder jemand Fremden anblödelt. (Aber natürlich hab auch ich Tage, an denen ich mit keinem reden möchte, ja, nichtmal irgendwo anrufen will.) Einen Fremden nach dem Weg zu fragen, das möchte Martin lieber nicht, dabei ist das hier wirklich super-easy, und alle helfen gern und liefern häufig auch noch zusätzliche Informationen. Sprachbarriere gibts auch keine, weil wirklich alle Englisch sprechen. Oft ist es nichtmal nötig, die Menschen anzusprechen, weil sie sich von allein heranpirschen und fragen, ob man was Bestimmtes sucht, ob sie helfen können, ob man ein Bier möchte, und von sich aus gerne erzählen, was es mit der aktuellen Gegend so auf sich hat.

Und man wird sehr oft eingeladen, generell schon, wenn man zufällig irgendwo auftaucht, und zu Weihnachten doppelt. Die für jedermann offenen Rest-Areas sind ein guter Treffpunkt, öffentliche Orte, frei und für jeden zugänglich. Mein Single-Ausflug am 25. Dezember war geprägt von Räucherfisch und -hühnchen und -maiskolben, freundlichen Gesichtern, jeder Menge Kuchen, zusätzlichem Essen in Mitnehm-Gefäßen, das noch für den ganzen nächsten Tag für zwei Leute reichte, und wieder mit nach Hause gebrachtem eigenem Proviant. Früchte und Schokolade, die ich mithatte, teilte ich natürlich, aber mein eigenes Essen von vorvorgestern ließ ich lieber in der Kühlbox.

Im beruflichen Umfeld scheint die Kommunikationsfreude aber nicht so groß zu sein, zumindest erscheint es uns oft so, dass es eher unkoordiniert und unabgesprochen zugeht, dass die Linke nicht weiß, was die Rechte tut; oder dass es einfach aus anderen Gründen lange dauert, bis etwas entschieden wird. Flotte Umsetzung ist also eher im Reich der Phantasie angesiedelt, und das hemmt die Motivation.

Gewisse Kollegen sind aber auch betont desinteressiert und reden gar nicht mit uns; und wenn, dann kommt immer ein bisschen… Ichweißnichtwas mit rüber. Ob das an unserer Herkunft liegt, an unserer Tätigkeit, Art der Bekleidung oder einer bestimmten Gelegenheit, zu der wir uns unwissentlich besonders danebenbenommen haben, weiß ich nicht.

Ansonsten ist unser Leben hier eine Abwechslung daraus, einen gewissen Standard herzustellen, neue Strategien zu entwickeln und sich auf örtliche Gepflogenheiten umzustellen. Das mit dem Standard, das ist so ein Urdrang, vermutlich eher weiblich, zum dekorativen Nestbau und auch zu praktischen Hilfen, Jagen und Sammeln. Wir haben mittlerweile wasserdichte Boxen für unser Badezeug und meine Fotoausrüstung. Die Boxen sind fürs Auto (in dessen Kofferraum es reintropft, wenn es regnet), fürs Boot, aber auch für den Strand, weil es hier jederzeit und ohne Vorankündigung regnen kann, und man danach trotzdem gern ein trockenes Handtuch hätte, trockene Shorts, Geld oder Zigaretten. Wir haben eine Kühlbox für Proviant und Getränke, ohne ginge es zwar auch, wäre aber sehr unbefriedigend.

Ich habe keinen Haartrockner, und ich brauche auch keinen. Frisur ist für mich sowieso eher eine Nebensächlichkeit („Des san ja nur Hoa!“). Ich werde nie Flipflops tragen, auch wenn man es mir hier zu Beginn gegen die geschwollenen Füße noch so sehr empfahl („Rule number one: In Asia, always wear Flip Flops!“). Ich hasse das Gefühl eines Fremdkörpers zwischen meinen Zehen – und übrigens auch das einer gewissen Art von Unterwäsche zwischen meinen Hinterbacken – der Zusammenhang ist eindeutig.

Ich habe mir ein ärmelloses Schwimmshirt gekauft und trage das inzwischen lieber als irgendein Bikinioberteil. Es ist hinterher stundenlang schön kühl mit einem feuchten Shirt. Oben ohne geht hier gar nicht (dazu erzähle ich ein andermal mehr), und stundenlange Einschnürung führt zu Problemen. Mein Brustbein, das unter Rheuma leidet, wie ihr vielleicht wisst, goutiert eingeschnürte Empfindungen auf Brusthöhe nicht, schon gar nicht über längere Zeit.

Wir kommen mittlerweile in unserem Apartment fast durchgehend ohne Klimaanlage aus. Fenster auf, und wir haben Deckenventilatoren, eine super Sache übrigens, die auch für heiße Sommer in unserem Schlafzimmer daheim in LDorf fix geplant ist.
Daheim werd ich mir ein Auto mit Automatik kaufen müssen, wenn ich mein Getriebe nicht ruinieren will, denn der Kuppelimpuls ist mir in unserem Automatik-Uralt-Nissan mittlerweile völlig abhanden gekommen.

Erfahrung macht Weisheit. Ich hab mich sicher verändert, viele Ängste abgebaut oder ganz verloren oder habe zumindest den Mut zur Überwindung leichter zur Hand. Es gefällt mir, schlicht zu sagen „I’m a photographer“ und nicht herumzueiern, dass das ja eigentlich nur ein Hobby ist, und ich ja in Wirklichkeit nur blabla.

Die unzureichende Verbindung zum Internet ist hingegen eine Geduldsprobe. Die ganze Sache mit Prepaid-Karten und Anmeldung beim Provider lässt einen mürbe werden. Nicht nur muss man Karten im Voraus bezahlen (7h 10$), die erkaufte Zeit läuft auch noch nach einer gewissen Zeit (meistens drei Wochen, manchmal auch nur drei Tage) einfach ab und ist dann futsch, auch wenn man sie nicht verbraucht hat. Am Notebook geht das noch halbwegs, am Handy ist es aber eine echte Qual. Und ich spreche nicht von Massenuploads von Je-2MB-Fotos, sondern von Kleinigkeiten: Schnell mal einen Geburtstagsgruß über WhatsApp oder Mail zu verschicken ist mitunter einfach nicht drin.

Im Institut dürfen wir das Internet benutzen, was vor allem für Handy-Apps eine Erleichterung ist – aber sinnvoll nutzen kann man es nur abends oder nachts, in der übrigen Zeit ist einfach zu viel traffic. Man gewöhnt sich dran, es wird (innerlich) besser, und wenn’s gerade nicht geht, dann eben ein andermal. Manches beginnt man auch genauer zu planen, damit es einfacher wird, aber nicht immer gehen diese Pläne auch auf. Ich entschuldige mich daher hiermit auch bei den vielen Freunden, die um Weihnachten Geburtstag haben/hatten, und denen ich nicht (oder nicht taggenau) gratulieren konnte – allen alles Gute!

Mittlerweile ist es mir öfter egal als nicht egal, aber manchmal gerate ich immer noch auf die geistige „Das MUSS doch gehen“-Schiene, und dann versuche ich, der Verbindung mithilfe von hartnäckigem Starren, Fingerklopfen und motivierenden Flüchen eine höhere Geschwindigkeit abzutrotzen. Zur Erfolgsquote brauche ich bestimmt kein Wort zu verlieren. Es dauert eben vieles länger als gewohnt. Sehr viel länger.

Es hat aber auch unbestreitbar positive Seiten: Schön ist zetbeh, dass man den Menschen hier noch ins Gesicht sehen kann. Auch den Jugendlichen. Man sieht nicht nur Ohren und Haarschopf hinter der Rückseite eines elektronischen Geräts. Und warum? Weil es am Handy kein vernünftiges Internet gibt. Die jungen Leute treffen sich doch glatt am Strand und spielen Ball! Lachen, haben Spaß, angeln! Einfach so. Entspannt und zufrieden. Ganz ohne Handy oder anderes Ei-Gerät. Menschen pur. Nun mag man einwerfen, das sei natürlich einfach, mit einem Strand und dem geeigneten Wetter. Aber wie oft habt ihr im Sommer bei uns die Ohren eurer Bekannten und Verwandten ohne angewachsene Elektronikrückseiten gesehen? Zu selten. Sicher zu selten.

Wer mich kennt, der weiß, ich bin für klare Elektronik-Gesellschaftsregeln, und das nicht erst seit Palau. Wir sind immerhin noch ohne „Kommunikationshilfen“ aufgewachsen und erinnern uns daran, wie das war.

Abgesehen also von meinen Anfällen von Verbohrtheit, bei denen ich versuche, das Internet zur Mitarbeit zu bewegen, wobei man mir sicher auch mangelnden Realitätssinn vorwerfen könnte, sind wir schon sehr entschleunigt. Normales Gehen haben wir bereits verlernt, wir schlendern nur noch, und zwar nicht nur ziellos durch die Gegend, sondern auch einem erklärten Ziel entgegen. Kein Grund zur Hast. Was sich auch an der Wampenquote ablesen lässt.

Ist der dicke D!ldo unter Deines Holden Shirt etwa der geknebelte, gebundene, aber letztlich unzureichend versteckte El Reisehase? Warum darf der nicht auch in die Kamera grinsen? Oder hast Du ihn verspeist und hältst Dir deshalb den Bauch? Was hat der arme Kerl nur angestellt?

El Reisehase ist auch schon faul geworden. Ich sag eh immer, komm doch mit, aber er bleibt dann doch lieber im Auto sitzen. Wird eben auch schon alt.

Was mein mir rechtmäßig Zugemuteter da unterm Shirt hat, kann ich beim besten Willen nicht sagen, stimme aber damit überein, dass es überaus seltsam aussieht. Es könnte sich um seine flexible Plastiksack-Wasserflasche handeln, aber auch um eine Winderscheinung. Eine externe Winderscheinung wohlgemerkt.

Oder vielleicht ist es irgendein Plastikschutz, der ist nämlich auch in Abwesenheit der Foto-Plastikbox, also etwa bei Fotoausflügen per schlendries, ein absolutes Muss.

Die Frage, warum ich mir den Bauch halte, kam schon 1999 bei Betrachtung unserer Hochzeitsfotos auf, gleichzeitig mit einem gewissen anderen Gerücht. Wahr ist in beiden Fällen vielmehr, dass es mich zu kühlen scheint, mir den nackigen Bauch zu halten und zu tätscheln. Bei unserer Hochzeit war es sehr heiß, und hier genauso. Nur dass bei der Hochzeit mein Bauch nicht nackig war – dies nur, damit hier keine falschen Vorstellungen aufkommen.

Man kann daran aber auch gut erkennen, was ich mir hier schon alles einverleibt habe – der Mangel an frischem Obst und Gemüse sowie an Kochlust und an hitzebedingter Appetitlosigkeit, die ich durch den Einwurf von Burgern und gezuckertem Brot kompensieren muss, und die Abwesenheit von ordentlichem Mineralwasser mit korrekten Blubberblasen. Ich liebe Blubberblasen! Es gibt Club Soda in Dosen, die man sofort austrinken muss, weil nach etwa vier Minuten keine Blubberblasen mehr vorhanden sind, und manchmal gibt es sogar Club Soda in Flaschen. Das war auch schon die Auswahl an kalorienfreien Blubbergetränken, wenn man kein Saccharin oder Aspartam zu sich nehmen möchte.

Das Ergebnis all dessen wird hier gnadenlos sichtbar. Nachwuchs ist in diesem Bauch auch diesmal keiner, und El Reisehase erfreut sich bester Gesundheit.

Du schaust aber nicht wirklich glücklich aus!

Das bin ich auf diesem Foto auch nicht, denn ich musste kurzfristig das Schlendertempo nach oben kurbeln, um innerhalb der 10 Sekunden Selbstauslöserzeit der Firma Sony die Stufen zu meinem Mann hinunterzuwetzen und mich fürs Foto bauchtechnisch vorteilhaft hinzustellen. Theoretisch hätte ich auch den IR-Fernauslöser benutzen können, der jedoch praktisch aufgrund meines erhöhten cerebralen Entspannungsgrades im Auto verblieb, und für ein Zurückschlendern regnete es zu oft.

Na das ist ja ein schönes Abenteuer?! Oder gibt’s auch in Palau so etwas wie Normalität? Wie schnell kehrt „Alltag“ ein und was ist das überhaupt?

Alltag ist, wenn man arbeiten muss und sich vieles daran orientiert. Wie etwa die Zeit, zu der man schlafengeht, direkt davon abhängt, wann man morgens aufgestanden ist, und wann man am nächsten Tag aufstehen muss. Ja, wir arbeiten hier freiwillig, und das ist nicht nur der Tatsache geschuldet, dass wir sonst kein Visum für vier Monate bekommen hätten. Wir haben uns auch von einem Arbeitsumfeld mehr Kontakte, mehr Einblick, mehr Integration und mehr geistige Abwechslung versprochen als von vier Monaten reinem Seelebaumeln. Und das zu Recht. (Und ich erinnere mit Schrecken an mein massives geistiges Absacken nach nur drei Wochen Kur im niederösterreichischen Hinterland.)

Alltag ist auch, wenn die Dinge sich einpendeln. Man muss einkaufen, damit der Kühlschrank was hergibt. Man muss abgekochtes Wasser in Flaschen füllen. Man muss das Geschirr spülen und im Haus stets für Krümelfreiheit sorgen, weil es hier eine Menge Ameisen und Küchenschaben gibt. Man muss seine Wäsche waschen, wofür es optimale und weniger optimale Tage gibt. Man muss sein Zeug in Schuss halten und dabeihaben, was schwieriger geworden ist, seit wir nicht mehr direkt neben dem Büro wohnen (Foto, Notebook, Badezeug, Wasserflasche, Akkus laden, geladene Akkus dann auch mitnehmen, etc pp). Man muss in seinem Büro am Schreibtisch sitzen und Projekte voranbringen, wofür es ebenfalls optimale und weniger optimale Tage gibt, so wie daheim auch. All das kostet Zeit, die man demzufolge nicht mit abenteuerlichem Paradiesgenuss verbringt.

Abenteuer passiert oft, wenn man über seinen Schatten springt und für Abenteuer sorgt. Oder wenn man ja sagt, wenn sich spontan etwas ergibt. Selbst wenn es unter „Arbeit“ am Wochenende fällt – wenn man vom Aquaristen-Kollegen aufs Meer gekarrt wird, um tauchend neue Korallen für die Aquarien zu sammeln und Fische zu fangen; ganz allein zu schnorcheln, während die anderen irgendwo tauchen, dabei ganz allein einem Hai zu begegnen und einem Humphead Parrotfish, der doppelt so groß ist wie der Hai, danach ganz allein auf dem Boot zu sitzen, zur Beruhigung eine Zigarette zu rauchen und den Wellen am Außenriff zuzusehen. Dafür opfert man gerne mal einen ansonsten freien Samstag – so wie wir gestern. Ich begegne meiner Angst, jeden einzelnen Tag, und das ist gut so.

Abenteuer ist, wenn man nicht zu müde vom Tag ist, um die Augen offenzuhalten – nach Interessantem, Neuem, Einzigartigem, nach etwas, das einen wirklich berühren kann. Es hat für mich durchaus einiges mit der körperlichen Verfassung zu tun, aber natürlich auch mit geistig-seelischer Offenheit und dem Angebot von außen, das sich wiederum mit steigender Offenheit erhöht. Das brauche ich aber gerade der Freundin, die diese Frage gestellt hat, bestimmt nicht zu erklären.

Abenteuer ist, wenn man auch genug Zeit zum Hinschauen hat. Die paar freien Tage in der letzten Woche haben zum Abenteuergefühl einiges beigetragen. Arbeiten bis Sonnenuntergang, einkaufen und nach Hause fahren, ein bisschen lesen, dann schlafen, aufs Wochenende warten, das ist Alltag, und davon hatten wir in den letzten Wochen tatsächlich allzu reichlich.

Find ich übrigens ziemlich unverschämt, dass ihr Weihnachten im Paradies verbringt und dann noch verkündet, ihr werdet „vielleicht ein bißl wegfahren“ :-P

Da ist zwar kein Fragezeichen dran, aber egal. Die Unverschämtheit relativiert sich vielleicht angesichts meiner Alltagsausführungen ein wenig. Viel Arbeit, wenig Zeit – das ist auch hier so gewesen in den vergangenen Wochen. Die Tage sind hier nicht annähernd so lang wie unsere Sommertage – um 17:30 ist es dunkel. Und wenn man mal wegfährt, ist man nicht so sehr versucht, alles einfach aus Gewohnheit fortzusetzen in diesem seltsamen Halbschlaf, in dem wir alle uns mitunter zu befinden scheinen.

Es ist pervers, aber tun wir nicht sehr oft genau das? Endlich ein bisschen Freizeit, und dann sitzen wir erst recht wieder vorm Bildschirm, gähnen ein bisschen und finden, das Leben könnte aufregender sein, während wir auf die stets unverändert undurchdringliche Oberfläche von Facebook & Co glotzen? Manche tun das ja sogar, während andere Menschen sich höchstpersönlich in ihre Gegenwart bemüht haben.

Wie geht’s dir?

Halbzeit. Es geht mir gut. Manchmal denke ich, zwei Monate hätten auch gereicht. Manchmal freue ich mich auf alles, was da noch kommen mag in der nochmal-soviel-Zeit. Manchmal hab ich einen schlechten Tag mit Frust. Manchmal Heimweh, Mamaweh, Papaweh, Freundeweh, Cindyweh oder Bändweh, das ich mitten in meinem Herz ganz heftig spüre, dann gibts ein paar Tränen. Das ist auch okay. Manchmal triezen mich meine Gelenke, das ist nicht so nett, und ich denke, mein Körper weiß trotz allem, dass es eigentlich Winter ist.

Manchmal ist es hier so schön, dass ich jauchze. Die Farbe des Meeres. Fliegende Fische. Über die Wellen holpern, oder über Feldwege ins Unbekannte. Giant Clams mit absurd genialen Mustern. Schildkröten, die im Riff schwimmen. Ruhe. Ein bunter Vogel. Aufgeschlossene, unkomplizierte Menschen. Weiße Rur-Blüten mit ihrem umwerfendem Duft, der tagelang anhält. Das umwerfende Lächeln der Jugendlichen, die am Strand unter der Brücke Ball spielen.

Ja, es geht mir gut. Danke der Nachfrage!

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Und ewig spuckt die Betelnuss

Augustin Krämer, der Hamburger Völkerkundler, schreibt im 3. Band „Palau – Ergebnisse der Südseeexpedition 1908-1910“ von 1926, den ich mit allen anderen Bänden in der digitalen Bibliothek fand:

Der Betelpfeffer KEBUI, der vom Himmel stammt, ist eine göttliche Gabe und wird hoch bewertet. Da er gerne gestohlen wird, pflanzt man ihn in der Nähe der Häuser an und umgibt ihn mit einem Zaun.[…]

(3/S.60(71))
Dazu muss man wissen, dass für die Palauaner Zäune und generell Landbesitz eher unvertraute Gedanken sind.

Weiter schreibt er:
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