Madeira 2012 - Kulinarik

Lustige Sachen gibts hier zu essen.

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Davon gibts noch mehr:

 

Madeira 2012 - Die dritte Reise

Danke an alle, die auf Facebook fĂŒr mein Foto gevotet haben, ich winke von der schönen Insel meinen tausenden treuen Lesern!

Und danke an die lieben Menschen, die unser Haus hĂŒten.

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(Machico heute mittag)

Könnte schlimmer sein! ;)

Davon gibts noch mehr:

 

Rhabarbersirup

Auch schon wieder ein paar Tage her, aber man kommt ja zu nix! Ich habe Rhabarbersirup gekocht! Und das nach einer rhabarbertraumatischen Kindheit, in der haufenweise vorgeschnippselter, tiefgekĂŒhlter Rhabarber vorkam - vielversprechend verpackt in Vanilleeis-Boxen. Ein bisschen zu vielversprechend fĂŒr uns Kinder. Bei meinem Bruder hĂ€lt das EnttĂ€uschungstrauma immer noch an, doch sind seither ein paar JĂ€hrchen ins Land gegangen, die ich zur seelischen Verarbeitung nutzte, und dann kredenzte man uns unlĂ€ngst beim Bandbier im aQuadrat "Pink Tonic" - Gin Tonic mit Rhabarbersirup. Das erschien uns vernĂŒnftig, da ĂŒberaus wohlschmeckend (und obendrein gratis, da wir durch Teilung (nicht Zell-, sondern Beitrags-) Facebookwerbung fĂŒrs aQuadrat betrieben hatten). Der Sirup sei schwer zu kriegen, meinte der Barkeeper, der das Zeug eigens aus DE importiert. Pah, dachte ich da.

Meine Mama sorgte fĂŒr den Rohstoff. Manche Dinge Ă€ndern sich eben nie. Rhabarber wĂ€chst eben dort, wo er wĂ€chst - in diesem Fall bei meiner Mutter im GemĂŒsegarten bzw bei Trimmel in Gerasdorf.

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Mein Sirup wurde aus einzeln handgeschnippselten Rhabarberstengeln hergestellt. Das SchnippselgefĂŒhl bei Rhabarber kann man nĂ€mlich getrost als einzigartig bezeichnen - wer wird da drei oder gar noch mehr Stengel auf einmal schneiden? Dann ist ja der ganze Spaß amputiert! Rapf-rapf! Schön einen nach dem anderen. (Die sind auch zu schön, um sie mit Ă€ zu schreiben, daher bleib ich bei der alten Variante.)

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29 Flaschen Ă  187ml warteten auf ihre FĂŒtterung. Ja, das ist in zweierlei Hinsicht ein merkwĂŒrdiges Maß. Die 187 waren ein gutes Mittelding, um möglichst viele, aber doch nicht allzu mengenmĂ€ĂŸig-popelige Kostproben verschenken zu können. Die 29 nicht, weil ich so schrecklich unkonventionell bin, sondern schlicht deshalb, weil eine Flasche den Transport via Paketdienst nicht ĂŒberlebt hatte.

Eigentlich wollte ich das hier schreiben, damit ich auch noch beim nĂ€chsten Mal weiß, wieviel Zucker ich dann tatsĂ€chlich genommen habe, ich hatte dazu 15 verschiedene Rezepte gelesen und danach einige Zeit mit dem Versuch verbracht, mich mit mir selbst auf ein möglichst niedriges, aber haltbarkeitsmĂ€ĂŸig sinnvolles Maß Zucker zu einigen. Doch ich habe mir keine Notizen gemacht, bzw wurden diese ein Raub der klebrigen Substanz, und in letzter Zeit ist das bei mir eine fatale Verfehlung (keine Notizen zu machen, nicht mich von klebrigen Substanzen berauben zu lassen).

Aber insgesamt kamen etwa 4,5 kg FrĂŒchte zusammen. Man kocht den geschnittenen Rhabarber mit etwas Wasser auf (so viel, dass er halbwegs bedeckt ist) und lĂ€sst ihn 5-10 Minuten kochen - er wird sehr schnell sehr weich. Dann seiht man den Matsch durch ein feines Sieb, fĂ€ngt den Saft auf und kocht diesen mit Zucker und Zitronensaft oder -sĂ€ure nochmal auf, bis der ganze Zucker sich gelöst hat. Wenn man viel Rhabarber hat, macht man das in Ermangelung mehrerer großer Kochtöpfe eben in drei oder vier DurchgĂ€ngen.

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Ich habe auch noch echte Vanille aus der Schote zum Saft getan, was dazu fĂŒhrte, dass die VanillekĂŒgelchen sich voller Angst zu grĂ¶ĂŸeren KĂŒgelchen zusammenrotteten, und ich diese einzeln rausfischen und wieder voneinander trennen musste, damit es nicht so aussieht, als schwĂ€mmen da Erdbrocken in meinem Sirup. Mach ich so nicht mehr.

Es dĂŒrften etwa 5,5l Saft gewesen sein, die ich mit etwa 3,5 kg Zucker vermengte. Einen kleinen Teil hab ich mit Traubenzucker eingekocht, weil der von FructoseunvertrĂ€glichkeitszeitgenossen angeblich besser vertragen wird als normaler weißer oder brauner Zucker. Beim Rest habe ich weißen Zucker und Rohrzucker vermischt, dadurch wird die Farbe etwas krĂ€ftiger.

Endlich durfte der Sirup in seine Flaschen.

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Bis alles an Ort und Stelle war, dauerte es ein Weilchen. Trichter, Schöpfer, und das möglichst ohne klebrige Spuren auf den Flaschen zu hinterlassen, also immer schön easy, easy.

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Schließlich wurden die Flaschen noch mit SchrumpfhĂŒllen versehen, das ging im Akkord mit dem mir rechtmĂ€ĂŸig Zugemuteten und seinen widerstandsfĂ€higen ChemikerhĂ€nden wie am SchnĂŒrchen. Mein Label musste auch noch drauf. Ich hab das noch gar nicht erzĂ€hlt, oder? Ich hab jetzt ein Label, eigentlich fĂŒr meine genĂ€hten Kreationen. Gar nicht so einfach, hier up-to-date zu beiben mit allem, was ich in letzter Zeit so an Neuem erschaffe!

Das Endergebnis sah jedenfalls so aus (man stelle sich dies genau 29 Mal vor).

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Insgesamter Zeitaufwand: Ein ganzer Vormittag.

Den Rhabarbermatsch braucht man nicht wegzuwerfen, zumindest nicht alles, man kann ihn 2:1 mit pĂŒrierten Erdbeeren mischen und mit Gelierzucker kurz aufkochen, das ergibt eine wunderbar flauschige Marmelade. In der sich die Vanille aus der Schote ĂŒbrigens sehr gut macht!

Naturdenkmal Sandgrube Steinbrunn

Sandgrube Steinbrunn by Etoshas Pfanne
Sandgrube Steinbrunn, a photo by Etoshas Pfanne on Flickr.

Mobile Knipserei mitten in der Pampa. Eine schöne alte Sandgrube, viel Unkraut, wobei ich das "Un-" bestreiten möchte - sah alles sehr frisch und ĂŒberlebenswillig aus. Ein Geocache ist auch dort. Ohne den hĂ€tten wir den Ort wohl nicht gefunden.

(Testposting via Flickr ging nur bis zur HĂ€lfte des Textes... Da muss wohl noch drĂŒber gebrĂŒtet werden.)

Perfekter Tag

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Highlight

VerbĂŒrgt echter Dialog mit dem VerkĂ€ufer heute Mittag beim Fliesendorf:

V: "Einen Unterschrank brauchen Sie fĂŒr diesen Waschtisch aber schon!? Zum Befestigen?"

Wir, beinah wie aus einem Munde:
"Na, des machma mit an Siemens Lufthakel. Oder zwa."

V: "Na guat, des geht aa. Zwa?"

Ich: "Ja, kömma die bei Ihnen gleich bestellen?"

V: "Sicher. Wolln'Sas im Sackerl oder in der Flasche?"

Ich: "Danke, wir essen's gleich."

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(Zugegeben, viel wird hier nicht erklÀrt, aber manche Dinge bleiben eben Mysterien, das macht sie ja so schön. Daher trotzdem mit Stichwort...:)

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Industrie und Altes

Aus aktuellem Anlass hier ein kleiner Auszug aus meinen Fotos von alter Industrie:

Diese alten Schönheiten haben einen ganz eigenen Charme, oft ist es in diesen Anlagen menschenleer, nur ein paar Fotografen folgen ihrem Entdeckerdrang und dem leisen Ruf von alten EingĂ€ngen, zerfallenden Mauern und zurĂŒckgelassenen GegenstĂ€nden.

Hier gibts das virtuelle Album zum Thema.

Über Goli Otok und Grgur steht mehr in diesem Eintrag.

Freie MeinungsĂ€ußerung

Gestern in der großen Stadt geknipst.

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Siehe auch hier.

Faltersichtung

Heute hat sich mir wieder mal ein Insekt in den Weg geworfen: ein LindenschwÀrmer (mimas tiliae).

Nicht jedem steht Camouflage so gut!

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minuseinhundertzehn

Ich war heute mal Sachen machen. Konkret hab ich mich schockfrosten lassen. Und das kam so: Man erzĂ€hlte sich schon öfter im Rundfunk, dass KĂ€ltetherapie gegen Rheuma helfen kann. Lange ging mir der Gedanke im Kopf herum, aber gĂŒnstigerweise immer erst dann, wenn ich schon im Bett lag oder sonstwie gerade nicht nahe genug an der nĂ€chsten Suchmaschine dran war. Ich nehme an, mein Körper wehrte sich eben auf seine Art gegen die hirnrissige Idee. Doch eines Tages ĂŒberlistete ich meine Ă€ngstliche Physis und schrob mir einen formlosen Brief, der mich dazu veranlasste, doch einmal Gedanke und Suchmaschine zu verbinden. Ich fand unter anderem einen Artikel eines netten Herrn in der Welt, der mir zugleich Mut und Angst machte. Jetzt Tapferkeit zeigen und mutig weitergoogeln! Ein Kurzentrum mit KĂ€ltekammer ist schnell gefunden hier in der Thermenregion sĂŒdlich von Wien, und mein Todesmut geht sogar so weit, dass ich da schnurstracks anrufe und mir die Rahmenbedingungen erklĂ€ren lasse: Minus 110 Grad, drei Minuten - im Badeanzug, HĂ€nde, FĂŒĂŸe und Kopf werden zusĂ€tzlich geschĂŒtzt.

Nachts darauf trĂ€umte ich von meinem begehbaren Kleiderschrank, ich wĂŒhlte in der Kiste mit meinen Bikinis auf der Suche nach einem Badeanzug mit Rollkragen! Mein Körper sann also nach meiner perfiden Überlistung bereits auf neue Strategien zum Schutz vor seinem drohenden Erfrierungstod (oder zumindest dem meines Halses). Den Worten "Badeanzug mit Rollkragen" wachsen seit kurzer Zeit kleine FlĂŒgelchen in meinem Freundeskreis.

Gut, sagte ich mir, mein Körper fĂŒrchtet sich, ich such mir einen Mitgeher. Mitgeher sind hoch geschĂ€tzt in der Welt, da sie die Unliebsamkeit von Erledigungen auf ein ertrĂ€gliches Maß senken, darĂŒber hinaus haben sie manchmal sogar selbst was davon. Ich fragte herum, erntete aber einige Absagen, die manchmal nach Zusage klangen ("Gern nicht, aber wenn's sein muss"), mitunter aber auch mit skeptischen Äußerungen in Bezug auf meine geistige Gesundheit einhergingen ("Spinnst jetza komplett?"). Doch dann erwischte ich meinen Vater, eiskalt quasi, wie er davon schwĂ€rmte, sich nach der Sauna im Schnee gewĂ€lzt zu haben - und so waren wir schon zwei. Und heute gondelten wir gemeinsam nach Bad Vöslau.

Die Frau Doktor, die uns bei der Voruntersuchung Fragen aus dem gleichnamigen Bogen stellt, macht uns Mut, indem sie andeutet, dass die TĂŒren in der KĂ€ltekammer etwas schwierig zu bedienen sind und manchmal, naja... (den Satz fĂŒhrt sie nicht zu Ende). Aber zum Ausgleich hĂ€ngt ihr nach dem Aufstehen der Hintern ein bisschen aus der Hose, das finden wir sehr zum Kichern.

Und dann gehts in den Vorraum der Kammer, wo sich soeben eine fröhliche Dreiergruppe hineinbegibt in die KĂ€lte. Der junge Betreuer sagt ihnen halbminĂŒtlich durch ein Mikrofon die Zeit an, im Hintergrund lĂ€uft "I'm a believer", und in Nullkommanix sind sie wieder draußen, sehr guter Laune, und verkrĂŒmeln sich. Wir werfen uns in die Bademode, in MĂŒtze, Handschuhe und kĂ€ltefestes Schuhwerk. Ich behalte als Rollkragenersatz eins meiner BaumwolltĂŒcher um den Hals, damit mein Körper mir nicht nachtrĂ€gt, dass ich seine VorschlĂ€ge ablehne. Dann werden unsere beiden BlutdrĂŒcke gemessen, mein Vater hat zu hohen und muss nochmal, dann passt aber alles, wir kriegen die TĂŒren erklĂ€rt, noch einen Mundschutz verpasst, und dann gehts los. Durch zwei Kammern und Schleusen mĂŒssen wir durch, wo es schon eine KĂ€lte hat, der kein vernĂŒnftiger Mensch sich nur mit Badekleidung stellen wĂŒrde, bis wir in der winzigen Kammer ankommen, in denen die bereits mehrfach genannte Untemperatur herrscht.

Und wie sie herrscht. Von drinnen spĂŒren sich drei Minuten völlig anders an. Sie sind gefroren. Gefrorene Zeit, sowas gibts - starre, völlig unnachgiebige Sekunden. Man geht in der Kammer im Kreis herum, soll sich dabei "ganz normal bewegen" und "ganz normal atmen". Die erste halbe Minute geht ganz gut. Man hat noch etwas RestwĂ€rme von draußen. Danach gehts aber ans Eingemachte. Um die pure HartnĂ€ckigkeit, um die Sturheit. Die Haut an meinen Unterschenkeln schmerzt höllisch, besonders vorne, fast von Beginn an. Nach einer Minute wechseln wir die Richtung, man hat ja sonst nichts zu tun. Ein Mitgeher ist gut, wirklich gut, man hĂ€tte sonst zuviel Angst vor den TĂŒren, womöglich ganz allein da drin. Ein Papa ist noch besser. Welche Musik lĂ€uft, nehme ich nur am Rande wahr, ich kenne den Song nicht, er nervt ein bisschen, zu viele Gitarren, aber das ist mir scheißegal, mir ist einfach nur kalt. Jeder Schritt tut mir weh und kostet mich Überwindung, doch stehenzubleiben wĂ€re eine ganz andere Herausforderung.

Mir fĂ€llt auf, dass ich in den HĂ€nden und FĂŒĂŸen gar nicht friere, doch die Haut, die der KĂ€lte schutzlos ausgeliefert ist, nimmt einen Zustand an, den man so noch nicht erlebt hat. Alles schmerzt und kribbelt, das Hirn schaltet sich ab, denken ist Luxus, den man sich bei KĂ€lte nicht leisten kann. Die Zeit zur nĂ€chsten Ansage vergeht quĂ€lend langsam, eigentlich ĂŒberhaupt nicht. Einmal verstehe ich die Zeitansage nicht wirklich und bin verwirrt. Und dann endlich: "Halbzeit!" Hurra! Oder? Was, nochmal so lange? Ich sterbe. Mein Mitgeher ist verschwunden, obwohl er da ist und mit mir im Kreis lĂ€uft, ich nehme ihn nicht wahr, bin ausschließlich auf mich selbst konzentriert.

Nach zwei Minuten fragt mein Vater, ob wir rausgehen sollen. Ich brĂŒlle: "Nein! Das halten wir aus!". Und wir halten es aus. Und aus. Und aus... Wir wechseln wieder die Richtung, ich sehe, höre, schmecke und rieche nur noch weiße, eiskalte Luft. Und vor allem spĂŒre ich sie. Zweieinhalb Minuten. Die letzten dreißig Sekunden sind die lĂ€ngsten. Ich versuche, meinen Oberkörper mit den Armen zu schĂŒtzen, die schmerzenden Beine sind zu weit weg. Doch die Außenseite der Handschuhe spendet nicht die erhoffte WĂ€rme, das weiche Leder ist genauso eiskalt wie die Luft, nur dichter. Kalte Luft strömt zwischen meinen BrĂŒsten hinab, der Unterschied zwischen anliegender Baumwolle und nackter Haut ist unfassbar groß. Und dann, endlich, die erlösende Ansage - geschafft! Drei Minuten durchgehalten! Ich will raus, aber ich kriege die TĂŒr nicht auf. Panik erfasst mich. Mein Hirn hat sich nicht gemerkt, was ich tun muss. Mein Vater ruft "DrĂŒcken, drĂŒcken!" Ach ja, drĂŒcken! Wie ging das schnell? Dann hab ich's, ich ĂŒberlasse meinem Vater das Schließen der TĂŒr, wir mĂŒssen noch durch die Schleusen, immer noch kalt, kalt, kalt, und dann schwappen wir endlich aus der TĂŒr, gemeinsam mit einem Meer aus eiskaltem Nebel zu unseren FĂŒĂŸen.

Papa und Etosha nach dem Schockfrosten

Ich höre meinen Vater sagen: "So eine GĂ€nsehaut hatte ich noch nie", und beginne: "Ich hab gar keine...", doch dann fĂ€llt mein Blick auf die HĂ€rchen auf meinem linken Unterarm, die erbittert um einen Stehplatz kĂ€mpfen, und ich beende den Satz nicht. Meine Haut ist eiskalt - doch nichtmal eine Minute spĂ€ter ist sie glĂŒhend heiß geworden. Das Blut kehrt in die Ă€ußeren Hautschichten zurĂŒck - was fĂŒr ein GefĂŒhl! Beim Anziehen ist die Haut abwechselnd heiß und kalt, je nach Körperhaltung, und ich fĂŒhle mich, als hĂ€tte ich gerade den Everest bestiegen - nackt.

In den ersten Minuten nach dem KĂ€lteschock schmerzt beim Bewegen nur mein rechtes Schultergelenk ein bisschen - aber das war noch heute frĂŒh so schlimm, dass es mich MĂŒhe (und TrĂ€nen) kostete, die Teekanne anzuheben. Der Schmerz im Brustbein beim Atmen, den ich sonst immer spĂŒre, ist jedoch fĂŒr ein paar schöne Minuten völlig weg.

Hinterher ist man glĂŒcklich, aber auch sehr mĂŒde. Auf eine angenehme Art mĂŒde. Und unglaublich gelassen. Die Gelassenheit gefiel mir am besten. Mein Vater sagte, er fĂŒhle sich "erfrischt". Dieser Formulierung verleihe ich hiermit den Titel "Understatement des Jahres".

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