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Blödmann

Steht auf meiner Stirn eigentlich irgendwo „Erklär’s mir – ich bin blond“? Oder glauben manche MediaMarkt-Mitarbeiter generell, sie hätten die Welt erfunden? Jedesmal, wenn ich da hingeh, werd ich wie ein Trottel behandelt oder aber in puncto „wirkliche Wirklichkeit“ auf den vermeintlich neuesten Stand gebracht – speziell in der Computerabteilung.

Diesmal ging das so:

E: Ich hätte bitte gerne ein Chipkarten-Lesegerät.
MMM: (deutet) Die gibts in der Fotoabteilung.
E: Nein – eines für den PC.
MMM: Ja – die sind trotzdem in der Fotoabteilung.
E: Sie verstehen nicht – ein Chipkarten-Lesegerät – für Kreditkarte, Bürgerkarte und sowas.
MMM: Ach so! Ja, die haben wir hier! (Eilt voraus und erklärt derweil:) Na wissen Sie, Chipkarten, das sind Speicher für Digitalkameras.
E: Nein, die heißen Memory– oder Speicherkarten.
MMM: So, hier. Gibts für 62,90 und für 99,90.
E: (studiert Verpackung, auf der Chipkartenlesegerät steht) Und, steht da jetzt ‚Chipkartenlesegerät‘?
MMM: Hä? Ach so, ja.

Genauso damals, als ich (naiv) für meine Standardtastatur (PS2) einen Adapter für USB haben wollte:
MMM: Drüben bei den Spielkonsolen.
E: PS/2. Die Schnittstelle, nicht die Spielkonsole.
MMM: Asoooo! Wozu brauchnSn des?
E: Für buchhalterischen Unfug auf dem Notebook.
MMM: Sowos gibts net.
E: Sicher?
MMM: Ja. Außerdem verlieratnS da ja ganz, ganz viele Fiiitschas!
E: Sie meinen die, die meine Standard-Tastatur sowieso nicht hat?
MMM: Na nehmanS halt a USB-Tastatur.
E: Eine von denen um 59,90 mit dem Sonderkreativ-Layout? Nein, danke. Eine USB-Tastatur mit Standardlayout habt’s net?
MMM: Sowos gibts net.

E: Ich brauche ein Parallel- auf USB-Adapterkabel, parallel-36polig auf USB-Stecker.
MMM: Wozu brauchnSn des?
E: Drucker an Printserver anschließen!?
MMM: Sowos gibts net.

‚Das führen wir nicht‘ ist im Sprachschatz des durchschnittlichen MMM gar nicht enthalten. Wenn MM es nicht hat, dann heißt der Satz ‚Sowos gibts net‘.

Selber schuld, ich weiß. Warum geh ich denn auch da hin? Ich wage es eh nur ganz selten. Aber manchmal muss es eben schnell gehen, heute noch, und da glaubt man zuweilen wirklich, es könnte klappen mit der sofortigen käuflichen Erwerbung. Bestellen kostet Zeit, die man mitunter nicht hat, dazu kommt, dass für Österreich oft geradezu absurde Lieferbedingungen und -kosten gelten.

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Frisst den Staub mitsamt dem Teppich

Da ich nun schon beginne, nachts davon zu träumen, wende ich mich heute mit einem sehr ernsten Thema an euch, einem Thema, das uns alle angeht. Zumindest all jene, die Gegenstände und Werkzeuge tatsächlich zu gebrauchen pflegen, und sie nicht nur als dekorative Elemente im Schrank stehen haben. Ich mag mich täuschen, und vielleicht werde ich auch nur langsam wirklich alt und unflexibel wie ein brüchiger Rexgummi, aber es drängt sich mir der Eindruck auf, dass die sogenannte Usability, also die Gebrauchstauglichkeit von Produkten, eine stetig sinkende Tendenz aufweist, seit es diesen Begriff dafür gibt.

Ob es sich nun um materielle Gebrauchsgegenstände handelt oder um Computerprogramme – wann immer man mir zu erklären versucht, dass ich das Naheliegende, welches ich so gerne unkompliziert und schnell erreichen würde, über sieben Umwege machen muss, bei denen ich mir, je nach Realitätshärte des Produktes, wahlweise blaue Flecken oder Krämpfe im Klickfinger hole, weil es ‚anders nicht geht‘, wird dies stets von folgenden Worten begleitet: „Ja, dann musst du halt… Dann musst du eben… Daran musst du dich eben gewöhnen…“

Aaaaaaaaaaaaaah! Schreien möchte ich, wenn ich sowas höre! Nein, ich muss nicht halt und eben, und ich will auch gar nicht. Da bin ich Querulantin, allem über die Jahre verlorenen Idealismus zum Trotze, jawohl, da widersetze ich mich ausdrücklich und vehement.

Es scheint stets vergessen zu werden, dass die Wirtschaft und die Industrie der Gebrauchsgegenstände für den Menschen entwickelt wurden. Nicht, wie manche gerne glauben und abgeklärt zu behaupten nicht müde werden, für jenen einzelnen Menschen, der sich daran einen goldenen Arsch verdient, sondern für den Menschen im kollektiven Sinne, der diesen Gegenstand dann benützt, damit vielleicht seine Brötchen verdienen oder Teile seines Alltags bestreiten muss. Folglich haben diese Gegenstände sich tunlichst dem Menschen anzupassen, und nicht umgekehrt, und sie haben dem Menschen unterwürfigst und ohne Widerspruch und Verletzungsgefahr zu Diensten zu sein.
Falls diesem Menschen, insbesondere der weiblichen Spielart, mal aus evolutionär naheliegenden Gründen ein dritter Arm wachsen sollte, dann dürfen die Gegenstände hernach diesem Umstand sehr gerne angepasst werden – aber darf es sein, dass erst die mangelnde Usability eines Gegenstandes zu solcherlei Evolution führt? Nein, das darf nicht sein! Und man unterschätze das Tempo der Evolution nicht!



Es begab sich kürzlich im Hause Etosha, dass der Herr ebendieses Hauses den Entschluss fasste, es müsse ein neuer Staubsauger her.

IMG_5314 Der gute alte Dyson der ersten Generation, dezent in lila und grün gehalten, der nun auch schon fast zehn Jahre auf dem Buckel hat, tut zwar im Grunde noch das, was er soll, aber nicht eben mit vollem Taten-, sprich Saugdrang. Wir mochten aber diesen Staubsauger und waren zufrieden damit, also wurde dysonmäßig verglichen und recherchiert – wobei es im Netz übrigens erstaunlich wenige Erfahrungsberichte zum Thema Staubsauger gibt – und letztlich wurde ein DC19 bestellt. Online bestellt. Man(n) ist ja fortschrittlich.

IMG_5286 Zuallererst muss ich einfach sagen, dass man die Saugkraft des DC19 nur sensationell nennen kann. Aufräumen vor dem Saugen empfiehlt sich, und ich meine richtiges Aufräumen im Sinne von ‚alles weg, weg, weg‘. Sonst muss man später seine sämtlichen Feuerzeuge, Kaffeetassen und kleineren Haustiere im Staubbehälter suchen.

Nun nennt mich konservativ, aber das alte lilagrüne Monster hatte auch einige Vorzüge aufzuweisen, die ich am neu durchdesignten DC19 nicht mehr wiederfinden kann. Diese Vorzüge betreffen insbesondere die Lieblingsbeschäftigung aller staubsaugenden Hausfrauen, nämlich jene, mit der Saugkraft des möbelbürstenbewaffneten Dyson allerlei finsteren Ecken und spinnwebenverhangenen Winkeln zu Leibe zu rücken. Mein lieber Schwan, da saugt’s der Spinne nicht nur das Netz zum Leben, sondern auch die Luft zum Atmen weg!
IMG_5303 Rank und schlank präsentierten sich am lilagrünen Monster die Aufsteckplätze für das Kleinzubehör Möbelbürste und Fugendüse sowohl am Ende des Saugrohres…

IMG_5305 …als auch an dessen Andockhafen, dem Haltegriffende am flexiblen Schlauch, sodass auch gröbste Stäube und Naturfilze im Nu geweste welche waren. Damit schlüpfte die kleinhändige Hausfrau wieselgleich und voller Elan in sämtliches Winkelwerk, sogar im Auto, und ließ kein gutes oder auch schlechtes Haar daran. Darin. Wie auch immer.

Etwas anders der DC19. Ja, auch bei ihm kann man die Bodenbürste abnehmen, um eine Möbelbürste direkt ans Rohr zu stecken. Die lustige Führungsschiene mit dem Rädchen untendran bleibt dabei allerdings am Rohr, nicht etwa an der Bodenbürste, und sorgt so für ungebetene Verbreiterung des Werkzeugs und damit Disqualifizierung für das kleinste mögliche Winkelvakuum.

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„Na guuut, dann musst du halt…“, seufzt eine Stimme in meinem Kopf. Nehme ich eben das Rohr ab und verwende die Möbelbürste ohne Verlängerungsrohr, ist sowieso viel flexibler.

IMG_5295 Aber ach, auch damit hab ich den Schlauch, wie man so schön sagt, denn der Haltegriff, in Form, Größe sowie Unhandlichkeit einem Zapfhahn bei der Tankstelle gar nicht unähnlich, verdirbt den Spaß am Winkelwerk (wenn er auch durch interne Verdrehbarkeit wenigstens ein Mindestmaß an Flexibilität zeigt, wie man gerechterweise erwähnen muss.) Man braucht keinen Wochenendworkshop über meditativ-kreative Visualisierungstechniken, um sich vorzustellen, dass man mit diesem Kombinationskonstruktmonstrum nicht gerade jene versteckten Ecken erreicht, in denen sich naturgemäß der meiste Staub ansammelt. Mift!

Was also tun?

Ha, wir nehmen den Zapfhahn einfach auch noch ab und stecken die Möbelbürste nun aber wirklich direkt an den Schlauch! Das Überlisten von Elektrogeräten habe ich nämlich in den Genen, das muss man wissen.

IMG_5296 Humpf – Fehlanzeige. Hier gibt es keine Andockmöglichkeit – der Schlauchausgang ist für die Zubehördüsen zu schmal.

Dann wäre eben maximale Flexibilität gefragt. Lilagrünes Monster hatte eine winkelmäßig verstellbare Möbelbürste.

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IMG_5298 DC19 hat vom Möbelsaugen starrere Vorstellungen – kein Gelenk erhöht hier die Flexibiliät, die Knickung ist Programm.

IMG_5276c Lilagrünes Monster hatte weiters eine Bodendüse mit ausklappbarer Bürste, mit der sich sowohl Teppiche als auch Fliesen- oder Parkettböden abwechselnd saugen ließen, nur durch fröhlich fußbedientes Aus- und Einklappen der Bürste. Flapp-flapp, man wechselte geradezu vorsätzlich die Räume und Untergründe, nur um in den Genuss des Flappens zu kommen.

Die Flat-Out ™-Bodendüse des DC19 passt sich ja dem Bodenbelag automatisch an – wie genau, erfährt man allerdings nicht.

IMG_5288 Zur zärtlichen Behandlung von Hartböden gibt es trotzdem eigens eine Hartbodenbürste (als Sonderzubehör erhältlich, Zuschlag erteilt), deren Bürste man dafür nicht wegklappen kann.

Man rennt also beim Saugen (natürlich nicht) ständig mit zwei Bodendüsen durch die Gegend, vielmehr grübelt man dauernd, wo man die gerade nicht benützte Düse nun wieder gelassen hat.

Es ist eine fast schon erwartungsgemäße Tatsache, dass sämtliche Schlauchanschlüsse, Zubehördurchmesser und sonstige Austauschmöglichkeiten zwischen lilagrünem Monster und DC19 eine Änderung erfahren haben, die die Weiterbenützung von altem Zubehör oder womöglich ganzen Schläuchen und Rohren unmöglich macht. Man könnte es auch als völlig fehlende Auf- und Abwärtskompatibilität bezeichnen.

Die Länge des ausgefahrenen Teleskoprohres auf lilagrünem Monster beläuft sich auf satte 110cm von Bürstenanschluss bis Haltekrümmung – beim DC19 hat diese Länge gute 15cm eingebüßt, was sogar ich mit meinen eher miniaturmäßigen 1,50m Körpergröße im Kreuz zu spüren bekomme, ganz abgesehen von der verminderten Erreichbarkeit diverser Spinnenzweckbauten unterhalb der Raumdecke.

Dafür gibt es am DC19 ein Sonderfeature: Ein sich in Funktion und Bestimmungsort maximaler Unklarheit erfreuendes Stück Plastikrohr, das sich nirgendwo andocken lässt.

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Ich fand es zufällig beim Fotografieren der Säugeriche in der Garage. Es steht Dyson drauf. Konsultiert man dazu die Gebrauchsanleitung, stellt man fest, diese gefällt sich in piktographischer Zartlinigkeit mit grünlettrigen „clik“-Rufen an den vorgesehenen Knackpunkten, sowie in Gewimmel rot durchgestrichener Piktogramme, das seitenweise wiederholt darstellt, was alles man mit dem DC19 keinesfalls anstellen sollte.

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Außerdem stellen die Garantiebestimmungen klar, dass die Garantieleistung keine Schäden umfasst, die durch Teile verursacht wurden, die „nicht gemäß den Anweisungen von Dyson zusammengebaut wurden“. Eine Anleitung zum korrekten ersten Zusammenbau sucht man allerdings vergeblich. Steht aber eh alles im Internet.

Hinweise auf das seltsame Plastikröhrchen liefert die Gebrauchsanweisung nicht.

IMG_5312 Ebensowenig übrigens wie auf die Funktion der roten Schieber an der Unterseite der Flat-Out™-Bodendüse. Sind sie womöglich gar eine Art magisches Portal in die feinstaubliche Anderswelt? Man weiß es nicht.

Für sachdienliche Hinweise bin ich natürlich immens dankbar. Ebenso schließe nicht aus, dass das Problem, wie so oft, durchaus anwenderseitig zu suchen sein mag. Allerdings entspricht die oben gezeigte Montierung der Zubehördüsen tatsächlich genau den Angaben in der Gebrauchsanleitung und im Web.

Zuletzt ist noch zu sagen, dass die „besonders robuste“ Ausführung des DC19 zumindest nicht das Teleskoprohr betrifft, dessen Oberfläche bereits nach dem ersten Sauggang beträchtliche Gebrauchsspuren aufweist. Aber pfeif auf die Optik!

Zitat James Dyson:

Bei gutem Design kommt es immer darauf an wie etwas funktioniert, und nicht nur, wie es aussieht.

Mhm, das sehe ich auch so. Meine persönliche Meinung nach dem Direktvergleich: Hier hat man, allen guten Vorsätzen zum Trotz, die ursprünglich nahezu perfekt gewesene lilagrüne Gebrauchstauglichkeit im Designrausch aus den Augen verloren.

Mein persönlicher Tipp: Die Geräte vor dem Kauf unbedingt in einem Laden vor Ort ansehen und an all ihren Ausgängen auf ihre Winkeltauglichkeit und Körpergrößen-Kompatibilität testen. Alternativ dazu muss man halt runde Räume bauen und bloß keine Möbel reinstellen. Daran muss man sich dann eben gewöhnen.

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Schon Jesus wollte die Lauwarmen ausspucken

In der abgeschlankten Online-Version des Bankspots mit dem Krawattengetacker sehen wir nur die Kurzversion, das Nötigste. Und das wäre fürs TV auch kein Fehler gewesen. Was wir nämlich im TV erblicken, nachdem die Frau voll des neuen Mutes und Elans zur Tür hinausbraust, ist, wie der Bankmann mit verschwörerischem Blick der Sekretärin des soeben festgetackerten Chefs eine unbeschädigte Krawatte in die Hand drückt.

‚Meine Bank ist wie ein Fels in der Brandung und steht auf meiner Seite.‘ Wenn die Bank mir das ernsthaft mit diesem Spot vermitteln möchte, dann muss sie das transportieren – und nur das. Aber nein, man ist ja schwer originell, und taktisch schlauer ist es doch, die Gelegenheit zu nutzen und sich auch die Gegenseite warm zu halten. Im Spot handelt es sich dabei um meinen (gerade erst) erklärten Feind, in der wirklichen Welt um alle zuschauenden Chefs und Wannabes, die sonst womöglich konsterniert die Nase rümpfen – und die es daher zu beschwichtigen und zurück auf die Seite der Bank zu ziehen gilt. So pfiffig. Bravo.

Hier geht es nicht um wirtschaftliche Notwendigkeiten – denn ja, es ist für einen Betrieb notwendig, Kunden zu gewinnen. Wobei man nach einer solchen Szene freilich unterstellen könnte, dass es der betreffende Betreuer aber schon sehr dringend nötig haben muss.

Mir geht es vielmehr um die transportierte Emotion, denn das ist doch der Kanal, auf dem Werbung wirken möchte. Hat dieser Spot mein Vertrauen erweckt? Nun, lasst es mich so sagen: Wenn mein neuer Fels in der Brandung schon bei der ersten sich bietenden Gelegenheit meinem Feind die Hand reicht, ist er für mich ein prinzipienloser Verräter – aber sicher nicht der richtige Bankbetreuer. Der hat überall seine Finger im Spiel, und bei der ersten Gelegenheit, bei der sich ihm ein besseres Geschäft bietet – selbst wenn es mit meinem ärgsten Feind ist – wird er mich fallenlassen und dabei noch ungerührt mit den Schultern zucken – so mein Eindruck.
Ich kann euch also ganz gut beschreiben, welche Emotion da in mir erweckt wird: Es ist eine, die in meiner Phantasie zu einer Situation führen könnte, in der eine Zweckentfremdung der Krawatte eine Rolle spielt und jemand, der blau anläuft. Mein Bankmensch, der opportunistische Scheißer.

Unberechenbare Durchtriebenheit mag zu finanziellen Vorteilen führen, über die der Mensch, der in seinem Leben keine wahre Freude finden kann, meinetwegen heimlich frohlocken soll. Eine geschätzte menschliche Qualität ist sie jedoch nicht, weder an Freunden noch an Geschäftspartnern. Hat man diese ‚Qualität‘ trotzdem, entspricht es der größtmöglichen taktischen Schläue, diese Tatsache für sich zu behalten.

Liebe „In jeder Beziehung zählen die Menschen“-Bank: Wenn man in einer solchen Beziehung zuverlässig, entschieden und mit Rückgrat auf jemandes Seite steht, nimmt man dabei ein eventuelles Naserümpfen der Gegenseite und insbesondere auch verpasste finanzielle Gelegenheiten gelassen in Kauf. Das ist wahre Loyalität.

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Wer ist der Werber?

„Auch nur ein Mensch.“

Soll das eigentlich so eine Art Entschuldigung sein für all die miesen Spots und halblustigen Versuche, die Kaufkraft zum Leben zu erwecken, die uns jeden Tag präsentiert werden? Und für diesen Versuch auch gleich? Oder welchen Zweck hat diese ORF-Kampagne sonst?
Eine ‚Würdigung der Kreativen‘ dieses Landes ist das ja wohl eher nicht. Schwer danebengegriffen, wie ich finde. Ein Glück, dass ich kein Kreativer bin.

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Steuerfrei!

In letzter Zeit scheint es recht beliebt zu sein, dem Endverbraucher mehrwertsteuerfreie Einkäufe zu versprechen. Große Baumärkte kündigen Aktionen an – „Sparen Sie 20% MWSt!“ – und auch kleinere Geschäfte lassen sich den Nepp mit den 20% nicht entgehen, wie es so mancher Schaufensteraufschrift zu entnehmen ist. Aber wieso den Nepp? Ist doch keiner, oder? Richtig, genau genommen sind es gleich zwei.

Dann flötet Ottilie Normalverbraucher ihrem Gatten zu, „Ottilein, mein Schlumperli, dieses Wochenende sind MWSt-frei-Tage bei Unti! Da können wir zwei Hübschen dem Finanzminister ein Schnippchen schlagen und bekommen noch 20% Rabatt dazu!„, und das ist dann gleich doppelt unzutreffend.

Erstmal: Würden große Firmen an gewissen Tagen einfach keine Umsatzsteuer (=Mehrwertsteuer) verrechnen und diese Tatsache dann auch noch auf ihre gewohnt plakative Weise der Welt kundtun, würde der Finanzminister aber Augen bzw. Ohren machen! Schließlich ist die Umsatzsteuer eine seiner größten Einnahmequellen, und sie ist daher nicht ganz grundlos für alle entgeltlichen Lieferungen und Leistungen durch Unternehmer im Inland zu entrichten. Der § 1 UStG bleibt dabei von irgendwelchen fadenscheinigen Werbeaktionen völlig unbeeindruckt, und der Fiskus verlangt ungerührt die Umsatzsteuer vom Unternehmer. Diese Umsatzsteuer ist daher freilich auch im Zeitraum dieser Aktionen in den – vorgeblich umsatzsteuerfreien – Rechnungsbeträgen immer noch enthalten. Das lässt sich ganz leicht anhand des Kassenzettels überprüfen.

Ganz ohne Umsatzsteuer im Inland einkaufen, das geht einfach nicht, schon gar nicht für den Endverbraucher. Außer – wie soll ich sagen – er bekommt gar keinen Kassenzettel ausgestellt, und das sehr bewusst und einvernehmlich. Solche Vereinbarungen wirken sich für gewöhnlich auch dezimierend auf die Preisgestaltung aus.

Was ist es also, das in solchen Aktionen nachgelassen wird? Nicht die Mehrwertsteuer, soviel ist klar. Vielmehr handelt es sich um einen ganz ordinären, sofort gewährten Rabatt.

Zwotens sind die 20% natürlich nicht wirklich wahr, sondern nur scheinbar. Bekäme Ottilie auf einen Betrag von 120 Alpendollars den (vermeintlich ganz klar versprochenen) Nachlass von 20%, so betrüge dieser Rabatt 24 A$, und sie bezahlte 96. Erlässt man ihr hingegen großzügig die enthaltenen „20% MWSt“, so sind das nur 20 A$, und somit 16,67% vom ursprünglichen Normalpreis 120. Sie bezahlt 100, also 4 mehr als beim 20%-Rabatt. Und freut sich.

Warum diese Aktionen so beliebt sind, ist demnach leicht erklärt: Mit diesem einfachen Rechentrick kann der Unternehmer sich ganze 20% auf die Fähnchen schreiben und Ottilie samt ihrem Göttergatten damit lockend vor der Nase rumwedeln, muss aber letztlich nur 16,67% Rabatt gewähren – und darf auch noch behaupten, die beiden hätten keine Mehrwertsteuer bezahlt. Alle freuen sich – und das klingt doch schließlich ganz wunderbar, nicht? Auch wenn nichts davon wahr ist.

Zulässige Werbestrategie oder arglistige Täuschung? Die Frage dabei ist, von welchem Wissensstand man für die Familie Normalverbraucher ausgehen darf. Für mich ist ja die beschriebene Sachlage völlig klar, ich weiß also, was mich erwartet: 16,67% Rabatt und ein Kassenzettel mit der üblichen MWSt.

Aber wie viele Kunden durchschauen das? Wenn ich davon ausgehe, wie gut die Menschen über ihre Arbeitnehmerveranlagungen und Steuererklärungen bescheidwissen – nicht viele.
Rechnen sie später nach und wundern sich, warum sie nun eigentlich doch nicht ganze 20% weniger bezahlt haben? Wenn sie auf ihrem Paragon einen ausgewiesenen Umsatzsteuerbetrag finden, beschweren sie sich dann?
Und wie wird diese Beschwerde vom Unternehmer gehandhabt und das Unbegreifliche begreiflich gemacht? „Na, Sie sind aber naiv!“ vielleicht oder „Das ist doch nur ein Werbegag!„?
Man weiß es nicht. Möchte jemand Feldforschung betreiben?

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Schilderwald

Bei meiner gestrigen Reise in die alte Heimat (= einmal quer durch Wien und auf der anderen Seite wieder raus) stachen mir ein paar Beschilderungen ins Auge.

Zunächst wurde ich eines Friseursalons gewahr, der zur Abwechslung mal keinen besonders ausgefallenen Namen hatte, dafür stand unter dem Logo der ultimative Slogan:

Vertrauen Sie uns Ihr Haar, wir machen Sie zum Star.

Der liebe Herr G. kommentierte das gestern sehr kurz und treffend: ANNNNNNN!!!

Und nein, man kann das nicht einfach weglassen, bloß des Reimes wegen. Wie klingt denn das? Wie Balk, Fahrpl, Fas und Kapl! Nein, davon werde ich kein großer F. Man muss ja nicht jeden Unsinn gleich drucken lassen, der einem einfällt. Mich wundert ja, dass der geniale Einfall noch nicht in der Radiowerbung kommt – gesungen, mit Musik.

Vertrauen Sie uns an Ihr Haar, und wir machen Sie zum Star! Es geht ja auch anders! Und dann klappts auch mit dem Versmaß.


Des weiteren erblickte ich in der alten Heimat gleich an mehreren Stellen neue Werbeschilder der Firma Schöbel Erdbewegungen.

Das finde ich sehr charmant, denn ich meine, der Nachname des Inhabers harmoniert auf das Anmutigste mit seiner Branche und hat absolut das Zeug zur ugsigen Ver-verb-ung:

Hier lassen wir ein Loch ausschöbeln, die Erde muss dann weggeschöbelt werden, und zum Schluss können wir die Reste wieder drüberschöbeln!

Das ist ein zeitwörtlich gebrauchter Eigenname. Wunderschön, nicht?

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Update

Der Blinddarm ist ja doch für was gut! Ich wusste das immer schon.


Reminder für mich selbst: Nokia 6230i: Einen individuellen Weckton einstellen kann man im Menü Organizer – Wecker. Wer immer diese Möglichkeit ausgerechnet dort suchen würde – ich gehör nicht zu diesen Leuten. Nur falls ich es nochmal vergesse.


According to new research, the human body produces a painkiller that could be several times more powerful than morphine. Researchers injected rats with opiorphin, a natural painkiller extracted from human saliva, to suppress pain for chemically-induced inflammation and acute physical pain. The results showed that the administered dose of 1 milligram of opiorphin provided the same painkilling power as 3 to 6 mg of morphine.
Quelle: thefreedictionary.com


Es gibt eine Massage, die Greenberg heißt. Oder Grinberg? Hat jemand damit Erfahrungen?


Unerwünschte Werbeanrufe kann man in Wien beim Fernmeldebüro anzeigen: fb.wien@bmvit.gv.at
(Möglichst viele Informationen bekanntgeben, also Anrufzeit, Name der Firma, Name des Anrufers, angezeigte Nummer oder Rückrufnummer, …)


Die Leute haben echt keinerlei Benimm-Dich. Auf eine sehr freundliche Anfrage meinerseits, mit Anrede, bitte, danke und allem, was sich gehört, an einen Fritzen, der im Usenet ‚haufenweise‘ Filter zum Verkauf angeboten hat, schreibt er mir einfach nur ‚Hab ich alles nicht, sorry.‚ Jaaa, du mich auch.


Eine wenig hübsche, aber umso informativere Fotostrecke zum Thema ‚Woher kommen die Namen großer Firmen?‘ gibts bei Spon.


Noch eine Namens-Etymologie, diesmal zum Thema ‚Die Namen in Harry Potter‘, hab ich einmal gelesen und später nicht mehr wiedergefunden. Aber dafür heute, da hab ich nämlich nicht danach gesucht. (in Englisch)

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Das investigative Bloggen geht weiter

Liebe Trennblatt-Hersteller!

Seit ich im ordnerlastigen Gewerbe tätig bin, und das sind auch immerhin schon bald 20 Jahre, muss ich Eure Trennfahnen aus Karton, die meines Wissens einzig und allein zu dem einen Zwecke hergestellt werden, sie als drittelhohes Trenndings in Ordner zu hängen, per Messer oder Schneidemaschine kürzen.
Meine Frage lautet daher: Wann werdet ihr endlich merken, dass Eure Trennfahnen aus der schmalen Seite handelsüblicher Ordner einen Zentimeter weit ins Freie ragen?

Habt ihr dort wo ihr wohnt kein Lineal? Kein linkes Augenmaß? Keine Sprache? Einen an der Waffel?

Wunderliche Verdrüsse,
Etosha