Wer ist der Werber?

„Auch nur ein Mensch.“

Soll das eigentlich so eine Art Entschuldigung sein für all die miesen Spots und halblustigen Versuche, die Kaufkraft zum Leben zu erwecken, die uns jeden Tag präsentiert werden? Und für diesen Versuch auch gleich? Oder welchen Zweck hat diese ORF-Kampagne sonst?
Eine ‚Würdigung der Kreativen‘ dieses Landes ist das ja wohl eher nicht. Schwer danebengegriffen, wie ich finde. Ein Glück, dass ich kein Kreativer bin.

12 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Man halte einmal die Augen offen. Es gibt viele Spots (und Plakate usw.), die dem eigentlichen Produkt gänzlich entfremdet sind. Gerade, dass es am Ende einmal unter Nennung seines unverständlichen (und also dämlichen) Namens eingeblendet wird. (Man denke einmal an den tanzenden Roboter bei Citroën.) Diese inhaltlose Werbung sagt überhaupt nichts mehr über seine Eigenschaften, Preis, Vorteile (Nachteile ja sowieso nicht) und es wird zunehmend fraglich, wie (also anhand welcher anderen Mechanismen) sie überhaupt funktioniert. Ich behaupte, Werbung ist bei weitem überbewertet und deshalb eine gigantische Geldverbrennungsmaschine.

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  2. jaja, unsere „Interessensvertretung“ vertritt uns Kreativlinge wieder ganz toll. Bin auch begeistert.

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  3. Der tanzende Citroen (ich will das Umlaut-e jetzt nicht extra aus der Zeichentabelle raussuchen) ist ja das Auto selbst und verbindet also per Bildsprache überragende Technik und Lebensfreude. Und mit der Hingucker-CG ist es halt ein … äh, Hingucker ;)

    Die wirklich üblen Werbungen sind die, wo der (vermeintlich) allwissende Kunde zu viel mitredet. Die Agenturen selbst halten sich doch sowieso an die Marktforschung und somit gibt ja dann eigentlich wiederum der Konsument die Richtung vor. (Ausnahmen bestätigen bekanntlich die Regel)

    Das entschuldigt die „Wer ist der Werber“-Campagne aber auch nicht.

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  4. Das ist mitnichten eine Aktion der Interessensvertretung. Zumindest nicht direkt. Guckstu Link oben.

    Wo Kreative gewerblich tätig sind, wird es immer zu Überbewertungen kommen, einfach aufgrund der herrschenden Ellbogengesetze. Wer nicht laut schreit, ist schnell weg vom Fenster. (Nicht, dass andere Jobs keine Kreativität erfordern würden. Aber die wird häufig unter QQ fallen – quiet quality.)

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  5. dass werbung über ein produkt informieren sollte (Eigenschaften, Preis, Vorteile) war glaube ich das letzte mal in den frühen 30er jahren des 20. jhdt die gängige lehrmeinung.

    heute geht es jedenfalls darum, aufmerksamkeit zu erregen, und in dem zusammenhang dann das produkt zu nennen (eine verknüpfung zu schaffen). insofern werbung heute noch vorgibt zu informieren ist daher grundsätzlich davon auszugehen, dass es sich um lügen (oder juristisch das was gerade noch nicht als solche durchgeht) handelt.

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  6. Eine Werbung ist eben genau so gut, wie das Publikum, das sie glotzt.

    Wie heisst dieses voluminöse Auto mit „Q“, was jetzt durch diese Häuserschluchten fährt bzw. von den Häusern (mit Gesichtern!) getreten wird? – Ein gänzlich hirnrissiger, inhaltsloser Spot. Nix mit Lebensfreude, Fahrspass oder sonst auch nur irgendeiner Aussage. Dies ist schlicht sich verselbständigt habender Überfluss.

    P.S.: Ich kann übrigens sogar Punkte ohne Umlaut: ¨

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  7. Wäre Werbung tatsächlich eine Geldverbrennungsmaschinerie, gäbe es sie schon lange nicht mehr. Kein Unternehmen verschenkt heutzutage Geld. Am allerwenigsten an Werbeagenturen. Genau deshalb sind die meisten Werbungen ja Schrott … weil der Kunde den Kreativen über die Schulter schaut, ganz genau weiß, wie es besser geht – und es daher dann auch genauso sehen will. Ich bin sehr froh, dass Werbung hin und wieder auch mal ohne pausenlose Nennung von Produktnamen und Zeigen des Produkts selbst auskommt. Auf diese Art gibt’s wenigstens hin und wieder ein wenig Platz für echte Kreativität – und immer wieder einmal wahre Kleinkunstwerke – siehe Cannes-Rolle.

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  8. Wäre für diese Kreativen ihr Kreativsein tatsächlich der pure Drang nach Ausdruck von Leidenschaft und Ideen – frei vom Streben nach Macht, Geld, Auszeichnungen, Anerkennung und Prestige in dieser Form – dann wäre die Werbung samt der niederträchtigen Einschränkung und Direktive in Form von besserwisserischen und sabotierenden Kunden nicht das Kunstwerk-Transportmittel ihrer Wahl. Jeder kriegt das, was er verdient.

    Natürlich meine ich dieses flammende Plädoyer nicht ganz ernst – die wenigsten Dinge sage ich, wie viele von euch wissen, absolut und wirklich als meine uneingeschränkte Meinung zum Thema. Es ist nur ein Aspekt.

    Der Knackpunkt hier liegt darin, dass das Wort Geldverbrennungsmaschinerie weit nicht so objektiv bewertbar ist, wie es scheinen mag, und es daher völlig legitim ist, die Werbung – wie alles andere auch – als eine solche zu betrachten.

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  9. @G. Werbung (was ist Werbung?) ist natürlich nicht eine Geldverbrennungsmaschine an sich. Selbstverständlich hat sie Funktionen und erfüllt diese auch. Und es gibt sogar wirklich gute Werbung (allerdings viel seltener und unauffälliger, als man meint – meine These: wirklich gute Werbung bemerkt man gar nicht).

    Ich behaupte allerdings, über die tatsächliche Effektivität, die Kosten-Nutzen-Relation (und die Nutzen-Nerv-Relation, die die Funktion womöglich ins Gegenteil kehrt und Werbung in Abschreckung wandelt) macht sich kaum jemand Gedanken. Vieles ist schlicht zur Gewohnheit geworden. Grosse Unternehmen haben einfach ein Budget für Marketing und geben dieses aus, weil sie der Meinung sind, es müsse sein, es gehöre sich so, man müsse ja im Gespräch bleiben usw. Das alles ist übrigens logisch und vorhersagbar, da sich nämlich unsere Produkte funktionell und qualitativ immer mehr angleichen und kaum noch Unterschiede aufweisen. Was will man da noch an echten Vorzügen herausarbeiten? Drum bestreitet man Innovationen auf dem Werbesektor: grösser, bunter, länger, brüllender, es ist quasi ein sich verselbständigender Nebenkriegsschauplatz im Konkurrenzkampf.

    Doch, und sehr viele Unternehmen verschenken sehr viel Geld (das der Kunde mit hohen Preisen bezahlt!) mit schlechter Werbung und bemerkenswert schlechten Internetseiten (Autofirmen … argh!!!). Mehrere Firmen schicken mir seit Jahren kiloschwere Kataloge, um die ich nie gebeten habe und aus denen ich auch noch nie etwas bestellt habe, sowie Firmen-Zeitschriften, die ich ungelesen auf den Müll werfe.

    P.S. #1: Das Auto, das ich meinte, heisst „Qashqai“ (was ist das für ein saudummer Name?), ein Nissan. Man schaue einmal mit einem kritischen Auge diesen schlechten Spot an.

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