Blödmann

Steht auf meiner Stirn eigentlich irgendwo „Erklär’s mir – ich bin blond“? Oder glauben manche MediaMarkt-Mitarbeiter generell, sie hätten die Welt erfunden? Jedesmal, wenn ich da hingeh, werd ich wie ein Trottel behandelt oder aber in puncto „wirkliche Wirklichkeit“ auf den vermeintlich neuesten Stand gebracht – speziell in der Computerabteilung.

Diesmal ging das so:

E: Ich hätte bitte gerne ein Chipkarten-Lesegerät.
MMM: (deutet) Die gibts in der Fotoabteilung.
E: Nein – eines für den PC.
MMM: Ja – die sind trotzdem in der Fotoabteilung.
E: Sie verstehen nicht – ein Chipkarten-Lesegerät – für Kreditkarte, Bürgerkarte und sowas.
MMM: Ach so! Ja, die haben wir hier! (Eilt voraus und erklärt derweil:) Na wissen Sie, Chipkarten, das sind Speicher für Digitalkameras.
E: Nein, die heißen Memory– oder Speicherkarten.
MMM: So, hier. Gibts für 62,90 und für 99,90.
E: (studiert Verpackung, auf der Chipkartenlesegerät steht) Und, steht da jetzt ‚Chipkartenlesegerät‘?
MMM: Hä? Ach so, ja.

Genauso damals, als ich (naiv) für meine Standardtastatur (PS2) einen Adapter für USB haben wollte:
MMM: Drüben bei den Spielkonsolen.
E: PS/2. Die Schnittstelle, nicht die Spielkonsole.
MMM: Asoooo! Wozu brauchnSn des?
E: Für buchhalterischen Unfug auf dem Notebook.
MMM: Sowos gibts net.
E: Sicher?
MMM: Ja. Außerdem verlieratnS da ja ganz, ganz viele Fiiitschas!
E: Sie meinen die, die meine Standard-Tastatur sowieso nicht hat?
MMM: Na nehmanS halt a USB-Tastatur.
E: Eine von denen um 59,90 mit dem Sonderkreativ-Layout? Nein, danke. Eine USB-Tastatur mit Standardlayout habt’s net?
MMM: Sowos gibts net.

E: Ich brauche ein Parallel- auf USB-Adapterkabel, parallel-36polig auf USB-Stecker.
MMM: Wozu brauchnSn des?
E: Drucker an Printserver anschließen!?
MMM: Sowos gibts net.

‚Das führen wir nicht‘ ist im Sprachschatz des durchschnittlichen MMM gar nicht enthalten. Wenn MM es nicht hat, dann heißt der Satz ‚Sowos gibts net‘.

Selber schuld, ich weiß. Warum geh ich denn auch da hin? Ich wage es eh nur ganz selten. Aber manchmal muss es eben schnell gehen, heute noch, und da glaubt man zuweilen wirklich, es könnte klappen mit der sofortigen käuflichen Erwerbung. Bestellen kostet Zeit, die man mitunter nicht hat, dazu kommt, dass für Österreich oft geradezu absurde Lieferbedingungen und -kosten gelten.

11 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. kostengünstigstes chipkartenlesegerät auf geizhals: ab ca. 44 EUR

    adapterstecker ps2 an usb: ab 1,25 EUR auf ebay.

    kabel prallel auf USB: 6,50 EUR auf ebay

    geschäfte die der blödmann folglich nicht machte. abgesehen davon dass das alles dort mindestens das doppelte gekostet hätte.

    onlineshopping hat einen großen vorteil: wenn es das gibt, dann findest du es auch. und einen großen nachteil: wenn es das nicht gibt, dann suchst du lange. die antwort „gibtz ned“ hat google nur sehr selten, da muss die anfrage schon recht absurd werden. wir sind von dieser dienstbereitschaft einfach schon verwöhnt :)

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  2. Das hat mit deiner Haarfarbe nichts zu tun. Wenn, das dürfte es eher an der xx-Chromosomenkombi liegen, die einer xy-Kombination natürlich gnadenlos unterlegen ist. Genauso wie Autoverkäufer dazu neigen, Frauen Dinge zu erzählen, die einfach keiner Überprüfung standhalten. Informierte Frauen können Männer diesen Schlags problemlos dumm aussehen lassen. Und das macht irgendwie Spaß. Wenn der Verkäufer dann die CI-Farbe annimmt (MM) oder die des im Schauraum stehenden Neuwagens, dann ist mein Tag gerettet :D

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  3. Interessant zu erfahren, dass die Haltung, sowie das Wissen um die Produktpalette oder Technik eines MMM international standardisiert ist. ;) Spielt sich in Deutschland, zumindest da wo ich herkomme, ähnlich ab — nur mit anderer Wortwahl.

    Lustig finde ich auch, dass MMM alles daran setzen beschäftigt auszusehen. Kann sogar soweit gehen, dass sich kleine Grüppchen von MMM bilden, die als nicht ansprechbar auftreten — wichtige Besprechung im Gang halt.

    Als ich in die Schweiz gezogen war und mich da zufällig in einen MM verirrte und mir die aktuellen Macs ansah wurde ich tatsächlich aus eigenem Antrieb von einem MMM angesprochen. Ich war so schockiert von diesem einmaligen Ereignis, dass ich nur stammeln konnte, ich würde keine Hilfe benötigen. Ist mir in D. nie passiert und besonders nicht bei den Macs. Also wenn in Deutschland die MMM wenig Ahnung von Technik im Generellen haben, dann haben sie erst recht gar keine Ahnung von Apple-Produkten.

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  4. Mir kommt das Fluchtverhalten eher beim konzerngleichen blauen Markt mit Planetennamen unter, beim roten Blödmann wurde mir schon häufiger Hilfe angetragen. Vielleicht waren das Mitarbeiter, die einen Desorientierungsauftrag hatten?

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  5. jaja, die technik war noch nie meins. jetzt stelle man sich vor, ICH gehe in so ein geschäft…

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  6. … oder ich! Denn ich kann Euch bezüglich Emanzipationsstatus von Autohändlern/Mediamarktverkäufern beruhigen: Die sind da sehr fortschrittlich und behandeln einfach JEDEN wie einen Idioten.
    Bei Autohändlern zumeist nur, sobald sie die geringste Spur von Unkenntnis wittern (wozu sie bei mir im Schnitt etwa eine halbe Sekunde brauchen – ich kann ja gerade noch ein Auto von einem Motorrad unterscheiden. Bin da ganz der Papa :)))
    Bei MM-Verkäufern ist es noch demokratischer – da wird jeder für blöd verkauft, um die eigene Inkompetenz zu verbergen.

    An dieser Stelle muss ich allerdings ganz besonders lobend einen älteren Herrn in des Gerngroß-Saturns (Mariahü) Fernseher-Abteilung erwähnen. Dieser Verkäufer ist sowohl von größter Kompetenz als auch Integrität, Freundlichkeit und Schnelligkeit. Ich bin noch nie so schnell, vorzüglich und freundlich beraten worden – und habe dabei auch noch Geld gespart.

    (Wäre auch jederzeit bereit, diese Werbeansage für einen Radiospot zu vertonen *g*.)

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  7. Blöd ist nur, wenn’s heute sein muss, Martin. Manchmal ist einfach keine Zeit für Bestellvorgänge und Lieferzeiten. Ganz blöd ist dann, dass man nach der Recherche schon weiß, dass es das Zeug gibt und was es kosten kann, sich aber das „Sowos gibz net“ dann trotzdem um die Ohren hauen lassen muss.

    Mathilda, ich hab leider nur wenig Spaß daran, meine Kompetenz beweisen müssen, ich möchte vielmehr, dass sie respekt- und höflichkeitshalber vorausgesetzt wird.

    Mil, der MMM von vorgestern sah gar nicht beschäftigt aus und lauerte schon beim Treppenaufgang auf potentielle Kunden. Sehr verdächtig. Vielleicht ein Anfänger. ;)

    Dieses Fluchtverhalten kenne ich am besten aus dem Baumarkt. Übrigens schon wieder ein roter – ich glaub, die Farbe ist als CI nicht so gut.

    rudolfottokar, am besten hat man da immer seinen persönlichen Berater dabei. Dann kann fast nix schiefgehen. Außer der muss selbst einen Verkäufer fragen. Dann sind wir wieder am Anfang.

    Jaja, Ceh, der Apfel fällt nicht weit vom Ross, was? :D
    Aber gut, dass du den subjektiven Eindruck abschwächst, das hätte was mit den nach außen sichtbaren Kennzeichen des Chromosomensatzes zu tun. Und dass es auch noch Ausnahmen von der Regel gibt. Vermutlich haben sie diese Ausnahme mittlerweile aus Altersgründen auf die Straße gesetzt.

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  8. Per se Spaß am Nachweis meiner Kompetenz hab ich auch nicht. Aber wenn mir schon mal wer unterkommt, der das herausfordert, dann dreh ich eben den Spieß um und lass mein Gegenüber blöd dastehen anstatt mich für blöd verkaufen zu lassen. Und da bin ich dann boshaft und genieße. Am Liebsten ist mir natürlich auch, mein Gegenüber geht davon aus, dass ich schon weiß, wovon ich rede.

    Beim Autokauf sind meine Erfahrungen aber dergestalt, dass, wenn ich aus irgendeinem Grund mit einem Mann an meiner Seite im Autohaus auftauche, der Mann als Ansprechpartner genommen wird, auch wenn klar ist, dass ich das Vehikel zu erwerben plane. Einer meiner Begleiter hat nach der x-ten Frage an ihn, die jeweils ich dann beantwortet habe, dem Verkäufer entgegengehalten: „Ich empfehle Ihnen, sich an die Dame zu wenden, die kauft sich nämlich ein Auto. Ich hab nicht mal einen Führerschein und versteh nichts von der Sache!“ Männern wird in meiner Gegenwart auch nicht so ein Blödsinn aufgetischt wie mir alleine. Wobei ich fairerweise auch sagen muss, dass ich schon sehr interessante Gespräche in Autohäusern hatte, nämlich mit Verkäufern, für die ich mit meinem Wissen keine Bedrohung war.

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  9. Ich geh da nicht mehr hin. Auch in diverse andere Läden (InterD*scount, Off*ce World), in denen man widerwillig von einem 18jährigen Lymmel bedient wird (bzw. eben gerade nicht!). Diese Läden müssen spüren, daß sie bei Strafe ihres Untergangs (und das meine ich auch so) die Pflicht haben, eine anständige Dienstleistung auch tatsächlich zu erbringen und nicht nur Geld gegen billige, eingeschweißte Waren zu tauschen. Das schließt für mich eine fachkundige Beratung ein, was mindestens einmal ein gewisses Wissen über die im Angebot befindlichen Waren voraussetzt. Wer das nicht kapiert, soll an seinem Ramsch ersticken und zwar qualvoll.

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  10. Ja, ODER sollen sie doch GAR KEINE sogenannten Berater hinstellen! Das wär wenigstens ehrlich.

    Abgesehen von deinem Interesse für Autos, Mathilda – ich hab oft den Eindruck, dass es für einen solchen Berater (sei er nun wirklich kompetent oder nur eingebildet) einfach unvorstellbar ist, dass sein „Fach“gebiet für alle anderen Menschen auf der Welt nicht den Mittelpunkt des Lebens darstellt.
    Autoverkäufer sind aber wirklich ein eigenes Kapitel.

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