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Das Un-Buch des Monats

Ich habe zwei Bücher bestellt zum Thema ‘Sternbilder und die ihnen zugrundeliegenden Sagen’, weil in den vorhandenen Astronomiebüchern auf diese Geschichten gar nicht oder nur sehr peripher eingegangen wird. Geschichten jedoch merkt mein Hirn sich sehr gerne und halbwegs gut, und von diesen Geschichten ist es nicht weit zur Wiedererkennung eines Sternbildes am Himmel, das sich zum Beispiel in unmittelbarer Nachbarschaft zu einem mir bereits bekannten Sternbild findet.

Heute ist bereits das zweite Buch angekommen, ‘Die großen Sternbilder’ von Ian Ridpath, und mein Überfliegen der ersten Seiten war von erleichtertem Aufatmen begleitet. Das erste Buch nämlich, ‘Sternsagen’ von Wolfgang Schadewaldt, hatte ich nicht sehr lange in der Hand. Der Mann drückt sich derart geschwollen aus, dass man die Sätze nicht mehr entwirren mag.

Zum stillen Lesen für sich allein geht das Buch ja gerade noch, zum Vorlesen jedoch ist das angestrengte Geschwurbel völlig ungeeignet. Ob der Autor jemals daran gedacht hat, dass man Geschichten aus so einem Buch eventuell auch vorlesen wollen könnte?

Der gutwillige Vorlesende jedoch, in diesem Fall ich, verliert in den furchtbar langen Schachtelsätzen alsbald den Faden – und damit die richtige Betonung. Das gespannte Glitzern in den Augen des Zuhörers bleibt völlig aus, stattdessen sehe ich mich mit einem verwirrten ‘Hä!?’ konfrontiert. Aber mich noch einmal durchquälen durch den Satz, das möchte ich dann doch nicht. Also übersetze ich dem Zuhörer den Sinn des Satzes, soweit ich ihn selbst überhaupt erfasst habe, in brauchbare und verständliche Sprache.
Ein Buch mit reinen Stichworten zu Sternsagen wäre dafür jedoch genauso gut geeignet – wenn nicht sogar besser.

Im Umschlagtext aber steht zu lesen: ‘In der prägnanten und klaren Sprache Schadewaldts…’
Wem fallen zu solchen Satzungetümen ausgerechnet die Adjektive prägnant und klar ein? Also nein, wirklich nicht, kann ich nicht bestätigen. Schadewaldt mag ja ein angesehener Übersetzer gewesen sein, ein begnadeter Geschichtenerzähler war er aber meiner bescheidenen Meinung nach nicht.

Beispiel gefällig?

Kronos aber, der sich so an dem eigenen Vater auf furchtbarste Art vergangen hatte, wurde später zur Strafe für seine Tat wieder von dem eigenen Sohn Zeus gestürzt, der dadurch, dass er den Frevler beseitigte, die Gerechtigkeit in der Welt für alle Zeiten wiederhergestellt und zusammen mit seinen Söhnen, nachdem er noch furchtbare Kämpfe mit den Unholden der Tiefe, den Titanen und Giganten, bestanden hatte, jenes Lichtreich der olympischen Götter begründet hat, in welchem die großen Helden der Griechen heraufkommen und, wiewohl mit Leid und Schmerzen, ihre herrlichen Taten vollbringen sollten.

Das ist ein einziger Satz! Kann man das nicht einfacher sagen? Doch, man kann. Aber man muss auch wollen! So manchen mag es stolz und glücklich machen, wenn er einen Schachtelsatz von solcher Brillanz gebildet hat, dass zwischen dem Partizip und dem Hilfszeitwort zwanzig (20!) Wörter eingeschoben sind. Juchuuu, neuer Rekord!

Schön ist das nicht. Gut verständlich erst recht nicht. Also kann es sich eigentlich nur noch um eine Art der sportlichen Betätigung handeln. Ich aber bin kein Sport-Leser. Ich fühle auch nicht die fragwürdige Erregung des intellektuell Überlegenen in mir aufsteigen, wenn ich wieder einen Satz verstanden habe.
Wer etwas zu sagen hat, der sage es so deutlich, wie es eben geht. Komplizierte Dinge sind freilich oft nicht in einfachen Sätzen auszudrücken, philosophische Betrachtungen etwa oder verwirrende Sachverhalte. Aber nicht die adäquat komplizierte, sondern die möglichst einfache Formulierung macht für mich den großen Philosophen aus, und verwirrende Sachverhalte haben oft sogar eine spürbare Freude daran, systematisch entfaltet und hernach einfach ausgedrückt zu werden.

(Sternbild Bärin / großer Wagen)
Und zu ihm gehört in seiner Nähe das hoch von unten aufsteigende Sternbild des Bootes, in dem man wohl einen Mann erkennen mochte, der, wenn er zum Wagen gehört, den nach urtümlicher Weise Ochsen zogen, Bootes, der Ochsentreiber, war, wenn zur Bärin, der Arkturos, der Bärenwächter.

Abgesehen von allem, was mit der bloßen Konstruktion des Satzes zu tun hat, frage ich mich, was wohl ein ‘hoch von unten aufsteigendes’ Sternbild sein mag. Wenn etwas aufsteigt, dann tut es dies gemeinhin dermaßen zuverlässig von unten, dass die gesonderte Erwähnung jener Herkunft reichlich unnötig wird. Wenn es denn wirklich später hoch aufsteigt, das Sternbild, dann soll es mir auch recht sein. Ich persönlich würde aber schon aus Gründen der Nachvollziehbarkeit, ganz altmodisch autoritär, meinen Sternbildern nicht erlauben, ‘hoch von unten’ aufzusteigen. Alles, was recht ist.

Wie von selbst stellte die große Konstellation der sieben Sterne in der Nähe des Himmelspols sich entweder als Wagen mit Wagenkorb und Deichsel oder, von der andern Seite her gesehen, auch als ein großes, schwerfälliges Raubtier, den Bären oder, wie die Griechen meinten, eine Bärin, dar.

Es tut nicht weh, das Wörtchen ‘dar’ nach vorne zu ziehen, damit der Leser nicht wie von einer Hundemeute gehetzt durch den Satz stürzen muss, nur um endlich an dessen Ende den ersehnten Verbzusatz zu finden, auf den er schon seit der ‘Deichsel’ gewartet hat.

In dem Bergland der Peloponnes Arkadien verehrte man diese Göttin als die ‘Schönste’, Kalliste, und von ihr zweigte, wie das oft zu beobachten ist, die Sage ein Menschenmädchen, ‘die Schönste’, Kallisto, ab und gab ihr zum Vater den Lykaon, der ein so wilder Mensch gewesen ist, dass Zeus ihn in einen Wolf verwandelte.

Dieser Satz kommt mir vor wie ein Foto, das gleichzeitig alles und nichts zeigt, nur um sich nicht festlegen zu müssen, und zu dem unser Freund Miro sagen würde: ‘Jaaa, äh, und das Motiv ist…?’

Wichtige Dinge kann man durchaus in Hauptsätzen erzählen. Wie interessant können Geschichten schon sein, die in Nebensätzen abgestellt werden? Schlussendlich lässt sich auch mit der exzessiven Verwendung dieser Nebensätze nicht vertuschen, dass der Autor sich verzettelt und immer wieder abschweift, dass er drei Geschichten in einer erzählen möchte, nur weil sie ihm vielleicht zwischendurch gerade einfallen.

Nähme man alle ‘zumal’ und ‘wohl’ aus diesem Buch, wäre es wohl nur noch halb so dick, zumal sie sehr häufig vorkommen.

Es ist wahr: Die prägnante und klare Sprache zeichnet den guten Geschichtenerzähler aus. Das Ende einer Geschichte und der Beginn der nächsten sind eindeutig erkennbar. Gewandt und geschmeidig spannt der begnadete Erzähler seinen Bogen, und wenn er dies nicht ohne Umschweife tut, dann immer zugunsten der Spannung und Plastizität. Für den Zuhörer oder Leser bleibt das zielstrebige Hinsteuern auf den Höhepunkt und auf das Ende der Geschichte zuverlässig im Hintergrund spürbar, sodass er sich vergnügt und vor allem vertrauensvoll in die Obhut des Erzählers begibt.

Sieht sich der Vorlesende dagegen mitten im Satz seines Vertrauens beraubt und daher gezwungen, in einem allerletzten, akuten Zornesschub das Buch mittels einer Schleuderbewegung in die nächstbeste Zimmerecke zu befördern, dass es nur so flattert, dann hat’s nicht so ganz geklappt mit dem Überspringen des erzählerischen Funkens.

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My only friend the end

Seit neun habe ich ein seltsames Gefühl im Bauch. Seit zehn warte ich darauf, dass die Welt untergeht. Genauer gesagt seit dem Augenblick, als alle Vögel in der Umgebung des Gartens einander mit allerlei lauten Schreien gewarnt haben und dann Richtung Osten davongeflogen sind. Ich vermute daher berechtigterweise, der Weltuntergang kommt aus westlicher Richtung.

Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass der heutige Tag ein völlig stinknormaler Tag mit einem Beginn und einem Ende, mit Arbeit untertags und Couchhorchdienst abends sein soll.

Nein, ich habe nichts geraucht. Einfach nur ein verdammt merkwürdiges Gefühl hab ich. Das kommt manchmal vor. Ich denke, es ist hormonell. Aber für den Fall, dass tatsächlich die Welt untergeht, möchte ich klargestellt haben, dass ich es schon vorher gewusst habe. Sonst glaubt mir nachher wieder keiner.

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Bitte freimachen!

Obwohl sie währenddessen meistens keine besonderen Horror-Gefühle auslösen, sind meine unbeliebtesten morgendlichen Erinnerungen an Träume der vergangenen Nacht jene, in denen ich mich höchst fragwürdigen medizinischen Behandlungen unterziehen muss und mich nicht wehren kann oder darf. Unlängst hat man mir riesige Injektionsnadeln in beide Beine gebohrt (und ich meine riesig), weil sie (die Beine, nicht die Injektionen) sich im Krampf beim Knie abgewinkelt und eingezogen hatten und sich nicht mehr entfalten wollten.

Einmal wurde ich bei vollem Bewusstsein am offenen Herzen operiert, ein anderes Mal wurden mir in einer dunklen Kammer meine Augen entnommen und zum Einfrieren vorbereitet.
Da frag ich mich beim Aufwachen und Erinnern schon ein bissl: Muss das sein?

Brauche Positiv-Input für neue, bessere Traumgestaltung! Ideen willkommen.

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Augenkrebs II

Ich hab mich nach dieser entmutigenden Episode noch einmal in so einen Laden gewagt, und abermals festgestellt: Ich kann mir heuer kein neues Kleid kaufen. Wäre dort wegen ungebührlichen weil fotografierenden Verhaltens fast rausgeworfen worden, aber dafür habe ich hier und jetzt die ultimativen Beweisfotos:

Ich hätt die Kleider meiner Großmutter aufbewahren sollen, mit denen könnte ich jetzt ein Vermögen machen!

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Versandfrust – Die Antwort

Heute kam Antwort auf meine geharnischte (und noch zu harmlose?) e-Mail an den Klamottenversand meines größten Misstrauens:

Sehr geehrte Frau Gritsch.

Zuerst einmal bitten wir hiermit in aller Form zu entschuldigen, dass Sie mit unserem Service enttäuscht sind

Ihre Kritik bei den Lieferzeiten haben wir selbstverständlich zum Anlass genommen, um intern Rücksprache zu halten.

Wir entschuldigen uns aufrichtig für die langen Lieferzeiten unserer Ware. Die Verspätung ist hervorgerufen durch die extrem vielen Aufträge unserer Kunden, als auch durch ein neues automatisches Verpackungs-System, welches noch in Probe ist. Es ist uns wichtig, Sie wissen zu lassen dass, es uns bewusst ist mit welchen Unannehmlichkeiten Sie zu tun haben. Wir möchten uns nochmals bei Ihnen aufrichtig entschuldigen. Leider ist die die Lieferauskunft die Sie vom System bei der Bestellungsaufnahme erhalten, nur 80 % sicher.

Wie gewünscht, werden wir aber Ihrem Wunsch entsprechen und Ihre Angabe aus unsere Kundenkartei streicheln

Für weitere Informationen stehen wir Ihnen jederzeit zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüssen.
Ihr b0nprix-team online
Kundenbetreuung

Bemerkenswert daran ist:

Die Lieferbarkeit selbst ist nicht zu 100% vorhersehbar, aber die Treffsicherheit der Lieferauskunft kann in Prozent berechnet werden? Irgendwo hat da ein Kennzahlenermittler eine Abzweigung Richtung Holzweg genommen.
Diese 80% sind aber ein Grund mehr, den Kunden bei Änderungen des Status separat zu informieren. Oder steht da zwischen den Zeilen, dass ich diese (mir bis dato gar nicht bekannt gewesene) Tatsache beim Bestellen berücksichtigen müsste? Die restlichen 20% liegen auf eurer Seite, liebe Freunde. Von meiner Seite ist höchstens eine Rücksendung zu erwarten.

Wenn dem Versandhaus von mir und damit von jeder Kundin bewusst ist, mit welchen Unannehmlichkeiten sie zu tun hat, wäre es auch kein Wunder, wenn er mehr Sorgen hat, als ihm lieb sein dürfte.

Insgesamt bin ich aber froh, dass meine ‘Angabe aus ihre Kundenkarte’ nicht gepfeffert oder geworfen, sondern gestreichelt wurde. Das ist eine ausgesprochen kuschelige Beendigung von Geschäftsbeziehungen und sehr rücksichtsvoll. Danke, b0nprix.

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Versandfrust

Sehr geehrte Damen und Herren,

die anhängende Bestellbestätigung und Lieferauskunft für zwei Kleider und einen Rock, allesamt als ‘lieferbar’ tituliert, stammt vom Bestelltag, dem 14.6.2007. Am 6.7.2007, also satte 22 Tage später, halte ich Ihr Paket in Händen, mit einer Rechnung vom 16.6.(!), auf dem zwei der drei Artikel als ausverkauft angeführt sind. Gelinde gesagt ist das eine ziemliche Frechheit. Was eigentlich ist in den 20 Tagen seit Rechnungsausstellung genau passiert? In 20 Tagen gehe ich zu Fuß von Graz nach Wien-Umgebung.

Ich hatte absichtlich früh genug bestellt, weil ich für eine Hochzeit am 20.7. ein Kleid brauche. Wenn in der Mail-Bestätigung Artikel als lieferbar angegeben werden, die sich schon zwei Tage später als ‘ausverkauft’ herausstellen, wäre es da nicht das Mindeste, den Kunden bei Bekanntwerden dieser neuen Umstände darüber zu informieren? Mich drei Wochen auf diese Information warten zu lassen entspricht nicht im Geringsten meiner Vorstellung von einem adäquaten Kundenservice.

Aus Ihrer Katalogadressliste können Sie meine Adresse jedenfalls streichen.

[per Mail an service@b0nprix.at]

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Urbane Legenden

In jedem Berufsalltag gibt es, so vermute ich, die eine oder andere Legende, deren Unverwüstlichkeit nur von ihrer Unrichtigkeit übertroffen wird.
Zumindest gibt es diese Legenden in meinem Beruf, in den uferlosen Weiten der Steuergesetze und Buchhalterei.

Und bei Euch so?

Warum diese Legenden in meiner Branche nicht totzukriegen sind, ist mir ein Rätsel. Ich vermute, es gibt eine Art geistiges Grundgesetz für manche Selbständige, nämlich stets das zu glauben, was derjenige sagt, der nachweislich die wenigste Ahnung vom Thema hat.

Alle Angaben beziehen sich auf die aktuelle österreichische Steuergesetzgebung.

Ich darf nicht zu viele Privatentnahmen aus meiner Einzelfirma tätigen!
Sonst zahle ich so viel Einkommensteuer!

Wer dieses Gerücht in die Welt gesetzt hat oder verbreitet, verdient echt ein paar Watschen.

Die Einkommensteuer wird vom Jahresgewinn berechnet, der sich wiederum aus Einnahmen abzüglich Ausgaben errechnet. Die Privatentnahme ist weder das eine noch das andere, sondern ein gewinnneutraler Vorgang. Bei kleineren Unternehmern, die ihren Gewinn über eine sog. Einnahmen/Ausgaben-Rechnung ermitteln, erfährt das Finanzamt noch nicht mal die Höhe der Privatentnahmen.
(Nicht zu verwechseln mit dem Eigenverbrauch, das ist die private Nutzung oder die Entnahme von Betriebsvermögen! Dieser Eigenverbrauch ist sehr wohl einkommensteuerpflichtig, und, wenn die Anschaffung zuvor vorsteuerabzugsberechtigt war, auch umsatzsteuerpflichtig!)

Gelder jedoch kann man auch nur privat entnehmen, wenn man zuvor ein bisserl Gewinn gemacht hat – sonst wird das Bankkonto nämlich öd und leer aussehen. Auch Einkommensteuer zahlen wird der Unternehmer nur dann, wenn er Gewinn gemacht hat.
Der logische Zusammenhang liegt also auf der Hand – aber mit der Höhe der Einkommensteuer haben die baren Privatentnahmen aus einer Einzelfirma überhaupt nichts zu tun. Never ever!


Alles, was der Unternehmer ‘absetzen’ kann, kriegt er vom Finanzamt zurückgezahlt!
Deswegen sind auch alle Selbständigen automatisch saumäßig reich.
Die leben nämlich vom Finanzamt, die Säcke.

Falsch. Wahr ist vielmehr, dass das Finanzamt und der gesamte Staat von den Steuerzahlern lebt, worauf jeder mit ein bisschen gesundem Menschenverstand auch von alleine kommt.
Wahr ist außerdem, dass diese Absetzposten – vulgo ‘Ausgaben’ – nur die Bemessungsgrundlage für die Steuer, nämlich den Gewinn, senken.

Das einzige, was der Unternehmer tatsächlich und wahrhaftig vom Finanzamt vergütet erhält, sind die Umsatzsteuerbeträge, die in seinen Ausgaben enthalten sind. Er wendet also nur die Nettobeträge für seine betrieblichen(!) Ausgaben auf.
Auch da ist die Abzugsberechtigung nicht endlos; so gibt es beispielsweise für Pkw-Ausgaben keinen Vorsteuerabzug (Ausnahmen bestätigen die Regel: Taxis und Fahrschulen). In anderen Ausgaben ist von vornherein gar keine Umsatzsteuer enthalten (Post, Gebühren, Versicherungen, etc.)

Weil aber auch der Unternehmer von Konsumenten oder Firmenkunden Umsatzsteuer-Beträge kassiert, die er zuvor auf seine Preise aufgeschlagen hat, und weil er diese an das Finanzamt weiterzahlen muss – er ist da quasi nur Mittelsmann – gibt es meistens am Umsatzsteuer-Fälligkeitstag dann doch kein Geld vom Finanzamt. Vielmehr zahlt der Unternehmer hängenden Ohres, aber tapfer die Differenz zwischen erhaltener Umsatzsteuer und mitbezahlter Vorsteuer an das Finanzamt ein. So schauts aus, meine Herrschaften.

Es gibt jedoch die berüchtigten ‘vorsteuerabzugsberechtigten Kleinbusse’, die seit jeher den Neid der arbeitenden Masse auf die Unternehmer erregen, weil ebendiese Masse größtenteils dem besagten Irrtum unterliegt, das Finanzamt ersetze dem Unternehmer die Kosten für diese Fahrzeuge. Das ist Unsinn! Nur die Umsatzsteuer für die Ausgaben wird ersetzt – allerdings auch nur für betriebliche Fahrten. Fährt der Unternehmer privat spazieren, muss er den anteiligen Umsatzsteuerbetrag am Jahresende im Zuge des Eigenverbrauches/Privatanteiles ans Finanzamt zurückzahlen und ist somit in seinen Privatfahrten dem herkömmlichen Autofahrer gleichgestellt.


Das Finanzamt hat mich beschissen, weil es mir nicht meine
gesamten Sonderausgaben zurückgezahlt hat!

Genau wie die beschriebenen Betriebsausgaben des Selbständigen nicht ersetzt werden (siehe oben), werden auch niemandem die Sonderausgaben vom Finanzamt zurückgezahlt. Auch sie senken nur die Grundlage für die Steuerberechnung, und zwar sowohl bei selbständigen Einzelunternehmern als auch bei nichtselbständig Tätigen (vulgo ‘Angestellten’).

Auch werden die Sonderausgaben nicht in der vollen, bezahlten Höhe abgezogen. Derzeit liegt der Höchstbetrag für Sonderausgaben jährlich bei 2.920,- Euro; ein Viertel davon wird vor der Steuerberechnung von den Einkünften abgezogen, also 730 Euro. (Es gibt noch einen Erhöhungsbetrag für kinderreiche Familien.) Höchstbetrag soll heißen: Du darfst zwar gerne mehr Sonderausgaben haben, es interessiert das Finanzamt aber nicht.
Danach wird die Steuer (neu) berechnet. Man kriegt also maximal den Steuerbetrag zurück, der auf diese 730 Euro entfällt (also irgendwas zwischen 34 und allerhöchstens 50% davon), aber niiiemals nicht die ganzen 730 Euro, und schon gar nicht den vollen Betrag der bezahlten Sonderausgaben.

Die gängigsten Sonderausgaben sind übrigens freiwillige Personenversicherungen (Lebens-, Unfall-, Krankenversicherung), Rückzahlungen für Wohnraumschaffung oder -sanierung, und (zusätzlich) der Kirchenbeitrag in einem Ausmaß von derzeit € 100,- jährlich.


Ich kann als Selbständiger der Pflicht zur Abschreibung über die Nutzungsdauer (“Afa”) für Güter über 400 Euro entgehen!
Ich brauche nur den Gesamtbetrag auf mehrere Rechnungen aufteilen zu lassen!

Schon, aber nur so lange, bis der Betriebsprüfer kommt.

Wirtschaftsgüter, die mehr als 400 Euro kosten, müssen nämlich über das sog. Anlagenverzeichnis über die Nutzungsdauer abgeschrieben werden. Bei einer Nutzungsdauer von 4 Jahren ist also der Kaufpreis als Ausgabe zu je 25% auf das laufende und die kommenden Jahre aufzuteilen. (Soviel zum Thema ‘Die Unternehmer habens so super.’)

Ja, Wirtschaftsgüter, die unter 400 Euro kosten, sind als ‘geringwertige Wirtschaftsgüter’ im Jahr der Anschaffung komplett als Ausgabe absetzbar. Das heißt aber nicht, dass man eine große Einheit nur auf mehreren Rechnungen in ihre Bestandteile zerlegen muss, um lauter geringwertige Wirtschaftsgüter verbuchen zu können.

Auch ein Betriebsprüfer weiß, dass ein Motherboard, ein Gehäuse, ein Prozessor, eine Harddisk und ein DVD-Laufwerk miteinander eine Einheit bilden, die auch Rechner genannt wird. Wer trotzdem stets aufgeteilte Rechnungen fordert, zieht sich damit maximal den gerechten Zorn seiner Lieferanten bzw. des Fakturierpersonals zu.


Wer mir noch einmal mit einer dieser Legenden kommt, bekommt diese Abhandlung vor den Latz geknallt.

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Cerebraler Strudel mit Ei

Bei so hohen Temperaturen wie gestern tut mein Hirn nicht immer ganz genau, was es soll. Wenn einer verrückt wird, fällt es ihm ja auch nicht notwendigerweise auf. Ich halte das für einen Nivellierungsmechanismus des Gehirns – so ähnlich, wie der durchschnittliche IQ stets 100 beträgt, auch wenn die Menschen im Schnitt immer schlauer werden – nur eben von innen organisiert.

Gleich einer Regierungsbehörde, die das dumme Volk vor herben Realitätskollisionen bewahren soll, täuscht das Gehirn also rege Geschäftigkeit vor und erhält den Schein aufrecht.
Damit mir etwa ein Ausfall meiner dreidimensionalen Vorstellungskraft verborgen bleibt, simuliert mein Gehirn sozusagen den Normalzustand, bis der Schaden behoben ist oder aber eine Gewöhnung stattgefunden hat.
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Oberkante Unterlippe

Ich hab sowas von die Nase voll von all den zweifelhaften Existenzen, die sich im Internet rumtreiben. Wenn ich mir ansehe, was SpamKarma2 täglich so an (Ab)Schaum von meiner Pfanne abschöpft, wird mir schlecht. Schaue ich in den Spamordner meines Webmail-Accounts, frage ich mich ernsthaft, was die ganze Kacke soll.

Hört mal, ihr Deppen, es wär Folgendes: Wenn ich etwas kaufen will, dann gehe ich ins Geschäft. Alternativ dazu starte ich – denn, Überraschung, das kann ich! – eine Suche im Netz. Ich will mich nicht mit ‘Hi!’ ansprechen lassen, so heiß ich nämlich nicht, ich will keine Mails, die mit Re: beginnen und so tun, als hätte ich, ich!!, euch Säcken jemals geschrieben, und ich brauche von euch keine Angebote, weder für Aktien oder Online-Casinos oder Medikamente, noch für Vergrößerung diverser Körperteile, und schon gar nicht siebzigmal am Tag.
(Am meisten tun mir ja all die Menschen leid, die neu sind in diesem leidigen Medium, und die sich tatsächlich noch (kurz) freuen, wenn ihr Posteingang nach dem Mailcheck zum Bersten voll ist.)

Und ich hab vor allem keinen Bock, mein Blog oder meine Galerie doppelt und dreifach absichern zu müssen gegen irgendwelche Stinker, die mir Frames in meine php-files schreiben, nur weil sie es können. An all die verwunschenen Arschgeigen da draußen: Habt ihr nichts zu tun, das weniger erbärmlich ist? Das Werk anderer, in das sie viel Liebe und Arbeit stecken, zu unterwandern oder zu ruinieren ist eine Lebensaufgabe, ja? Beim Scheißen soll euch der Blitz treffen!

PS: Galerie ist offline.

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Augenkrebs

Meine beste Freundin heiratet ihren Freund am 20. Juli. Unter freiem Himmel, im Gartenpavillon. Romantischer gehts nicht! Gutes Wetter ist bestellt, hoffentlich liefern die da oben rechtzeitig.

Zu diesem Behufe haben wir zwei Mädels uns unlängst in der SCS rumgetrieben, das ist, für alle Außerösischen, ein riesiges Einkaufszentrum mit profunder Verwirrungstaktik, insbesondere was die Lage der Ein- und Ausgänge betrifft. Waren wir da nicht schon? Nein, da müsste doch an der Ecke ein anderes Geschäft sein! Da gabs doch diese… Geh bitte heast! Können die Leut net aufpassen? Immer dieses Gerempel! Wo wollten wir noch hin? Nein, von da sind wir doch gekommen!

Es kommt also vom Angstfaktor her einem Fallschirmsprung gleich, dieses Ungetüm zu betreten, insbesondere an einem Samstag – und es war Samstag. Weiterlesen