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Besungen

Ich habe ein Geschenk bekommen, so kurz vor Weihnachten. Es kam nicht in einem Karton mit der Schneckenpost. Es ist überhaupt nichts, was man anfassen könnte. Es ist ein Stück Musik – nein, eigentlich zwei Stück, in einem Album. Ich bekam es per Mail, mit ein paar sehr netten Worten von einem Menschen, der mir bis dato völlig unbekannt war. Er hat hier auch noch nie kommentiert, scheint sich aber öfter hier durchzuklicken.

Wenn auch der nachfolgende Mailverkehr im Grunde mehr verwirrt hat, als er enträtseln konnte, ist es ganz bestimmt das kreativste Geschenk, das ich je bekommen habe – und auch das überraschendste. Sehr persönlich. Und sehr schräg!
Fühle mich gebauchpinselt – danke, lieber Fex!

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Onkel!

Ich bin ja vor einigen Wochen wieder Onkel geworden! Man muss nämlich immer abwarten, ob es ein Bub oder ein Mäderl wird – erst dann kann man sagen, ob man Tante oder Onkel geworden ist.

Gerne hätte ich euch an dieser Stelle mit Fotos beglückt, die den frischgeschlüpften Neffenzwerg mit dem klingenden Namen Leo Johann im Arm des (auch nicht besonders großen) Tosha-Onkels zeigen, aber meine Galerie wird erst in den Weihnachtsfeiertagen repariert – von meinem Bruderherz, der aus begreiflichen Gründen derzeit ein bisserl im Stress ist.

Wenn ich jetzt aber noch länger warte, ist Leo schon in der Schule, bevor ich zu diesem sensationellen Großereignis endlich einen adäquaten Eintrag geschrieben habe! Denn geboren wurde der kleine Mann bereits am 10.11.2007 um 12:54h.
Zur Überbrückung der Wartezeit gibt es ein kleines Fotolein nebenan beim stolzen Papa.

Es ist, wie ich mich persönlich überzeugen konnte, ein Kind von gar prächtiger Qualität, solide verarbeitet und doch sehr weich und flauschig. Darüber hinaus ist es freilich von grandioser Intelligenz und beispielhafter Bravheit. Den haben sie wirklich gut hingekriegt, die zwei Lieben!

Mein großer Bruder ist jetzt ein Papa! Auch bisher hat er sich als Papa für die beiden halbwüchsigen Kinder seiner Frau gut gemacht, wie ich finde – aber dies hier ist doch nochmal eine ganz andere Dimension. Ich bin stolz!
Weihnachten wird heuer ganz anders!

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sing, klimper und schepper

Gestern abend fand ein Happening epochalen Ausmaßes statt, nämlich die lange ersehnte Neuauflage einer Session mit meinem unfassbar musikalischen Freundeskreis und meinem sogenannten lustigen Bruder. Nachdem wir beim letzten Mal nach der Devise ‚Wir ham no jede Hüttn leergspüüt‘ für die Unterhaltung eines ganzen Cafés gesorgt und trotzdem alle Getränke regulär bezahlt hatten, lautete der Beschluss für diesmal: Private Räumlichkeiten von Freunden an der südniederösterreichischen Weinstraße. Der Tequila kostet so wesentlich weniger, und Orangen gibts auch dazu.

Wenn jedoch die prinzipiell musizierwilligen Menschen einander länger nicht gesehen haben, sich gar in der Zwischenzeit menschliche Geburts- und tierische Todesfälle ereignet haben, dann ist der Drang zum Geschrumme und Gesumme nicht ganz so enthusiasmiert, und wird ständig von einer lästigen menschlichen Angewohnheit durchkreuzt, die man mit etwas Willen zu neutralen Formulierungen auch als Gespräche bezeichnen kann.

So fanden wir später auch heraus, dass es über das Mööpen (eine ganz bestimmte Berührung, die man an fremden Tieren vollführen kann, die singen und beim entsprechenden Gemööptwerden das Fellmuster wechseln) sogar einen Wiktionary-Artikel gibt. Oder zumindest Reste davon. So wesentlich ist das Mööpen für die Welt, man glaubt das kaum!
(Das fremde Tier übrigens singt voller Inbrunst Mööhööbeuheu-Heubeumööhöö!, was in etwa bedeutet: „Seht, das dicke Huhn auf dem Dach! Ist es nicht (ein wenig) wie der Wind in den Weiden?“ Danke, Walter Moers, für die Bereicherung mit Running Gags seit unserer lange verflossenen Sturm- und Drangzeit!)

Um sich als neues Mitglied in eine solche Runde nahtlos einzufügen, muss man schon ziemlich seltsam sein. Was aber offensichtlich keine allzu schwerwiegende Herausforderung darstellt für jemanden, der mit eigener Schräglage ausgestattet ist und mit der Fähigkeit, sowohl gälischen Folk als auch tschechische Gstanzln zum Besten zu geben – und das frohgemut und wohlgestimm, und mit beeindruckender gitarristischer Fingerfertigkeit.

Der Percussion-Unterricht, den der Lieblingsschlagzeuger dem halbwüchsigen Sohnemann seiner Freundin erteilt, scheint ebenfalls Früchte zu tragen, sodass der Rhythmusgruppen-Nachwuchs problemlos mithalten konnte. Da werden halt noch echte Werte vermittelt!

So wurden also auch Gespräche von Musik unterbrochen, nicht nur umgekehrt. Auf eine ausführliche Antwort des Lieblingsschlagzeugers muss man zwar mitunter ein Lied lang warten – unmittelbar nach dem letzten Taktschlag nimmt er den Gesprächsfaden aber ebenso selbstverständlich wie nahtlos wieder auf. Musizieren im Wurmloch zwischen Frage und Antwort, quasi. Man kann sich ja abwechseln.

Angesichts des abzuarbeitenden Informations- und Klangaustausches liegt jedenfalls auf der Hand, dass man sich unbedingt öfter treffen sollte. Oder früher am Tag. Oder beides. Es dauert nämlich seine Zeit, bis man musikalisch richtig warm wird, und dann ist es jählings 4 Uhr früh, ohne dass man sich auf eine wohlgeordnete Verteilung der zweiten und dritten Stimmen geeinigt hätte. Dafür aber auf eine Übernachtung im Kinder- oder Kellerzimmer.

Um diese Zeit gab es noch ein bisschen Schullandwochenstimmung bei Jamaica Farewell und Oh Susanna (ja, echt jetz!), und einen wohlverdienten Betthupferlimbiss an besäufnischaotisch anmutendem Tisch.

Der Hund war schon zu Beginn des Abends vorübergehend im Heizungskeller verschollen gewesen, und beim ohnehin so lange wie möglich hinausgezögerten Schlafengehen war er abermals meinem Wissen um seinen Aufenthaltsort entfleucht, was mein ruhiges Einschlafen gekonnt verhinderte. Dabei hat das Vieh seelenruhig unter dem Gastgeberbett gebüselt.

Obwohl reich beschenkt mit feudalem Frühstück von den Gastgebern, signiertem Blümchenbild von deren Tochter und einem Termin fürs nächste Happening verließ ich die gastliche Stätte eher un(frei)willig – so schöne Gelegenheiten können mir einfach nicht lange genug dauern. Mir scheint es beinah undenkbar, aber womöglich habe ich in meiner verflossenen Jugendheit doch nicht oft genug Session mit anschließendem Frühstück genossen.

Meinen innigsten Dank den lieben Gastgebern und Mitwirkenden – es war mir der gewohnte Hochgenuss!

(Nächster Termin für die Musikwilligen übrigens: 12. Jänner 2008)

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Gestern ist morgen

Musik kann in mir annähernd das vollbringen, was Geruch vermag: Situationen ins Leben zurückzurufen, als wären sie nie vergangen, mehr in Farbe und Form und Gefühl als in Gedanke, Gespräch oder gar Tatsache.
Gerade eben fiel mir Milvas Version von ‚Johnny Guitar‘ ein. Das Lied ließ den Herbst da draußen mitsamt seinem rauhen Wind und seinem Krähengeschrei mühelos und innerhalb eines Augenblickes verschwinden. Und während der sich stetig drehende Plattenspieler in meinem Kopf das Lied weiterspielt und Milvas tiefe Stimme vor minimalistischer Begleitung klagt, tauchen vor mir Gespinste aus meiner Kindheit auf, reine Sinneserfahrung, völlig frei von linkshirnigen Daten wie Jahreszahlen oder Ortsnamen.

Sommerurlaub im Süden. Duftendes gegrilltes Brot, das knusprig knirscht, während es mit dunkler, klebriger Hagebuttenmarmelade bestrichen wird. Das abendliche Zikadenkonzert richtet sich nicht nach dem Rhythmus der Musik. Es dringt in meine zufriedene Schwere, ansatzweise erkenne ich darin eine Art Unabhängigkeit. Kerzenschein beleuchtet einen Campingtisch, streift immer wieder einen Korken und das dunkel darin eingesogene Rotweinmosaik, flackert über weite, leichte Kleidung in tiefroten und orangefarbenen Tönen.

Meine Kinderhaut mit den Meersalzkrusten wird gestreichelt von warmer Abendluft, die nach Kiefernnadeln und Rosmarin duftet. Völlig unpassend, aber eng damit verwoben steigt von der Luftmatratze, auf der ich schlafe, jener intensive Gummigeruch auf, von dem ich bis heute nicht weiß, ob ich ihn auf perverse Weise angenehm oder aber ganz furchtbar finde.

Die Moll-Akkorde und vor allem Milvas Tonfall an der Stelle ‚und ich nannte ihn…‚ dringen warnend an meine Instinkte und lassen mich etwas erahnen, das mir zu diesem Zeitpunkt noch fremd ist, das noch keine eigenen Erinnerungen auslöst, und das für mich so wenig bedrohlich und wahr ist wie der Wolf im Märchen, wie eine Geschichte aus einer nicht so heilen, aber weit entfernten Welt. Ich kann spüren, dass das Leben wohl zuweilen etwas Schweres, Verzweifeltes haben muss, oder aber etwas verzweifelt Glückliches, das festzuhalten und später wieder hervorzuholen jedenfalls nur mit einem Lied gelingen kann.


Edit:
Schöne Idee von der Nachtschwester, ein Stöckchen draus zu machen: Welcher Song aus welcher Zeit ist untrennbar mit welchen Eurer Kindheitserinnerungen verbunden?
Sie hat schon mit kräftigem Arm in die Runde ausgeteilt, Merlix und Ole wären bei mir wohl auch dabeigewesen (letzterer allein schon wegen seiner musikalischen Affinität) – und wer möchte noch? Monsieur baumgarf vielleicht, mkh kann das sicher sehr schön (es ist ja auch kein ‚richtiges‘ Steckerl), dieJulia freilich, mein Bruder natürlich auch und vielleicht Frau percanta? (Alle Links auswendig! Ha! :)
Und wer sonst noch möchte, natürlich, bedient euch und hinterlasst einen Link (händisch bitte, Trackbacks sind off)!

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Hoch-Zeit

Strahlenden Sonnenschein auf der Haut spüren. Mich immer wieder über die erstaunliche Hitze wundern. Zwei Tage lang von früh bis spät Vorbereitungen treffen, Schulter an Schulter mit der Braut, meiner lieben Freundin. Tausend kleine und große Dinge erledigen, fast bis zum Umfallen. Dem Bräutigam beim Glücklichsein zuschauen. Denken, dass er allen Grund dazu hat! Abends den phantastisch sternenübersäten Himmel bewundern.

Und dann am schönsten Tag des Jahres die schönste Braut der Welt erblicken, mit ihrem bezaubernden Lächeln und den unglaublich roten Haaren in ihrem unglaublich grünen Kleid. Und ihren zitternden Händen. Während eines Liedes mitten in der Zeremonie schnell zurücklaufen, um der Braut den vergessenen Brautstrauß zu bringen. Ein paar Tränchen wegzwinkern. Einen filmreifen Hochzeitskuss betrachten. Und noch einen! Ein starkes Gefühl von Freude empfinden.
Drei Unterschriften beobachten, eine Unterschrift leisten. Zusehen, wie Seifenblasen und Rosenblätter durch die Luft segeln. Sektgläser klirren lassen. Diese beiden lieben Menschen an mein Herz drücken, alles Glück der Welt wünschen und es von Herzen so meinen.

Vor Hitze appetitlos ein wenig um das schöne Essen trauern. Sehr nervös eine Rede halten. Ein rauschendes Fest mit toller Musik feiern. Die Gäste gemeinsam ein Bild malen lassen. Dazwischen Dinge erledigen. Die Braut davon abhalten, Dinge selbst erledigen zu wollen. Stattdessen mit ihr Tequila trinken. Ballons mit Wünschen an das Universum in die Abenddämmerung fliegen lassen. Den späten Abend gemeinsam mit dem ‚harten Kern‘ des Freundeskreises ausklingen lassen.

Am nächsten Tag mit den Gästen und dem Brautpaar gemeinsam frühstücken. Über ihre zwei T-Shirts mit der Aufschrift ‚just married‘ grinsen. Das Paar und die Gäste vor der Heimfahrt noch zu einem gemeinsamen Spiel ermuntern. Gemeinsam ein paar verbliebene Kisten und Dekorationen wegräumen und ins Auto laden.

Im Garten unter schattenspendenden Bäumen die Reste vom Festbuffet zum Mittagessen verzehren. Die beringten Hände des frisch vermählten Paares fotografieren. Umarmen und umarmen lassen.
Schließlich unter einem unfassbar blauen Himmel durch üppiges Grün nach Hause fahren, über einer grünen Wiese einen Adler in der Luft entdecken. Ein bisschen stolz sein auf eine organisatorische Glanzleistung. Noch stolzer sein, die beste beste Freundin der Welt zu haben.

Ja, so kann man sehr gut ein paar Tage verbringen.

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Regenbogenparade

Ich kann euch wärmstens empfehlen, einmal aus nächster Nähe das unbefangene Wohlwollen und die entspannte Toleranz bei einer Veranstaltung wie dem Christopher Street Day einzuatmen. Am besten natürlich in Wien! Außer der simplen Tatsache, dass sehr viele Menschen auf der Straße waren, hatte die Parade keinen der unliebsamen Aspekte einer Massenveranstaltung – kein Gerempel, kein Unwohlfühlen, keine Aggression.
Die Menschen strahlen gelöste Freude und Gelassenheit aus – in dieser wunderschönen Stadt Wien, wo die städtische Müllabfuhr regenbogengeschmückt am Ende des Zuges fährt; ein vermeintlich unscheinbares, aber starkes Symbol für Akzeptanz und Solidarität.

Eine Augenweide sowieso, eine Seelenweide außerdem. Interne Schubladen mit den Aufschriften ‚cool‘ oder ‚peinlich‘, von deren Existenz ich gar keine Ahnung hatte, wurden kurzerhand entleert und geschlossen, jeder wirkte auf mich einfach nur originell, original, authentisch.

In einer Welt, die allzu oft von Gleichgültigkeit, Engstirnigkeit, Fanatismus, Ablehnung und gegenseitigem Hass geprägt ist, wandern bunteste Gegensätze Schulter an Schulter durch die Straßen und zeigen den Anhängern der sogenannten religiösen Nächstenliebe, was Verbundenheit und Friedfertigkeit wirklich ist.

Mich hat der CSD wieder mal glücklich gemacht – und verändert. Berichte und mehr Links zu Fotoalben von der Parade gibts bei der HOSI Wien.

Hier meine Fotos von der Regenbogenparade als Slideshow:

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Morgensonne

Im Grunde bin ich eher Nachtvogel als Morgenmensch. Ich kann mich morgens oft nur sehr schwer überwinden, den Schlaf aufzugeben, weil ich gerne schlafe, auch wenn sich Träume in meinen Schlaf mischen, die zuweilen so grausig sind, dass ich sie mir nichtmal selbst erzählen würde; so wie die von letzter Nacht.

Dass meine Knochen sich morgens anfühlen, als wäre ich achtzig, hilft ein bisschen, aus dem Bett zu kommen, denn Bewegung lockert die Gebeine.
Noch mehr aber hilft, dass ich den frühen Morgen mit allen Sinnen erleben möchte. Im Sommer früh aufzustehen ist eine wunderschöne Sache. Ich mag es, wach zu sein, draußen zu sein, wenn alles noch ganz still ist, noch keine menschliche Stimme die Ruhe stört. Nur die Gesänge der Vögel sind zu hören. Ohne auf den Einsatz der anderen zu warten, schenken sie ihre Lebensfreude der Welt, singen sie aus dem weiten, blauen Himmel in eine unvergleichlich klare Luft, die alle Möglichkeiten in sich zu tragen scheint.
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Muttertag

Was ich unter anderem an unserer Familie mag, ist das Laissez-faire, was Termine angeht. Kein Datum wird so genau genommen, dass man es nicht auch noch Stunden, Tage oder Wochen später feiern könnte.

Dementsprechend der heutige Muttertag: Telefon klingelt. Meine Mutter ruft mich an und sagt:
‚Hello! Ich wollt nur wissen, ob ihr eh heute nicht kommen hätts wollen, ich bin nämlich nicht da.“

Blumen werden gekauft, wenn sie günstig sind, und lieb hab ich meine Mama das ganze Jahr lang.