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Nachsatz zur Session

Das mit den ‚lieben Menschen‘ im direkten Zusammenhang mit den Session-Gitarristen von gestern muss ich mir nochmal durch den Kopf gehen lassen; die Beiden bezeichneten nämlich in holder Eintracht die Gegend, in der ich wohne, als ‚enterisch‘, ein Wort, das nebenbei bemerkt sowieso jeglicher Konkretbedeutung entbehrt.

Oh ja, was glaubt ihr, wie scheiße es hier draußen im Sommer erst ist, wenn im Garten der große Sonnenschirm über gemütlichen Sonnenliegen aufgespannt seinen wohltuenden Schatten wirft, der jedoch gar nicht unbedingt benötigt würde, weil der Körper der kleinen Sängerin ohnehin eben herrlich abgekühlt wurde durch einen Sprung in den eigenen Pool?

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Vom inneren Kind

Der einjährige Burzltag von Winders Wörterbuch zur Gegenwart wird gefeiert, und auch ich gratuliere sehr herzlich. Ich hab immer Riesenspaß an der Kolumne und den darauf folgenden Posts.
Im Burzltags-Beitrag wundert sich Christoph Winder über das Verwenden des Wortes ‚Burzltag‘, insbesondere darüber, dass es wider Winders Erwarten auch jenseits der 10jährigen seine Ausbreitung hat.
Darauf sag ich ganz infantil: ‚Na und?‘ und befinde, es sollte ein jeder so oft wie möglich kindisch sein, denn das ist gesund und beruhigt die Nerven. Gestern kriege ich ein Mail von meiner lieben Freundin B., in dem die Verabschiedungsformel lautete: *jeah… jupti-dupti-du*. So macht man das!

Das Freuen an sich ist ja überhaupt sehr selten geworden. Wann freut sich schon einer so richtig schön? So, dass man sich ohne nachzudenken einfach mitfreuen kann? Selten, aber umso schöner sind die Gelegenheiten, zu denen sich ein Mensch so freut, dass ich mich mitfreue, diese Freude wiederum weiter- oder zurückgebe, und eine wahre Freudenkaskade daraus entsteht. Dabei muss es nichtmal um große Dinge gehen – es müssen nur die richtigen Leute zusammentreffen: solche, die noch das Gefühl haben, dass sie ein Recht auf lautstarkes Freuen haben!

Es spricht überhaupt einiges dafür, das innere Kind raushängen zu lassen und sich nicht so viel um die Vorgaben der Welt da draußen zu scheren; in erster Linie das Gefühl der persönlichen Freiheit, das sich daraus entwickelt. Und an den dummen Gesichtern, die ein Großteil der Menschheit macht, wenn ich mich daneben benehme, kann ich persönlich mich auch sehr gut freuen. Ich glaube, dass ich als ihr Leben revuepassierenlassende 80jährige mit einem „Hätte ich doch nicht…!“ wesentlich besser umgehen können werde als mit einem „Hätte ich doch…!“. Vorausgesetzt, ich kann mich dann noch erinnern. :))

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Der Raub des Jahrhunderts

75 Millionen Pfund in brandneuen 100- und 500-Pfundscheinen haben ein paar finstere Kerle in London erbeutet, indem sie einen Geldtransporter in ihren Besitz brachten. Der Fahrer wurde verhaftet, der Rest der Gang konnte mit dem Geld flüchten. Allerdings dürfte ebendieser Rest der Gang nicht begeistert gewesen sein, als sie ihre Beute bei Lichte besahen: Es war nur Monopoly-Geld. Und Monopoly-Spiele. Es sollte nämlich ein Werbespot gedreht werden, in dem es Geld vom Himmel regnet. Der ‚Tip aus der Szene‘ dürfte eher schlecht recherchiert gewesen sein. Die Polizei ist trotzdem finster entschlossen, die Bande zu kriegen. (Der Standard berichtete.)

Das wirft die Frage auf, warum transportiert man Monopoly-Geld in einem echten Geldtransporter? Würde ein solcher Transport nicht in einem normalen Lkw wesentlich weniger Aufmerksamkeit auf sich ziehen? Vielleicht sollte nur getestet werden, wie schnell die Informationen über einen ‚hochwertigen‘ Geldtransport durchsickern, und über welche Kanäle?
Wie auch immer, in diesem Fall ist ja so ziemlich alles in die Hose gegangen. :)

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Zweifelhafte Methode

Heute ruft mich meine Chefin die Frau vom Chef an und berichtet mir, ein Deutscher namens M., dessen Name sich so anhört wie eine abgekürzte bayrische Stadt, hätte in der Firma angerufen und nach mir verlangt. (Ich bin nur zwei Tage die Woche im Büro, den Rest der Zeit arbeite ich daheim.) Er sagte, es wäre privat, er hätte sein Handy verloren, daher meine Privatnummer nicht mehr, und deshalb würde er in der Firma anrufen. Sie gab ihm natürlich nicht meine Nummer (danke!), sondern verlangte seine. Sie gibt sie mir durch.
Als ich da anrufe, ist M. nicht zu sprechen, weil gerade nicht im Raum, aber sein Kollege W. gibt mir Auskunft: ‚Ich weiß aber, worum es geht. Wir sind Personalvermittler, und Kollege M. ist derzeit auf der Suche nach einer Leiterin der Bilanzbuchhaltung für eine Verlagshaus-AG mit Stammsitz in Wien .‘ Und ob ich interessiert sei.
Ich erkläre ihm, ein Wechsel käme für mich derzeit nicht in Frage, und ich wäre ohnehin bis oben mit Arbeit eingedeckt, damit ist das Gespräch beendet.

Das mit der Handylüge fällt mir erst später wieder ein, als ich nochmal mit der Frau vom Chef telefoniere.
Ich vermute, den Anruf hab ich meiner Mitgliedschaft auf openBC zu verdanken. In meinem dortigen Profil ist das Stichwort ‚Bilanzbuchhaltung‘ zu finden, ebenso der Name meiner derzeitigen Firma.
Die haben durchaus eine gewisse Chuzpe, in meiner Firma anzurufen, um mich von da abzuwerben.

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Heute im SSV Pampa

In einem Sportschützenverein (bumm-bumm, nicht bogenspann-pfeilflieg) mitten in der niederösterreichischen Pampa. Unterhaltung am Nebentisch: ‚Beim Kleinkaliber-Bewerb hab i hochhaus gwonnen!‘
Am Tisch gegenüber: ‚In Kopfwehpulvern ist Koffein drin. Weiß aber keiner. Ist aber in allen Kopfwehpulvern drin. Nämlich reines Koffein. Haha. Sonst wirkatns nämlich gar net. Hahaha. Da trinken die Leut keinen Kaffee, aber nehmen drei Kopfwehpulver und wundern si dann. Hahaha.‘
Und vor dem Ausgang: ‚Jo, heut habi mei rotes Kapperl auf. Wenni mei schwarzes aufhab, bini inkognito. Damit hamma scho viel Spaß ghabt. Hahahaha.‘

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Achterbahn

Der Radiosender, der seit neuerem spielt, was er will, erzählt mir heute früh, ein Karatelehrer hätte im Rahmen eines Wettbewerbes in Mexiko zehn Tage in einer Achterbahn zugebracht. Er hat mit dieser Leistung ein Cabrio und eine Reise zur WM nach Deutschland gewonnen. Vor seinem Sieg kickte er noch eine Studentin und einen Tätowierer aus dem Rennen.
Dann höre ich aber, die Achterbahn war nur zwölf Stunden pro Tag im Betrieb. Hört sich für mich nach einem großen Schwindel an. :)

Viel beeindruckender – und auch für die wissenschaftliche Welt wesentlich ergiebiger – waren die unfassbaren 49 Tage und Nächte in der Achterbahn, die der Amerikaner Richard Rodriguez im Jahr 2003 hingelegt hat. Zwei dieser Nächte verbrachte er verkabelt, um dem Schlaflabor der Mannheimer Universitätsklinik Messungen seiner Hirnströme und Schlafphasen zu ermöglichen, und auch die erste Nacht danach verbrachte er im Schlaflabor.
Ein paar Erkenntnisse daraus sind hier nachzulesen. (Links mit noch detaillierteren Angaben bitte an mich!)
Die Landkrankheit muss nach 49 Tagen Achterbahn unerträglich sein. Rodriguez meinte: „Ich komme mir außerhalb der Achterbahn jetzt vor wie auf einem Schiff in einem schweren Orkan“.
Glaube ich. Das waren sieben Wochen. Ich selbst konnte – nach sieben Tagen am Segelboot wieder an Land – nicht mal am WC aufrecht sitzen.

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Erste spontane Denkversuche

In Merlix‘ Herzdamengeschichten hat mich der Beitrag ‚Fast in letzter Sekunde‘ daran erinnert, mit welch seltsamen Gedanken das Gehirn oft spontan auf manche Situation reagiert. Hätte ich nur alles aufgeschrieben, was mir diesbezüglich schon an cerebralen erklärenden Erstversuchen durch den Kopf geschossen ist! Dafür hats leider selten, für ein paar gute Lacher allerdings immer gereicht.

Ein Beispiel von vor einigen Jahren fällt mir aber ein: Etosha fährt mit ihrem Auto, Etoshas Mama sitzt am Beifahrersitz. Aus familienorganisatorischen Gründen nämlich ist Etoshas Bruder mit Mamas Auto unterwegs. Auf der Hauptstraße in dem kleinen Nest, wo Etosha aufgewachsen ist und in dem Mama immer noch wohnt, kommt uns doch plötzlich Mamas Auto entgegen! Ich erkenne erst Marke und Farbe, dann mit einem gewohnheitsmäßigen Blick aufs Kennzeichen, dass es sich wirklich um Mamas Auto handelt. Und wie lautet logischerweise meines Gehirnes erste Reaktion? „Hey, da kommt die Mama!“ – der offensichtlichen Tatsache zum Trotze, dass sie doch neben mir am Beifahrersitz sitzt. Ich berichte lachend meiner Mutter, daraufhin meint sie: „Das is ja noch gar nix – ich hab gedacht: Hey, da komm ich!“

Um Frustrationen zu vermeiden, sollte man nicht den Fehler machen, seine geistigen Fähigkeiten generell an solch spontanen Hirnausgaben messen zu wollen, denn nicht die intelligenteste, sondern die naheliegendste Schlussfolgerung ist die erste, die das Hirn ausspuckt. Frei nach dem Motto ‚Richtig muass net sei, oba schnöö soits geh‘.

(‚Erste Gedanken vor dem Hinzuziehen der Ratio‘)
(siehe auch hier)

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Absageservice Österreich

Schreiben reinigt die Seele. Es hilft, auf den Punkt zu bringen, was einen auf die Palme bringt. Obwohl es eine wunderbare Therapie ist, eignet sie sich nicht für jeden. Manch einer will zwar sein Grimmen ausformuliert haben, fühlt sich aber nicht unbedingt gedrängt oder auch befähigt, es selbst tun. Jeder hat eben so seine Talente.
Jedoch: Hilfe naht! Wunderbar, endlich ist er da, der Absageservice Österreich! Nein, diesmal gehts nicht um die ungeliebten Absagen per SMS. ;) Es geht um Stelleninserate; um Anforderungsprofile, die jeder Beschreibung spotten, für Jobs, die sowieso keiner haben will. Vielleicht auch um Firmen, die inserieren, sich aber dann zu gut sind, an nicht eingestellte Bewerber wenigstens ein kurzes Absageschreiben rauszuschicken. Um all das also, was bei Arbeitssuchenden dieses chronische Kopfschütteln auslöst, das man so häufig am Arbeitsamt beobachten kann.
Es tut gut, nicht allein zu sein. Peter A. Krobath und Paul Kuserutzky haben das wahrscheinlich ebenso gesehen und mit dem Absageservice eine Kunstaktion nach dem Vorbild der Berliner Absageagentur gestartet. Jetzt leisten die ‚diplomierten Chefabsager‘ seit Mitte Jänner dem mündigen Mensch Hilfe bei der Formulierung seines persönlichen Absageschreibens, und das sogar persönlich im ABS-Bürobetrieb, samt Briefpapier mit dem ABS-Logo. Wer sich nicht hinbemühen will, findet vorgeformte Standardschreiben hier und hier auf der ABS-Seite.

Für die Berichte über solche Highlights zahlt es sich ja doch immer wieder aus, den Augustin zu kaufen.

Meinem Versprechen nachkommend, meine alten Texte nach und nach hier zu veröffentlichen, gibts im Anschluss ein Absageschreiben, das ich selbst vor Jahren nach meinem monatelangen, frustreichen Bewerbertum verfasst habe.

Sehr geehrte Damen und Herren!

Drei Monate ist es jetzt schon her, da habe ich mich beim Erstellen einer Bewerbung auf Ihr Stellenangebot geradezu selbst übertroffen. Ja, sie war schon etwas Besonderes! Wunderbar formuliert, außergewöhnlich in der Gestaltung! Natürlich kein Tippfehler drin. Ich hatte auch eine Probe meiner kreativen Arbeit beigelegt, die ich in stundenlangem Schaffen eigens für Sie angefertigt hatte.
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Feste feiern

Ach, was für ein wunderbar rauschendes Fest gestern! Viele liebe Freunde sind zu mir gekommen, obwohls geschneit hat wie aus Frau Holles Bettzeug. Ich hatte das Fest als „Resteaustrinkparty“ deklariert, weil von der Pyjamaparty vor einigen Wochen so viel Trinkbares übrig geblieben war. So mancher reagierte übertrieben, weil er nicht realisiert hatte, dass ich auch Geburtstag hab, und betrachtete es als besonderen Frevel, ohne Geschenk angetanzt zu sein. Aber ich hab die meiste und größte Freude an der simplen Anwesenheit meiner Lieben. Klar mag ich Geschenke, aber das Geschenke kriegen an sich ist mir an sich eh immer ein bisschen peinlich.
Es gab meine ziemlich berühmte Lasagne, die ich in mühevoller Kleinarbeit tags zuvor hergestellt hatte, und es wurde wie immer sehr brav gegessen. Mehr zur gar nicht so einfachen Prozedur des Aufwärmens gibts weiter unten.

Wir haben sehr viel gelernt. Zum Beispiel dass „Geh du amoll!“ einen auf der Gitarre spielbaren Imperativ darstellt, dass das wunderbare Wort EH durch nichts zu ersetzen ist (eh net!), dass Absagen per SMS eine echte Frechheit sind, dass Bügelhilfen auch als Sängerhochsitz zu gebrauchen sind, und dass manchmal doch genug Tequila da ist.

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Dass gemeinsames Musikmachen einfach leiwand ist, haben wir nicht gelernt – das wussten wir vorher schon!
Und schließlich wissen wir jetzt dank der zuverlässigen Stimme aus dem Hintergrund: Eierstockentzündung ist der Vorläufer von Vogelgrippe.
Darüber hinaus hatte ich doch immer schon Probleme mit Abschieden, so auch bei Festen. Wenn die Leute heimgehen, fällt das in meiner Welt unter ‚ganz falsch‘. Meine messerscharfe Analyse von ca. 5:15h lautet: Das Fest dauert deswegen so kurz, weil zur „Kernzeit“ nur zählt, was zwischen dem Eintrudeln des letzten Gastes und dem Nachhausegehen des ersten Gastes liegt. Nur in dieser Zeit dazwischen sind alle da. Nicht, dass die Zeit davor und danach nicht zählen würde, im Gegenteil, meistens ist das der Teil mit den intensivsten Gesprächen, oder dem intensivsten Flieger, oder beidem. So sind Übernachter die Rettung aus meiner Heimgehenistganzfalschnot!

Wenn auch einiges an Bewegung in so einer Party ist, jeder Gast hat so seinen wahrscheinlichen Aufenthaltsort und ist daher relativ leicht aufzufinden:

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Heute mittag haben wir das Gelernte von gestern noch dadurch ergänzt, dass Formulierungen wie „das einzigste“ und „bestaussehendst“ der Steigerungsgruppe Hyperlativ zuzurechnen sind, und dass die Schneeverschiebungen auf unserem Wintergartendach optisch etwas von Schwangerschaftsstreifen haben.

Ich bedanke mich nochmal bei allen für ihr Erscheinen, ihre lieben Worte, fürs Musikmachen, für die – wie immer – wunderbare Torte, fürs Übernachten und gemeinsame Frühstücken, und für die ausgesprochen disziplinierte Mithilfe. Es blieb uns kaum Aufräumarbeit übrig… also jederzeit wieder! Es wären noch Reste da… :)

Wie’s mir heute geht?

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Nachsatz: Mein mir rechtmäßig Zugemuteter hat meine Anweisung, für die Partygäste eine Aufwärm-Anleitung in der Küche zu drapieren, in der ihm eigenen Liebe zum Detail ausgeführt:

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