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Im Jahr 2009

…besiegen wir endlich all unsere Schweinehunde. Sie verhungern und vertrocknen, weil wir aber sowas von auf sie pfeifen.

Unseren Perfektionismus schrauben wir auf ein Maß herunter, das es erlaubt, auch das wunderschön zu finden, was in den Augen des alten Perfektionismus unfertig oder nicht gut genug gewesen wäre – perfekt ist, wenn’s Spaß macht! Dafür sind wir endlich wieder produktiv und lassen voller Freude unseren Leidenschaften freien Lauf. So wird auch die Genialität in unseren Werken schließlich von der Welt erkannt. ;)

Wir finden den richtigen Umgang mit dem, was sein muss, und dem, was sein will. Niemand muss mehr stöhnen, er hätte ja so viel zu tun und daher keine Zeit für die schönen Dinge des Lebens.

Es wird kein Problem mehr sein, eine Entscheidung zu fällen. Wir wissen, was wir wollen und spüren, was uns gut tut. Wir erkennen das Paradoxe in der ständigen Beschäftigung mit all dem, was wir nicht wollen.

Wir haben keine Angst mehr davor, unsere Wahrheiten zu erkennen und sie auch auszusprechen. Was haben wir auch von all den Menschen, die uns nur mögen, weil wir uns so gut verstellen können? Wir entlassen uns aus der Verpflichtung, heute so zu sein, wie wir gestern waren.

Wir übernehmen die Verantwortung. Niemand will mehr ein Opfer der Umstände oder seiner Mitmenschen sein.

Wir gewinnen die Verbindung zu unseren Herzen zurück und lassen uns davon führen. So schaffen wir es auch, uns so herzlich zu geben, wie wir tatsächlich sind. Und uns endlich mal um uns selbst zu kümmern.

Im Jahr 2009 lassen wir unsere Seelen fliegen!

Ergänzungen sind willkommen!

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Bergromantik im Land der salzigen Burgen

Das vergangene Wochenende war schön, aber in erster Linie anstrengend. Die lange An- und Rückfahrt, der ständig aufrecht zu erhaltende soziale Gesichtsausdruck, und dann der relativ enge Zeitplan, der allerdings nicht vorgegeben war, sondern sich einfach aus den Möglichkeiten vor Ort ergab. Beispiel Öffnungszeiten Eislaufhalle in der Vorsaison: 13h – 15:30. A blede Zeit. Zerreißt den Tag in der Mitte. Konkret bedeutete das: Aus der warmen Wellness-Oase in die kalte Eislaufhalle – und retour.

Trotzdem waren wir zweimal eislaufen, und die Hockeyschuhe, die ich mir voriges Jahr ertauscht, aber nicht mehr am Eis getestet hatte, passen halbwegs. Das ist bei mir eh schon das höchste der Gefühle – wenn ich in einem Eislaufschuh mal wirklich richtig gut drinstehen will, muss ich mir wohl einen Schuh an den Fuß schäumen lassen. Insbesondere an den rechten – der entspricht bei mir irgendwie nicht der EU-Norm. Wenn ich mit diesem Fuß und gewohntem Schwerpunkt, also verkrampfungsfrei, in einem Eislaufschuh stehe, kippe ich nach innen. Am linken Fuß funktioniert das bestens, da bleibt die Kufe senkrecht, was das Eislaufen wesentlich erleichtert.

Es waren ja nicht meine Kollegen, die da Weihnachten feierten, sondern die meines holden Sonnengottes. Des Abends gabs soziale Happenings mit integriertem Besäufnis, im Laufe dessen mir einige Gesichter doch wieder bekannt vorzukommen begannen, deren Einprägung sich innerhalb der letzten zwei Jahre (seit der letzten ‚Weihnachtsreise mit Partner‘) in tiefere Hirnregionen zurückgezogen hatten. Von Namen zu diesen Gesichtern, abgesehen von ein paar Schlüsselgestalten, sind diese Hirnregionen aber generell weitgehend frei, eine Tatsache, mit der ich mich langsam abzufinden beginne.

Auch die Slapstick-Komponente durfte nicht fehlen, und so kam es beim Frühstück am Montag, dass ich am Vierfach-Getränkespender beim Zapfen eines Schusses Orangensaft für meinen Tee mit dem linken Handgelenk versehentlich auch den Nachbarspender betätigte, worauf dieser eine nicht unwesentliche Menge Johannisbeersaft mit ebensolchem Druck in meinen linken Ärmel schoss. Zum Glück war meine Weste ebenfalls johannisbeerfarben.

Der Montag begann mit zartem Morgenrot und blauem Himmel. Der Blick vom Balkon des Hotelzimmers war die pure Bergromantik.

Zell am See Zell am See

Also begaben wir uns auf den Berg, denn nach zwei Tagen heftigen Schneefalls lockte uns das sonnige Wetter. Was es da heutzutage schon alles gibt! Als ich zum letzten Mal ein Schigebiet aus der Nähe sah, musste man sich den Arsch noch auf Sesselliftsitzflächen aus gegittertem Metall abfrieren und war oben angekommen so stocksteif und weggetreten, dass man Yetis, Eisbären und Pinguine sah. Heute hingegen gibts hübsche, warme nicht ganz so eiskalte, rundherum verglaste Minigondeln für das besondere romantische Erlebnis!

Gondelfahrt auf die Schmittenhöhe Gondelfahrt auf die Schmittenhöhe

Mein Angetrauter meint ja, ich sei adrenalinmäßig beneidenswert leicht zu erregen, aber da gehts ja auch wirklich tief runter unter so einer Gondel. Brüderlein, da hab ich an dich gedacht! Da hättest die Arschbacken zusammengezwickt! Sehr aufregend, diese Höhe! Bei jedem Rappeln über die Räder an den Haltemasten entfuhr mir daher ein entsprechendes Japsen, beim Runterfahren gings aber schon besser.

Gondelfahrt auf die Schmittenhöhe Etosha in luftigen Höhen

Noch mehr winterliche Romantik gefällig, weil wir gerade so schön in Stimmung sind?

Gondelfahrt auf die Schmittenhöhe Bergromantik Zell am See Winterlicher Weitwinkel

Eine nenneswerte Motivation will sich seit unserer Rückkehr bei mir partout nicht einstellen, vermutlich bin ich schon urlaubsreif. Es müssen aber noch einige Dinge erledigt werden. Das Fest der Feste naht, jeden Tag kommen Pakete hier an, und ich bin darüber hinaus mit der händischen Herstellung von Geschenken beschäftigt, über deren nähere Natur ich noch nichts sagen will, weil hier Menschen mitlesen, die sonst ihrer Überraschung beraubt würden. Aber es hat was mit Nadel und Faden zu tun.

Außerdem bin ich seit jeher auf der Suche nach einem schenkbaren Spielzeug, das in seiner Unwiderstehlichkeit für menschliche Hände einem zufällig auf dem Tisch liegenden Capodaster oder einer bezahnten Haarklammer nahekommt.
Ich glaube, heuer hab ich sowas gefunden! Rechnung per Vorauskasse zahlen und dann… gespannt sein! :)

Daneben versuche ich, noch ein bisschen bezahlter Arbeit nachzugehen und das Sudoku der terminlichen Koordination von Freundes- und Familientreffen zu lösen. Im Moment hab ich die 14 zweimal, was ganz eindeutig einen Regelverstoß darstellt.

Und bei euch so?

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Frisst den Staub mitsamt dem Teppich

Da ich nun schon beginne, nachts davon zu träumen, wende ich mich heute mit einem sehr ernsten Thema an euch, einem Thema, das uns alle angeht. Zumindest all jene, die Gegenstände und Werkzeuge tatsächlich zu gebrauchen pflegen, und sie nicht nur als dekorative Elemente im Schrank stehen haben. Ich mag mich täuschen, und vielleicht werde ich auch nur langsam wirklich alt und unflexibel wie ein brüchiger Rexgummi, aber es drängt sich mir der Eindruck auf, dass die sogenannte Usability, also die Gebrauchstauglichkeit von Produkten, eine stetig sinkende Tendenz aufweist, seit es diesen Begriff dafür gibt.

Ob es sich nun um materielle Gebrauchsgegenstände handelt oder um Computerprogramme – wann immer man mir zu erklären versucht, dass ich das Naheliegende, welches ich so gerne unkompliziert und schnell erreichen würde, über sieben Umwege machen muss, bei denen ich mir, je nach Realitätshärte des Produktes, wahlweise blaue Flecken oder Krämpfe im Klickfinger hole, weil es ‚anders nicht geht‘, wird dies stets von folgenden Worten begleitet: „Ja, dann musst du halt… Dann musst du eben… Daran musst du dich eben gewöhnen…“

Aaaaaaaaaaaaaah! Schreien möchte ich, wenn ich sowas höre! Nein, ich muss nicht halt und eben, und ich will auch gar nicht. Da bin ich Querulantin, allem über die Jahre verlorenen Idealismus zum Trotze, jawohl, da widersetze ich mich ausdrücklich und vehement.

Es scheint stets vergessen zu werden, dass die Wirtschaft und die Industrie der Gebrauchsgegenstände für den Menschen entwickelt wurden. Nicht, wie manche gerne glauben und abgeklärt zu behaupten nicht müde werden, für jenen einzelnen Menschen, der sich daran einen goldenen Arsch verdient, sondern für den Menschen im kollektiven Sinne, der diesen Gegenstand dann benützt, damit vielleicht seine Brötchen verdienen oder Teile seines Alltags bestreiten muss. Folglich haben diese Gegenstände sich tunlichst dem Menschen anzupassen, und nicht umgekehrt, und sie haben dem Menschen unterwürfigst und ohne Widerspruch und Verletzungsgefahr zu Diensten zu sein.
Falls diesem Menschen, insbesondere der weiblichen Spielart, mal aus evolutionär naheliegenden Gründen ein dritter Arm wachsen sollte, dann dürfen die Gegenstände hernach diesem Umstand sehr gerne angepasst werden – aber darf es sein, dass erst die mangelnde Usability eines Gegenstandes zu solcherlei Evolution führt? Nein, das darf nicht sein! Und man unterschätze das Tempo der Evolution nicht!



Es begab sich kürzlich im Hause Etosha, dass der Herr ebendieses Hauses den Entschluss fasste, es müsse ein neuer Staubsauger her.

IMG_5314 Der gute alte Dyson der ersten Generation, dezent in lila und grün gehalten, der nun auch schon fast zehn Jahre auf dem Buckel hat, tut zwar im Grunde noch das, was er soll, aber nicht eben mit vollem Taten-, sprich Saugdrang. Wir mochten aber diesen Staubsauger und waren zufrieden damit, also wurde dysonmäßig verglichen und recherchiert – wobei es im Netz übrigens erstaunlich wenige Erfahrungsberichte zum Thema Staubsauger gibt – und letztlich wurde ein DC19 bestellt. Online bestellt. Man(n) ist ja fortschrittlich.

IMG_5286 Zuallererst muss ich einfach sagen, dass man die Saugkraft des DC19 nur sensationell nennen kann. Aufräumen vor dem Saugen empfiehlt sich, und ich meine richtiges Aufräumen im Sinne von ‚alles weg, weg, weg‘. Sonst muss man später seine sämtlichen Feuerzeuge, Kaffeetassen und kleineren Haustiere im Staubbehälter suchen.

Nun nennt mich konservativ, aber das alte lilagrüne Monster hatte auch einige Vorzüge aufzuweisen, die ich am neu durchdesignten DC19 nicht mehr wiederfinden kann. Diese Vorzüge betreffen insbesondere die Lieblingsbeschäftigung aller staubsaugenden Hausfrauen, nämlich jene, mit der Saugkraft des möbelbürstenbewaffneten Dyson allerlei finsteren Ecken und spinnwebenverhangenen Winkeln zu Leibe zu rücken. Mein lieber Schwan, da saugt’s der Spinne nicht nur das Netz zum Leben, sondern auch die Luft zum Atmen weg!
IMG_5303 Rank und schlank präsentierten sich am lilagrünen Monster die Aufsteckplätze für das Kleinzubehör Möbelbürste und Fugendüse sowohl am Ende des Saugrohres…

IMG_5305 …als auch an dessen Andockhafen, dem Haltegriffende am flexiblen Schlauch, sodass auch gröbste Stäube und Naturfilze im Nu geweste welche waren. Damit schlüpfte die kleinhändige Hausfrau wieselgleich und voller Elan in sämtliches Winkelwerk, sogar im Auto, und ließ kein gutes oder auch schlechtes Haar daran. Darin. Wie auch immer.

Etwas anders der DC19. Ja, auch bei ihm kann man die Bodenbürste abnehmen, um eine Möbelbürste direkt ans Rohr zu stecken. Die lustige Führungsschiene mit dem Rädchen untendran bleibt dabei allerdings am Rohr, nicht etwa an der Bodenbürste, und sorgt so für ungebetene Verbreiterung des Werkzeugs und damit Disqualifizierung für das kleinste mögliche Winkelvakuum.

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„Na guuut, dann musst du halt…“, seufzt eine Stimme in meinem Kopf. Nehme ich eben das Rohr ab und verwende die Möbelbürste ohne Verlängerungsrohr, ist sowieso viel flexibler.

IMG_5295 Aber ach, auch damit hab ich den Schlauch, wie man so schön sagt, denn der Haltegriff, in Form, Größe sowie Unhandlichkeit einem Zapfhahn bei der Tankstelle gar nicht unähnlich, verdirbt den Spaß am Winkelwerk (wenn er auch durch interne Verdrehbarkeit wenigstens ein Mindestmaß an Flexibilität zeigt, wie man gerechterweise erwähnen muss.) Man braucht keinen Wochenendworkshop über meditativ-kreative Visualisierungstechniken, um sich vorzustellen, dass man mit diesem Kombinationskonstruktmonstrum nicht gerade jene versteckten Ecken erreicht, in denen sich naturgemäß der meiste Staub ansammelt. Mift!

Was also tun?

Ha, wir nehmen den Zapfhahn einfach auch noch ab und stecken die Möbelbürste nun aber wirklich direkt an den Schlauch! Das Überlisten von Elektrogeräten habe ich nämlich in den Genen, das muss man wissen.

IMG_5296 Humpf – Fehlanzeige. Hier gibt es keine Andockmöglichkeit – der Schlauchausgang ist für die Zubehördüsen zu schmal.

Dann wäre eben maximale Flexibilität gefragt. Lilagrünes Monster hatte eine winkelmäßig verstellbare Möbelbürste.

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IMG_5298 DC19 hat vom Möbelsaugen starrere Vorstellungen – kein Gelenk erhöht hier die Flexibiliät, die Knickung ist Programm.

IMG_5276c Lilagrünes Monster hatte weiters eine Bodendüse mit ausklappbarer Bürste, mit der sich sowohl Teppiche als auch Fliesen- oder Parkettböden abwechselnd saugen ließen, nur durch fröhlich fußbedientes Aus- und Einklappen der Bürste. Flapp-flapp, man wechselte geradezu vorsätzlich die Räume und Untergründe, nur um in den Genuss des Flappens zu kommen.

Die Flat-Out ™-Bodendüse des DC19 passt sich ja dem Bodenbelag automatisch an – wie genau, erfährt man allerdings nicht.

IMG_5288 Zur zärtlichen Behandlung von Hartböden gibt es trotzdem eigens eine Hartbodenbürste (als Sonderzubehör erhältlich, Zuschlag erteilt), deren Bürste man dafür nicht wegklappen kann.

Man rennt also beim Saugen (natürlich nicht) ständig mit zwei Bodendüsen durch die Gegend, vielmehr grübelt man dauernd, wo man die gerade nicht benützte Düse nun wieder gelassen hat.

Es ist eine fast schon erwartungsgemäße Tatsache, dass sämtliche Schlauchanschlüsse, Zubehördurchmesser und sonstige Austauschmöglichkeiten zwischen lilagrünem Monster und DC19 eine Änderung erfahren haben, die die Weiterbenützung von altem Zubehör oder womöglich ganzen Schläuchen und Rohren unmöglich macht. Man könnte es auch als völlig fehlende Auf- und Abwärtskompatibilität bezeichnen.

Die Länge des ausgefahrenen Teleskoprohres auf lilagrünem Monster beläuft sich auf satte 110cm von Bürstenanschluss bis Haltekrümmung – beim DC19 hat diese Länge gute 15cm eingebüßt, was sogar ich mit meinen eher miniaturmäßigen 1,50m Körpergröße im Kreuz zu spüren bekomme, ganz abgesehen von der verminderten Erreichbarkeit diverser Spinnenzweckbauten unterhalb der Raumdecke.

Dafür gibt es am DC19 ein Sonderfeature: Ein sich in Funktion und Bestimmungsort maximaler Unklarheit erfreuendes Stück Plastikrohr, das sich nirgendwo andocken lässt.

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Ich fand es zufällig beim Fotografieren der Säugeriche in der Garage. Es steht Dyson drauf. Konsultiert man dazu die Gebrauchsanleitung, stellt man fest, diese gefällt sich in piktographischer Zartlinigkeit mit grünlettrigen „clik“-Rufen an den vorgesehenen Knackpunkten, sowie in Gewimmel rot durchgestrichener Piktogramme, das seitenweise wiederholt darstellt, was alles man mit dem DC19 keinesfalls anstellen sollte.

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Außerdem stellen die Garantiebestimmungen klar, dass die Garantieleistung keine Schäden umfasst, die durch Teile verursacht wurden, die „nicht gemäß den Anweisungen von Dyson zusammengebaut wurden“. Eine Anleitung zum korrekten ersten Zusammenbau sucht man allerdings vergeblich. Steht aber eh alles im Internet.

Hinweise auf das seltsame Plastikröhrchen liefert die Gebrauchsanweisung nicht.

IMG_5312 Ebensowenig übrigens wie auf die Funktion der roten Schieber an der Unterseite der Flat-Out™-Bodendüse. Sind sie womöglich gar eine Art magisches Portal in die feinstaubliche Anderswelt? Man weiß es nicht.

Für sachdienliche Hinweise bin ich natürlich immens dankbar. Ebenso schließe nicht aus, dass das Problem, wie so oft, durchaus anwenderseitig zu suchen sein mag. Allerdings entspricht die oben gezeigte Montierung der Zubehördüsen tatsächlich genau den Angaben in der Gebrauchsanleitung und im Web.

Zuletzt ist noch zu sagen, dass die „besonders robuste“ Ausführung des DC19 zumindest nicht das Teleskoprohr betrifft, dessen Oberfläche bereits nach dem ersten Sauggang beträchtliche Gebrauchsspuren aufweist. Aber pfeif auf die Optik!

Zitat James Dyson:

Bei gutem Design kommt es immer darauf an wie etwas funktioniert, und nicht nur, wie es aussieht.

Mhm, das sehe ich auch so. Meine persönliche Meinung nach dem Direktvergleich: Hier hat man, allen guten Vorsätzen zum Trotz, die ursprünglich nahezu perfekt gewesene lilagrüne Gebrauchstauglichkeit im Designrausch aus den Augen verloren.

Mein persönlicher Tipp: Die Geräte vor dem Kauf unbedingt in einem Laden vor Ort ansehen und an all ihren Ausgängen auf ihre Winkeltauglichkeit und Körpergrößen-Kompatibilität testen. Alternativ dazu muss man halt runde Räume bauen und bloß keine Möbel reinstellen. Daran muss man sich dann eben gewöhnen.

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Zukunftsvisionen

Für alle, denen es zufällig entgangen sein sollte: Die Aktivistengruppe The Yes Men haben in mehreren Großstädten in den USA rund 1,2 Millionen Fake-Exemplare der New York Times verteilt. Die erste Seite titelte:

„Iraq war ends!“

George W. Bush wird dieser Zeitung zufolge des Hochverrats angeklagt, Guantánamo wurde geschlossen, und eine nationale Gesundheitsvorsorge wird eingeführt.

Diese Zeitung müsste man sich in voller Länge zu Gemüte führen können, nicht?
Hurra, es gibt ein pdf im Netz und dazu eine Website.

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Kleines Sammelsurium

Ich bin vom Glück verfolgt! Ein lieber Freund von mir macht einen Massagekurs! Und ich sage euch, ein größeres Glück gibt es gar nicht. Milde blickt das Schicksal auf die kleine Tosha und macht Ei-ei. Wunderbar.


Ein weiterer lieber Freund, André, hat in Wien eine Trainingsgruppe für Krav Maga ins Leben gerufen. Er schreibt mir:

Krav Maga ist ein einfaches, wirkungsvolles Selbstverteidigungssystem, das auf instinktive Bewegungen, praktische Techniken und wirklichkeitsnahe Trainingsszenarien setzt. Krav Maga ist reine Selbstverteidigung und keine Kampfkunst. Aufgrund der außergewöhnlichen Trainingsmethoden verschafft Krav Maga den trainierenden Personen ein zusätzliches intensives Fitnesstraining. Das System beruht auf der natürlichen „Kampf-oder-Flucht“-Reaktion, die Idee ist, schnell und aggressiv zu handeln, um sich von einem oder mehreren Angreifern zu befreien .

Die Kontaktadresse von André gibts bei mir (Mail genügt) oder direkt beim Hakoah-Fitnesscenter.


Folgende Aussage von einem mir persönlich bekannten Chef wurde mir aus ebenso zuver- wie durchlässiger Quelle kolportiert:

Wir müssen endlich Hände mit Füßen machen!

Solange er in diese Fußhände nicht noch anschließend mit dem Kopf Nägel einschlägt, soll’s mir recht sein.


Update:
Kraft Foods Österreich schrob mir in Bezug auf meine verzweifelte Anfrage wegen der plötzlich nicht mehr auffindbaren Luflée-Schokolade:

Zu Ihrer Anfrage nach unserem Produkt Milka Luflee müssen wir Ihnen mitteilen, dass wir dieses aufgrund mangelnder Verbraucherakzeptanz aus dem Sortiment genommen haben. Eine Neuauflage ist zurzeit nicht vorgesehen.
Wir danken für Ihr Interesse.

Bitte. Gern geschehen. Hmpf. Meine persönliche Verbraucherakzeptanz litt jedenfalls an keinerlei Mangelerscheinungen. Eine Ankündigung vor Sortimentsschrumpfung wär eigentlich super, am Supermarktregal. Dann könnte man sich noch schnell ein paar Kilo einfrieren. Über neue Produkte wird man ständig informiert, ob man will oder nicht; wenn welche aufgelassen werden, muss man es immer erst selbst herausfinden, wenn es schon zu spät ist.


Zum Abschluss noch ein kleiner Zeitvertreib fürs Wochenende. Viel Spaß und ein schönes ebensolches!

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Ein böhmisches Dorf

Die Verwandtschaft kann man sich ja bekanntlich nicht aussuchen – könnte man das jedoch, würde sich wohl so mancher von euch jene entzückende Verwandtschaft erwählen, die ich in Tschechien habe. Insbesondere mein tschechischer, hm, nennen wir ihn der Einfachheit halber Cousin, weil er in meinem Alter ist bzw. so alt wie mein Bruder, auch wenn Cousin eigentlich so nicht stimmt – die Verwandtschaftsverhältnisse sind aufgrund verschobener Generationen etwas komplizierter.

Zu den Zeiten, als der eiserne Vorhang noch zwischen uns und unseren tschechischen Verwandten stand, empfanden wir es alle als reichlich ungerecht und tragisch, dass wir nur alle vier oder fünf Jahre die Gelegenheit hatten, einander zu sehen – noch dazu durfte nicht die ganze Familie aus der CSSR ausreisen, sondern es musste immer jemand zurückbleiben. Mein Bruder und ich genossen die knappe Zeit mit unserem Cousin immer sehr, wir haben ihm stets eine Menge österreichischer Schimpfworte beigebracht und andere immens wichtige Vokabeln.

Seitdem die Grenzen geöffnet sind, ist zwar die Tragik verschwunden, die gegenseitigen Besuche sind aber auch nicht häufiger geworden, zumindest nicht was mich betrifft. Man hat einander seither zwar zum Geburtstag und zu Weihnachten oder Neujahr angerufen, aber nur sehr selten gesehen. Die Tochter meines Cousins ist schon vier, und ich hatte sie noch nicht mal kennengelernt. Früher waren eben meine Eltern und die Eltern des Cousins stets dafür zuständig, Besuche und Treffen zu vereinbaren. Offenbar habe ich viel zu spät gecheckt, dass ich mit nunmehr fast 35 Jahren schön langsam selbst für Kontakt sorgen muss.

Also tat ich das und setzte endlich in die Tat um, was wir schon seit fünf Geburtstagstelefonaten immer wieder am Telefon besprechen – wir fuhren übers Wochenende nach Zlín.
Die Herzlichkeit und Gastfreundlichkeit meiner Familie ist wirklich unschlagbar. Obwohl ich vorab lautstark verkündet habe, dass wir uns für die zwei Nächte ein Hotelzimmer nehmen wollen, um niemandem Umstände zu bereiten und auch in Ruhe ausschlafen zu können, erfahre ich im Laufe der Hinfahrt über sieben Ecken, dass mein Cousin gedenkt, uns seine komplette Wohnung zur Verfügung zu stellen und für das Wochenende samt Frau und 4jähriger Tochter woanders zu wohnen, damit wir unsere Ruhe hätten.

Sogleich bemächtigt sich da eine beträchtliche Verlegenheitsröte meiner Visage, wie man sich unschwer vorstellen kann. Aber kurze Zeit später, nach dem Abklingen meiner Wehklagen (‚Nein, das ist ja furchtbar unangenehm, ich stäärbää!‘), ist mein Cousin am Telefon nicht von seinen Plänen abzubringen, hätte er doch, wenn er mit seiner Familie bei meiner Mutter oder meinem Vater zu Besuch war, auch noch nie ein Hotelzimmer nehmen müssen. „Is absolut kaine Problem, Susy, jo?“ Stimmt soweit – für Übernachtungsmöglichkeiten war für ihn und seine Familie auch bei uns immer gesorgt. Aber eine eigene Wohnung hatten sie bei uns nie zur Verfügung. Schon gar nicht eine so aufgeräumte.

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Auf der Fahrt: Faszinierender Industriecharme in Břeclav

Ein ziemlicher Jammer ist, dass wir Kinder der österreichischen Familie nie Tschechisch gelernt haben, obwohl sogar mehrere Familienmitglieder es sprachen und uns Kindern hätten beibringen können. Aus diversen Gründen kam es leider nie dazu. Ich verstehe ein paar Worte und kann artig Danke sagen, aber das war’s auch schon. Auch mein Vater, der jetzt in zweiter Ehe mit einer Tschechin (aus ebendieser Stadt) verheiratet ist, musste die Sprache eigens erlernen, weil sein Vater sie ihm nie beigebracht hatte. Der Krieg war daran schuld und viele persönliche Umstände.

Aber mein Cousin spricht Deutsch, und zwar auf sehr kreative Weise. Selten gelingt es mir, Dinge so simpel und so verständlich auf deutsch zu formulieren, wie er das kann. Abgesehen von seiner Verwendung universeller Worte wie ‚Quartier‘, ‚ideal‘ oder ‚Risiko‘ hat er auch wunderbare spontane Ideen, wie eine allgemeinverständliche Aussage sich anzuhören hat. Als er nach der Bedeutung des Wortes ‚wahrscheinlich‘ fragt und ich ihm mit Händen deute, wo sich auf einer halbrunden Skala von 180 Grad ‚absolut nicht‘, ‚vielleicht‘, ‚wahrscheinlich‘ und ’sicher‘ ungefähr befänden, ohne für diese Skala einen einfachen Ausdruck parat zu haben, da denkt er kurz nach und sagt dann strahlend: „Joystick von Möglichkeiten!“ Meine Bewunderung dafür ist immer wieder grenzenlos.

Netterweise sorgt mein Cousin vor Ort auch für das richtige Programm: ein Besuch im wunderschönen Zoo von Zlín, ein Stadtbummel, eine Besichtigung der Stadt von oben von der Terrasse des Mrakodrap aus, dem ‚Wolkenpeiniger‘ – dem Wahrzeichen des Tomáš Baťa, der mit seiner Schuhfabrik und seinem späteren Bürgermeisteramt praktisch die ganze Stadt im Bauhausstil entstehen ließ.

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Typische Backsteingebäude aus der Ära Baťa Blick über die Stadt

Mrakodrap stand da schon, als es in Wien noch gar keine ‚Wolkenkratzer‘ gab, was meine Großmutter in früherer Zeit immer sehr zu beeindrucken pflegte. Der Chef Tomáš Baťa war dort früher in seinem Büro in Form eines vergrößerten Aufzuges(!) gesessen, um sämtliches Geschehen stets im Auge zu behalten.

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(Der Aufzugsbereich am Gebäude links… …war früher das Büro des Chefs)

Mein Cousin hat zum touristischen Programm viel Hintergrundinformation parat – und noch viel mehr Essen. Gebratene Ente nach dem Zoo, danach darf ein Besuch bei den Eltern des Cousins im Häuschen am Waldrand in Hvozndá natürlich auch nicht versäumt werden, freilich mit Kaffee und Apfelstrudel und viel Hallo.
Abends – d.h. knappe zwei Stunden später – eine fette Stelze (in Germanien sagt man dazu auch Eisbein, seltsamerweise auch dann, wenns gebraten ist).
Am nächsten Tag mittags ein schönes Hühnchen mit allerlei Beiwerk – man kann sich kaum mehr bewegen. Doch wer würde schon auf die wunderbare böhmische Küche einfach verzichten wollen – oder können?

Bis zum nächsten Treffen wird jedenfalls nicht mehr so viel Zeit vergehen, das ist sicher. Es war ganz wunderbar, alle wiederzusehen und füreinander Zeit zu haben. Mein Vater war mit seiner Frau dabei, auch das war sehr schön. Richtig familiär eben.

Einige weitere Bilder vom Industriecharme und der Terrasse nachfolgend. Die Bilder aus dem Zoo kommen dann separat – immer schön eins nach dem anderen.

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Die Fäden und der Grant

Grantig bin ich. Grantig, weil die Dinge nicht schon fertig sind. Die vielen Dinge, in denen ich stets gleichzeitig meine Finger drin hab, die vielen losen Fäden in meiner Hand – nein, in meinen Händen! Ich würde mich auch nicht als geduldig bezeichnen, eher als hartnäckig. Der Schaffensprozess an sich gibt mir relativ wenig. ‚Der Weg ist das Ziel‘, was für ein Unsinn! Das Ziel ist das Ziel! Darum heißt es ja so!

Schreiben ist eine der ganz wenigen Unternehmungen, an denen mir das Werden, das Schaffen, das Herstellen und Verfeinern wirklich Spaß macht. Manchmal auch die Malerei, aber auch da möchte ich oft schon fertig sein, bevor ich überhaupt begonnen habe, nur um endlich das zu Gesicht zu bekommen, was bislang nur in meinem Kopf existierte. Und selbst wenn es ’schön‘ wird – ist es nicht das geworden, was ich mir vorgestellt hatte, bin ich damit nicht zufrieden.

Die meisten anderen Unternehmungen beginne ich eben nur, um das Bild, das ich davon in meinem Kopf habe, zu ver-körpern – oder um diese Dinge zu können. Üben will ich nicht. Üben ist was für Loser. Ich will beginnen und können! Sie kam, packte an und erschuf!
Um diese ohnehin schon seltsame Eigenschaft erst zu einer wahren Herausforderung zu machen, bin ich obendrein mit viel zu vielen Interessen gesegnet. Und wie sich das alles mit meinem Hang zum Perfektionismus verträgt, muss ich hier wohl nicht näher beschreiben.

Ob es sich nun darum dreht, ein Kleidungsstück vom Schnitt weg selbst herzustellen, ein Bild zu malen, einen Song zu schreiben, einen Tisch zu bauen oder ein bestimmtes Foto zu schießen – erweist sich meine Fingerfertigkeit, meine körperliche Kraft oder mein Hirn dazu als zu unfähig (ungeübt!), gebe ich mich nicht etwa geschlagen und höre auf, sondern ich werde grantig und verbissen. Wie es mich generell grantig macht, wenn die Welt der physischen, unbelebten Dinge sich mir widersetzt und stattdessen beispielsweise lieber der Schwerkraft gehorcht, oder wenn ich mich andauernd vertippe.

Und dann kommt noch eine Wespe hereingeflogen und tanzt mit ihrem Gesumme und mit ihrer stets gleichbleibenden Unfähigkeit, eine Glasscheibe als solche zu erkennen, auf meinen Nerven Tango, oder die Nachbarin kommt hereingeschlurft und erzählt mir ungefragt von den Wetteraussichten.

Unbeherrscht ist Synonym von passioniert, sagt das Wortschatzlexikon. Ein reichlich schwacher Trost.

Denn ich habe dort die Übersetzung eines umfangreichen Dokuments fertigzustellen, oben habe ich Stoff liegen, den ich gerne zu Hosen, Shirts und Mänteln verarbeiten möchte, hier ist mein Weblog, das gefüttert werden will, es warten Songs, die es noch zu schreiben und Rezepte, die es zu erfinden gilt, E-Mail-Kontakte, die, meistens vergeblich, auf Post von mir hoffen, und darüber hinaus bin ich überhaupt für Größeres bestimmt, das ich noch gar nicht kenne. All diese Vorhaben werden freilich immer wieder aufs Lästigste durchkreuzt von Arbeit im Haushalt, Arbeit im Garten und Arbeit für Geld. (Und von Schmerzen, die mich zudem bei der Ausführung behindern und meine Vorhaben weiter erschweren.)

Diese vielen losen Fäden, die ich in der Hand halte, verheddern und verfilzen sich zuweilen, manche sind auch urplötzlich und ohne mein Zutun zu Ende, und ich hab das Gefühl, nichts jemals fertigzukriegen, niemals je fertig zu sein. Der scharfsinnige Leser könnte natürlich an dieser Stelle einwerfen, das Leben bestehe ja wohl im Großen und Ganzen darin, niemals fertig zu sein. Und recht hätte er. Ja, rufe ich dann, mein Hirn weiß das, aber der Grant kommt dennoch – und diesen dann unmittelbar in die Werke einfließen zu lassen, ist nicht immer die beste Idee. Außerdem lässt der Spaß an der Sache dann noch mehr zu wünschen übrig, als er es ohnehin schon tut. Und nicht zuletzt ist dieser Grant zwar ein effektiver Motor, aber kein besonders behaglicher.

Um einen Faden zu verfolgen, muss man einfach durch das filzige Knäuel hindurch und es dabei entwirren. Dabei besteht aber die Gefahr, einen anderen Faden zu entdecken, den man schon vergessen hatte, und in stiller Trauer darüber zu verharren, dass man bislang noch nicht die Zeit hatte, ihn zu verfolgen.

Gerade wenn ich aber dieses Fertigseinwollen als die offenbare Ursache so eines Grants herausgefiltert habe, fällt es mir schwer, das, womit ich gerade beschäftigt bin, loszulassen und etwa einen Spaziergang zu machen – oder darüber zu schreiben. Es kommt mir kontraproduktiv vor, denn ich will ja fertigwerden!
Dennoch ist es sehr zu empfehlen, denn es ist hilfreich und effektiv.

Dieser Faden ist hier zu Ende. Und mir geht’s jetzt auch besser. Danke fürs Zuhören.

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Wie soll’s denn heißen?

Wieso hat unser Sonnensystem eigentlich keinen richtigen Namen? ‚Unser Sonnensystem.‘ Das ist nicht nur profan, sondern auch sperrig. Und unsere Sonne, ‚Sol‘ eben. Natürlich, wir sind nur ein kleiner Furz in einer riesigen Galaxie, die wiederum nur ein kleiner Furz in einer Galaxiengruppe ist, die ihrerseits den ebenso schnarchigen Namen ‚Lokale Gruppe‘ trägt. Na komm. Der Name klingt, als hätte ihn ein Netzwerktechniker ersonnen.

Aber haben wir nur wegen unserer blähungsähnlichen Geringfügigkeit keinen Namen verdient? Wir Menschen sind noch viel kleinere Fürze, und wir haben alle einen. Und wenn es irgendwo andere Wesen gibt, die in die Sterne schauen und dabei unsere Sonne sehen – wie nennen die sie?

Bei anderen Galaxien und Sternen hat man sich ja auch (mal mehr, mal weniger) Mühe gegeben mit der Namensfindung. Manche heißen Edelstein (Gemma), Vogel (Albireo) oder Kornähre (Spica). Aber zugegeben, viele der ursprünglich teils arabischen Sternnamen wie Deneb, Ruchbah, Sirrah oder Sadir versprechen ja eine Exotik, die sie bei näherer Betrachtung nicht halten können, weil sie dann doch einfach nur Schwanz heißen, Knie, Nabel oder Brust.

Und lange nicht alle Sterne tragen diese wenigstens scheinbar prächtigen Namen, die meisten sind nur griechisch durchalphabetiert. ‚Eta Herculi‘ klingt jetzt auch nicht so toll, wenn man vom angeberischen Funkeln des lateinischen Genitivs mal absieht.

Da sieht man wieder, wie wenig die Frauen mitzureden hatten in der Geschichte der Wissenschaft. Sie hätten unsere Sonne oder unser Sonnensystem längst auf einen wohlklingenden Namen getauft, sowas wie Schnurzel vielleicht oder auch, wenn an Chantalismus leidend, etwas Entsprechenderes wie Morgania oder Chayene-Floralie.

Ich übernehme daher diese große Aufgabe und taufe unser Sonnensystem hiermit auf den Namen Sunnhild.
(Gilt bis zu meinem Widerruf oder meiner Steinigung. Sollte rein zufällig beides an einem Tag stattfinden, stellt das keinen Grund zur Veranlassung dar.)

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Dir werd ich’s geben!

Ich hab letztens auch über das Geben nachgedacht, und dabei fiel mir ein, wie häufig so manche Beziehung darunter leidet, dass so einiges, was der eine mit Freude und Leichtigkeit geben würde, der andere gar nicht annehmen will – und umgekehrt.
„Aber ich tue doch so viel für dich!“, heißt es dann, und die vorprogrammierte Antwort lautet, „Darum hat dich aber gar niemand gebeten!“ Und nur in den kommunikationswilligsten Beziehungen wird dieser Satz eventuell fortgesetzt mit „Warum machst du nicht stattdessen mal…?“

Plötzlich fand ich es sehr seltsam, dass wir mitunter so verdrossen auf die Vorlieben des anderen reagieren. Dieses Seltsamfinden ereilte mich, während ich gerade meinen Hund kraulte. Der Hund an sich lässt sich ja sehr gerne kraulen, wie man weiß, aber sich an den Pfoten berühren lassen, das mag mein Hund zetbeh nicht. Muss man auch erstmal rausfinden, aber ich weiß das, und darum tu ich’s nicht – wenn doch, zieht er die Pfote einfach weg.

Einem Hund bedeutet es nichts, zum Frühstück einen Kaffee hingestellt zu bekommen, er lässt sich nicht zur Begrüßung die Pratze schütteln oder vor dem Schlafengehen schön zudecken, und er mag auch nicht fest umarmt oder mitten auf die Schnauze geknutscht werden. Mir würde das alles auch niemals einfallen – und das nicht wegen hygienischer Vorbehalte, sondern weil mir bewusst ist: Dass ich selbst all das als umhegend, freundlich und liebevoll empfinde, macht es noch lange zu keiner Liebesbezeugung auf Hunde-Art, die ein Hund auch als solche verstehen und würdigen könnte. Darum schenk ich’s mir! Wäre ja auch eine Verschwendung von Zeit und Energie, es doch tun zu wollen.

Ich kose meinen Hund also so, dass er versteht, dass er liebgehabt wird – und das ist ganz einfach.
(Viele Menschen finden ja, dass Katzen noch viel toller (weil so viel schlauer und unabhängiger) sind, bewundern das wortreich und stellen sich darauf ein – aber auch von denen tun sich etliche schwer damit, ihrem Partner seine Bedürfnisse zuzubilligen.)

Es fällt uns leicht, uns auf einen Hund auf diese Art einzustellen, weil wir wissen, dass er ein Hund ist – und daher nicht so ticken muss wie wir selbst. Warum soll es so viel schwieriger sein, im Partner oder Mitmensch ein eigenständiges Wesen zu sehen, das auch seine eigenen Vorlieben haben darf? Wieso halten wir all das, was wir selbst leicht zu geben imstande sind, oder was wir selbst gerne hätten, automatisch für das Richtige für unser Gegenüber, und wieso können wir uns, so von Mensch zu Mensch, nur bedingt auf Abweichendes einlassen? Warum negieren wir die Wirklichkeit so vorsätzlich?

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Doppelzüngig

Man fühlt sich hier in diesen Tagen wie in den Tropen. Abends bauschen sich vereinzelte Wolkengefieder wie aus dem Nichts zu gewaltigen Türmen auf, bis sie einander berühren und sich vereinen zu bedrohlichen Ungetümen aus dunklem Violett, die nur noch von Blitzen durchdringbar sind. Hemmungslos tanzen sie über den niedrig gewordenen Himmel, mit dem Sturm als Kavalier, unter ihnen prasselnder Regen, Hagel und endloses Donnergrollen zur dröhnenden Untermalung der Nachtstunden.

Und doch ist, Augen zu, Augen auf, der ganze Spuk verschwunden. Unschuldig strahlt tiefblauer Himmel mit dem morgendlichen Sonnenschein um die Wette, und drückende Wärme breitet sich aus. Man könnte an einen bösen Traum glauben, wären da nicht die randvoll mit Regenwasser gefüllten Blumentöpfe und durchweichte Wiesen, übersät mit ihrem Vorleben gewaltsam entrissenen Ästen, Blättern an Zweigen mit unreifen Samenkörnern, traurige Zeugen jenes anderen Gesichtes der Natur. Und nun zeigt es sich auch schon am Tag, während erneut die ersten schweren Tropfen fallen.