Dann schau doch einfach weg

Es mag eine Facebook-Angewohnheit sein, die Welt ständig in „Gefällt mir“ und „Gefällt mir nicht“ einteilen zu wollen, oder einfach eine schwarzweiße menschliche. Weit hat uns das nicht gebracht, was die Friedlichkeit betrifft. Ich sehe Menschen, die sich daran stoßen, dass andere den „falschen“ Gott anbeten. Ganze Kriege gibts darüber. Oder daran, was irgendein Wildfremder auf der Straße anhat, welche Kleidung, welche Kopfbedeckung, welche Schuhe die Leute tragen, die sie nichtmal kennen. Ganze Blogeinträge gibts darüber. Ich sehe Menschen, die sich daran stoßen, dass einer vom Himmel springen will. Ganze Facebook-Einträge.

Es ist leicht zu vergessen, dass man sich auch dann von außen steuern lässt, wenn man sich auf eine „Dagegen!“-Position stellt, und dass man damit Energien nährt, die auf Opposition, auf Kampf, auf Krieg eingestellt sind. Energieverschwendung Marke „Pointless“, wenn ihr mich fragt. Ich sage nicht, dass das schlecht ist. Ich sage, es ist schade um die Kraft. Man muss sich nicht immer positionieren. Dann schau ich eben einfach weg. Ich hab in meinem Leben genügend andere Dinge, sodass ich mitunter selbst jene versäume, die mich interessiert hätten. Da ist es doch ein Leichtes, das zu versäumen, was mich nicht interessiert.

Handelt es sich um eine Sache, die es unbedingt zu verhindern gilt, weil tausende Menschenleben, Tierleben, Pflanzenleben davon abhängen, und in mir schreit alles „dagegen!“, dann muss ich mein Möglichstes tun, meine Einmannkraft, Einfraukraft zusammenraffen und dagegen angehen so gut ich eben kann, will mich vielleicht einer Organisation anschließen, um meine Einmannkraft zu vervielfachen. Ist es etwas, das in der Welt stattfindet und im Grunde unter „völlig einerlei“ fällt, oder gar etwas, das womöglich bereits stattgefunden hat, dann spare ich mir meine Kraft für mich selbst und beschwöre keine widerstrebenden Kräfte in mir herauf, um in einen Krieg zu ziehen, der nur in mir selbst stattfindet.

Natürlich sind es unterschiedliche Dinge, die wir in die Schubladen „wichtig“ und „egal“ einsortieren – und das ist auch gut so. So ist für alles gesorgt. Doch es gibt auch immer einen Spiegel, der in solchen Anlässen verborgen liegt. Oberflächlich betrachtet ist es der äußere Anlass, der den Ärger hervorruft, doch innerlich gibt es ein Pendant, eine Empfindung, eine Einschränkung, die von der äußeren Sache ausgelöst wird. Dorthin lohnt es sich zu schauen. Das ist auch nicht immer angenehm, aber weitaus heilsamer.

9 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Richtig. Zumindest die Möglichkeit „mislike“ wär doch angemessen. Ich hab das nicht eingebaut, sehe den Button auch gar nicht. Danke für den Hinweis.

    Liebes Brüderlein, wenn du hier mitliest, könntest du das SocialMedia-Zeug bitte wieder rauswerfen? Dankebussi!

    Antworten

    • hubbie, hier gehts ja nicht (nur) um SocialMedia, aber irgendeine Einleitung brauchte ich doch.

      Sehr gerne, Frau Serotonic! Meine Knickse sind Ihnen gewiss!

      Antworten

  2. claro, hab dich schon verstanden, wollte bloß die Gelegenheit nützen, dem Banalen eins auszuwischen

    Antworten

  3. Nicht dass ich nicht innerlich auch in diverse Kriege zöge. Aber es wird weniger. Rechthaben ist einer der Schauplätze, an die es mich nicht mehr so sehr zieht.

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.


* Die DSGVO-Checkbox ist ein Pflichtfeld.

*

Ja, ich bin damit einverstanden, dass meine Daten gespeichert und mein Kommentar mit Name veröffentlicht wird. Die Datenschutzerklärung nehme ich zur Kenntnis.