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Fotokalender

Wer von euch würde denn einen (oder mehrere) Etosha-Fotokalender 2011 haben wollen?

Letztes Jahr hab ich nur ein paar als Weihnachtsgeschenke bestellt – nicht annähernd genug, wie sich herausstellte, sodass ich selbst die zu meiner Überraschung tatsächlich Kaufwilligen unter euch leider nicht beliefern konnte.

Die schöne schwarze A3-Variante, wie manche von euch sie für 2010 an der Wand hängen haben, kostet regulär 20 Euromäuse – wenn ich wieder eine Aktion nutzen kann, vielleicht auch weniger (letztes Jahr: -25%).

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Bitte meldet euch dafür an, damit ich schonmal den Umfang abschätzen kann – und schnell reagieren, falls es eine Aktion gibt. Vielen Dank!

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Das Weib will Propheten?

Ich bin ein großer Prophet meiner Zeit. Obwohl, Kunststück war das keines, nur eine Frage, nun, der Zeit eben. Wie im Jahr 2007 von Swamitosha vorhergesehen, ist man nun also bei der neuen Natürlichkeit angelangt.

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Zumindest mit dem Vehikel des Mutes. Ob das körperliche Erdenvehikel nachzieht? Keine Hungerhaken mehr? Gesundgewichtige Models? Man wird sehen. Für viele ist es zum Glück ohnehin nur ein Bild in ihrem Kopf, das es auszuhungern gilt, und kein körperlicher Mangelzustand, der zu beseitigen wäre.

Mut oder Natürlichkeit, beide sind mitnichten neu. Sie waren immer da. Neu ist für viele aber bestimmt, wenn die Seele erstmals vernehmen lässt: Du bist in Ordnung so, wie du bist. Ich bin in Ordnung. Man hungert sich ohnehin nicht von Größe 42 nach 34, zumindest nicht auf Dauer. Und wenn man schon so ist, wie man ist, dann kann man sich auch gleich so mögen. Das kostet weniger Kraft als das neidvolle Schielen auf Models in Zeitschriften und auf Plakatwänden. Schielen ist nicht natürlich.

Es ist auch nicht natürlich, den Menschen zu sagen, sie wären nicht normal, ihnen zu sagen, welche körperlichen Merkmale in der Gesellschaft vertretbar sind oder “gern” gesehen werden und welche nicht. Wer würde seinem Kind Kleidung kaufen, die ihm zu klein ist, damit es “reinwächst”? Grausam wäre das? Es würde im Kind zwangsläufig ein ständiges Gefühl des Versagens und der Minderwertigkeit entstehen lassen? Warum haben wir dann aber keine Scheu, das mit uns selbst zu tun? Nur weil Gedrucktes immer recht hat?

Neu ist, wenn man etwas noch nicht kennt, wenn es strahlt und glänzt. Natürlichkeit jedoch ist dann natürlich, wenn sie sich nicht aufspielen und hervortun muss, wenn sie nicht mit dem Prädikat “neu” bepinselt werden muss, um für die Massen interessant zu sein, sondern einfach da ist, ganz natürlich eben. Daher hat sie es freilich etwas schwerer, sich durchzusetzen in dieser Welt des grellen Scheins und der lauten Glitzerdinge.

Natürlichkeit ist kein Ideal, keine Mode, sie lässt sich nicht in ein Von-Bis einsperren, jenseits dessen keine Natürlichkeit mehr herrschen würde. Maßlosigkeit ist sicher nicht gesund, doch den Menschen wurde die Vernunft jetzt ohnehin über Jahrzehnte eingeimpft, das sollte reichen. Wenn man aufhört, ihnen vorzuführen, wie sie sein sollten, kommen sie vielleicht auch mal in den Genuss, zu sein, wie sie sind, und sich mit dieser Freiheit glücklich zu fühlen – um letztlich zu spüren, wie sie sein möchten.

Neu ist das höchstens für ein paar schwule Designer, die mit weiblichen Kurven nichts anfangen können und wollen, aber nicht die Eier haben, ihre sogenannte Damenmode gleich von knorrigen Knaben vorführen zu lassen.

Es ist natürlich, das Vorhandene mit anderen zu teilen, dann hätten auf ganz natürliche Weise die einen keinen Bauch vom Wohlstand und die anderen keinen vom Hunger.

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Eherne Gesetze in Film und TV

Gerade fand ich das hier in den Tiefen meiner Festplatte und kann gar nicht glauben, dass ich das nie gebloggt habe:

  • Autos werden nie abgesperrt, aber nur sehr selten gestohlen.
  • Niemand muss jemals aufs Klo, auch Hunde müssen nie Gassi, außer es ist für die Handlung unerlässlich.
  • Frauen wachen geschminkt und frisiert auf. Auch nach einer Geburt sehen sie aus wie aus dem Ei gepellt. Meistens liegen sie sogar so im Koma. Und letzteres immer ohne Beatmung, wie Schneewittchen.
  • Alle haben in der Wohnung Schuhe an, aber die Teppiche sind immer sauber.
  • Auch der Herd ist stets blitzsauber.
  • Die Handtücher im Bad passen farblich immer zu den Fliesen, und sie hängen gefaltet auf den Ständern.
  • Keiner verabschiedet sich am Telefon, die legen einfach auf.
  • Fahrzeiten spielen keine Rolle.
  • Ein Mensch droht zu erfrieren, aber es gibt keinen sichtbaren Hauch seines Atems an der angeblich eiskalten Luft.
  • Autos explodieren prinzipiell, nachdem sie sich überschlagen haben.
  • Computerprogramme werden ausschließlich über Tastatureingaben gesteuert. (“Hole diesen Videoschnappschuss auf Zoomstufe irrwitzig heran und schärfe ihn nach. JETZT!”)
  • Das Handling von Pistolen: immer entsichert mit dem Finger am Abzug.
  • Die Tasche an der Hüfte zum Mittragen von Waffen wird in Dialogen prinzipiell als Halfter bezeichnet.
    Vgl. Holster.
  • Männer sagen immer “Warte!”, wenn eine Frau zu gehen droht.
  • Wenn im Schlafzimmer das Licht ausgeknipst wird, wird es nicht dunkel, sondern blau.
  • In Schlafzimmerschränken oder unterm Bett ist Platz zum Verstecken von Liebhabern.
  • In braven Filmen wird, wenn’s zur Sache geht, der Fokus auf ein enorm uninteressantes Detail im Raum übergeblendet.

  • Wenn ein Protagonist seine Eltern früh verloren hat, dann immer im Alter von 7.
  • Werbung kommt nie, wenn man dringend aufs Klo muss.

Und hier noch ein Punkt, der beweist, wie lange diese Sammlung schon auf meiner Festplatte verstaubt:

  • Wenn man den Vorspann von Ally McBeal auf vox verpasst, kennt man sich die ganze Folge lang nicht aus, aber direkt nach dem einminütigen Vorspann kommt sieben Minuten Werbung.
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Wo meine Zeit hingeht

Am vergangenen Dienstag will ich mit Cindy zur Tierärztin und anschließend zu meiner Freundin. Cindy ist an der Pfote verletzt, es sieht ziemlich tief und fleischig aus, vielleicht näht man das besser. Dafür braucht man eine Tierärztin, und unter anderem auch Geld. Vielleicht. Manchmal brauche ich dort auch kein Geld. Für “Nur schauen” verrechnet die Tierärztin meines Vertrauens nichts. Dafür sagt sie “Exzem”. Darüber sehe ich großspurig hinweg, und das sage ich ohne falsche Bescheidenheit.

Allerdings, und dafür brauch ich nichtmal nachzusehen, ich tu’s aber trotzdem, 2 Minuten, herrscht in meinem Geldbörsel leerende Gähne, außer drei Tankstellen-Gutscheinen sind da nur die Erinnerungen an Geld, das mir bereits durch die Finger geflossen ist, in Form von mehr oder weniger zerknautschten und mäßig aufhebenswerten Quittungen. Ich überlege kurz, ob die Tierärztin wohl OMV-Gutscheine nimmt, verwerfe diesen Gedanken dann aber wieder.

Also los zum Geldautomaten, hierzulande liebevoll Bankomat genannt. Vor dem Kastl in der Bank angekommen, gähnt mir schon wieder was entgegen – das leere Fach in meinem Geldbörsl, wo normalerweise meine Bankomatkarte steckt. Scharf nachdenken, 1 Minute. Ach du Kacke, die ist ja noch in der anderen Hose, gemeinsam mit der Metro-Karte, noch von meinem frei-von-Handtaschen-Schulterschmerz-Ausflug zum Metro letzte Woche. Also krieche ich niedergeschmettert aus der Bank und denke schon wieder nach. 2 Minuten. Nochmal heimfahren kommt nicht in Frage, weil ich nicht nur finanziell, sondern auch zeitmäßig wieder mal am letzten Drücker bin. Aber schon wieder ohne Geld zur Tierärztin, die Schmach will ich mir auch nicht antun. Also, grummel, nochmal in die Bank und mit der Kreditkarte was abheben. Kreditkartenabhebung kostet aber Spesen. Bankomatabhebung kostet bei uns keine Spesen. Noch nicht.

Allerdings spuckt die verwunschene Gerätschaft meine Kreditkarte wieder aus, ihr begleitender verachtender Seufzer entstammt allerdings meiner Phantasie. Code falsch. 2 Minuten. Mift, dann eben doch zurück nach Hause. Schon sitze ich im Auto, da fällt mir ein, ich hab meinen Kreditkarten-Code doch verschlüsselt an bestimmter Stelle hinterlegt! Nachschauen, 1 Minute. Dann also doch noch 50 Euromäuse ergattert auf VISA, hurra, 2 Minuten, weiter zur Tierärztin.

Bei der Tierärztin hab ich dann nichts bezahlt, die überdimensionierte Cremedose zur Versorgung kriegte ich geborgt – und beim Heimkommen und Kramen in der anderen Hose fand ich übrigens nicht nur die Bankomatkarte, sondern auch Bargeld.

Rechnet das hoch, dann wisst ihr, warum ich nicht zum Bloggen komme.

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Urlaub?

Eventuell ist Balkonien ohnehin die beste Wahl. Oder Terrassien, in unserem Fall. Ich habe letzte Woche mal versucht, uns für September eine Woche in xy zu finden, egal, Hauptsache Meer, Frühstück, Billard und Tischtennis… und stellte fest, das ist höchst kompliziert. Was, wenn ich nicht den ganzen Tag bespaßt werden will? Offenbar sind die Bespaßer des Morgens in der Küche tätig, anders kann ich mir nicht erklären, dass man kaum ein Hotel ohne Animation, aber mit Frühstück findet. Ich möchte weiters am Abend nicht unter der Beschallung durch tieffrequente Schläge, die aus sowas ähnlichem wie Lautsprechern emittieren und mit etwas gutem Willen eventuell gar einer Musikrichtung zuzuordnen wären, meiner Nachtruhe entgegenharren. Kurzum, ich bin ein Langweiler, der’s auch im Urlaub ordentlich langweilig haben möchte. Ist das zu viel verlangt?

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It’s not a bug – it’s a creature!

Dem aufmerksamen Leser und Etoshafotogucker wird zwischen den Zeilen und Bildern nicht entgangen sein, dass ich Insekten mag. Diese Vielfalt! Diese Kreativität in Form und Farbe! Ich finde sie interessant, ästhetisch und wunderschön. Und ja, ich fotografiere sie gerne.

Eine Frage höre ich dazu öfter: Wo findest du denn die immer? Ich sage euch, und das ist wahr, die finden mich! Die drängen sich mir geradezu auf! Ich erwähnte das bereits. Sie warten auf meinem Auto auf mich oder vor der Haustür, wenn ich heimkomme:

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Sie kugeln auf dem Rücken im Wintergarten rum und warten, bis ich sie umgedreht und geknipst habe, bevor sie weiterfliegen oder sich mittels anderer Fortbewegungsorgane aus dem Staub machen.

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“Bitte auch von unten knipsen, da bin ich nämlich ebenfalls sehr hübsch, danke.”

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Keine Angst, nein, der ist nicht tot, nur eitel.

Eine einfache Strategie, die viele verfolgen: Sie setzen sich auf mein Knie.

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Weniger nett, aber auch effektiv, um meine Aufmerksamkeit zu gewinnen: Sie knuspern sich durch die Blätter meiner Rosen.

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Andere verstecken sich zwischen den Rosenblättern und kommen so plötzlich zum Vorschein, dass mir das Herz in die Hose fällt. Auch wenn es sich dabei zugegebenermaßen nicht um ein Insekt im engeren Sinne handelt.

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Bestimmte Exemplare allerdings knabbern mir gleich ganze Blütenblätter weg. Diese Gfraster. Müsste echt nicht sein.

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Allerdings muss ich trotzdem oft lachen, wenn ich die sehe, vor allem auf Fotos – die schauen aus wie einem Comic entsprungen.

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Gewissen Insekten gefällts auf den Blüten meines Liebstöckels am allerbesten. Da wirds schonmal eng.

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Manche schummeln sich auch einfach ins Bild, denken, sie brauchen mich gar nicht erst zu fragen, das hab ich besonders gern.

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Heute hab ich einen Käfer fotografiert, der offenbar mit den Ergebnissen nicht zufrieden war. Nach einiger Zeit kommt er nochmal vorbei, als ich gerade auf der Terrasse beim Essen bin, und setzt sich auf mein Bein. Ich verscheuche ihn und sage, ich bin beim Essen, Mann. Er landet in meinem ausgezogenen Schuh, krabbelt das Tischbein hoch und guckt über meinen Tellerrand. Ich wimmle ihn nochmal ab, da fliegt er los – und stürzt sich kopfüber in den Pool. Was will man da noch sagen? Also eine schnelle Rettungsaktion mit dem Kescher und nochmalige Fotosession.

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Es gefällt denen generell, sich von mir aus dem Pool retten zu lassen. Manch einer putzt und trocknet sich dann minutenlang auf meiner Hand und lässt sich von der Kamera gar nicht stören.

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Und wer wollte nicht schon immer gerne mal einen Blick unter die Haube eines Käfers werfen?

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Andere sind leider sehr plötzlich tot, bevor ich überhaupt zum Fotografieren komme – zum Beispiel, weil mitten in meinem Satz “Ha, schauuu, so ein großer blauer Käfer, wie schöööö…” mein Hund einen Schritt nach vorne macht und – knirsch!

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Habe ich gerade keine Zeit oder knipse etwas anderes, setzen sie sich auf ihren Hintern und warten.

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Wenn gar nichts hilft, um ins Bild zu kommen, krabbeln sie an der Kamera hoch. Deutlicher gehts nicht.

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Mein absoluter Liebling aus den letzten Monaten ist aber dieses winzige Kerlchen hier:

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Der fleischfarbene Achttausender im Hintergrund ist der kleine Finger meiner Mutter.

Warum ich den so mag? Nicht nur, dass er total stylish aussieht – man beachte die grandiose Zeichnung und vor allem das zeitlos-aparte Bürstenschwänzchen…

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…er hat auch voll gute Moves drauf. Als ich ihn mit einer kleinen Lampe beleuchte, um auf eine vernünftige Belichtungszeit zu kommen, stellt der sich doch glatt auf die Hinterbeinchen und tanzt in das Licht! Für ein gutes Foto tun die wirklich alles.

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Ein ähnliches Tier, allerdings etwas größer und ohne Schwänzchen, finde ich ein paar Wochen später. Ebenfalls hübsch anzusehen, auch von unten.

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Aber verdammt schnell sind die! Beim Hüpfen und auch beim Laufen.

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(EDIT: Die Experten bei entomologie.de haben mir unglaublich rasch mit der Bestimmung geholfen – es handelt sich beim kleinen Kerlchen mit dem Schwänzchen um eine Käferzikadenlarve; und mit “ähnliches Tier” hatte ich recht, das ist eine Käferzikade.)

Manche Krabbelviecher, die sich unbedingt von mir knipsen lassen wollten, enden als Sammlerstück:

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Falls von euch jemand das eine oder andere Tierchen namentlich kennt oder einen Hinweis auf Art/Familie hat, einfach in die Kommentare damit! Meine Dankbarkeit wird euch ewig nachschleichen.
(Einige sind bereits bestimmt, in den Fotodaten sind sie entsprechend bezeichnet. Zum Unwort des Monats wähle ich in diesem Zusammenhang die Rosenbürstenhornblattwespenlarve.)

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Budapest, der Klobericht

Städtereise, man kennt das.
Man sieht sich die Innenstadt an, IMG_1617 das Parlament am Fluss, oh, oh!
Das Schloss auf dem Berg, was für ein DSC08330e Panorama über die Stadt, ah, ah!

IMG_1699c Große Statuen, IMG_1654c prächtige Synagogen,

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Touristen, die einem beim Fotografieren ständig ins Bild laufen, Farbwechselspiele auf Gebäuden, die sich just dann ausschalten, wenn man endlich um 22:31h an der richtigen Stelle für ein Foto angekommen ist, was einen jäh daran erinnert, welch ein Potential für ziellosen Zorn doch in einem steckt.

Doch keinem Reisenden ist es je gelungen, seine Körperfunktionen für die Dauer seines Fremdstadtbesuches einzustellen, wiewohl so mancher mit einer gewissen Verstopfung ankommt und mit einem gewissen gegenteiligen Effekt wieder abreist. Und so muss der Reisende auch in der fremden Stadt den einen oder anderen Lokus von innen besichtigen.

Das erste Exemplar, das ich von innen sah, war das des Café de Paris (oder so ähnlich). Der Vorraum war so schummrig beleuchtet, dass man es weder Beleuchtung nennen noch die Hand vor Augen erkennen konnte, geschweige denn sein Gesicht im daher völlig redundanten Spiegel. Wie ich ungefähr aussehe, weiß ich auch so. Der Klobrille war unter langjähriger Touristenbelastung ihre Montierung entfallen, und sie bewegte sich auch so, sagte das aber vorher nicht, was mir dann auch die merkwürdig jauchzenden Geräusche erklärte, die der Dame vor mir hinter verschlossener Tür entfahren waren. Es gab kein Papier, aber ein Display an der Klowand, auf dem gerade ein Fußballmatch zu sehen war. Ein klassisches Damenklo eben.

Auf dem nächsten war zwar die Klobrille fest montiert, aber kein Licht, was sich durch die vertiefte Lage im Keller auch durch Außenlicht nicht kompensieren ließ. Da ist man auf gewohnte Handbewegungen angewiesen. “Dialog im Dunkeln” ist ein Dreck dagegen.

Das danach punktete mit grellem Licht, dafür konnte man die Tür weder versperren noch richtig verschließen, was mir ungewohnte Einblicke in die Händewaschgewohnheiten der Damen und einen ordentlichen Schreck bescherte, als ich mich, sitzend, jäh einem kleinen Bürschlein gegenübersah, stehend und offensichtlich schon in rechter Not, hatte er doch die Hose bei den Knien und letztere seltsam ineinander verschränkt.

Auf einem Klo war ich unversehens mit meinen eigenen Knien beschäftigt. Im Sitzen war so wenig Platz für die Beine, dass sogar ich mit meiner doch eher lächerlichen Körpergröße mich zwischen Muschel und der kahlen Wand gegenüber verkeilte. Doch wenigstens saß man hier stabil.

Auf dem Ausflugsschiff ist eine ganz normale Toilette aus Keramik, was man – wenn die einzigen Boote, die man in den letzten Jahren betreten hat, Segelboote waren – doch irgendwie seltsam findet. Wenn allerdings auf dem Weg zur Klotür Gegenverkehr herrscht, muss man reversieren, denn der Grat zwischen Reling und Tür ist gar schmal. Auch gilt es, sich der Tür mit Argwohn zu nähern, denn geht sie zu plötzlich von innen auf, läuft man Gefahr, dem Besuch der Pipibox ein spontanes Bad in der Donau vorzuziehen.

Häufig muss man für die Verrichtung der Notdurft einen Notgroschen bei sich haben, bzw. einen Notforint, oder besser noch hundert. Hat man nur sechzig, wird man nicht vorgelassen, sondern schief beäugt und laut begrantelt. Die drei Münzen, die bei der Klodame nicht den erwünschten Effekt zeigten, weil es fünf hätten sein sollen, musste ich mir mit Gewalt wiederholen. Am liebsten hätte ich ihr lächelnd auf die Schuhe gepisst.

Auch in Cafés, deren WC er freundlich fragend zu benutzen trachtet, wird der blasenschwache Mensch seines Geldes erleichtert, wenn er es denn zulässt. Gratis pinkeln darf nur, wer auch was trinkt, werde ich belehrt. Begreifen diese Menschen denn nicht, dass man dann ja erst wieder pinkeln muss? Will man mich in ein endloses Spiel des Trinkens und Pinkelns verwickeln, um so die Entfaltung meines restlichen Lebens zu verhindern? Nein, rufe ich da der Welt der Cafés zu, nein und nochmals nein! Ich muss mein Geld auch auf ehrliche Weise verdienen.

Das Mobiklo gegenüber im Park war gratis, ätsch. Doch es hatte darin geschätzte 70 Grad.

Vor dem letzten Lokus musste ich erst einen Tisch, der sich mir in den Weg warf, ein Stückchen nach rechts rücken, um die geheiligten Hallen überhaupt betreten zu können – sonst hätte sich die Tür, die nach außen aufging, nicht öffnen lassen. Der Abstand zwischen den beiden Türen zum Damen- und zum Herren-WC war zu kurz für diesen Tisch, oder der Tisch war zu lang, wie auch immer. Aber mir war’s egal, das Klo war gratis! Ich hatte ja auch was getrunken, Saft und Suppe!
Die Damentoilette war perfekt ausgestattet. Dieses Klo ließ sich versperren. Da war Papier, Licht, ein Duftkörbchen, Seife und wunderschöne Fliesen aus Naturmarmor. Dafür war ich nach verrichtetem Geschäft gute drei Minuten damit beschäftigt, das Schloss der Innentür wieder aufzukriegen. Es waren lange drei Minuten. Danach stellte sich mir die nächste Tür entgegen, und ich musste die Tür mitsamt dem Tisch davor… naja, ihr wisst schon.

Gut dass ich El Reisehase nicht mithatte, denn es gab nirgendwo ein Hasenklo! Fazit: Budapest ist eine schöne Stadt, aber wenn ihr fahrt, nehmt euch viele Münzen mit. Oder lasst eure Blase daheim.

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