Kroatien 3

Nach meiner Nacht auf dem Rücksitz unterm Olivenbaum wirds höchste Zeit, eine angemessene Unterkunft zu finden. Der Tag ist jung, ich kann also in Ruhe ein Nest nach dem anderen besichtigen, wobei der motorisierte Tourist generell dazu neigt, denkwürdige (i.e. halsbrecherische oder aber jämmerliche) Umkehrmanöver vor den Augen einer belustigten Einwohnerschar hinzulegen.

In Mulobedanj gefällt es uns. Da gibts einen hübschen Wald am Strand entlang, durch den ein weich gepolstertes Wegerl führt, ein paar Schilder mit den Zauberworten “Sobe / Apartmani” und zumindest einen Einwohner, der mir bei meinem Umkehrmanöver der Kategorie ‘jämmerlich’ helfend zur Seite steht, freundlich, breit grinsend und in bestem Deutsch.

Doch meine Niederlassbereitschaft wird jäh durchkreuzt. Im einzigen Restaurant im Ort, direkt am Wasser in geradezu romantischer Lage, in dem ich ein feudales Frühstück einzunehmen gedenke, finden sich gleichzeitig mit dem Tablett hunderte Wespen ein, fallen über mein Brot her, meinen Tee und die ihm eigentlich innewohnen sollende Zitrone (wenn ich nur hingreifen könnt!), und als ich auch noch eine Miniportion Marmelade öffne, wird schnell klar, wer hier der Eigentümer der Welt im allgemeinen und dieses Frühstücks im besonderen ist.

Invasion in Mulobedanj

Die Marmelade mache ich zur Opfergabe und verdrücke hinter dem Rücken der Wespen ein halbes Brot mit Honig, fühle mich dabei aber gleichermaßen betrogen und beklommen. Die Erkenntnis des Tages lautet daher:

• Die kroatische Wespe liebt Marillenmarmelade mehr als Honig – genau wie ihre Verwandtschaft.

Eine Woche lang mein Frühstück auf diese Weise zu verbringen erscheint mir wenig verlockend. Also weiter in der Nestersuche.

Eigentlich nur noch pflichthalber, weil ich doch schon so weit gekommen bin, fahre ich noch bis zum nördlichsten Zipfel der Insel Pag, nach Lun, und siehe da – dort isses richtig nett! Wäre man bösartig, könnte man behaupten, Lun wäre der Pickel am Arsch der Welt, aber ich persönlich bin ja für meine Gutartigkeit bekannt. Es gibt dort drei Restaurants, ein Tourist-Büro, einen Minimarkt und einen kleinen Hafen.

Lun / Tovarnele

Test- und sicherheitshalber öffne ich dort einen Marmeladentiegel und warte einige Sekunden, doch nichts passiert, obwohl Mulobedanj nur ein paar Kilometer hinter mir liegt. Die stacheltragenden Hautflügler sind mir nicht gefolgt. Das gefällt mir, und ich beziehe ein Appartment in einem Haus direkt am Meer, stehe auf meiner Terrasse, von der aus ich bis Rab und Cres schauen kann, und fühle mich wie die Königin von Pag. Ich habe hier ein Schlafzimmer, eine große Wohnküche, ein Bad und eine große Terrasse.

Insgesamt ist das mehr Platz, als ich alleine je verbrauchen könnte, obwohl ich ihn mit la Hund und el Reisehase teile.

El Reisehase auf der Terrasse

Und mit ein paar einheimischen Insekten.

• Ein Tausendfüßler, der zum Zwecke der fotografischen Festhaltung mittels Taschenlampe beleuchtet wird, läuft gar schnell in sein Wohnloch in der Wand.

(Man visualisiere an dieser Stelle ein verdutztes Etoshagesicht.)
Dafür finden sich andere posierwillige Tierchen. Die finden sich bei mir immer, wie der aufmerksame Leser weiß.

Urlaubsrowanze

Dieses Tier wird nach meinem Urlaub von meinem Freund A. anhand der Fotos fachmännisch beurteilt und sodann mit einem klingenden Namen versehen: “Urlaubsrowanze”.

Die Sonne sinkt, und ich verliebe mich in die Aussicht von meiner Terrasse.

• Dem faulen Fotografen ist die Terrasse aufs Meer eine Insel der Glückseligkeit.

My terrace is my castle

9 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Wanze vor Sonnuntergang – das ist doch jetzt mal was anderes!!

    (Die Mulobedanjanischen Wespen waren dann übrigens bei mir.)

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  2. mathilda, die Wespen waren zum Glück eine einmalige Erfahrung. (Auch dank mkh, der sie danach offenbar adoptiert hat.;)

    Die Aussicht allerdings war wirklich prächtig! Die Fotos von diesem Standort sind zahlreich und werden euch hier sicher noch öfter begegnen.

    Was die Wanze betrifft, die gehörte zum Appartment. Die war jeden Abend da, einmal auch nachts im Wohnzimmer, wo sie beim gelegentlichen Standortwechsel im Flug ein Geräusch machte wie ein verkaterter Helikopter.

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  3. die Paradoxie MGB = schön erschliesst sich wohl nur dem Ceh, dabei ist aber ein nostalgisches Butterbrot mit Schnittlauch, Salz und Paprika nicht zu verachten (in meiner Frühzeit, so mit fünf Jahren, hat mir die benachbarte Bauersfrau in 2472 oft eins bereitet, vom selbstgebackenen 5 kg Brotlaib, einfach herrlich, ich mampfte die Riesenschnitte immer am Grandl im Hof und beobachtete die Jungenten beim Bad…)

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