Kroatien 5

• Manchmal ist man ohne Beifahrer besser dran.

In Lun gibt’s ja so gut wie nix. Vor allem keinen Bankautomat. Daher fahre ich einige Male zwischen Lun und Novalja hin und her, eine 20 Kilometer lange Landzunge, hügelig, aber nur ganz leicht kurvig, die pure Fahrfreude. Und finde es jedes Mal gut, dass niemand neben mir sitzt, der vor jeder Kurve zu brüllen pflegt: “Wir werden alle steeerben!”

Novalja-Lun

Auf einer dieser Rückfahrten Richtung Lun ist es schon dunkel, und ich fahre irgendwo im Nirgendwo zwischen Steinmauern, Schafweiden und Olivenbäumen entlang. Draußen auf der nächsten Insel sieht man Blitze in den Wolken, über mir ein Sternenhimmel wie aus dem Bilderbuch. Kamera und Stativ sind dabei, also halte ich am Straßenrand, um die Szenerie per Langzeitbelichtung festzuhalten. Ich baue unbekümmert auf, schalte dann alle Autolichter ab und löse einige Male aus, jeweils 15 Sekunden lang. Die Kamera starrt Richtung Gewitter und ich in die unfassbar klare Milchstraße.

Plötzlich vernehme ich unmittelbar neben mir im hohen Gras ein Rascheln wie von einem großen Tier. So gelassen ich gerade noch war, so panisch bin ich auf einen Schlag. Ich schnappe mein Zeug, stopfe das noch ausgefahrene Stativ quer ins Auto, verfluche mich für meine Unbekümmertheit und flüchte quietschenden Reifens aus dem dunklen Nirgendwo. Der Slapstick, der mein Leben ist, Volume 954.

Die fotografische Ausbeute ist im Vergleich zum buchstäblich atemberaubenden Originalerlebnis ausgesprochen bescheiden, daher hier kein Beweisfoto.

• Wildes Pinkeln gestaltet sich in einer Mondlandschaft schwierig, weil die Bäume so weit auseinanderstehen.

Hinter Caska

Aber die kleine Reise lohnt sich, in Caska ist es nett und entspannt. Ein langer Strand, an den man direkt zufahren kann, kein Hundeverbot, zwei gemütliche Lokale direkt am Wasser. Dort macht es sich auch bezahlt, dass ich wenigstens einen kroatischen Satz sagen kann: Možete to napisati? Können Sie mir das aufschreiben? So komme ich zu einer weiteren Erkenntnis:

• Die Gruppe Parni Valjak macht echt gute-Laune-Musik.

(Zu deutsch: Dampfwalze. Aufgelöst 2005. Schade eigentlich. Lieferten eine schöne Urlaubsuntermalung.)

Ausflüge mit vielen Such- und Umkehrmanövern machen den Hund mürbe, denn alles, was er will, ist am Wasser sein. Wenn er dann endlich mal an einem Strand ist, möchte er dort auch bleiben. Wenn nötig wird Widerstand geleistet. Ich will Cindy nur animieren, mit mir ein kleines Stück vom Strand weg zum Restaurant zu gehen – zum Wassertrinken, schließlich will ich nicht wieder den Anblick eines halbtoten, aufgeblähten, salzverkrusteten Hundes über mich ergehen lassen. Aber Cindy kommt nicht mit zum Wassertrinken. Sie setzt sich am Strand auf ihren Hintern und streikt. Selbst liebevolle, motivierende Zurufe wie “Jetz sei net so stur heast!” überzeugen sie nicht. Doch das unmittelbar benachbarte Strandpublikum ist begeistert – lachende Gesichter, wohin ich schaue.

Cindy, stur

7 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. also das foto mit dem verträumten einsamen hunderl am strand hat irgendwie was rührend-filosofisches…

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  2. Das ist fast wie ein animalischer Caspar David Friedrich irgendwie. Ob der damals ganz analog einfach einen sturen, wasserliebenden Freund gehabt hat, der ihm dann immer im eigentlich geplanten, menschenleeren Bild gehockt ist?

    Die Kunstwelt wird nie wieder die selbe sein.

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  3. In Bulgarien war es meist ein freilaufendes Schwein, seltener ein Pferd, das seine Rübe neugierig morgens ins Zelt steckte, oder in Rumänien höchstens ein Bär, alles nichts gefährliches also.

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  4. Wenn ich nicht Hals über Kopf geflüchtet wäre, wüsste ich jetzt vielleicht, was es für ein Tier war. Hubbie hat möglicherweise recht. Und wenns nicht der Kornatenküstenhase war, dann sind die Wahrscheinlichkeiten für Schaf oder Marder die nächsthöchsten. Oder es war Caspar David Friedrich, der sich ins Bild schummeln wollte. Lauter äußerst gefährliche Zeitgenossen also, die eine so spektakuläre Flucht absolut rechtfertigen.

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