wetterbedingt

[UPDATES ganz unten.]

Mein hehrer Plan, etwas für die Fitness zu tun und heute Morgen im öffentlichen Bad ein paar Längen zu schwimmen, wird jäh durchkreuzt von der Tatsache, dass es für Hallenbäder zu sommer und für Freibäder zu schlechtwetter ist. Schön für die Mitarbeiter dort, denn die haben frei. Schlecht für mich: Ich kann in der zivilisierten Welt an einem Dienstagmorgen im August nirgends schwimmen gehen.

Ich hätte euch an dieser Stelle gerne auf Grundlage genauer Daten vorgerechnet, wie eine Durchschnittstemperatur von Anfang Juli bis dato einen schönen Sommer mit durchwegs erträglichen Temperaturen ergeben hätte. Jedoch ist die neue Website der ZAMG (Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik) so ungeheuerlich lahm, dass sie fast schon wieder sehenswert ist. Aber nur an geduldigen Tagen. Links führen nach endloser Wartezeit ins Nichts, das Auffinden der schönen Klimatabellen, die’s dort früher gab, ist mir daher unmöglich.

Also bleibt es bei einer Schätzung: Wir hätten seit Anfang Juli gemütliche 25° haben können, wenn der geschätzte Herr Petrus sich seine Kapriolen ein bisschen besser eingeteilt hätte.

Was mich am derzeitigen Klima am meisten stört, sind die Unmengen an Fliegen, die in meinen Wintergarten kommen, sobald ich die Terrassentür öffne. Den hier direkt neben mir stehenden UV-Hochspannungs-Insektenzerbritzler, diesmal im Großformat, ignorieren sie geflissentlich und sitzen lieber auf meiner Tastatur und meinem Display. Ich hab seit Samstag ungeschaut zweihundert Fliegen gekillt. Und mir graust eh so vor Fliegen, insbesondere weil sie – wie mein Vater das letztens so wunderbar bildlich ausdrückte – mit nassen Füßen reinkommen und sich dann auf mein Essen setzen.

Im Mai, als es hier so nasskalt war, schnappe ich den Satz auf ‚Das soll ja jetzt den ganzen Sommer so kühl bleiben.‘
Ende Juli in der größten Hitze höre ich am Nachbartisch in der Pizzeria eine Frau sagen: ‚Das soll ja jetzt den ganzen August so heiß bleiben.‘
Da entsteht in mir die ebenso spontane wie überwältigende Sehnsucht nach Stille. Was sind das für Deppen, die einen solchen Schmonzes nachplappern? Und wem plappern sie nach? Wird sowas in der Kr0nenzeitung verzapft? Oder denken sich die Leute das einfach aus? Beklommenheit beschleicht mich: Sind das die gleichen Menschen, die im alltäglichen Leben unter Einsatz effektiven Denkens zuverlässig ihre vielfältigen Aufgaben zum Wohle aller erfüllen sollen?

Jeder weiß doch, dass die Wetterfuzzis oft nichtmal das morgige Wetter korrekt vorhersagen können; Wochenprognosen sind schon mehr als gewagt und meistens unzutreffend, ganz zu schweigen von Monats- oder gar Saisonprognosen.
Wie so häufig, liegt in solchen Gesprächen offenbar der Schwerpunkt weniger am substanziellen Sinngehalt als vielmehr auf der angestrebten Genugtuung daran, die heiße Luft mit lauwarmem Gewäsch gefüllt zu haben.

UPDATE:

Auf meine Kritik, die ich mit letzter Kraft durch den lahmen Pfad zur ZAMG durchgeschoben hatte, kam soeben folgende Antwort:

Auf Grund massiver Hackerattacken sind unsere an und für sich sehr gut abgesicherten Webserver gestern und heute immer wieder abgestürzt. Zeitweise waren sie überhaupt nicht erreichbar – offensichtlich auch nicht, als Sie die Klimatabellen abrufen wollten.

Zu dem Zusatz ‚an und für sich sehr gut abgesichert‘ äußere ich mich jetzt einfach mal gar nicht.

Und damit ihr nicht denkt, ich übertreibe hier: Das Beweisbild zu meiner heutigen Ausbeute, in Häuflein zu jeweils zehn Stück. Wer glaubt, dass ich heute auch noch was anderes gemacht habe außer Fliegen zu jagen, der irrt.

Fliegen

16 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Pst, nicht so laut über das Wetter motzen. Ich bin dankbar, daß es nicht mehr 37° , sondern 22° Grad sind. Viel heißer brauch ich es nicht, höchstens 25°. Aber auf diese Bauernweisheiten darf man nichts geben, außer auf diese:

    Kräht der Bauer auf dem Mist,
    hat der Hahn sich wohl verpißt.

    ;)

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  2. Fieber selbstverständlich. Wahn. Fieberwahn.

    P.S.: Ich bin mir jetzt angesichts des Fliegenbildes, unter dem geschrieben steht „Gericht verfeinern, 4 Gewürze“ nicht mehr so ganz sicher, wie warm es eigentlich bei Ihnen so ist …

    Oh je: „Gewürz einstreuen“ …

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  3. versucht da jemand, das tapfere Schneiderlein nachzuspielen? „Sieben auf einen Streich!“

    Beträchtliche Ausbeute, Etosha. Wieviele Fliegenklatschen sind schon kaputtgegangen durch die Dauerbeanspruchung? ;-)

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  4. TM, was treibt dich in den Fieberwahn?
    Keine Angst, die Fliegen landen nicht in der Pfanne. Obwohl sie ja schon hier sind, und Teil eines Gerichts. Merkwürdig. 19°.

    Rotfell, eine ist abgebrochen… war aber glaub ich schon vorher leicht angeknackst.
    Net schlecht, der Fang, gö? Sieben schaff ich noch nicht, aber im richtigen Winkel immerhin zwei: Eine mit dem Stiel, eine mit der Klatsche.

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  5. Die Welt treibt mich in den Wahn, madame. Eben noch jung und lebenslustig, nun schon … ach, lassen wir das. Vielleicht sollte ich nicht gerade früh morgens den „Seewolf“ hören, wenn ich zur Arbeit fahre.

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  6. Ja das mit dem Wetterwissen – es ist doch am Stammtisch immer wieder ein gutes Gefühl, einen Satz zu sagen, der von Wissen zeugt und wo andere ein ‚ah, wirklich?‘ von sich geben. Ich glaube einfach, dass bestimmte Menschen eine geglaubte Aussage nicht gern als geglaubt, und daher unverbindlich von sich geben möchten und diese dann einfach in eine tatsächliche Form umwandeln. So entstehen Gerüchte.

    Ich kenn eine Bauernweißheit, die bisher immer zugetroffen hat:
    „Kräht der Hahn früh auf dem Mist, ändert sich das Wetter oder es bleibt, wie es ist!“

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  7. Naja, iwi, ‚von Wissen zeugt‘? Haha.
    ‚Ah wirklich?‘ kommt da von mir nicht als Antwort. Meine beginnt zwar auch mit ‚Ah…‘, endet aber auf ‚… so ein Bledsinn!‘
    Die Umwandlung in eine absolute Aussage ist ja in meinem Beispiel gar nicht der Fall; vielleicht mit ein Grund, warum ich gerade das so dämlich finde: ‚Das soll ja jetzt so bleiben‘ entbindet den Sprecher geradezu von jeglicher Verantwortung, weils impliziert, dass es sich nur um Hörensagen handelt.

    TM, DER Seewolf? Zum Hören?
    Hm, dabei büßt man, wie ich mir vorstellen könnte, einiges an morgendlicher Leichtigkeit ein.

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  8. Ja, DER! Der Echte! Auf zwei CDs, allerdings gelesen, nicht als Hörspiel. Es sind ein paar Hintergrundgeräusche dabei und das alles ist sehr plastisch. Und wer die Figuren des Staudte-Films noch im Kopf hat, sieht sie praktisch gleich wieder unmittelbar vor sich …

    Ich höre eigentlich nur Probe, denn ich finde immer, ein Hörbuch ist eben kein Buch, signifikante Eigenschaften eines Buches gehen dabei verloren, und ich würde mir wohl kaum eins kaufen. Aber der junge Mensch, für den dieses Hörbuch gedacht ist, ist gerade dabei, Hochdeutsch zu lernen, und ich vermute, dass gutes Deutsch für ihn eine grosse Hilfe sein kann.

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  9. Jaja, das Rummäkeln am Wetter. Da gibt’s auch so einen „tollen“ Spruch: Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung. Wobei sich bei den knappen 40 Grad im Juli die Frage gestellt hat, was man jetzt überhaupt noch ausziehen soll, damit es wieder halbwegs angenehm wird.
    Aber mal ehrlich, die Wettervorhersage ist schon besser geworden als noch vor ein, zwei, zwanzig Jahren. Früher war man auf der relativ sicheren Seite, das Gegenteil dessen anzunehmen, was vorhergesagt wurde. Heute ist die Trefferwahrscheinlichkeit doch relativ hoch, zumindest, was das Wetter für den nächsten Tag angeht. So viel zum Thema „Früher war alles besser.“ Da, noch so ein Spruch.

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  10. TM, klar ist ein Hörbuch kein Buch – aber beim Autofahren ein guter Ersatz. Ich hab mir schon immer gerne Geschichten erzählen lassen. Wichtig ist, dass die Stimme sympathisch ist, sonst geht das gar nicht.
    Der alte Seewolf ist aber noch kein Grund, sich selbst alt zu fühlen! ;) Ist der Fieberwahn mittlerweile gewichen?

    Baumgarf, der tolle Spruch ist ein Hundebesitzeraphorismus, sehr gerne am Trainingsplatz zitiert, wenn Mensch Hund mal wieder bis zu den Waden im Matsch stehen.
    Wenn in der Sommerhitze kein Ausziehen mehr hilft, geht nur noch der Auszug gen Norden.
    Ich mache immer noch die Erfahrung, dass das angekündigte Wetter gar nicht kommt, oder später, oder früher. Klar hat die Vorhersage sich verbessert in den letzten 20 Jahren, aber das ist noch kein Grund, unseriöse Saisonprognosen nachzuplappern und sich dabei auch noch hochweise vorzukommen.

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  11. Das allerdings stimmt. Depperter Wetter-Small-Talk ohne Hirn und Verstand ist sowieso grausam, weil so offensichtlich („Schönes Wetter heute, gell?“) und damit superfluid.
    Wie hat es Dieter Nuhr einmal so treffend gesagt: „Und wenn man nichts zu sagen hat, einfach mal die Fresse halten.“

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  12. Baumgarf, jaja, der Herr Nuhr, der weiß schon, wovon er spricht. Und ich seh ihn richtig vor mir, wenn ich den Satz lese. *g*

    TM, er dürfte dir aber nicht ausschließlich unangenehm sein. ;)

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