Von alten Hasen

Das Gegenteil von gut ist meistens gut gemeint. So mancher Mensch stellt sich ja beim Aussprechen eines eigentlich positiven Gedankens zuweilen recht patschert an, zB ich.

Unlängst im Büro. Ich sehe unserem Lehrmädel beim Buchen zu und bin ganz angetan von ihrer schnellen Auffassungsgabe. Das tue ich (wie ich glaube) auch entsprechend kund: Anerkennend (wie ich glaube) sage ich zu ihr: ‘Wie du das machst…!’ und füge in jenem augenzwinkernden Austrienglisch, das ich so gerne und oft bemühe, hinzu ‘… dschasd leik en ould räbbit!’.
Und meine damit natürlich, dass es beinahe scheint, als wäre sie schon ein alter Hase in diesem Job.

Sie allerdings mault: ‘Najaaa, ich weiß eeeh, aber ich kann das halt noch nicht so schnell.’

So plaziert sie erfolgreich in meinem geistigen Bilderbuch Vorstellungen wenig schmeichelhafter Natur von verhutzelten, ledrigen alten Hasen, die gichtgeplagt im Schneckentempo eine Buchhaltung in die EDV einklopfen.

16 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. baumgarf sagt:

    Wobei allein schon “Wie du das machst…” hätte ausreichen können, um ins Fettnäpfchen zu treten. Die Betonung macht die Musik.

  2. hubbie sagt:

    mein Gott, das junge Ding, sie wird’s schon noch kapieren oder du wirst dein Kuchlenglisch etwas rephrasieren muessen…

  3. Etosha sagt:

    Yes, baumgarf, und ich betone ja offensichtlich tatsächlich ganz anders, als ich glaube zu betonen.

    Hubbie, das junge Ding ist zwar einige Jahre älter als der durchschnittliche Lehrling, wird sich aber trotzdem an meinen seltsamen Schmäh gewöhnen (müssen).

  4. mkh sagt:

    Eine Kommunikationsform ohne Missverständnisse hieße nicht zu sprechen.

  5. Etosha sagt:

    Und selbst dann kann man einander noch missverstehen. ;)

  6. martin sagt:

    doch es gibt eine kommunikationsform die absolut missverständnis-frei ist: das selbstgespräch…

  7. Etosha sagt:

    Selbstgespräche als Kommunikationsform zu bezeichnen ist aber schon sehr gewagt. Das kann auch nur dir einfallen.

  8. mkh sagt:

    Es gibt ja auch noch ganz besonders kommunikativ versierte Menschen: diejenigen, die Selbstgespräche führen, während sie einen “Gesprächspartner” vor sich sitzen haben…

    Da hab ich doch die Missverständnisse in der Kommunikation noch lieber!

    :-)

  9. Etosha sagt:

    Man nennt das Phänomen auch Logorrhoe. ;)
    Das Missverständnis in dieser Situation liegt darin, dass der Sprechende glaubt, sein Geschwurbel interessiere sein Gegenüber.

  10. mkh sagt:

    Glaubst du, das interessiert ihn, ob es seine Gesprächspartner interessiert?!? Ich vermute, die Logorrhoe (sehr nett!) kommt einfach völlig unwillkürlich; die Gehirn- und Stimmbandschließmuskeln packen´s einfach nicht mehr…

    ;-)

  11. Etosha sagt:

    Hihi :)
    Ja, tatsächlich glaube ich, das interessiert den. Weil die Menschen aber nie einen so richtig interessierten Eindruck machen, versucht er es immer wieder, mit noch mehr oder noch lauteren Worten – oder mit beidem.

  12. mkh sagt:

    Dann gibt es wohl zwei Arten von Logorrhoe: eine, für die der Wortfall reiner Selbstzweck ist, und eine andere, tragischere, die auf der Suche nach dem Zauberwort, das sie niemals treffen werden, immer nur die Wortspülung erwischen… :))

  13. mkh sagt:

    (…beim letzten Beitrag zwar grammatikalisch etwas aus der Kurve geraten, aber im Prinzip halt…)

  14. Etosha sagt:

    Und es geht ja schließlich ums Prinzip! ;)
    Deine Theorie ist revolutionär! Wie lautet der Therapieansatz? :)

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