Sonderbares Heimsprech

Wenn zwei Menschen lange zusammenleben, entwickelt sich eine eigene Sprache. Zwischen einander rechtmäßig Zugemuteten werden oft Ausdrücke verwendet, die bei Außenstehenden bestenfalls Verwunderung auslösen.

Auch in unserem trauten Heim gibt es diese Kuriositäten. Das beginnt beim Frühstück: Ein einzelnes Spiegelei heißt bei uns Doppeleihälfte. Die Bitte nach dem Salzstreuer hört sich, in Verehrung eines ganz bestimmten Edika-Cartoons, so an:
‘Gib mir mal das Salz, du Sau, das da drüben steht, bitte!’
An unkommunikativen, von Müdigkeit geprägten Morgen mitunter auch nur ‘Salz, Sau, drüben, bitte.’

Eine meiner lieben Freundinnen hat mir mal erzählt, dass ihre Tochter in jungen Jahren beim Sprechenlernen aus dem ständigen Ermahnungen ‘Die Haube, die müssen wir aufsetzen!” abgeleitet hat, dass das Ding für die winterliche Kopfwärmung wohl ‘Haubedi’ heißen muss; so hat sich das Haubedi bei uns als Mützenbezeichnung eingeschlichen.

Für manches habe ich jedoch keine Erklärung mehr. Aus längst vergessenen Gründen hat es sich eingebürgert, die Finsternis generell Finsternus zu nennen, und auch andere Worte, die auf -nis enden, werden bisweilen zu einem -nus umgestrickt. Ich vermute, es handelt sich um die mündliche Umsetzung eines historischen Tippfehlers – mein Mann und ich haben uns schließlich beim Chatten kennengelernt, da gab es schon so manchen Vertupper.
Mit Sicherheit eine solche mündliche Weiterführung von Tippfehlern ist mein gelegentliches ‘Sorrz!’, das sich aus dem Tippen des Wortes sorry auf englischer Tastatur ergeben hat.

Außerdem sagen wir uns allabendlich auf spanisch gute Nacht.

Eine sehr liebliche Wortschöpfung haben wir in unser Repertoire aufgenommen, damals, als eine uns leider namentlich in Vergessenheit geratene Dame bei einem Versprecher im Radio oder TV formulieren wollte, dass sie sich nicht entscheiden kann. Weil sie sich nichtmal festlegen wollte, ob sie lieber das Wort entscheiden oder entschließen benutzen will, sagte sie schließlich: “Ich kann mich nicht entscheißen.” Und bei dieser Formulierung ist es bei uns daheim bis heute geblieben.

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