Platzda für das Ah

Wir Dialektsprecher haben noch mehr der Einzelvokalworte, nicht nur das von mir bereits abgehandelte Eh.

Auf eine Frage, die eine bedachte, vorsorgliche Handlungsweise anregen soll, wie etwa ‚Sollen wir noch mehr Bier für die Party holen?‘ oder auch ‚Sollten wir nicht die Fallschirme nochmal überprüfen?‘ kommt als Pauschalersatz für ‚Das wird nicht nötig sein, wir vertrauen auf unser wohlwollendes Schicksal‘ etwas zum Einsatz, das – ganz im Gegensatz zum vorliegenden Satz – simpel und unschlagbar kurz ist:

‚Ah.‘

Stets begleitet von einer wegwerfenden Handbewegung, sagt uns Ostösterreichern dieses kurze, unbetonte ‚Ah‘ alles, was wir wissen müssen. Drauf gepfiffen.

Da mit dieser Handbewegung die Mutter der Porzellankiste für gewöhnlich gleich mit weggewischt wird, ist von einer signifikanten Häufigkeit in der Riege der berühmten letzten Worte auszugehen. In dem Fall ist es aber wohl eher ein berühmter letzter Selbst-Laut. Bevor dann die Engel singen.
Das ‚Ah‘ ist also nahe verwandt mit dem von mir an anderer Stelle näher erklärten Satz ‚Des geht si locker aus‘ und kann gegebenenfalls durch Voranstellung auch mit diesem kombiniert werden. Einen gewissen babyblauen Überhang in der Wortbenutzergeschlechtsstatistik darf man als gegeben voraussetzen.

Erleuchtungen stellen in diesem Szenario begreiflicherweise eher eine Seltenheit dar. Eine Verwandtschaft mit dem erstaunten oder gar geistesblitzenden ‚Ah!‘ gibt es daher nicht – die Ähnlichkeit ist rein zufällig.

8 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Zum Thema Dialekt: wir sprachen in kleiner Frauenrunde über das leidige Thema Enthaarung und eine Freundin erzählte begeistert, daß sie einen tollen Lady shaver hätte, um ihre Füße zu rasieren…

    Dieses Statement sorgte für Verwirrung und Unglauben, bis wir erfuhren, daß sie eine Schwäbin ist. Bei den Schwaben ist der Fuß das gesamte Bein von oben bis zum Zeh.
    Und dabei hat sie Schuhgröße 38 :-D

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  2. Hehe, 38… das müssen ja recht kurze Beine sein ;))
    Dabei ist das noch nichtmal Dialekt in dem Sinn, sondern nur Sprachgebrauch. Bei uns sagt man auch ‚Füße‘ zu den Beinen, aber iZm dem Rasieren würde ich diesen Begriff wohl eher nicht benutzen.
    Das Wort ‚Beine‘ klingt aber in unseren Ohren irgendwie überkandidelt; das benutzt wirklich kaum jemand.

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  3. Hurra! Hier wird Dialektpflege betrieben, das freut mich als Exilbayern ungemein. Ich und meine Mothertongue haben ja schon 4 Jahre Bremen „überlebt“ ;-)

    Bei dem „Ah“ … stossen wir da nicht an die natürlichen Grenzen unseres Alphabets? Weil es doch kein „rein“ ausgesprochenes „A“ ist … eher so ein kurzes, dunkels, leicht „Ä“-iges „A“ … oder? Also zumindest bei mir ;-)

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  4. Ja, Dialektpflege steht auf meinen Fähnchen. :) Ist mir schon paarmal aufgefallen, dass du zuweilen sehr ‚vertraut‘ klingst. Nur weiter so, lass die Mothertongue bloß nicht unterwandern! ;) (Ist die eigentlich in Waschsalons Sammlung?)

    Bei uns ist es zwar wohl ein kurzes, dunkles, geradezu kehliges A, aber kein äiges. (Ich weiß aber, welches du meinst.)

    Könnte mir vorstellen, dass die korrekte Aussprache und Betonung schwer zu erlernen ist, wenn man sie nicht schon mit der MuttAmilch eingesogen hat.

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  5. *lacht* … nö! die ist nicht in Waschsalons Galerie. Ich klinge „vertraut“? und das sogar ohne Podcast, nur getippt – sowas!
    Wenn mans genau nimmt, bin ich sogar „behindert“ … ich kanns „R“ nicht rollen. Aber das verrate ich jetzt nur dir, als Dialektpflegerin.

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  6. Ui, für einen Bayern ist das natürlich ein schwerer Sprachfehler. Ich muss grad an Meister Eder denken. *gg*

    Bei uns hier könntest du untertauchen! Ohne rollendes r wärst du integrationswürdig ;)

    Ja, vetraut, der Ausdrücke wegen und der dialektischen Einsprengsel. Ich meine Einspchengsel. ;)

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  7. …noch ein Nachtrag zu dem Fuß: ich bin ja ursprünglich auch schwäbischer Abstammung und wir hatten tatsächlich das Wort ‚Bein‘ (ausgesprochen ‚Been‘) so gut wie nie im Gebrauch, das waren immer die Füße (ausgesprochen ‚die Fieß‘) und wenn jemand einen blauen Fleck am Oberschenkel hatte, dann weil er sich ‚die Fieß ong’hau hat‘. Und wenn man ihn dann gefragt hat, ob man ihn ins Krankenhaus fahren soll, dann hat er abgewunken und gesagt ‚Ach wo dan?!‘

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  8. Ah, ich sehe, du bist wieder online! Welcome back!

    Genau. ;) ‚Die Fieß‘ klingt aber wieder nach osteuropäischem Einschlag, wie bei meiner Mutter bei ‚in da Frieh‘.

    Was wir eigentlich statt dem Wort Beine verwenden, ist Haxn.
    ‚Mir tan de Haxn weh‘ oder ‚Ah, die Haxn rasia i ma muagn.‘ Im Singular hieße das dann entweder ‚da Haxn‘ oder auch ‚die Haxn‘, je nach zugewiesenem Geschlecht, das variieren kann. ‚Die linke Haxn‘ könnte also durchaus als Formulierung vorkommen.

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