Lustiges Pfannensingen (II)

Schön, dass Gunnar seine Versuche zum Hecheln und Summen gleich zum besten gibt. :) Das Huhu könnte etwas kräftiger ausfallen; da sollte noch viel Luft von den Stimmbändern weg, den ‘Gesangsmodus’ ausschalten, nur rufen mit Atemstütze.

Peinliches Beispiel gefällig?

      Etosha huhut

Es muss aber beim männlichen Huhuer nicht so hoch ausfallen. Bei der Gelegenheit fiel mir auf, ich huhue generell in Terzen. *g*

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Nun zum versprochenen Teil 2:

So, und was singst du jetzt mit der neu gewonnenen Atemstütze, der kräftigen Stimme und den prallen Gaumensegeln? Am besten ein Lied, das dir gut gefällt, dir von der Tonlage her gut liegt und dessen Gesangslinie du sehr gut kennst. Ob du den Text kannst oder nicht, ist eher zweitrangig; manchmal hilft der Text, den gewünschten Ausdruck leichter zu erreichen. Lalala geht aber auch. Sing zu einer CD oder alleine, was dir lieber ist. Singst du zu einer CD, dann mach nach jedem Versuch die Musik etwas leiser, deine Stimme soll jedoch immer gleich laut bleiben.

Wenn dann bald der Originalsänger mehr stört als hilft: Im Netz schwirren diverse Karaokeversionen von bekannten Stücken rum, die als Playbacks ganz gut zu gebrauchen sind.

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Bemüh dich, jeden Ton direkt zu treffen, und ihn nicht von unten rauf oder von oben runter zu ziehen, bis er passt. Das kann ein Stilmittel für später sein, jetzt aber wollen wir Töne direkt ansingen.

Dabei kann man sehr viel mit der Vorstellungskraft arbeiten. Man kann ein Lied ja auch im Geiste singen – quälende Ohrwürmer sind der Beweis. Es hilft also, wenn du dir unmittelbar vor dem Singen eines Tons ebendiesen Ton genau vorstellst. Versuch doch mal, dir einen Ton vorzustellen, und ihn dann zu singen. Hört er sich gleich an wie in deiner Vorstellung?

Die Treffsicherheit wird durch die Vorstellung des Tones wesentlich erhöht. Auch bei schwer erreichbaren, hohen Tönen kann man sich mit der Vorstellungskraft helfen: Stell dir vor, du singst den Ton ‘von oben’ an, als ob du gesanglich auf einer Leiter von oben kommst. Klingt banal, funktioniert aber, und zwar auch dann, wenn die Melodielinie eigentlich von unten kommt. Man muss nur vorher daran denken und sich das zur Gewohnheit machen.

Etwas Übung gehört natürlich dazu, auch für die Vorstellungskraft. Schließlich hat auch sie nur selten gezielt Töne ‚gesungen’.
Eine Trainingsform ist es auch, sich das gesamte körperliche Vorgehen nur vorzustellen – in der Leichtathletik wird diese Technik auch angewendet. Ist eine Möglichkeit, wenn man gerade keinen Krach machen will oder sollte.

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Wenn eine Passage besonders schwierig ist, und du die Töne nicht gut triffst, hör sie dir erst nochmal an. Versuch, dir die Töne einzeln einzuprägen, die Intervalle festzustellen; wird es höher oder tiefer? Man muss eine Melodie sehr gut kennen, um sie fehlerfrei singen zu können.
Dann sing nur diesen einen Abschnitt, immer wieder, und sing ihn langsamer, als er im Original ist. Es kann sich auch nur um eine einzelne Zeile handeln. Stell dir jeden Ton vorher vor und sing die Töne langsam, einzeln und sehr gezielt an. Danach wirst du etwas schneller im Tempo, und wenn’s geklappt hat, noch schneller; wenn nicht: zurück an den Start. So kann man auch schwierigste Passagen im Nu lernen, die Töne prägen sich auf diese Weise sehr gut ein und man kann sie danach auch schnell hintereinander reproduzieren. Geht sehr gut unter der Dusche.

Wenn du nicht sicher bist, ob du die Töne richtig hörst und reproduzierst, bitte jemanden um Hilfe, der ein gutes Gehör hat.

Bei hohen Tönen, die man nur schwer erreicht, kann man ein wenig schummeln und diese Töne nur sehr kurz ansingen. Das geht meist leichter als einen hohen Ton halten zu müssen.

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Beim Singen mit Text ist die Deutlichkeit der Vokale wichtig. Wir glauben ja, dass wir deutlich singen; tatsächlich aber hört man kaum mehr als sein eigenes Gemurmel, wenn man sich eine Aufnahme des eigenen Gesangs anhört. (=Brrrrr.)
Dafür ist zweierlei hilfreich. Erstmal einen erfreut-staunenden Ausdruck ins Gesicht pflanzen. Diesen Ausdruck beibehalten, die Mundwinkel nach oben ziehen. Das erhellt und verdeutlicht die Vokale ungemein.

Zweitens, übrigens auch fürs Sprechen und Vorlesen eine beliebte Übung: Steck dir irgendwas Breites zwischen die Vorderzähne, von dem du keinen Herpes bekommst, beispielsweise die Breitseite einer Packung Taschentücher, und beiß drauf. Damit trägst du den Text erstmal vor, gesprochen oder gesungen. Wenn du nach dieser Übung das Hindernis entfernst und nochmal von vorne zu sprechen oder zu singen beginnst, ist deine Aussprache um ein Vielfaches deutlicher geworden.

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Nachlassen darf die Körperspannung – also die Atemstütze, die Gaumensegel und das staunende Gesicht – erst, nachdem der jeweils letzte Ton einer Zeile verklungen ist. Viele Sänger werden schon vor dem Ende jeder Gesangszeile etwas zu tief in der Tonlage und spannungsloser, so als würden sie das Ende der Zeile schon herbeisehnen – ein Resultat des zu frühen Loslassens der Körperspannung.

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Ich freu mich über Feedback. Wenn ich irgendwas ausgelassen oder unklar formuliert hab, immer raus mit der Sprache!

Ich wünsche viel Freude beim Singen! Ein letzter Tip dazu: Singen soll Spaß machen und sich dir als positives Erlebnis einprägen, auch die kleinen Fortschritte, die du dabei machst. Wenn es dir beim Üben irgendwo zwischendurch plötzlich keinen Spaß mehr macht – hör einfach auf! Mach ein andermal weiter, wenn du wieder Freude daran hast. Falls es sich nur um ein Tief von ein paar Minuten handelt: Absichtliches Falschsingen zwischendurch relativiert die eigenen Ansprüche – und macht auch sehr viel Spaß! :)

5 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Hihi.. Soo laut? Perfekt! Huhust du zurück? :) Ich spitz schon mal die Ohren.

    Meine Nachbarin kam angelaufen, während ich die Aufnahmen machte, und wollte wissen, ob mein Hund ausgebüchst wäre, weil ich so laut rufe.

    Die Hündin dagegen war sehr knapp neben mir und sprang aufgeregt um mich rum. Sie war so hektisch wie sie sonst nur ist, wenn wir Besuch kriegen. Vielleicht huhue ich sonst immer, wenn jemand oben durchs Gartentor reinspaziert!?

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  2. Pingback: auf.kante

  3. Also ich denke schon, dass es eben doch noch ein bisschen mehr ist, als “nur” die Fortsetzung von Sprechen und Rufen. Das Problem für meiner einer ist wirklich die Töne zu hören und dann auch mit der eigenen Stimme zu treffen.

    Ich glaube gerne, dass jeder das durch Training lernen kann und werde mich auch weiter daran versuchen. Aber derzeit bleibe ich doch erst mal auf dem Standpunkt, dass ich (noch) nicht singen kann :)

    Was ich aber wirklich sehr mochte, war die verschiedenen Dinge auszuprobieren und auch zu sehen, wie mein Körper bzw. meine Atmung sich bei den einzelnen Übungen verhält. Sich beim Singen oder einem Monolog die Nase zu zuhalten ist ebenfalls interessant. Vielleicht hilft mir die eine odere andere Übung ja erst mal beim Theater.

    Es ist eben auch sehr hilfreich, wenn jemand speziell auf die eigenen Fehler eingehen kann und einen so in die richtige Richtung schubst. Woher nimmst Du eigentlich selber die Techniktips? Hast Du selber einige Kurse belegt und/oder unterrichtest auch selber?

    Auf jeden Fall die gelungensten Technikhinweise, die das Netz so hergibt :D

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  4. Danke für die Blumen im letzten Absatz; das war auch der Grund, warum ich beschlossen hab, selbst was zu schreiben: Das Netz gibt dazu nicht viel Brauchbares her.

    Bin ein bissl krank derzeit, deshalb hats mit der Antwort etwas gedauert – sorry.

    Bei uns daheim ist viel gesungen worden, schon als ich ganz klein war. Die Platten meiner Eltern haben wir auf und ab gespielt und dazu gesungen; später hat mein Bruder begonnen, die Sachen auf der Gitarre nachzuspielen, und wir waren schon wieder am Singen.

    Den Großteil der Technik hab ich noch als Kind bzw Jugendliche gelernt, in der Schule in einem kleinen, aber feinen Chor; fernab des normalen Musikunterrichtes haben wir da mit einer tollen Chorleiterin Musical- und A-capella-Stücke gesungen.

    Dann war ich auch in einigen Bands.

    Danach hab ich nicht mehr viel dazugelernt *g*, mit Ausnahme eines Jazzgesangskurses vor ein paar Jahren. Aber ich singe dauernd, in der Dusche, am Lagerfeuer… jetzt auch wieder regelmäßig in einer Band.

    Meine eigenen Künste sind auch alles andere als perfekt, ich bin mit mir selbst gesanglich häufig unzufrieden. Aber das gibt Raum für Entwicklung, so muss man das sehen.

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