Lustiges Pfannensingen (I)

Singen, wie geht das? Jeder kann es, die wenigsten trauen sich. Aber wer sprechen und rufen kann, der kann auch singen! So vermeldete ich in Nachtschwesters Kommentaren. Simple Anleitungen gibts im Netz kaum – alle wollen sie ihr Wissen zu Geld machen. Bei mir kriegt ihr es geschenkt.

Ich bin keine Operndiva und auch kein großer Star. Ich singe Pop- und Rockmusik, das kann ich ganz gut und bin in meinen Tönen recht treffsicher. Aber vor allem: Es macht mir sehr viel Spaß! Es ist emotional befreiend und sehr meditativ.

Ich habe euch eine Anleitung zusammengestellt, von der ich mir vorstellen könnte, dass sie euch eine gute Basis liefern kann. Andere Sänger mögen manches anders sehen, auch singen ist eben subjektiv. So kann jemand als hilfreich empfinden, was andere schwierig und sinnlos finden. Absolute Wahrheiten finden sich hier also nicht. Dies ist auch keine Anleitung zu klassischem Gesang, sondern ein wie ich glaube recht simples Training des Gesanges für den Lagerfeuer- und Hausgebrauch. Bei Unklarheiten bitte nachfragen – in schriftlicher Form ist das Unterfangen naturgemäß etwas schwieriger als persönlich.

Zum Beginn ein bisschen Magie: Sag sehr überzeugt den Satz „Ich kann singen!“ Klingt nicht überzeugt? Dann versuchs nochmal! Präg dir seinen Klang ein.

Danach sag niemals wieder „Ich kann nicht singen“!

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Gut, jetzt erstmal ein paar körperliche Voraussetzungen: Am besten singt sichs im Stehen, da hat das Zwerchfell maximalen Platz. Das brauchen wir, damit die Luft länger reicht und gezielter eingesetzt werden kann. Im Sitzen geht auch, dann aber möglichst aufrecht.

Ein gutes Gefühl für dein Zwerchfell bekommst du, wenn du mal probierst zu hecheln wie ein Hund. Los, Zunge raus, hecheln!

Dabei wirst du bemerken, dass du eigentlich nur stoßweise auszuatmen brauchst – das Einatmen passiert von ganz allein, die Luft wird quasi automatisch wieder angesaugt. Wenn du dabei die Hand auf den Bauch legst, spürst du sehr gut, wo dein Zwerchfell sich befindet und wie aktiv es dabei ist.

Das ist schon mal eine gute Voraussetzung: So singt man später mit der optimalen Bauchunterstützung. Diese Bauchatmung wird auch in anderen Disziplinen gepredigt, zB bei der Meditation. Im Schlaf, wo die Atmung nicht wie untertags dem psychischen Diktat des Körpers unterworfen ist, wird sie auch auf Bauch umgestellt. Morgens gleich nach dem Aufwachen kannst du diese Bauchatmung sehr gut an dir selbst beobachten.

Du solltest also dran denken, immer ganz nach unten in den Bauch zu atmen, bevor du lossingst. Meiner Erfahrung nach ist es nicht so sinnvoll, sich völlig mit Luft vollzupumpen, ich würde so cirka eine Zweidrittelfüllung vorschlagen.

Auch Gähnen ist eine gute Aktivierung fürs Zwerchfell. Zusätzlich provoziert es eine besondere Stellung der Gaumensegel, die beim Singen hilfreich ist. Der hintere Teil deines Gaumens hebt sich dabei ein wenig.

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Mit dieser Bauchunterstützung und dem geblähten Gaumensegel beginnst du jetzt mal zu summen. Atme in den Bauch ein und gähn dabei vielleicht ein wenig, schließ die Lippen, aber nicht die Zähne, und summ einfach so rum, irgendeinen Ton, der dir gut liegt, nicht zu hoch, nicht zu tief.

Es stellt sich dabei eine spürbare Resonanz im Brustkorb und im Kopf ein, letzteres ist oft durch ein starkes Kribbeln in der Nase und an den Lippen wahrnehmbar.

Dann starte nochmal die Hechelimpulse aus dem Zwerchfell, diesmal ohne zwischen den einzelnen Hechlern einzuatmen – also auch ohne das Summen zu unterbrechen. Und summe, immer wieder durch Zwerchfellimpulse verstärkt, Impulsivsummen quasi. Du kannst dabei auch die Tonhöhe etwas variieren.

Dabei merkst du, dass der Ton bei jedem Zwerchfellimpuls lauter wird – und zwar völlig ohne stimmliches Zutun.

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Der Gesang selbst sollte nicht mit allzu viel Luft zwischen den Stimmbändern ausgestattet sein. Stell dir vor, du gehst eine verkehrsreiche Straße lang und siehst auf der anderen Straßenseite einen Freund stehen, der dir den Rücken zukehrt. Was tun? Du rufst „Huuuuhuu!!“. Dein Freund da drüben wird dich nicht hören, wenn du ihm das Huhu hinüberhauchst. Natürlich kann Hauchen erotisch sein, aber diesmal hilft uns das nicht weiter, zumal Huhus nicht zu den Highlights unter den gehauchten Worten zählen.

Die meisten Leute singen ohnehin von sich aus sehr hauchig, wahrscheinlich aus Furcht vor Spott. Wir aber wollen ein lautes, ein hauptstraßenüberquerendes Huhu! Probier das aus! Atme vorher in den Bauch ein, wie beim Hecheln gelernt. Und dann los, nur keine falsche Scham! Huuuuuuhuuuu!

Und, funktionierts? Gratuliere! Das Rufen oder laute Sprechen mit Atemstütze, am besten in tiefer Tonlage, ist eine tolle Voraussetzung, um Kellner zu erschrecken, Kinder und Hunde nachhaltig zu beeindrucken und sich bei Meetings Gehör zu verschaffen.
Oder auch, um auf Theaterbühnen noch besser hörbar zu sein. ;)

ENDE TEIL 1. Fortsetzung folgt morgen.

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