Etosha auf Probefahrt: Alfa Romeo Mito

Ich wollte ja auch noch den Suzuki SX4 probefahren. Doch eine Fahrt mit einem Diesel-Vorführer ist offenbar derzeit ein Ding der Unmöglichkeit. Nicht, dass sie nicht lieferbar wären, sie sind nur einfach dauernd ausverkauft. Als der Verkäufer beim Eisner hört, dass ich den Diesel probefahren will, wird er irgendwie gnatschig und guckt so an mir vorbei oder drüber weg, während er mir irgendwas mit “kann ich nicht anbieten” zugrantelt. So ein “Tut mir leid”, das keiner glaubt, kommt auch noch vor. Kann mich auch nicht erinnern, dass er sich von mir verabschiedet hätte.

Was aber noch keiner weiß: Ich bin vom Händler Eisner in Simmering nicht völlig unverrichteter Dinge abgezogen. Dort stand nämlich vor dem Fenster, glänzend wie ein Speckschwartl, ein dunkelvioletter Mito. Und weil ich eine Frau bin und auf violett stehe, man mich sogar, wenn ich krank bin, “armes lila Ding” nennt, rückte diese Kutsche plötzlich in das allermittigste Zentrum meiner Aufmerksamkeit. Ein etosha-typischer Reflex kam unvermittelt zum Vorschein, und der geht so: “Ist lila. Will ich!”

Also nochmal rein in die Filiale, diesmal zum Italiener-Schreibtisch. Man ist sich schnell einig darüber, dass gefahren werden muss, was gefällt, und so wird mein Führerschein kopiert – zum xten Mal diese Woche.

Es ist ein 0.9 TwinAir Turbo mit 85 PS. “Wie gefällt Ihnen der Spruch so?” fragt mich der neue Verkäufer – der für die Italiener zuständige – augenzwinkernd nach dem Starten des Boliden, und ich antworte brav und wahrheitsgemäß: “Als jemand, der Dieselbrummen gewöhnt ist, hab ich irgendwie Angst, da könnte was kaputt sein.” Das findet er drollig und lacht.

Der Mito hat drei Fahrmodi. Mit einem kleinen, hinter dem Schaltknauf angebrachten Hebelchen, das etwas verzögert reagiert, kann man jederzeit die gewünschte Dynamik wählen. D.N.A. nennen die das, das heißt übersetzt: Gemütlich, Wetter und Wildsau. Natürlich heißen die richtig: Dynamic, Natural und AllWeather. Damit werden Lenkung, ESP und Drehmoment feinabgestimmt. Doch Schluss mit den Details, es brummt ungeduldig unterm Hintern, die Sonne scheint, also röhren wir los, der Mito und ich, hinten in der Ailecgasse, wo nichts ist als Industrie, Felder und die endlose Mauer des Zentralfriedhofs.

Da geht was weiter, das kann man ohne Übertreibung sagen. Ja, ich glaube, da ist auch ein Sitz unter mir, der halbwegs hoch genug und weit vorne genug ist, es dürften sehr analog anmutende Instrumente vor mir das Tempo und die Touren anzeigen, und ich habe irgendeine Temperatur an der automatischen Aircondition eingestellt – aber hier gehts einfach nur um den Spaß, den Spaß am Treten. Ich probiere die drei Modi durch, bleibe schließlich bei Wildsau und probiere die Beschleunigung und Motorbremse in verschiedenen Gängen, quietsche um die Kurve, probiere an der Friedhofsecke den Wendekreis, und das ganze nochmal in die andere Richtung. Und nochmal bis zum Kreisverkehr und zurück. Die Sicht in alle Richtungen außer nach vorn ist recht gering, mir aber wurscht – hinter mir die Sintflut! Der Rest ist fröhliches Gasgeben und Geräuschemachen.

Es rumpelt nichtmal so arg wie ich es bei so einem Minisportler erwartet hätte, dafür kommt mir vor, es fehlt dem Mito schon ein bisschen an Halt auf den Vorderpfoten. Auch die Schaltung ist nicht ganz so knackig genau, wie ich das gern hätte. Aber für die kurze Zeit macht es mir trotzdem viel Spaß, den Mito zu fahren. Und er ist halt violett!

4,2 Liter braucht der Flitzer im Schnitt, so stehts im Prospekt. Glaub ich nie. Da muss man für mich sicher nochmal 100% Wildsau-Zuschlag draufrechnen. Und bestimmt vier, fünf Tickets auf 100 Kilometer. Denn gemütlich fahren könnte ich den Mito mit absoluter Sicherheit nicht. Da muss man reintreten, und zwar bis er am roten Bereich abriegelt.

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