Es fließt

In den Himmeln segeln breite Schwingen, eins mit der Strömung. “Es ist so leicht”, rufen sie mir zu, “komm doch, komm!” – “Hör doch nicht auf die”, grollt es mir aus dem tiefschwarzen Meer entgegen, “die tun immer so, als könnte das jeder, wenn er nur wollte”. – “Aber es ist nunmal eine Frage des Wollens”, krächzt da der Fliegende zurück und setzt dabei mühelos zu einer weiteren Schleife an. “Für die menschliche Seele heißt es einsteigen oder draußen bleiben, wollen oder abwinken – komm oder lass es bleiben. Aber beklage dich nicht über die Schwere und all die Unmöglichkeiten, zuerst befrage deinen Willen. Und nie wieder sollst du “nie” sagen, denn die Reise geht weiter, egal ob du dabei lachst oder weinst.” Das Grollen aus dem tiefschwarzen Meer verstummt. Die Schwerkraft lässt nach, der Wind zerrt an mir.

Und ich steige auf, in die Lüfte, sehe die Felder von oben und die alten Frauen, die darauf ihre Ernte zusammentragen. Es ist so leicht, denke ich. Und es breitet sich über meinen Körper aus, das Sehnen hat ein Ende, die Reise jedoch nicht, sie nimmt ihren Anfang, hier und jetzt. Keine Beschränkung mehr, es ist alles gut in der Welt. Alles gut.

21 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Saatengrün, Veilchenduft, 

    Lerchenwirbel, Amselschlag, 

    Sonnenregen, linde Luft! 

    Wenn ich solche Worte singe, 

    braucht es dann noch große Dinge, 

    Dich zu preisen, Frühlingstag!
    Uhland, Ludwig (1787-1847)

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  2. Wunderbares Flugfragment! Ein Kleinod über die menschliche Ambivalenz, fliegen zu wollen, aber sich nicht hüpfen zu wagen.

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  3. Ich finde auch, dass da nicht Frühling ist. Das sieht man doch auf einen Blick. (Damit hab ich mir jetzt einen ewigen Platz im Herzen von usw.)

    Aber ich frage mich, ob dieses postmoderne Prosagedicht überhaupt menschlichen Ursprungs ist oder nicht etwa einer dieser neumodischen Maschinen entstammt. Ich lese gerade “Romangenerator” – das erklärt einiges. (Wahrscheinlich bin ich den ewigen Platz jetzt wieder los. Pah, Weiber!)

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  4. Hehe. In der Tat, das war der kürzeste ewige Platz, der je besessen wurde. :)

    Nur, weil etwas vielleicht nicht menschlichen Ursprungs ist, muss es nicht maschinellen Ursprungs sein. Was ist mit göttlichem Ursprung?

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    “Dieses Spezifikum meint zuallererst und hauptsächlich die Kontextualisierung im Feld der Serialität.” Wenn ich das schon lese. Gehbitteheast, denkt sich da das Suserl und wendet sich anderen Dingen zu.

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  5. Göttlicher Ursprung? Das Frollein Susi ein Medium Gottes. Also ehrlich, mit solchen Behauptungen am Rande meines hinterfragungsfreien Glaubwürdigkeitsuniversums kommen wir hier nicht weiter.

    P.S.: Ich hab den Link zu der Seite von Wikipedia, Stichwort “Bullshit generator”, bin mir aber jetzt nicht sicher, ob der Text tatsächlich inhaltlich relevant ist oder nicht eher als eindrückliches Beispiel eines Resultats dienen sollte. Wahrscheinlich schreibt man mit der Zeit so, wenn man sich schon sehr tief in die Materie hineingearbeitet hat (und Soziologin ist).

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  6. Da glaubst du lieber an maschinellen Ursprung. Na gut, darf ja jeder glauben, was er will. :D

    Ja, über “wissenschaftlichen Stil” kann ich mich endlos aufregen, lasse das jetzt aber mal einfach weg. “…eindrucksvolles Beispiel eines Resultats” gefällt mir aber. Gnihi!

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  7. Dass Gott durch uns spricht, wusste doch schon der christliche Mystiker Meister Eckart. Sollte doch im 21. Jahrhundert kein großer Diskussionsstoff mehr sein. ;-)

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  8. ja, abheben, frei wie ein Vogel, das wär´s….ich habe mich immer dafür gehasst, dass ich nicht am 3km entfernten Spitzerberg den Segelflugschein gemacht habe

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  9. euer liberaler Westi ist ja noch Gold gegen das Sammelsurium rechtsrechter Dumpfbacken hierzulande

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