Deutsche Sprache – schwere Sprache

Der Verein deutsche Sprache verkauft jetzt Wortpatenschaften, bezeichnet dies als geistigen Umweltschutz und will gegen damit das Aussterben deutscher Worte ankämpfen. Man kann sich aus etwa 350.000 Begriffen einen aussuchen, die Patenschaft um 5 Euro erwerben und verpflichtet sich damit, das Wort so oft wie möglich zu benutzen, um es am Leben zu erhalten. Jedes Wort wird nur einmal vergeben.
Von hinten aufgerollt wäre es da für mich am bequemsten, das Wörtchen ‘genau!’ zu erwerben. Dann müsste ich mich beim gewünschten häufigen Verwenden des Wortes nicht allzusehr zusätzlich anstregen. Die Kombinationen ‘Geh bitte!’ oder auch ‘Heast Oida, foigendes…’ werden ja wahrscheinlich eher nicht zur Verfügung stehen.
Einige Highlights der zufälligen Vorschläge, die ich mir auf der Wortpatenschaft-Website erstellen habe lassen:

  • Bocksauge: Bocks-Auge? Oder Bock-Sauge? Vielleicht meinen sie auch Box-Auge, ihr wisst schon: blau.
  • Glühendrot: Jojo, wann ich telefonieren mit main Fraindin, dann auch immer glühen Drot!
  • Greuelhaus: DAS kenn ich! Gibts hinter der Tür mit der irreführenden Aufschrift ‘Damen’ in manchen Abendlokalen.
  • Heiternessel: Drogen? Der Frühling kommt bald! Notiz an mich: Heiternesseln suchen gehen!
  • Pfriemensetzer: Wenn der Pfriem mal gesetzt ist, kann man ihn nur unter größter Anstrengung wieder herauspfriemeln!
  • Minentrichter: Das ist ein Steuerzahler im Altertum; der Steuergroschen im alten Indien, der sogenannte ‘Min’, musste von jedem Einwohner entrichtet werden.
  • Sinnglied: Dazu enthalte ich mich – unter größter Anstrengung – einer Meinung und hoffe auf Eure Hilfe.

9 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Letzteres ist ganz simpel und im Bereich der Musik zu suchen: es handelt sich um einen Song (=Lied), der beim Singen auch Sinn macht (=Sinng-Lied). Es könnte sich aber auch um ein Körperteil handeln, das sinnvoll eingesetzt wurde.
    Passend dazu hab ich die Hodenadern und auch das Reinigungsbad vorgeschlagen bekommen. Zufall oder Omen?

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  2. Der Ernst war mit der Lösung aus dem Musikbereich schon auf der richtigen Spur, es erklärt aber nicht das ‘g’ in Sinnglied.
    Ich glaube daher daran, dass es sich um ein Kunstwort handelt, das aus ‘Lied’, ‘Sinn’ und ‘singen’ zusammengesetzt wurde und von Leuten, die so ein Wort oft brauchen, entwickelt wurde, also von Chorleitern o.ä.

    Eine andere Erklärung wären Kettenglieder, die einen Sinn ergeben. Also die Glieder einer Kette, die (vorausgesetzt, die Kette ist nicht endlos) nicht am Ende einer Kette hängen und daher mit einem weiteren Kettenglied verbunden sind. Die beiden Glieder am Ende einer Kette haben eigentlich keine weitere Funktion sogenannte Sinnlosglieder. Die Praxis hat übrigens ergeben, dass das Entfernen von Sinnlosgliedern nur neue Sinnlosglieder schafft – und das bis zu dem Zeitpunkt, wo nur noch Sinnlosglieder überbleiben.

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  3. Vielen Dank für diese aufschlussreiche Ausführung – die Überlegungen über das Entfernen der Sinnlosglieder sind hochphilosophischer Natur, und es versetzt mich in bares Erstaunen, dass niemand zuvor diesen Zusammenhang und die Tragweite ausformuliert hat!
    Sinnlosglieder wieder zusammenzuhängen würde dann eines entsprechenden Verbs bedürfen, ich schlage vor: versinngliedern.

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  4. Man stelle sich vor, man hat das Wort “Hodenadern” erkauft und ist fürderhin für dessen Wiederbelebungsmaßnahmen zuständig.

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  5. Unterschiedliche Glieder können eine je unterschiedlichen Sinn haben, habt ihr ja schon erwähnt. Zusammenmischend aus dem Hinweis auf die Hodenadern, der Idee der Sinnlosglieder und dann des Neologismus ‘versinngliedern’ ergibt sich für dieses Wort noch eine ganz ungeahnte Bedeutungsdimension. Irgendwie, ähm, dynamisch!

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  6. wir sollten diese unterhaltung in WEIBLICHE und MÄNNLICHE Antworten aufteilen, da ich der Meinung bin, für die weiblichen Wortmeldungen gibt sich der Schluß:
    Sinn-glied = bei vielen eher Sinnlos
    ;-)

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  7. …aber ja doch nicht hoffnungslos sinnlos, siehe Anmerkung Nr.3 von etosha. Oder zumindest verstehe ich das so, denn eine Aneinanderreihung von Sinnlosgliedern sollte doch zumindest einen kleinen Sinn haben, daher dann das schöne versinngliedern. Da steckt doch semantisch auch schon mehr ‘Sinn’ drin…

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  8. Ich versuche, den Sinnfaden nicht zu verlieren.
    Solange also Hodenadern und deren übergeordnete Glieder einander und mit dem Mittelglied verbinden, gibt es in diesem Spiel zwei Sinnlosglieder und ein Sinnglied, nämlich das mittige. Hä? Brr. :)

    Das Wort Sinnglied könnte allerdings auch ein Hinweis darauf sein, in welcher Körperregion bei vielen Männern das Denken stattfindet. Im Sinne von sinnieren.

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