Bergromantik im Land der salzigen Burgen

Das vergangene Wochenende war schön, aber in erster Linie anstrengend. Die lange An- und Rückfahrt, der ständig aufrecht zu erhaltende soziale Gesichtsausdruck, und dann der relativ enge Zeitplan, der allerdings nicht vorgegeben war, sondern sich einfach aus den Möglichkeiten vor Ort ergab. Beispiel Öffnungszeiten Eislaufhalle in der Vorsaison: 13h – 15:30. A blede Zeit. Zerreißt den Tag in der Mitte. Konkret bedeutete das: Aus der warmen Wellness-Oase in die kalte Eislaufhalle – und retour.

Trotzdem waren wir zweimal eislaufen, und die Hockeyschuhe, die ich mir voriges Jahr ertauscht, aber nicht mehr am Eis getestet hatte, passen halbwegs. Das ist bei mir eh schon das höchste der Gefühle – wenn ich in einem Eislaufschuh mal wirklich richtig gut drinstehen will, muss ich mir wohl einen Schuh an den Fuß schäumen lassen. Insbesondere an den rechten – der entspricht bei mir irgendwie nicht der EU-Norm. Wenn ich mit diesem Fuß und gewohntem Schwerpunkt, also verkrampfungsfrei, in einem Eislaufschuh stehe, kippe ich nach innen. Am linken Fuß funktioniert das bestens, da bleibt die Kufe senkrecht, was das Eislaufen wesentlich erleichtert.

Es waren ja nicht meine Kollegen, die da Weihnachten feierten, sondern die meines holden Sonnengottes. Des Abends gabs soziale Happenings mit integriertem Besäufnis, im Laufe dessen mir einige Gesichter doch wieder bekannt vorzukommen begannen, deren Einprägung sich innerhalb der letzten zwei Jahre (seit der letzten ‘Weihnachtsreise mit Partner’) in tiefere Hirnregionen zurückgezogen hatten. Von Namen zu diesen Gesichtern, abgesehen von ein paar Schlüsselgestalten, sind diese Hirnregionen aber generell weitgehend frei, eine Tatsache, mit der ich mich langsam abzufinden beginne.

Auch die Slapstick-Komponente durfte nicht fehlen, und so kam es beim Frühstück am Montag, dass ich am Vierfach-Getränkespender beim Zapfen eines Schusses Orangensaft für meinen Tee mit dem linken Handgelenk versehentlich auch den Nachbarspender betätigte, worauf dieser eine nicht unwesentliche Menge Johannisbeersaft mit ebensolchem Druck in meinen linken Ärmel schoss. Zum Glück war meine Weste ebenfalls johannisbeerfarben.

Der Montag begann mit zartem Morgenrot und blauem Himmel. Der Blick vom Balkon des Hotelzimmers war die pure Bergromantik.

Zell am See Zell am See

Also begaben wir uns auf den Berg, denn nach zwei Tagen heftigen Schneefalls lockte uns das sonnige Wetter. Was es da heutzutage schon alles gibt! Als ich zum letzten Mal ein Schigebiet aus der Nähe sah, musste man sich den Arsch noch auf Sesselliftsitzflächen aus gegittertem Metall abfrieren und war oben angekommen so stocksteif und weggetreten, dass man Yetis, Eisbären und Pinguine sah. Heute hingegen gibts hübsche, warme nicht ganz so eiskalte, rundherum verglaste Minigondeln für das besondere romantische Erlebnis!

Gondelfahrt auf die Schmittenhöhe Gondelfahrt auf die Schmittenhöhe

Mein Angetrauter meint ja, ich sei adrenalinmäßig beneidenswert leicht zu erregen, aber da gehts ja auch wirklich tief runter unter so einer Gondel. Brüderlein, da hab ich an dich gedacht! Da hättest die Arschbacken zusammengezwickt! Sehr aufregend, diese Höhe! Bei jedem Rappeln über die Räder an den Haltemasten entfuhr mir daher ein entsprechendes Japsen, beim Runterfahren gings aber schon besser.

Gondelfahrt auf die Schmittenhöhe Etosha in luftigen Höhen

Noch mehr winterliche Romantik gefällig, weil wir gerade so schön in Stimmung sind?

Gondelfahrt auf die Schmittenhöhe Bergromantik Zell am See Winterlicher Weitwinkel

Eine nenneswerte Motivation will sich seit unserer Rückkehr bei mir partout nicht einstellen, vermutlich bin ich schon urlaubsreif. Es müssen aber noch einige Dinge erledigt werden. Das Fest der Feste naht, jeden Tag kommen Pakete hier an, und ich bin darüber hinaus mit der händischen Herstellung von Geschenken beschäftigt, über deren nähere Natur ich noch nichts sagen will, weil hier Menschen mitlesen, die sonst ihrer Überraschung beraubt würden. Aber es hat was mit Nadel und Faden zu tun.

Außerdem bin ich seit jeher auf der Suche nach einem schenkbaren Spielzeug, das in seiner Unwiderstehlichkeit für menschliche Hände einem zufällig auf dem Tisch liegenden Capodaster oder einer bezahnten Haarklammer nahekommt.
Ich glaube, heuer hab ich sowas gefunden! Rechnung per Vorauskasse zahlen und dann… gespannt sein! :)

Daneben versuche ich, noch ein bisschen bezahlter Arbeit nachzugehen und das Sudoku der terminlichen Koordination von Freundes- und Familientreffen zu lösen. Im Moment hab ich die 14 zweimal, was ganz eindeutig einen Regelverstoß darstellt.

Und bei euch so?

13 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. kriegt man direkt lust, auch wieder einmal winters zu urlauben…
    übrigens – ist dir bewusst, dass du da ein ufo fotografiert hast? (das weiße laberl da über den gipfeln…)

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  2. Das UFO ist eindeutig!

    Wieviel “nenneswerte Motivation” fasst denn so ein langes, mitunter nicht gerade wenig anstrengendes Jahr? Begrenzte Mengen auf jeden Fall, die in meinem Fall (auch) eine ganze Weile vor dem kalendarischen Ende am 31. XII. aufgebraucht waren. Seitdem schleppt sich hier einer halt so durch, ähnlich wie ein Schlepplift, nur etwas schlapper. Aber warum solls uns anders gehen als den Andern? Schöne Schlappergrüße an dich und mein vollstes Verständnis!

    Apropos voll: Dein Slapstick mit dem Johannisbeersaft ist wirklich gelungen! Muss ich mal probieren.

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  3. Oh, Spielzeuge zum Dran-Rumfingern… Handschmeichler, oder diese metallenen Geduldspiele, bei denen man ineinander verschränkte Drahtfiguren auseinander fusseln muss, ohne Drahtschere oder Verbiegen. Stricklieserln, oder in Haushalten mit Katzen: Der Laserpointer. Immer eine Runde Spielen wert!

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  4. mkh, das kommt drauf an. Wenn man generell nicht viel Motivation zur Verfügung hat, ist auch wenig Motivation vermutlich eine Nennung wert, wodurch die Menge der nennenswerten Motivation von ganz alleine steigt. Alles nur eine Frage der Betrachtung. *g*
    Danke jedenfalls für die Solidarität. Man glaubt ja immer, die anderen hätten endlos Energie, und nur man selbst müsste dauernd das Zahnfleisch als Gehhilfe bemühen.
    Den Slapstick musst du aber gut vorbereiten. Das Ganze muss wie ein Missgeschick wirken, sonst lachen die Leute nicht. *gnihi*

    Lily, genau, sowas in der Art hab ich gefunden! Btw ist auch der Hund ein williger Kandidat für den Laserpointer bzw. Lichtspiegelungen aller Art!

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  5. Oje, Seilbahngondeln. Kennt der Horror noch eine Steigerung, wenn ich schon nicht problemlos über Brücken gehen kann? =:-(
    Das mit den Schlitt-Schuhen ist ein ewiges Problem, seit der Verfügbarkeit von überknöchelhohen Hartschalen nicht mehr ganz so schlimm wie in Kinderzeiten (kann sich noch jemand an Klammerschlittschuhe erinnern? Vierkantschlüssel am Bändchen um den Hals und so?), aber die Füße senkrecht zu halten strengt immer noch an. Dabei habe ich noch nicht mal EDS.

    Und weil ich noch nicht dazu gekommen bin es zu schreiben: Schön wieder von Dir zu lesen!

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  6. Jö – eine Linsenwolke (Cumulus Lenticularis)! Ist ganz selten – und freut den Fast-Meteorologen :)).

    Bei aller eh nicht vorhandener Bescheidenheit: Die Johannisbeersaft-Slapstickgeschichte schlag ich locker. Statt des obligatorischen Reissackes habe ich letzte Nacht das wohlvorbereitete Orangensaftglas neben meinem Bett vermittels Deckenzipfels mit derartiger Verve umgebolzt, dass sich der vorher darin befindliche Orangensaft elegant in meine (ebenso wohlvorbereitete) Studiumstasche verflüchtigte. Dort hat er sich aber – dumme Nuss, die er nun mal ist – keineswegs mit den darin befindlichen Materialien auf einer geistig-intellektuellen Ebene auseinandergesetzt, nein, er ergoss sich einfach darüber und floss in die hintersten Ecken.

    Und jetzt pickt alles :(.

    Aber wurscht: Sensationelle Fotos – mit dieser lebendigen Kühle, die ich so mag – und dazu noch eine Bombenhetz gehabt beim Lesen. Danke für diesen Beitrag! :)

    Und bei mir so? Ich bring jetzt einer Singapurischen Freundin, die mit Lebensmittelvergiftung aus Hong Kong zurückgekehrt ist, österreichische Tierkohle deutschen Erzeugnisses. Klingt auf den ersten Blick irre international, ist aber eigentlich recht dürftig, den Freitag-Abend – im wahrsten Sinne des Wortes – mit Scheiße zu verbringen :D.

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  7. Die Links auf eure beiden letzten Kommentare machen sich gut auf der Startseite, wo einer mit ‘Oje’ und einer mit ‘Jö’ beginnt! *lach!*
    (Ösitanisch für Anfänger: ‘Jö’ ist ein Ausruf der Freude.)

    Danke, Steffen, das ist ganz lieb! :) Wie gut, dass ich mich aufgerafft hab. ;) Einträge mit Fotos sind immer ziemlich viel Aufwand, find ich.
    Bin ja froh, dass andere das Problem mit der Eislaufschuhschräge auch kennen! Du kannst also auch nicht unverkrampft gerade stehen in den Dingern? Ich dachte immer, ich wär allein auf weiter Flur mit meinem nicht normgemäßen Fuß! Ich hatte bestimmt schon 15 verschiedene Paar, und nie hats wirklich perfekt gepasst. Aber eigentlich müsste man doch aber die Kufen versetzen können und sie so dem Schwerpunkt anpassen, dachte ich zuletzt. Nich?
    Klammerschlittschuhe finden sich in meinem aktiven Gedächtnis nicht. Ist aber vermutlich ein Glück!?

    Gell, G., meine Lentncumlwolke is net schlecht! ;) Bin extra in den Tiefschnee gestapft, um mir das Foto zu holen. (Ich hätt nicht müssen. War ein Versehen. Siehe auch unter ‘Slapstick’.)
    Meine beerige Slapstickgeschichte toppst du insofern nicht, als du keine Zuschauer hattest. Ich hatte etwas über 20, die während des Frühstücks alle gerade sehr viel Zeit zum In-die-Gegend-Schauen hatten.
    Was die Fotos betrifft, so zeigt mir der Click-Counter ganz klar, dass die Leut viel mehr interessiert, wie ich ausschau, wenn ich rotnäsig und eingemummelt in einer Gondel gondel, als die herrlichen Bergpanoramen. Ich nehme das als Kompliment. :D
    Oh, du bist brav, an Übelkeit leidenden Frauen Kohle unter der Tür durchzuschieben! Dafür kriegst sicher einen Extra-Quadratmeter Wolkerl, später mal. *gg*

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  8. Unverkrampft – mal ein richtiges Wort am Anfang :) – trifft es nicht. Ohne diese überhöhten Plastikröhren würde ich wohl mit dem Knöchel auf dem Eis landen, mit oder ohne Krampf :(
    Mit den Klammerschlittschuhen (so ‘ne Art Schraubstock mit Kufe, und die konnte man tatsächlich seitlich versetzen!) habe ich mich nun wohl als überaltert geoutet =)
    Fotos sind meine heimliche Leidenschaft (die ich aber mit meiner Rechtmäßigen teile), aber solche Motive sind mir schon länger nicht mehr vor die Linse gekommen (der letzte Ausflug hatte was Londonsches). Und das Interesse für die Urheberin ist doch nur legitim (& es gibt nur wenige Blogger und Bloggesen, die sich ihrem Publikum zeigen).

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  9. War nix. “Unverkrampft” hat zwar genau 12 Zeichen wie “Wie schaffst”, ist aber trotzdem zu drei Pünktchen reduziert worden. Ich nehm’s aber nicht persönlich, solange ich mit dem Bloggeist, der das auf dem Gewissen hat, nicht wenigstens zwei Gläser Wein getrunken habe ;-)

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  10. Ach was, überaltert! Die Sache mit dem Alter ist doch ganz klar überbewertet!
    Bei mir sind die Fotos die unheimliche Leidenschaft. Und die Winterlandschaft hat immer wieder ihren Reiz für das Fotoauge.
    Ich persönlich finde allerdings, dass die Fotos ohne mich wesentlich schöner sind. ;) London war aber sicher auch hübsch, oder? Online? URL? :)

    (Wie der Bloggeist das Anfangswort jeweils behandelt, hat sich mir auch noch nicht ganz erschlossen. Ich weiß auch gar nicht, wo der wohnt, sonst könnten wir ihn mal mit einer Flasche Wein heimsuchen.)

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