Winken, wedeln, wacheln

Montierte man Nachtsicht-Kameras in den Häuschen-Kabäuschen der Toiletten in Restaurants oder Bars, man könnte beim Zuschauen stundenlang wonnig glucksen über Frauen und Männer in wilder Bewegung, die da ganz allein im Dunkeln die Welle machen, die mit Gliedmaßen wedeln, angesiedelt auf der Eleganzskala, je nach Talent, irgendwo zwischen “Tänzerin, orientalisch” und “Teletubby, fliegengeplagt”. All diese Anstrengungen nur, um den Bewegungsmelder fürs Licht freundlich von der eigenen Anwesenheit zu unterrichten.

Schon beim Betreten der Kabine wird das mitunter nötig, weil diese Gerätschaften ja nicht immer so eingestellt sind, dass sie einen auch “gneißen tun”, wie der Wiener sagt, also: bemerken. Manchmal wachelt man auch völlig vergebens, und es bleibt dunkel. Wenn man dann auch noch einen Lichtschalter entdeckt, wirds ganz peinlich. Man kichert in so einem Fall kurz mit sich selbst, um dann von oben ordentlich beleuchtet seinen Geschäften nachzugehen.

Unumgänglich wird das Witzfigurenreißen allerdings, wenn einem mitten in der Sitzung die Beleuchtung ausgeht. Nicht, dass man in pechschwarzer Finsternis seinen eigenen Hintern nicht wiederfände, wenn man schon sitzt, aber irgendwie unbehaglich ist es trotzdem so im Dunkeln, zumal die meisten Kabinen weder über Fenster noch sonstwelche Ritzen verfügen, die auch nur ein, zwei Photonen Restlicht aus klofremden Gefilden hereinließen. Doch manch einer will ja schließlich sehen, was er generiert hat, was ja prinzipiell möglich ist, sofern es sich bei der Porzellanschüssel unter ihm nicht ohnehin um einen Tiefspüler handelt, der ihm den Blick auf die eigenen Hinterlassenschaften standhaft verwehrt, ihn aber dafür mit einem nassen Hintern beglückt, wenn er gut trifft.

Das Klo ist ja ein Ballungsraum patentierter Technologenkreativität. Nicht nur die Sache mit dem Licht will elegant gelöst sein, da ist ja auch noch das Händewaschen und -trocknen. Fand ich keinen Lichtschalter und es ward dennoch hell, gehe ich hinterher auch davon aus, dass der Wasserhahn mein Begehr schon bemerken wird, wenn meine Hände nur genau die richtige Stelle streifen. Oder vielmehr die richtige Un-Stelle, also einen gewissen Ort im irdischen Luftgemisch, der sich nur von Abständen zu Gegenständen bestimmen ließe, wenn überhaupt.

Hat man eine Zeitlang gewachelt und gewedelt, ohne dass der ersehnte Wasserstrom sich ergoss, und entdeckt man dann auch noch ein bis zwei Armaturen mit blauen und/oder roten Punkten dran oder gar einen Einhandmischer, wirds peinlich. Man kichert in so einem Fall kurz mit sich selbst, während man sich mit eiskaltem bis wohlgemischtem Wasser die Hände wäscht.

Aber das Vergnügen endet an dieser Stelle noch nicht. Gilt es hernach doch noch, dem Papier- oder Handtuchspender wenigstens ein kleines Streifchen zu entlocken, um die nassen Hände notdürftig zu putzen, damit sich zB im Freien hinterher kein Bratzenblitzeis entwickelt bei Temperaturen unter Null. Ja, man geht selten aus einem Restaurantklo direkt ins winterliche Freie, aber es kann vorkommen. Du hast zu diesem Behufe meist die Wahl zwischen papierenen Handtüchern, die völlig zu Recht das tun, was Papier eben tut, wenn es mit Nässe und Kraft konfrontiert wird, und einem Endlosbaumwolllappen, der sich überhaupt jedem Zugriff widersetzt, wenn der Sensor dich nicht mag. Manchmal gibts auch ein Gebläse, von dem nur eines völlig sicher ist: es geht bedeutend schneller wieder aus, als es angeht.

Beim Schachtelwirt kann man sich ja neuerdings auch die Hände von Dyson trockenbedruckluften lassen, aber das ist nur was für ganz Mutige. Wer im Schritt 2 schon das Wasser nicht zum Fließen brachte, hat an dieser Stelle einen großen Vorteil – er muss seine Hände auch nicht trocken kriegen. Der kleine hygienische Nachteil, der damit einhergeht, ist vernachlässigbar. Man kichert in so einem Fall kurz mit sich selbst, während man sich darüber freut, der Technik das geschlagene Schnippchen retourkutschiert zu haben.

11 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Teletubby, fliegengeplagt *loool*

    Das Ums-Licht-Wacheln kenn ich vom Klo ja nicht, aber dafür die restlichen Herausforderungen umso besser. Ich mutmaße mal, dass der vorgebliche Bewegungsmelder beim Händetrockner nur ein ebensolcher ist (nämlich ein vorgeblicher). Denn Rumwedeln ist nun mal unbestreitbar die kostengünstigste Methode, die Hände zu trocknen.

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  2. Eeeh. Weiß ich doch.

    Ceh, stimmt eigentlich. So gesehen sollte man sich die Hände waschen, bevor man das Licht zum (Er)scheinen zu zwingen sucht.

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  3. *atomrofl*

    “teletubby, fliegengeplagt”, der ballungsraum patentierter technologenkreativität und bratzenblitzeis made my day.

    danke! Ihre sprachkreativität ist großartig :o)

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  4. Gut, dass Sie dieses leidige Thema mal so umfassend beleuchtet haben, mir liegt das ja schon lange auf der Seele.
    Einen Aspekt haben Sie aber unterschlagen: Auch vor Pissoirs muss inzwischen ausgiebig gewackelt und gewedelt werden, um die Spülung zu aktivieren, ansonsten schaut einem nur ein kleines rotes Auge stumm auf die Juwelen. Und da inzwischen eine ganze Generation von jungen Männern auf das Pieseln unter Beobachtung geeicht ist, sind Lokalitäten mit herkömmlichem Druckknopf latent ungespült. Eine Sauerei ist das.

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  5. Kristof! Kaum kommentierst du mal zweieinhalb Jahre lang nicht, sind wir auch schon per Sie? Noch mehr Zeit hattest du seit deinem verlinkten Eintrag, dich ans Wedeln und Verbeugen zu gewöhnen – hat’s geklappt?
    Ich habe diesen Aspekt nicht unterschlagen, vielmehr war er mir schlicht unbekannt. Ich gehe recht selten auf Pissoirs, wie schon die Farbe der hiesigen Kopfzeile suggerieren dürfte. Red brother is watching you – ist ja entsetzlich! Danke für diese überaus wichtige Vervollständigung!

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  6. Ja, ach, kann ich mich an Du und Sie erinnern? Es ist ja ohnehin das freudliche Blogger-Sie.

    Und überhaupt, das mit dem Unwissen ist doch damenhaft geflunkert. Wo doch allgemein bekannt ist, das Frauen bei jeder sich bietenden Gelegenheit auf#s Männerklo gehen.

    (Nein, der Sensor ist nicht besser geworden seit damals. Ich kacke einfach schneller.)

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  7. Macht nix, dich mag ich gern genug, dass Du mich sogar siezen darfst. Das erlaube ich nicht jedem. :D

    Das Männerklo aufsuchen? Angesichts der dort – vielleicht auch wegen des Spülmangels – herrschenden Geruchsverhältnisse, nein. Nur wenn die Not noch größer ist als die Schlange vorm Damenklo.

    (Beeindruckend. Im Grunde aber sehr sinnvoll. So hat man mehr vom restlichen Leben.)

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