Silencium

Heute Nacht wurde ich schlagartig wach von etwas, das nicht da war. Von der gänzlichen Abwesenheit von Geräusch.
Wenn es einmal vollkommen still ist, findet mein Unterbewusstsein das derart bemerkenswert, dass diese Tatsache mein Bewusstsein sogar im Traum erreicht.

Es war kurz nach halb zwei, und da war absolut nichts. Kein Güterzug war zu hören in diesen seltsamen Minuten, die ich wach dalag und zwischen den beiden schwarzen Fensterbalken des offenen Schlafzimmerfensters hindurch verwundert in die Dunkelheit starrte. Selbst nachts sind bei uns für gewöhnlich Züge zu hören, unser Haus steht nahe der Bahnlinie.

Kein Flugzeug startete mit seinem röhrenartigen, breiten Donnern vom nahen Flughafen. Blätter langweilten sich an reglosen Bäumen, und sogar das Zirpen der Grillen, dieser so unermüdliche und durchgehende Puls lauer Sommernächte, war einfach verstummt, als hätte ein blindwütiger Jäger sie unbemerkt allesamt ausgerottet. Nicht ein einziges Mitglied des dissonanten Krötenchors, der an einem naheliegenden Teich Nacht für Nacht aus rauhen Kehlen sein Konzert gibt, wagte es in dieser gespenstischen Stille, auch nur den winzigsten Laut von sich zu geben.

Ich hätte beinahe glauben können, ich wäre schlicht im Schlaf ertaubt, wäre da nicht mein eigener Atem und der meines Hundes gewesen, die, sich ständig gegeneinander verschiebend, an mein Ohr drängten. Mein Gehör schlang sich wie besessen um diese einzigen Hinweise auf Normalität und ließ sie entsetzlich laut und fremdartig wirken, ihres abschwächenden Hintergrundes so plötzlich beraubt standen sie riesig und entblößt im leeren akustischen Raum.
Sogar mein Augenzwinkern konnte ich hören. Kratz-schmatz.

Ich muss dann wieder eingeschlafen sein, doch ich erinnere mich an ein weiteres, nachkontrollierendes Aufwachen, und da war immer noch das absolute Nichts. Man konnte den Wind nicht Luftholen hören.

Als später der Sturm losbrach, wurde ich erneut wach und musste aufstehen, um einige Fenster zu schließen, die immer wieder laut in ihre Rahmen krachten.

Das waren nicht die wohlbekannten, wankelmütigen Sturmböen, die in ihrem atemgleichen Wechselspiel ihre launenhafte Geräuschkulisse vor sich herzupusten pflegen. Vielmehr brüllte die Luft unablässig wie ein reißender Strom zwischen den Häusern hindurch, in einem einzigen, endlos zähen Schwall.
Dieser merkwürdige, aber willkommene Kontrast zur Stille und das Drippeln des einsetzenden Regens auf das Dach und die hölzerne Veranda ließen meinen Schlaf endlich zurückkehren und geleiteten ihn sicher bis zum frühen Morgen.

35 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Wieso, TM? Ist doch viel erträglicher so, überhaupt am Telefon. Und immer schon ‚Hä?‘ sagen, niemals ‚Bitte?‘! :)

    Vielleicht, Rotfell, hat die Stille mit ihrem Unterdruck die Flugzeuge und Züge einfach eingesaugt.

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  2. Daran erkennt man, wie sehr wir Städter uns mittlerweile an unsere Umgebungsgeräusche gewöhnt haben, so dass uns die Stille schon unnatürlich erscheint. Das Dröhnen der Autobahn oder eines Flughafens im Hintergrund, das man erst dann wieder wahrnimmt, wenn es nicht mehr da ist.
    Wie sehr man sich schon an die Geräusche gewöhnt hat, erkennt man auch daran, dass man Einschlafprobleme bekommt, wenn es zu ruhig ist. Zumindest geht es mir so.

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  3. Ein Städter? Ich!? Der Flughafen und die Züge, ja. Aber darüber hinaus nur Vogelgezwitscher, Krötenchor, und die Zirpen grillen (Würstchen, meistens).
    Nö, es stimmt schon, was du sagst. Es war reichlich merkwürdig, obwohl ich mich sehr oft nach der Stille sehne und zuletzt sogar mal am Wochenende an den Waldrand geflüchtet bin, weil ein Nachbar seine elende Kreischsäge selbst am Samstag nicht liegenlassen wollte.

    Angeblich kann man in einem schalldichten Raum überhaupt nicht richtig schlafen, weil die eigenen Körpergeräusche so unglaublich laut werden. Ich kann das jetzt besser nachvollziehen.

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  4. Solche Tage kenne ich auch, an denen einem so ziemlich jedes Geräusch tierisch auf die Nerven geht. Und wie es scheint, gibt es in jeder Nachbarschaft einen Nachbarn mit Kreissäge, die er bevorzugt am Wochenende laufen lässt, wir hier haben auch so ein Exemplar dieser Spezies.

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  5. Tierisch auf die Nerven. Du sagst es! Ich versteh ja, wenn jemand mit einer Arbeit fertig werden will – wenn das nicht je-des verdammte Wochenende ein anderer versuchen würde!
    Irgendwann tritt bei mir einfach Reizüberflutung ein. Interessanterweise dauert es – obwohl ich mich im Grunde kenne und um meine niedrige Reizschwelle weiß – mitunter immer noch sehr lange, bis mir endlich bewusst wird, warum ich mich zu keiner Aktivität durchringen kann und so unglaublich grantig bin!

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  6. Das Lustige an der Sache ist, dass bei mir in so einem Fall die „normalen“ Umgebungsgeräusche beruhigend wirken, also auch der Flughafen um die Ecke. Liegt wohl daran, dass man sich daran schon gewöhnt hat und ohne sie etwas fehlen würde.

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  7. Im Grunde genommen dringen sie gar nicht durch, aber da es die normalen Umgebungsgeräusche sind, die immer da sind, man aber nicht wahrnimmt, wirken sie beruhigend, bilden das gewohnte und liebgewonnene Hintergrundrauschen. Genauso, wie sie, wenn du so willst, beim Einschlafen helfen und wach halten, wenn sie nicht da sind. Klingt das irgendwie logisch?

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  8. Hat was für sich. ‚Hintergrundrauschen‘ ist treffend. Zumindest hat man ein Alternativgeräusch, auf das man sich konzentrieren kann? So wie du dich, wenn du Schmerzen im Knie hast, auf einen Ellbogen konzentrieren kannst, der dir (hoffentlich) gerade nicht weh tut. Erfordert einiges an Übung, funktioniert aber – zumindest manchmal.
    Apropos Schmerzen: daran liegt’s sicher auch, dass meine Reizschwelle allgemein niedrig ist. Schließlich dürfte es fürs Hirn egal sein, ob ein Reiz von außen kommt oder hausgemacht ist – die Summe zählt.

    Mein Hintergrundrauschen besteht im Moment aus der Waschmaschine, die gerade pfeifend im Schleudergang arbeitet, einer Fliege, die, den blauen Himmel mit den Schäfchenwolken vor Augen, immer wieder gegen die Wintergartenscheiben fliegt, dem Rauschen von Wind in den Bäumen und Hecken, das durch die offene Terrassentür dringt. Drüben beim Nachbarn wird, wie seit Wochen, am neuen Pool gearbeitet und rumgeschrien, ‚Gemma, gemma, gemma! Tummel‘ di!‘, schreit einer, und eine Maschine brummt in tiefem Timbre dazu.

    Und Eures?

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  9. Regen. Und Vogelzwitschern (weil mitten im Vogelparadies).

    Bei Regen schlafe ich übrigens wie ein Baby. Klappt immer. Gewitter ist auch gut. Fröschequaken oder Kuhbimmeln sind regelrecht einschläfernd. Man vermisst es, wenn es aufhört. Die extremste Entzugserscheinung hatte ich mal mit einer Nachtigall.

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  10. notiz: mal bei der asfinag nachfragen ob sie vielleicht gebrauchte lärmschutzwände günstig abzugeben haben. idealerweise in holz-design.

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  11. TM, du bist dort sicher der schrägste Vogel?
    Ich hab hier in letzter Zeit öfter mal einen Kuckuck gehört! Davor schon jahrzehntelang nicht mehr.
    Ja, Regengeräusch ist schön! Wir waren immer mit Zelt und später Wohnwagen campen im Sommer, als ich noch ein Kind war; Regen auf dem Wohnwagendach ist das Nonplusultra.
    Martin und ich hatten später mal nach einem Urlaub im Süden solche Zikaden-Entzugserscheinungen, dass wir uns eine Sounds of Nature-CD reingedrückt haben, damit wir einschlafen können. Hat wunderbar geklappt.

    Ja, Martin, guter Plan. Wenn ich heute von da drüben noch einmal ‚Vaschdeeehst du des net???‘ höre, garantier ich für nix mehr.

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  12. na gut dass alle waffen im tresor liegen…

    du könntest auf fragen wie ‚Vaschdeeehst du des net???‘ aber auch einfach rüberbrüllend antworten, ein klares ’naaaa, des gehtma echt ned ein wiesoma so an radau veranstalten muss‘ wäre doch ein allseits erheiternder einwurf.

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  13. Regengeräusch hab‘ ich auch sehr gerne, vor allem in Verbindung mit einer ansprechenden Lichtershow, sprich: Gewitter. Vor allem abends, wenn es dunkel ist und die Blitze Wolken und Gebäude erleuchten… einfach schön.

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  14. Hihi, Lichtershow! Du Generation, du! *gg* Gewitter ist gut, aber zum Schlafen mag ich in Verbindung mit Regen am liebsten fernes Donnergrollen und Wetterleuchten. Steigert die Behaglichkeit ungemein.
    So Weltuntergänge wie hier in den letzten Tagen sind mir dann schon etwas zu heftig. Nicht dass ich mich fürchten würde, aber man kann ja nichtmal gscheit einen möglicherweise gelungenen Text über ein Gewitter bloggen, das man sehr genossen hat, während fünf Kilometer weiter in der gleichen Sekunde einen Mann in seinem Auto ein umgefallener Baum ereilt hat.

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  15. Zum Einschlafen sind nahe Gewitter auch nichts, keine Frage. Auf das Herzrasen, das sich einstellt, wenn man von einem äußerst lauten Donnerschlag aus dem Halbschlaf gerissen wird, kann ich durchaus verzichten.
    Und was ist falsch an Lichtershow? Wie sagt man sonst dazu, ohne in Anglizismen zu verfallen (wobei „Show“ ja auch schon Anglizismus genug ist)?

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  16. Sehr plastisch beschrieben, das Herzrasen, hihi :))
    Lichterschau sagt man natürlich! Ist doch nicht sooo weit weg? Ich meinte aber eigentlich die Unterhaltungsgesellschaftsgeneration. Oder so.

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  17. Auf Lichter*schau* hab ich bewusst verzichtet, das klingt für mich eher nach einer Messe, auf der verschiedene Glühbirndesigns angebied…priesen werden. Vielleicht Darbietung? Und was genau zeichnet ein Mitglied der Unterhaltungsgesellschaftsgeneration aus (was ein Wort)?

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  18. Na, beispielsweise dass es ein Gewitter als ‚Lichtershow‘ bezeichnet. *gg* Ansonsten ist das Mitglied – das jetzt von deiner Person wiederum völlig getrennt ist und natürlich keinerlei irgendwie geartete Ähnlichkeiten aufweist, das will ich hier betonen – reichlich passiv und hat keine eigenen Ideen zur Freizeitgestaltung, weil es von klein auf daran gewöhnt wurde, von der Außenwelt in jeder Minute unterhalten zu werden.
    Aber ernsthaft! Das ist ein Problem. Kinder müssen sich auch mal langweilen, um auf Ideen zu kommen. Und Eltern sind keine Alleinunterhalter.

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  19. Ist mir unbegreiflich, wie manche Menschen nicht in der Lage sind, sich selbst zu beschäftigen, d.h. keine Hobbies haben, keine Interessen. Da fragt man sich, was die den lieben langen Tag machen? Die Wand anstarren und Karos in der Strukturtapete zählen?

    Man muss sich auch fragen, warum sich Kinder überhaupt langweilen. Sind es mangelnde soziale Kontakte, ausgelöst durch die Computerisierung des Kinderzimmers? Oder am Überangebot, dass das Kind zu viele Möglichkeiten hat und sich nicht entscheiden kann?
    Früher hat man sich einfach nach der Schule draußen verabredet und mal mehr, mal weniger Blödsinn angestellt. Ich weiß, dass wir irgendwann mal, da war ich wohl sechs oder sieben, des Nachbars alte Ordner mit Rechnungen wieder aus der Altpapiertonne gezogen und Amt gespielt haben (man sieht, unsere Gesellschaft ist derart bürokratisiert, das reicht schon bis in die Kinderstube), zu unserer Begeisterung und zum Leidtragen des Nachbarn.

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  20. Ist sie nicht beneidenswert, die ‚Jugend von heute‘?

    Kinder müssen sich sogar langweilen, damit ihr Gehirn auf Ideen kommt. Das müssen wir wahrscheinlich alle zuweilen. Das Problem daran ist, dass man ‚Ideen haben‘ erlernen muss, und das geht nicht, wenn man stets fremdunterhalten wird, dazu zählen meiner Meinung nach Computer und Fernseher genauso wie das allgemeine Überangebot, das du erwähnst.

    Insoferne ist unüberbrückbare Langeweile mitunter ein Nichterlernthaben der Suche nach Alternativen?

    Mir gings jedenfalls ähnlich, wir waren viel draußen und haben jede Menge Unsinn gemacht. Auch Bewegung hatten wir sicher genug.

    Das Amt spielen hat sich ja in meiner Berufswahl bis heute gehalten. ;) Ich erinnere mich mit Begeisterung an die Lochstreifen aus dem Fernschreiber am Arbeitsplatz meiner Mutter, mit denen ich gespielt hab. Hast du sowas mal gesehen? Faszinierend! ^

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  21. Meinst du Lochkarten zum Programmieren? Das, was dem am nächsten kam, war die Strickmaschine meiner Mutter (jaja, lach‘ ruhig :o) ). Das Muster, dass man in den Pulli, Schal etc. stricken wollte, wurde auch mittels Lochkarte eingegeben. Da war ich ganz verrückt danach, ich wollte immer neue stanzen – sehr zum Verdruss meiner Mutter.

    Aber stimmt schon, Leerlauf im Hirn bringt zuweilen die tollsten Ideen hervor, manchmal auch die dümmsten. Nur, ist die Suche nach Alternativen überhaupt erlernbar? Ich denke, dazu braucht es eines gewissen Erfahrungsschatzes, den man sich durch Kontakte mit anderen, aber auch mittels Büchern oder vielleicht auch Fernseher oder PC aneignen muss. Wobei, Stichwort Bücher, ich den Eindruck habe, die Fähigkeit, und auch der Wille, zum Lesen stark nachgelassen hat. Oder kommt das nur mir so vor? Zumindest finde ich es bedenklich, wenn Fünftklässler nur sehr bruchstückhaft und stockend vorlesen können.

    Und meine Güte, Unsinn haben wir früher natürlich gemacht. Keine Baustelle, die vor uns sicher war. Oder, ich glaube, das gibt es heute gar nicht mehr, zu Fasching in unserer Einbahnstraße die Autos mit einem Band über der Fahrbahn angehalten und nur gegen Pfand wieder weiterfahren gelassen. (Wenn man so über die Vergangenheit sinniert, kommt man sich richtig alt vor. „Ach ja, damals…“)

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  22. Mannnnn, bist du heute produktiv! Unglaubelich :))
    Der Lochstreifen war nicht direkt zum Programmieren; es kam so ein schmaler Streifen Papier aus dem Fernschreiber raus, und auf dem waren Löcher eingestanzt, wie Morsezeichen, die der Fernschreiber zuvor in Buchstaben und Zahlen übersetzt hat (oder so). Die Streifen waren gelb und echt hübsch – meinen merkwürdigen Kindergeist jedenfalls haben sie begeistert.
    Strickmaschine ist natürlich auch cool. Da gibts in meiner Familie eine richtige geflügelte Geschichte, die von der Strickmaschine. Aber das ist eine andere Geschichte und soll privat erzählt werden.

    Die Suche nach Alternativen ist nachweislich erlernbar, indem das Gehirn entsprechend gefordert wird. Ob man das nun als ‚Erlerntes‘ oder ‚Erfahrenes‘ titulieren will, ist wohl eher eine konnotative Unterscheidung. Etwas anzufangen, was noch nie vorher jemand gemacht hat – weiß der Geier, aus Eierkartons ein UFO zu bauen – ist keine Erfahrungsfrage, sondern eine Kreativitätsfrage.

    Was das Lesen betrifft, woran machst du da deinen Eindruck fest? Ich selbst hab nicht allzu viele Kinder in meinem Umfeld; die, die ich kenne, sind aber meistens mit irgendeinem Gameboy oder Nintendo Portable beschäftigt. Lesen hab ich die eigentlich allesamt noch nicht gesehen. Wenn es so ist, ist das sehr schade, denn auch das Lesen schult doch die Phantasie und Kreativität, wogegen fertige Bilder den Geist eher träge machen dürften.

    Wir SIND alt. Jojo, die guade oide Zeit, gö? ;))

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  23. Find ich auch erstaunlich. Es gibt eben solche und solche Tage. :o)

    Sind diese Lochstreifen diese Dinger, die man aus Filmen kennt? Ein Gerät, das irgendwo in der Ecke steht und, sagen wir, zu Börsenstart anfängt, ständig die aktuellen Notierungen rauszutackern? Wenn ja, dann weiß ich, was du meinst.

    In punkto Lesen mache das einerseits an den täglichen Beobachtungen in Bus und Bahn fest, in denen man kaum einmal einen Jugendlichen mit Buch oder Zeitschrift sitzen sieht (eher mit Knopf im Uhr und Handy in der Hand), andererseits an Verwandtschaft und Nachhilfegruppe. Mein Neffe ist relativ schwach im Lesen (wobei sich das mittlerweile bessert), weil er mit Büchern nicht viel anzufangen weiß, schon eher mit dem PC. Und meine Nachhilfegruppe, die oben erwähnten Fünftklässler, können keinen Satz flüssig vorlesen. Vom Textverständnis ganz zu schweigen. Aber man kann sie ja auch nicht zu ihrem Glück zwingen, auch wenn ich derzeit versuche, sie mit der Schatzinsel zu ködern und der Leseschwäche entgegenzuwirken.
    Und auch Kreativität braucht Nahrung. Wie heißt es so schön (ich weiß, du magst Floskeln): von nichts kommt nichts. Es braucht einen gewissen Punkt, an dem man sagt, so könnte es auch gehen. Wenn ich nicht weiß, was ein Eierkarton ist, kann ich auch kein Ufo daraus basteln. Hmm, ich glaube, ich schreibe hier gerade genau das, was du schon etwas anders gesagt hast.

    Und ich möchte anmerken, vielleicht nur körperlich als alt zu gelten. Und früher war selbstredend alles besser, sogar die Zukunft. ;o)

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  24. Fernschreiber waren die ersten Kommunikationsmittel, neben Telefon, in meiner Lehrzeit.

    Wenn ich mich richtig erinnere, hat man den Text zuerst geschrieben, d.h. auf den Lochstreifen gestanzt.

    Dann, und das war das schönste, hat man den Empfänger angeklingelt -kling,kling,kling,kling- und bei Anwort: den Lochstreifen durchtickern lassen.

    Manchmal ist der auch gerissen, aber das vergessen wir hier.

    Und Telex war immer: WICHTIG !!

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  25. baumgarf, ich muss mir mal von meiner Nichte vorlesen lassen, um das zu checken. Klingt nicht gut, was du da berichtest.
    Und keine Sorge, man ist immer so alt, wie man sich ANfühlt ;) (apropos runzlig und so)
    Die Lochstreifen hat EdgarB sogar in Funktion beschrieben.
    Von gerissenen Lochstreifen hab ich auch gehört, aber das war vor meiner Zeit.
    In den ersten Jahren meiner Lehrzeit hat mein Chef das allerneueste Kommunikationsgerät angeschafft: Ein Telefax! Jedesmal, wenn das Ding geklingelt und damit ein Fax angekündigt hat, ist das gesamte Büro zusammengelaufen und hat gebannt auf den Thermopapier-Schlitz gestarrt. War auch voll wichtig!!

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  26. wolln mer net a retro-office eröffnen?

    ich bedien’s telex….

    etosha des telefax, und für den rest find mer schon wem…

    gehma… oder so

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  27. Retro is eh total in – ich bin dabei. Wir brauchen dann noch ein paar Bildschirme, schwarzer Hintergrund, bernsteinfarbene Schrift, auf denen man das Startmenü auch lesen kann, wenn sie ausgeschaltet sind. Und riesige Nadeldrucker. Und 5,25″-Disketten. Und jede Menge Ordner aus dunkelgrauem Karton!

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