Magyarische Rätselstunde

Gestern bei und mit meinem Bruder und seinen Lieben die Grillsaison feierlich eröffnet. Auf dieser infernalischen Glut hätte man für eine ganze Horde winterbedingt ausgehungerter Grillfans Fleisch braten können, und zwar stundenlang! Schön war das, herrlich hat’s geschmeckt – und nächstes Mal bringe ich mehr Kuchen mit, versprochen!

Später beim Heimgehen drückte man mir einen eigens für mich aufbewahrten Zettel von der ‚ungarischen Kleinmaschinenbrigade‘ in die Hand, einer jener Gruppen, die mit dem Kleinlaster oder Anhänger nach Ostösterreich kommen und mitnehmen, was wir hier nicht mehr brauchen. Die Brigade kündigt mithilfe dieser Zettel den Termin an, zu dem sie uns vom Druck des überschüssigen Besitzes zu befreien gedenkt. So kann man alte Sachen schon mal hervorkramen und vors Haus stellen. Eine begrüßenswerte Form der Wiederverwertung, wie ich finde, und deutlich erfreulicher als die hierzulande gefürchteten nächtlichen Diebestouren durch Einfamilienhäuser mit osteuropäischem Exportziel.

Der Zettel wird mir nicht etwa deshalb übergeben, weil zu uns keine solche Brigade käme – auch ich werde regelmäßig auf diese Weise ausgemusterte Kleidung los; letztens hatten wir einen ganzen Haufen gebrauchter Handys hergerichtet, einige Tapetenrollen, einen alten Rechner; selbst defekte Geräte nehmen die Ungarn gerne mit. Und auch hier bei uns kündigen sie sich mitunter schriftlich an; manchmal aber auch sehr viel spontaner, mit einem in die Sprechanlage gekrähten ‚Spärrmüll, Madam!‘

Also sind wir brigadeseitig gut versorgt. Der Grund für die Zettel-Aufbewahrung für mich war vielmehr meine bekannte Liebe zu schrägen Worten, der Wisch unterhält nämlich durch seinen eigenwilligen Übersetzungsstil. Darauf wird aufgezählt, was sie alles mitnehmen:

Neben Rasenmaher, Kettensagen und Gestrüp Scnittmeistern finden sich da auch so klingende Worte wie Kolter (ewig nicht gehört, das Wort!), Bedwasche, Bildrand, Tanne Möbel, Eiche Möbel (Buchen sollst du weichen?!), Wellenreiterbrett, Zapfen (was immer sie uns damit entlocken wollen), Säurefest, IPlattefelge, Schi latte, Schi latte (Snowboard) und Kleide (Erwaschene, Kind).

Sehr hübsch finde ich auch diesen Satz:
Wir möchten Sie bitten, die obene genanten Gegenstande (…) vor Ihren Haus zu deponieren.
Aber ausnahmslos – am besten schön der Reihe nach abhaken.

Das größte Rätsel auf diesem Zettel ist aber der Gastfreund. Da steht: Luster, Teppich, Gastfreund. Und in einer anderen Zeile: Kaffeemaschine mit Gastfreund (auch defekt). Von mir aus behauptet über mich, ich hätte nichts zu tun im Kopf – aber ich zermartere mir seit gestern das Hirn, was in diesen beiden Zusammenhängen mit Gastfreund gemeint sein könnte…

Was hat mit Luster und Teppich und gleichermaßen mit einer Kaffeemaschine zu tun? (kreative Rätselvariante)

Ist vielleicht einer von euch des Ungarischen mächtig und kennt ein Wort, das (vielleicht) mit vendég beginnt und eine gastfreundliche Übersetzung möglich erscheinen lässt? (Rätselvariante mit sprachlichem Vorsprung)

23 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. kolter, ewig nicht gehört? etwa zuletzt ca um das jahr 1200 herum in einem früheren leben? ich hab das noch _nie_ gehört, erst die wiki enthüllt mir das rätsel:

    „…Ein (eine) Kolter (oder Kolder) ist eine Decke, wobei der Begriff speziell für Wolldecken oder Steppdecken verwendet wird, die zum Zudecken benutzt werden.
    Das Wort wurde aus dem gleichbedeutenden altfranzösischen co(u)ltre als mittelhochdeutsch culter, gulter, kolter, golter kurz nach 1200 aufgenommen. Das französische Wort stammt (wie das italienische coltre) aus lateinisch culcitra für „Polster, Matratze“…..“

    also dass unsere magyarischen freunde mittelhochdeutsch sprechen ist schon bemerkenswert. vielleicht haben sie ja bei einer ihrer sammlungen mal ein wörterbuch ungarisch-mittelhohdeutsch erjagt, das ihnen für ihre weitere vorbereitung jetzt (gute?) dienste erweist. evtl sollte man daher nach dem gastfreund im mittelhochdeutschen recherchieren?

    die googlesuche nach der kombination gastfreund und kaffeemaschine bringt zwar keinerlei licht in die angelegenheit an sich, aber dafür folgende neue erkenntnisse:
    – dein eintrag von 09:15 uhr ist 3 stunden später bereits von google als erster hit dazu indiziert. bemerkenswerter speed.
    – die kombination ist ansich nicht so selten, da kaffee und gastfreund /-schaft, /-lich./-keit ja im prinzip durchaus miteinander harmonieren
    – wie in aller welt kann man ein pdf-dokument im web „Sommer, Grillwurst, Tuttelbären!“ benennen? (worin sich offensichtlich dann die beiden inkriminierten worte befinden)

    zum haupträtsel fallen mir durchaus assoziationen ein: „Ein Gastfreund ist umgangssprachlich (veraltend) ein Freund an einem anderen Wohnort, bei dem man als Besuch oder auf Reisen (regelmäßig) unterkommt.“ das würde ich daher so interpretieren: die kaffemaschine verbleibt folglich bei dir als zugehörigem gastfreund und der ungar kommt regelmäßig vorbei um sich davon bewirten zu lassen. und zwar stilvoll, mit passendem teppich und beleuchtung. sie sind also am langfristigen aufbau von (geschäfts-)beziehungen interessiert.

    oder: die suche nach vendég im wörterbuch gibt so einige ergebnisse mit zusammengesetzten wörtern wo dann neben gastfreundschaft auch dinge wie „gastwirtschaft, gasthaus“ vorkommen. vermutlich (und das wäre gegenüber der ersten interpretation schrecklich unromantisch) meinen sie eine kaffemaschine wie sie in einem gasthaus zu finden ist, also kein so ein filterkrawegerl in klein sondern richtig espresso. in dem zusammenhang könnten dann auch gastro-einrichtungs-gegenstände wie teppiche und luster gemeint sein.

    eine dritte variante in zusammenhang mit MHD gäbe es noch: „…Gast, der; -[e]s, Gäste [mhd., ahd. gast, urspr. = Fremdling]…“ es handelt sich also um eine fremdling-kaffemaschine. „fremdling“ könnte eine markenbezeichnung sein und dieser hersteller hat u.a. auch teppiche und luster im programm. plausibler erscheint ledoch: es bezieht sich allgemein auf ausländisches zeugs. zB könnte ein so ein kupfer-kännchen zur zubereitung von türkischem kaffee durchaus als „fremdling-kaffeemaschine“ durchgehen. und persiche teppiche und italienische luster sind sowieso ausländisches fremdling-zeugs. und da sie nicht als ausländerfeindlich gelten wollen, verbinden sie es noch mit dem wort freund, also kaffeemaschinen-fremdling-freund. oder so.

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  2. „Ich denke mal, aufgrund mangelnder Deutschkenntnisse passieren solche ‚Verschreiberles‘. Denke auch, es handelt sich um gastfreundliche (= bedienerfreundliche) Handhabung der Kaffeemaschine.

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  3. da will offenbar ein stolzer Magyar férfiak ein Wiener Jugendstilcafé mit Lobmeyrluster und Gaggiamaschine in Hodmeszövasarhelykutasipusta eröffnen

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  4. *lach!* hubbie, ich denk auch oft an Piroschka. :) Muss man auch, sonst gälaidigt! *gg*

    Liane, es kann sich nur um eine Nespressomaschine handeln ;) Sehr gastfreundlich. Gast kommt, trinkt alles weg, geht wieder heim.

    martin! danke für das ausführliche brainstorming :) Dem ist ja kaum mehr was hinzuzufügen. *gg*

    Ich erinnere mich dunkel, dass alte Leute das K-Wort benutzt haben. Aber vielleicht brechen da wirklich Präinkarnationserinnerungen durch. ;)

    Irgendwie kam ich in meinen Surfereien zu barát und vendég auch auf die Idee, dass es sich um eine entzückende Umschreibung für Zubehör handeln könnte. Aber was wäre das Zubehör zu einem Teppich? Hundehaare?

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  5. bittaschängerngeschähn

    bin ungefähr 15 Mal mit dem Zug von Oroshaza nach H. „mitgefahren“, joi isztenem!

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  6. Tja, mein Ungarisch ist auch nicht so weit her, aber ich könnte mir vorstellen, daß mit Gastfreunden: „Zubehör“ gemeint sein könnte.
    Bei der Kaffeemaschine kann ich mir das vorstellen, beim Teppich weniger (ausser, man sucht Teppiche, in denen „Gastfreunde“ zu Verbergungszwecken verpackt und vergessen worden sind!?)
    Bei meinen zahlreichen Reisen nach und in Ungarn habe ich allerdings nie einen Gastfreund bei/an einer Kaffeemaschine und/oder an, in, oder auf einem Teppich gesehen!

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  7. Gastfreinde zu Verbergungszwecken?

    Hab ich schon wieder eine neue (Denk-und Wissensader) meines Ehemannes kennen gelernt ? Gastfreunde (!!!) in Teppiche einrollen, hm………da muss nochmal scharf nachdenken.

    Hatte er nicht neulich beim Renovieren einen auffällg dick gerollten Teppich zum Spärrmill gebracht?

    Aber vermutlich ist das wieder so ein Hirngespinst von mir, seiner krankhaft eifersüchtigen Ehehälfte, die solche Dinge niiiiiiiiiiie direkt ansprechen darf, sonst ist ER geleidigt, und wiaaaaa!!!

    Bleibt immer noch die Frage der „Kaffeemaschine Gastfreund“ offen, weil in a Kaffeemaschine kein Gastfreund-(in) rein passt.

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  8. Ok, Frau Nachtschwester, und eine Kaffeemaschine mit Gastfreund ist dann… eine Saeco mit eingebauter Hängematte? In den Schlaf schaukeln im Filternetz?

    Herr Dantine, durchaus plausibel! Ich weiß nur nicht, warum die Ungarn an in Teppiche gewickelten Opfern von Affekttaten interessiert sein sollten.
    Aber ein solcherart verpackter Gastfreund wäre wenigstens in den Teppich einegschduam.

    Frau Dantine, also mit Verlaub, ich glaub, wenn das Etwas im Teppich sich nicht mehr bewegt, ist kein Grund zur Veranlassung *g* gegeben, zumindest nicht von Seiten der Eifersucht. :D

    Der wahre Gastfreund braucht kein Bett, der schläft in der Pendeluhr. Und geht anderen Morgens mitm Vogelhäusl um die Milch. (zugegeben, ich bin etwas abgedriftet)

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  9. Vielleicht geriet da irgend etwas mit „Geschirr“, „Glas“ und „Gast“ durcheinander. „Geschirr“ und „Glas“ würde sowohl zu Luster und Teppich passen als auch (in Gestalt eines Kruges) zur Kaffeemaschine. In anderen Worten: Möglicherweise mutierte der „Glaskrug“ zum „Gastfreund“. – Seit mir die Rechtschreibprüfung einer älteren Version des FrameMaker für die „Flügelmutter“ das „Feigenblatt“ vorgeschlagen hat, haut mich nix mehr um ;-)

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  10. ‚Drehen Sie nun das Feigenblatt gegen den Uhrzeigersinn, bis sich dahinter eine Öffnung zeigt.‘ *rofl*

    Glaskrug is guuuut! Das wäre in der Tat eine Möglichkeit!
    Gastfreund für Geschirr vielleicht auch insofern, als man ja im Alltag, wenn man gerade keine Gäste hat, gerne auf Geschirr verzichtet. ‚Normalerweise essen wir mit den Fingern direkt vom Tisch, aber zu Ehren unseres heutigen Gastes haben wir die guten Gastfreunde ausgepackt.‘

    Danke übrigens an den zonebattler, der mir seine eigenen Gäste zu dieser Rätselstunde herübergeschickt hat. Bist ein echter Gastfreund! :)

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  11. Also: wenn einer nach einer Nacht im Uhrkasten mit dem Vogelhäuserl um die Milch geht, ist er verpflichtet, vorher eine Runde Schach auf einem Kanaldeckel zu spielen! *ggg*

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  12. ..sicher ist der Herr Zonebattler ein aufmerksamer und freizügiger Gastgeber, der ohne Gebühren seine Gäste ausleiht.
    Und genau DAS zeichnet einen echten – Fürther „Tschändlmän“ – aus!

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  13. Michael, Kanaldeckelschach find ich gut. :) Halma wär auch eine Möglichkeit. So schnö hobi no nie gwunna! *g*

    Liane, da bin ich lobhudelistisch ganz auf deiner Seite.

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  14. Halma am Kanaldeckl – ich lieg flach – !

    Ich hab auch noch nie su schäi gwunna !
    Besonders, als ich IHM das Ja-Wort gab.

    Welch Glück, daß ich unbeschadet über diese Kanaldeckel gehen kann, ohne durchzurutschen.
    Denn bei uns herrscht seither nur noch Freunde und Gelächter und wäre ich ein Halmastein, wär ich längst duch die Gitter gerutscht, oftmals wegen Blindheit – die mir die Tränen vor lauter lachen in die Augen treiben.
    Was aber immer noch nicht den GASTFREUND im Teppich erklärt hat !

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  15. …turbulent ist tiefgestapelt………wirr und viel zu chaotisch für mein Alter! Aber schäi is, wenn der Kalk no net rieslt! Wenn die BAA (mit Gastfreund) a no so BA-nander wär`n, wär ich mit Sicherheit ein Universal-Genie! Genier eh scho überall,
    (:-) sagt mein Mann!
    I Wünsch Dir a schönes WE und danke für so viel innerhirnliche Ähnlichkeit.

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  16. Ahm, hier eine Halbungarin..vendég ist tatsächlich einfach nur der Gast, barát hingegen der Freund. Falls das noch von nöten ist.

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  17. Jö, seeehr nett! :) Jaja, soweit, so klar! Aber was ist ein Gastfreund? Gibts ein ungarisches Wort, das Ähnliches unterstellt?

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  18. Also Etosha, jetzt übertreibst du aber! Nur weil’s das Wort „Geastfreundschaft“ gibt, muss es dazu noch keinen „Gastfreund“ geben! Oder weißt du eine ungarische Übersetzung von „Gewerk“?

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