Frische Ringerl

Mein Hund kriegt seit Jahren nur Trockenfutter. Ich muss keine Dosen heimschleppen, und hab auch keine Dosen am Spülbecken stehen, die mit Wasser eingeweicht bis oben tagelang ihren zweifelhaften Duft verbreiten, bis ich mich endlich zur Reinigung durchringen kann. Außerdem muss ich keine haushohen Dosenstapel entsorgen. Von meinen Vorlieben ganz abgesehen, hat meine Cindy einen Heidenspaß daran, die Trockenfutterstücke durch die Gegend zu werfen und ihnen nachzujagen, am liebsten am Wohnzimmerteppich – das muss ihr mal einer mit Dosenfutter nachmachen, und es überleben! Es ernährt sich also der Hund ganz hervorragend von Trockenfutter, und Frauchen macht das auch glücklich.
Nun liebt Cindy ganz besonders ihr ‘Frolic’. Diese fleischfarbene Vollnahrung in Scheiben, durch die man ein Loch geschossen hat, bei uns daheim kurz ‘die Ringerln’ genannt. Das ist prägnant und wird auch von Cindy sofort verstanden – und mit freudigem Sabbern quittiert. ‘Ringerln’ im Garten suchen gehen ist eine ihrer liebsten Nachmittagsbeschäftigungen.
Frolic-Ringerl sind eigentlich kein richtiges Trockenfutter, die sind so zäh-halbfest in der Konsistenz (quetsch-quetsch, Bild aus dem Werbespot taucht vor dem geistigen Auge auf), und kommen in Plastikfoliensäcken daher. Es empfiehlt sich darum sehr, diesen Sack nach Entnahme wieder zu verschließen, damit die kauspaßige Zäh-Vollnahrung nicht an der Luft eine Konsistenz kriegt wie ein drei Monate lang an der Sonne getrockneter Carpaccio-Donut. Harte Frolic sind nämlich kein Genuss mehr und werden verschmäht.

Nun denken die bei Masterfoods ja auch mit und wollen den Hundekunden vor dem ungeliebten klonk-klonk-Geräusch bewahren, das entsteht, wenn angegraute, eingetrocknete Frolic in seiner Schüssel landen. Seit geraumer Zeit ist also jede Frolic-Packung mit einem Frischeverschluss versehen, diese merkwürdigen Plastikdinger Marke “Nut und Feder”, auch auf Toppits-Frierbeuteln zu finden, die man durch Zusammendrücken zweier einander gegenüberliegender Leisten ruck-zuck verschließt.

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Im Normalfall. Beim Frolic-Frischeverschluss hänge ich nämlich, je nach Tagesverfassung, Gemütszustand und genossener Nervennahrung, oft minutenlang nach vorn gebeugt über der bei mir zumeist am Boden gelagerten 7,5kg-Packung und versuche, die verwunschenen Leisten so ineinanderzudrücken, dass sie sich schließen. Am besten geht’s noch, wenn man den Verschluss gar nicht erst komplett geöffnet hat, dann hat man sozusagen einen Anfangspunkt zum Einhaken. Aber auch das klappt nicht immer. Ich probiers erst von rechts, dann von links, ich drück in der Mitte drauf, der Hexenschuss guckt schon um die Ecke, das Blut steigt in den Kopf, die Augen werden immer größer – das Ding schließt einfach nicht! Alternativ zum Beugen kann ich natürlich auch in die Hocke gehen und mit dem Frolicsack Aug’ in Aug’ verhandeln – dann schlafen mir halt die Beine ein.

Minutenlanges Rumgewerkel an einem Frolic-Sack, und das jeden Tag, vielleicht sogar mehrmals, je nach Appetit des Hundes. Was für eine Zeitverschwendung! Dabei entschlüpfen mir regelmäßig einige gar nicht damenhafte Flüchlein.
Wenn ich es dann doch wirklich schaffe, den Verschluss zuzukriegen, dann mit einer dicken Träne im Knopfloch – am liebsten würde ich danach die Packung nie wieder öffnen.
Natürlich könnte ich den Sack auch mit einer Wäscheklammer verschließen. Das war ja vor dem Frischeverschluss auch gut genug. Ich bin aber sicher, dass ich durch den Erwerb von Frolic meinen Beitrag zur meisterhaften Entwicklung dieses Verschlusses beigetragen habe, also fordere ich auch, dass er funktioniert – ich versuche es, oh Naivität, immer wieder mal.
Auf der Verpackung steht, dass man sie von Hunden und Kindern fernhalten soll – Erstickungsgefahr! Kein Wort davon, dass beim Wiederverschließversuch Tobsuchtsgefahr besteht.

Ich fordere also funktionierende Wiederverschließmechanismen, oder aber zum Slogan ‘Der Frolic-Geschmack bringt Hunde auf Zack’ die passende Ergänzung: ‘Der Frolic-Verschluss ist Frauchens Verdruss’.

[So auch gemailt an Masterfoods.]

7 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. *kenne das* *oh, ja WIE ich das kenne*
    deppertlachen könnt ich mich beim lesen. (Chef schaut schon grantig, weil ich vor mich hin grunz um das laut los lachen zu unterdrücken)

    idee: ich hab – um mir das mühsame herumfummeln am sackerl zu sparen, beim Hundefutterdealer einen plastikkübel mit deckel geschnorrt. die sind nicht nur praktisch um darauf irgendwelch klumpert in der küche zu stapeln, nein die sind auch luftdicht und je nach marke nett – oder lustig bedruckt.
    folglich: Frolic oder Trockenfutter kaufen – sackerl aufschneiden ( wurscht wo die blöde rote Linie verläuft) und rein in die Tonne :-)
    geht schnell und wenn Angel vor der Tonne Purtzelbäume schlägt weiß ich automatisch : Futterzeit *g*
    in diesem Sinne – schönen Tag noch und WAU an Cindy

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  2. brötchen, fleischringerl und mein senf = ?

    vor dem frühstück mal “schnell” noch in den blog reingucken, bis die brötchen [i.e. semmeln] schön knusprig sind. ah, da is was neues, unter “meine nerven”: mann was hab ich lachen müssen! *GGGG* brat ihnen lecker einen über, du hast was auf der pfanne!
    bei der rückkehr in die küche sah das bild, das sich mir dort bot, allerdings weniger appetitlich aus, eher wie unerwünschter lichteinfall im fotolabor. ich maile es mal, vielleicht findet es seinen weg hierher.
    [Etosha 04.03.2006: Bild findet sich hier.]
    wott iss e pingbäck?

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  3. anonymous heißt uli, und die blogsoftware hat meine spitzklammerkommentare gelassen wo cindy ihre chappiringerl lässt. *ggg*
    \änasa spitzklammertest, aber diesmal mit escape-characters. pörrhepps ai kenn overlist sis viech\

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  4. Pingback: Etoshas Pfanne » Wenn man was in die Pfanne haut

  5. […]Am besten geht’s noch, wenn man den Verschluss gar nicht erst komplett geöffnet hat, dann hat man sozusagen einen Anfangspunkt zum Einhaken. Aber auch das klappt nicht immer.[…]

    Kann es aber schon, und zwar mit einem einfachen Trick: Die Heftklammermaschine (die nicht nur dazu gut ist, vorbeigehenden Leuten die Brieftasche an der Hosentasche festzutackern) kann Abhilfe schaffen, indem man etwa 1-1.5 cm vom Rand der Verschlussleisten ein paar Klammern so hineindrückt, dass die beiden Gegenstücke an dieser Stelle ineinander verweilen. Das macht ein ganz einfaches Verschliessen der Beutel möglich und der Tag ist gerettet.

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