Etosha pfeift aus dem letzten Loch

Mich beutelts. Zuerst tagelang Magenschmerzen, und man stelle sich vor, wie perfide und gemein das Leben sein kann: erstmals aufgescheucht durch meine Geburtstagstorte. Der von Muttern. Nach jenem Tortenrezept, das wir, mein Magen und ich, schon seit Kindheitstagen kennen und lieben. Zu fett? Zu süß? Zu viel? Zu Laktose? Man weiß es nicht.
Stephanie Plum behauptet ja immer, Geburtstagstorte zähle nicht in der Kalorienbilanz, weshalb man sich bei akuten Kuchenappetitattacken am besten an nicht abgeholte Geburtstagstorten beim Konditor seines geringsten Misstrauens hält. Haben noch dazu den Vorteil, billig zu sein. Aber wenns den Magen beutelt, dann beutelts ihn eben, egal ob auf der Torte Etosha steht oder Happy 50 Hannelore.

Ein wenig war von den Magenschmerzen noch übrig, als der Zutrauliche und ich letzte Woche beschlossen, unsere couchgestählten Körper zu erheben, um uns im Schwimmbad ein paar Muskelzellen zu erstrampeln. Wir würden sonst noch alt und fett, sagte er. Alt würden wir von allein und im Schwimmbad noch schneller, sagte ich. Doch die Idee war von mir. Spricht nichts dagegen, gegen seine eigenen Ideen zu argumentieren, man braucht nur etwas Widerstand.

Bei der eisernen Durchführung dieses Beschlusses zerrte ich mir offenbar irgendwas in einem Bereich, den ich mit eigenen Augen nicht besehen kann, und kam in den folgenden Tagen daher wie ein altes Weib, dem man seine Gehhilfe ins Altmetall entsorgt hat. Alle meine Bewegungen wurden begleitet von einem allgegenwärtigen Au-weeeh, wie ich das von meiner Oma selig gelernt habe. Bezettweh kamen gar keine Bewegungen zustande, besonders am Donnerstag. Da hätte ich bei einem Weltreise-Diavortrag eines Freundes lauschen und glotzen wollen, lag aber stattdessen ächzend auf der Couch wie ein umgeworfener Hirschkäfer. In weiterer Folge verzog sich die Kränkung der Rückenmuskulatur langsam Richtung Hüft- und Oberschenkelseiten, wo sie seither fröhlich katert. Etosha, Ihre Reporterin aus der Körperregion, immer am Zahn der Zeit.

Das alles brachte mich zu der Erkenntnis, dass ich eine neue Nähmaschine brauche, vielleicht auch zwei. Manchmal erkennt man ja monatelang die logischen Schlussfolgerungen nicht, die doch so nahe liegen. Weswegen ich kurzerhand mit Freund Ceh durch die Stadt pilgerte, um die katernde Muskulatur aus dem Hinterhalt zu überraschen, und um einen fiktiven Nähmaschinenladen aufzusuchen. Fiktiv, weil er an einer Adresse liegt, die es gar nicht gibt, und sich dort überraschenderweise auch nicht findet. Mein Vertrauen in die Googlefähigkeiten von Blackberrys, die mir nicht gehören, ist seither etwas ramponiert. Dafür hatten wir eine Portion Bücherstaub bei Freytag&Berndt und Bugels vor Ziegen anstarrenden Männern im Apollo.

Hier stelle man sich noch einen Satz vor, der alles in sich so wunderbar abschließt, dass man das Gefühl hat, man könne jetzt in absoluter seelischer Ruhe sterben oder das Geschirr spülen. Obwohl die Dinge natürlich niemals abgeschlossen sind, und daher solche Sätze eigentlich nur Illusion sind. Aber das wisst ihr ja bestimmt.

15 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. *prruuuuust*! toshilein: dir sollts viel öfter schlecht gehen, wenn du dann solch sensationell prustige texte verfuhrwerkst ]=))).

    aber halt ohne die schmerzen. und das schlecht-gehen. nur virtuell, wenn möglich. sonst tust mir leid, und das verdirbt die gute stimmung nur ]:/.

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  2. Seit ich den Wunsch nach solcherart wunderbar abschließenden Sätzen als Wunschdenken entlarvt habe, besitze ich eine Spülmaschine. Auf jeden Fall sind Magenschmerzen fies und würden selbst einen Wilhelm Schmid von seiner Philosophie der Lebenskunst abrücken lassen, insbesondere im Kontext einer Geburtstagstortenkausalität. Denn die sollen doch wirklich nicht nur Leib, sondern Seele nähren! Verzerrte Au-weeehs sind dagegen wenigstens was Handfestes. Ich finde auf jeden Fall auch, du solltest die Alternative mit den zwei Nähmaschinen weiterhin im Auge behalten und wünsche dir entschieden gute Besserung!!!

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  3. Genau, zwei Nähmaschinen. Man hat ja auch zwei Hände, zwei Augen und zwei Hirnhälften. – Ich hatte übrigens längst die Idee, mir zwecks Verdopplung meiner Produktivität eine zweite Maus zu installieren. Geht aber nicht, der Treiber steuert nur eine an. Mist.

    P.S.: Wenn schon das kafkaesque Bild mit dem Käfer, dann auch unter Erwähnung des Apfels, der, in Wut auf das Scheusal geworfen, den dünnen Deckflügel durchschlug, zur Hälfte darin versank und dann dort drin stecken blieb, was später zu Infektion und Fäulnis, am Ende zu dessen Tode führte, wenn ich mich recht erinnere. – So sehr mir das Bild mit dem Käfer allzeit vertraut war, so konsequent muss ich leider dabei immer an diesen Apfel denken :(

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  4. Yo, Ceh, es geht nichts über den ersten Anstieg nach dem Tief. Man darf nur den Schopf nicht loslassen. Ein virtuelles Tief hingegen mag ich mir nichtmal vorstellen!

    Ich freue mich, mkh, dass du mein Tortendilemma verstanden hast, das bestärkt mich in meinem Unrechtsempfinden. Aber Wünsche sind doch immer nur Wunschdenken, oder nicht? Man hat bald keinen Platz mehr für neuen elektr(on)ischen Schnickschnack, wenn man bei solcherart Entlarvung allzu konsequent vorgeht.

    Was die Entlarvung des Käfers als Metapher betrifft, TM, so bedanke ich mich sehr herzlich, dass nun auch ich an keinen convertierten Käfer mehr denken kann, ohne mir selbst gegenüber geistig den Apfel zu erwähnen.
    Der Wunsch nach zwei Nähmaschinen hat mehr Sinn, als du glaubst. Stell dir vor, es gäbe zwei Arten von Computermaus, die eine Art könnte nur klicken, die andere nur bewegen. Dann hättest du wahrscheinlich auch zwei. Das würde zwar die Produktivität nicht steigern – die Möglichkeiten aber ungemein.
    Guckstu dorten und lernstu unter anderem: Delfine sind im Grunde nichts weiter als schwule Haie! Oder guckstu dorten und lernst was Richtiges.
    PS: Kafka war auf Drogen.

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  5. „Als Gregor Samsa eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte, fand er sich in seinem Bett zu einem ungeheuren Ungeziefer verwandelt…“ – Jetzt verstehe ich endlich, wie Meister Franz Kafka auf seine bemerkenswerte Idee, die mich seit dem Deutsch-LK vergangener Äonen nicht mehr losgelassen hat, gekommen sein muss!

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  6. Ich bin geneigt, das in meine Selbstcharakterisierungsliste mit aufzunehmen, wenn ich nicht längst den Kafka als überbewertet abgetan hätte. Der Hesse ist mir lieber. Es klingt jedenfalls viel cooler als „Nichtsnutz“. Irgendwie.

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  7. „Als Gregor Samsa eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte, fand er sich in seinem Bett zu einem Nichtsnutz verwandelt…“
    Hm. Stimmt!

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  8. Oder „Taugenichts“…

    „(…) «Du Taugenichts! da sonnst du dich schon wieder und dehnst und reckst dir die Knochen müde und läßt mich alle Arbeit allein tun. (…) » – «Nun», sagte ich, «wenn ich ein Taugenichts bin, so ists gut, so will ich in die Welt gehen und mein Glück machen.» (…)“

    Na, von wem???!?

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  9. Das gerät ja hier zum Literaturquiz! TM ist sehr belesen. Ich klink mich lieber aus. Und gugeln kann ja jeder, das ist mir zu unsportlich.

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  10. Die Frage war nicht so ernst gemeint. Kam nur von Nichtsnutz auf Taugenichts und hatte vor allem Langeweile bzw. wollt mich vor einer stupiden Arbeit drücken: der Steuererkläerung… *gähn* – Eichendorff wärs gewesen.

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