Diebstahl und Werbung

iwi führt uns in Powerseller vor Augen, was einem alles angedreht werden soll, wenn man ungeschützt und per pedes in diversen Läden unterwegs ist, und er fällt die Conclusio in seinem Kommentar:

Vielleicht sollte ich morgens im Bad vor dem Spiegel das „Laß-mich-bloß-in-Ruhe-mit-dem-Quatsch-sonst-beiß-ich-dich“ Gesicht üben, damit ich das nächste Mal nicht so oft aufgehalten werde. Hoffentlich mache ich das nicht zu gut, nicht dass mir der Spiegel dann mein Gesicht zerkratzt…

Was dazu führen würde, dass noch einer sauren Gesichtes durch die Landschaft strunzt, was wieder einen oder zwei noch ein wenig unglücklicher macht, die das Gesicht zufällig zu Gesicht bekommen. Schade eigentlich. Viel schöner wäre es doch, würde man uns zu Lächeln und Offenheit ermuntern, und nicht zu verschlossenen Gesichtern, mit denen man sich gar nicht mehr nach links oder rechts zu schauen traut.
Ist den Werbern aber sicher vollkommen schnurz.

Ich ärgere mich, dass mein sogenannt ‚feuerblauer‘ Peugeot bei zwei Autoservices in verschiedenen Werkstätten im letzten Jahr jeweils ein Paar Kennzeichenhalterungen mit der Werbeaufschrift der Werkstatt verpasst bekommen hat, anstatt meiner vorher sehr gut ihre Aufgabe erfüllt habenden neutralen, schwarzen und völlig aufschriftslosen. Ungefragt natürlich. Finde ich nicht ok. Ich bin kein fahrendes Plakat. Ich hab nicht etwa Rabatt bekommen oder ähnliches.
Und wo sind meine alten Halterungen nach dem zweiten Service überhaupt hingekommen? Mein Mann hatte unter Zuhilfenahme der Minitools-Schleifgeräte in mühevoller Kleinarbeit das vorige Werkstattlogo abgescheuert.
Diebstahl nenne ich sowas.

Außerdem finde ich nicht ok, dass sie einem immer etwas andrehen wollen, was man bezahlen muss, sogar wenn sie einem ein Geschenk machen wollen. Da erfreut sich eine österreichische wöchentliche Fernsehzeitschrift seit fünf Jahren meiner Kundenschaft, so sehr, dass sie mich extra deswegen anrufen und das Gespräch einleiten mit ‚Frau G., ich habe eine tolle Nachricht für Sie!‘.
Und was wollen sie? Mir ein Jahresabo andrehen, nämlich das einer anderen Zeitschrift, die zufällig im gleichen Hause gefertigt wird. Um einen um die Hälfte vergünstigten Preis.
Abgesehen davon, dass es sich um eine Frauenzeitschrift handelt, und ich keine anderen Zeitschriften lese als ebendiese TV-Zeitung und GEO, frage ich mich auf rein hypothetischer Basis, warum diese Leute mir als ‚Geschenk‘ unbedingt ein Jahresabo aufzudrängen trachten, das ich zur Hälfte bezahlen muss. Was für eine Art Geschenk soll das sein? Eines von mir an die, vermute ich. Warum schenken sie mir nicht einfach eines für ein halbes Jahr? Dann würde ich mich zur Abwechslung eventuell auch mal beschenkt fühlen, und nicht mit vermeintlich erfreuenswertem Vorwand abgezockt.

3 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Interessant, es von dieser Seite zu betrachen. Ich gehe oft durch die Stadt und sehe Gesichter, bei denen ich dann immer innerlich vor mich her singe ‚just put a smile onto your face‘. Kann natürlich sein, dass die Gesichter dieser Menschen von Werbung zerbombt wurden.
    A propos: hatte heute im Briefkasten Werbung für ein Potenzmittel, wo auf drei Seiten darüber informiert wird, auf welche Art Penisse Frauen wirklich stehen – auch wenn sie das nicht zugeben möchten – und dass Mann mit diesem Mittel genau diese Traumform erreicht! Irgendwie hat auch das nicht gezogen. *g*

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  2. Ich denke, es wird einfach gerne mit der Illusion Geld gemacht, dass die ganze Welt sich um den Penis dreht. So toll kann er gar nicht sein, dass ich nicht immer noch andere Größe- und Form-Qualitäten des Mannes für wichtiger und weitaus befriedigender hielte, zum Beispiel charakterliche Größe und emotionale Form.

    Dass Frauen ihre Vorliebe nicht zugeben möchten, ist natürlich ein rhetorisch schwer zu widerlegendes Statement. Bejaht eine Frau ihre Vorliebe für diese gewisse Form und Größe, zählt das als PRO für die Statistik, verneint sie sie, zählt es auch als PRO, weil sie es eben nur nicht zugibt. Patt.

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  3. Diese Patt-Situation hat auch schon Freud ins Leben gerufen. Wenn sich ein Patient etwa bei der Traumdeutung einem aufgedeckten Trieb gegenübergestellt findet, dann erkennt man die Richtigkeit dieser Theorie daran, dass der Patient widerspricht. Je heftiger dieser widerspricht, desto wahrer und schwerwiegender ist diese Erkenntnis. Allerdings ist sie natürlich auch richtig, wenn er zustimmt.
    Freiheit für den Analysten, yeah!

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