Dialektisches II

Für Außenstehende mag ja ‘österreichischer Dialekt’ schon das sein, was wir als ‘nach der Schrift sprechen’ bezeichnen. Dann sprechen wir nämlich das, was wir unter verständlichem Hochdeutsch verstehen, das ist das gleiche, was im deutschen Fernsehen gegebenenfalls aber trotzdem mit Untertiteln versehen wird. Aber innerösterreichisch gibt es da gewaltige Unterschiede in den Dialekten. Von etwas rauher als Hochdeutsch bis völlig unverständliches Kauderwelsch ist da alles dabei; Reihenfolge von Ost nach West.

In meiner Familie ist das dialektische Erbgut ja ein sehr spezielles, wie ich schon einmal berichtete.

Dialekte sind meiner Ansicht nach dazu da, um die Sprache wesentlich zu verkürzen und zu vereinfachen; um abgekürzte Wörter zu liefern, und die Schmiere zwischen den Wörtern, sozusagen. Damids beim Redn net quietscht.

Einzelne Ausdrücke laufen dieser meiner Kürzungstheorie aber zuwider. Zum Beispiel das schöne Wort, das die Mutter eines Freundes gerne anstatt des Wortes ‘Durcheinander’ benutzt: Duacharanaund.
Es hat sich auch nicht wirklich ein paar Silben erspart, wer – statt dem simplen und kurzen Wort ‘Depp’ – sagt: ‘Fetznschädl, unnedicha’. Aber es geht eben auch um das klangliche Erlebnis. Und man will in Übung bleiben.

Mein Mann ist gebürtiger Kärntner. Er hat zwar seine frühe Jugend in Wien verbracht, die spätere aber in Kärnten. Viele sagen, man hört bei ihm nichts mehr vom Kärntnerischen. Ich aber bin bei ihm ständig auf der Jagd nach Ausdrücken und Aussprache, die sich von meinem Niederösterreichisch unterscheidet.

Gestern wurde ich wieder fündig. 7. Sieben. Er sagt: sime. Ich sage: siwane. (Für meine deutschen Freunde: Die Betonung ist jeweils auf dem i.)
Ich erwähne das. Mein Mann kennt mich und auch mein dialektisches Kürzungstheorem gut, also fragt er natürlich nach, was denn nun so viel bequemer sei an dem immerhin um eine Silbe längeren siwane. Darauf meine – später von ihm als bloggenswert bezeichnete – Antwort:

Weil der Niederösterreicher an sich es umso bequemer findet, je seltener er den Mund schließen muss.

8 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Als ein gutes Mittel, die sprachliche Herkunft zu bestimmen, gelten (zumindest in Deutschland) die jeweils benutzten Worte für a) das Innere eines Apfels, das nach dem Essen übrig bleibt, b) das Ende eines Brotes, c) wie jemand zu 16:45 sagt.

    T.M. sagt:
    a) der Griebsch
    b) der Kanten
    c) dreiviertel fünf (logisch, oder?)

    Schweizerisch ist komplizierter. Hier kann ich folgende Seite empfehlen, die einen echten Schweizer absolut zielsicher in sein Tal (und sonst nirgendwohin) führt:

    http://dialects.from.ch/

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  2. Etosha sagt:
    a) der Butzen (oder auch: das Kernhaus)
    b) das Scherzerl
    c) dreiviertel fünfe (eh kloa)

    Was die Schweiz betrifft, so würde ich am ehesten – mit 57% Übereinstimmung – in folgende Ortschaften passen:

    Gurtnellen, Meien-Dörfli, Göscheneralp, Hospental.

    Ob de mi duat vaschdengan?

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  3. Iwi sagt:

    a) der Krutza (wobei dieses a kein a ist sondern dieser Laut, den man von sich gibt, wenn man nach dem nächsten Wort sucht)
    b) der Kanten
    c) dreiviertel fünf (freilich!)

    hobt’s mi? (das war allerdings nicht iwisch)

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