Car of many colours

Ihr erinnert euch vielleicht an meine Testberichte, als ich letztes Jahr ein paar Autos probefuhr (Juke, Mito, C30, i30). Die Autos waren ja alle eh ganz nett, aber irgendwie hat mit keinem davon bei mir die große Liebe zugeschlagen. Immer dachte ich an irgendeiner Stelle: Bei meinem Peugeot ist das aber besser. Hat man viel Zeit miteinander verbracht, dann kommt einem Verliebtheit überbewertet vor. (Außerdem hat sich gezeigt, dass Verliebtheit auf Hirnchemieebene nicht von einer neurotischen Zwangsstörung unterscheidbar ist. Das gibt einem doch zu denken!)

Die Autos sind heute ungemein wuchtig, selbst vermeintliche Kleinwagen sind zu lang für die Parkplatzsuche in der Stadt, und die Fensterlinien sind allesamt so hoch, dass ich als Zwuckerl kaum die Nase über die Türkante heben kann, um ein bisschen davon mitzukriegen, was sich draußen in der Welt gerade abspielt. Man fühlt sich da drin heutzutage wie ein zu klein geratener Superheld in einem Hautpanzer mit ABS.

Überraschenderweise stellte ich fest: Ich will mein Auto gar nicht hergeben! Es bietet jede Menge Raum auf wenig Länge, für Hundefahrten ist es ideal, weil ich den Laderaum mit Ikea-Kisten und einer ausgeklügelten Befestigung so adaptiert habe, dass auch ein Hund von kleinerem Wuchs bei den Fenstern rausschauen kann. Kurz – es erweitert meinen persönlichen Wohnraum auf angenehm genügsame Weise, wenn es auch schon etwas abgewohnt wirkt. Ja, ich hätte gern einen sechsten Gang, und ja, ich (i.e. der Rheumatiker in mir) hätte gern eine Sitzheizung – aber ohne lebt man auch weiter.

Also hab ich beschlossen, ich behalte den 206er, und ließ machen, was man halt so machen lässt, wenn man sein Auto noch länger haben will, also vor allem den Zahnriemen und noch ein paar andere Kleinigkeiten. Dann touchierte mich (respektive das alleingelassene Auto) vor ein paar Wochen ein unkoordinierter Unbekannter, sodass es eine Stelle gibt, an der ich Rost verhindern will. Dazu kommen ein paar hässliche Motorhauben-Kratzer von Katzen, die sich nachts gerne auf meinem Auto zu Tanz und mehrstimmigem Gesang versammeln, und ein paar andere Dellen da und dort.

Plan A war, die Stellen bei Lucky-Car ausbessern zu lassen und dem Tschihuu dann eine Folierung vom Spezialisten zu gönnen. Muss ja sowieso jedes Teil separat foliert werden, dachte ich, und ich bin auch selber ein bunter Vogel, also wenn schon, dann bunt! Ich strecke also die Fühler zu persönlichen Gesprächen aus, ziehe aber den linken schnell wieder ein – der Folierer zeigt nur mäßiges Interesse an dem Job. Er rückt keine Farbkarten raus und hat neben seinem Schreibtisch auch keinen Sitzplatz für Kunden übrig.

Ganz anders ist das bei Lucky-Car Wien auf der Pragerstraße, wo ich wegen der Reparaturen hinfahre. Nicht nur kann man dort seinen Hintern auf einem Stuhl parken, der Betriebsleiter ist auch noch ein ungemein netter und witziger Mensch, mit dem es sich gut plaudert. In einer Nachdenkpause von einigen Tagen ersinne ich Plan B: seine Vielfarben-Willigkeit zu sondieren – und siehe da, wir werden uns ganz schnell einig, und nicht nur das, er freut sich sogar drauf!

Ich bekam ein paar (ungefähr 975) Farbkarten übers Wochenende mit, zur ausgiebigen Meditation. Mit der Aufgabe, eine Farbkombination zu ersinnen, hab ich ziemlich lange herumgesch.., äh, -probiert, das war gar nicht so einfach und hoffentlich am Ende eine gute Wahl. Insgesamt sind es sieben Farben, mithilfe derer sich mein Auto künftig gegen die zunehmende Eisblau-Aber-Insgesamt-Grau-Übermacht auf der Straße behaupten wird. (Ist euch übrigens schonmal aufgefallen: Je grauer das Auto, desto unwahrscheinlicher, dass mit Licht gefahren wird.)

Seit letzter Woche steht der Peugeot jetzt bereits bei dem Lackierbetrieb mit der quietschgelben Glücksverheißung. Es muss ja zuerst geschliffen und ausgebessert werden, dann müssen viele Teile separat abgedeckt werden, sie müssen trocknen, dann kommt die nächste Farbe. Bis heute konnte ich Martins Auto benutzen. Für die Zeit danach kriege ich ein geliehenes Lucky-Car, und um mir logistisch herausforderndes Herumgegurke zu ersparen, holte mich der erwähnte nette Betriebsleiter heute von daheim ab (!) und fuhr mit mir zur Werkstatt.

Dort steht mein Tschihuu zur Zeit vermummt herum, wo mit ausgeklügeltem Schlachtplan und Liebe zum Detail daran gearbeitet wird.

Ich bin ja schon so gespaaaannnt!

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8 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. also jetzt bin ich ja auch gespannt!

    und ja, „je grauer das auto, desto aus-er das licht“ kann ich bestätigen, erweitert um dunkle kleinwagen nächtens.
    putzigerweise erbost/belustigt sich mein gatte im sehr über lichtlose zeitgenossen auf den straßen. neulich fuhren wir nächtens so dahin, ich fand es irgendwie recht duster, sagte aber nix (man hat ja manchmal so tage, da isses alles zu finster). als wir die (beleuchtete) stadt verließen, rollten wir plötzlich im finstern. mit >80 km/h. auf der bundesstraße. große verdutztheit beim gatten, dann der aha-effekt: der panzerkreuzer war in der werkstatt, und dort hatte man die licht-einschalt-automatik abgeschaltet. von den anderen autofahrern hatte sich aber keiner getraut (?), den panzerkreuzer anzublinkern, um ihn mal drauf aufmerksam zu machen. seither prüfen wir beide wieder regelmäßig, ob auch wirklich licht an ist an unseren fahrbaren untersätzen.

    übrigens und ein bisschen off topic: hier ein film zum thema „gesehenwerden“: http://vimeo.com/108332712 – ich finde den _sehr_ beeindruckend (zumal ich ja auch oft auf dem rad unterwegs bin).

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    • Das mit der plötzlichen Finsternis, wenn man aus der Stadt rausfährt, ist mir aber auch schon passiert. Gut, dass ich kein graues Auto fahre! Also, auch schon vor der Lackieraktion nicht – die Originalfarbe ist blau. „Feuerblau“ sagte ein Freund, und das fand ich gar nicht so unpassend. :D
      Video schau ich mir morgen an!

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  2. Das ist es eben, ich will mein Fahrzeuch eben auch nicht hergeben. OK, er ist jetzt zehn Jahre alt geworden, aber es war doch irgendwie erst gestern, daß ich ihn gekauft hab, oder? Und ja, ich muß jetzt einmal im Jahr (und zwar immer im dümmsten Moment) einen Liter Öl nachkippen, das mußte ich früher nicht. Aber ich hänge dran. Ich wüßte nicht, was ich jetzt für eins kaufen sollte.

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      • Einen der letzten gebauten (und also ausgereiftesten) Skoda Octavia aus der ersten Serie, Combi, Baujahr 2004. Es gab schon das Nachfolgemodell, aber alle, die später kamen, waren grösser, schwerer und irgendwie klobiger.

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        • Aaaahja :) Martin fährt einen Superb. Und hatte vorher auch einen Octavia. Er schwört ja drauf und motzt immer, wenn er mietwagenmäßig im Auslandsprojekt was anderes fahren muss. Ich finde beide motorisch grandios, aber die Sitze sind für kleine Leute einfach nicht gemacht. Meine Schultern und mein Rücken sind dagegen.

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