Stöckchenfang

Die verehrte Frau LaMamma und ich, wir lesen einander schon sehr lange. Unglaublich lange, für so ein schnelles Medium, in dem der Gesterntag doch gestern schon so ferne lag.

Nun fand ich bei LaMamma von ihr selbstgestrickte Fragen zu einem Liebster-Award-Stöckchen, das ich gerne auffange – in Ermangelung anderer Themen, die derzeit allesamt ein wenig zu heikel sind, um sie hier öffentlich zu behandeln. Ich fange es außerhalb der Regeln, daher stelle ich auch keine neuen Fragen und nominiere auch niemanden.

1. Welches Buch schaffst Du nicht, fertig zu lesen?
Viele. Ich lese eigentlich überhaupt ziemlich selten Bücher zu Ende, Romane ausgenommen. Angefangene liegen jedoch genügend herum, vor allem Sachbücher. Eines davon ist Thinking, fast and slow von Daniel Kahnemann, ein sehr erhellendes und gut verständliches Buch über das menschliche Denken. Ich bin in der Druckversion ungefähr bei der Hälfte stehengeblieben, dann las ich es am Kindle weiter, hab also im Grunde keinerlei Ahnung, wo ich da gerade wäre. Aber – guter Hinweis!

2. Welches Ziel (örtlich) sollst Du aus Dir nicht nachvollziehbaren Gründen einfach nicht erreichen?
Ein tschechisches. Zwei eigentlich. Der gemeinsam mit meinem Cousin Aleš geplante Besuch ebenso bejahrter wie entfernter tschechischer Verwandter, zum Austausch von Heißgetränken und Ahnenforschungs-Informationen, wurde nun schon in zwei Fällen durch das vorzeitige Ableben des jeweils Angepeilten jäh vereitelt. Ich habe ein bisschen Angst, einem weiteren tschechischen Verwandten einen Besuch anzudrohen.

3. Welches Ziel (inhaltlich) hast Du irgendwann mit Freuden „aufgegeben“?
Jemand anderer sein zu wollen als ich selbst. Mit kleinen Aussetzern natürlich, so wie jeder Mensch.

4. Wen rufst Du um drei in der Nacht an, wenn Du um halb drei in der Nacht jemanden anrufen musst?
Ich lasse mir keine halbe Stunde Zeit und rufe gleich um halb drei meine beste Freundin N an. Die weiß, was zu tun ist. Oder, falls ich dann doch um diese Uhrzeit eine halbe Stunde lang über die Uhrzeit nachdenke, rufe ich um drei meine Mama an – die ist da wahrscheinlich noch auf.

5. Was hast Du im nächsten Jahr vor?
Ich werde noch mehr ich selbst sein und in diesem Zusammenhang herausfinden, was ich brauche, für mich. Ich werde mich prompt umdrehen und gehen, wenn ich mich missachtet fühle. Außerdem möchte ich möglichst viel lachen und mir möglichst wenig Sorgen machen.

6. Für welchen Sport bist Du total ungeeignet und warum?
Ich fürchte, für fast jeden, insbesondere solche, die mit Winterkälte oder mit Schwitzen verbunden sind. Haha. Ich bin rheumabedingt eingeschränkt, außerdem undiszipliniert, bewegungsfaul, unkoordiniert und schwitzunfähig. Spiele aber ganz gerne Tischtennis. Schwimmen geht auch.

7. Kannst Du/Magst du Menschen fotografieren?
Ja, das kann ich. Ich mag es nicht immer, aber ich konnte es in Palau ganz gut bewältigen, Portraits von 40 Mitarbeitern für die PICRC-Website zu knipsen. Gute Portraits. Lächelnde Portraits. Es war heiß, es war anstrengend, ich hatte eine Assistentin, und ich liebte jede Minute. Die Nachbearbeitung allerdings war ein echter Horror-Marathon.
Am liebsten mache ich (geplante und dann auch gute) Fotos von Menschen, die sich nicht gerne fotografieren lassen, und freue mich über ansehnliche Ergebnisse, die diesen Menschen diese Abneigung ein bisschen nehmen.
Wenn ich erstmal fragen muss, ob ich jemanden fotografieren darf, dann möchte ich eigentlich nicht so gern. Ich knipse lieber heimlich, wenn die Menschen sich unbeobachtet fühlen. Aber dann traue ich mich meistens nicht, die Fotos auch zu veröffentlichen.

8. Rechnest Du im Restaurant die Rechnung nach?
Nur überschlagsmäßig, ob die Größenordnung mir plausibel vorkommt. Manchmal rechne ich voraus, wenn händisch auf einem Block addiert wird – ich bin selbst beim Verkehrt-Draufschauen meistens schneller als die Kellner. Die rechnen so umständlich, kommt mir vor.

9. Kennst Du jemanden, der schon einmal im Gefängnis war?
Jein. Der betreffende Mensch ist leider schon gestorben.

10. Wie lange brauchst Du, um ein Möbelstück auszusuchen?
Von zwei Sekunden bis mehrere Tage ist da alles drin. Spontane Verliebung kommt ebenso vor wie ewiges Gesuche nach einem genauen Maß oder einem bestimmten Feature. Im Grunde aber eher lang.

11. Wem bist Du dankbar?
Meine Dankbarkeit ist eine von der Sorte, die den Menschen ewig nachschleicht. Ich bin für Kleinigkeiten ebenso dankbar wie für große Dinge, für Hilfsangebote ebenso wie für echte Hilfe.
Ich bin meinen Eltern dankbar, dass sie mir bei größtmöglicher Freiheit eine so innige Liebe angedeihen ließen und immer noch lassen. Meinen engsten Freunden für die vielen Freundschaftsbezeugungen, die ich täglich genießen darf, und dafür, dass ich mich blind auf sie verlassen kann. Für die geradezu bedingungslose Zuneigung, die mir auf Twitter zuteil wird, bin ich sehr dankbar, und ebenso für die vielen anderen liebevollen, hilfsbereiten Gesten von Menschen, für Abschnitte in meinem Leben, als die Liebe eines Menschen mich über einen Abgrund trug.
Ich erinnere mich, dass mein Bruder mir ein Giraffen-Stofftier ins Krankenhaus mitbrachte, als ich wegen der Nierensteine drin war, und für mich in barschem Tonfall bei der oberzickigen Oberküchenschwester laktosefreie Menüs organisierte. Dafür bin ich ihm sehr dankbar. In einer schwachen Position ist die Dankbarkeit wohl am größten.
Und dankbar bin ich meiner besten Freundin N, die nie sauer ist, wenn ich sie mitten in der Nacht anrufe. Oder meiner Mama. Je nach Uhrzeit.

Off topic: Vertipper des Tages: Ahnungsforschung.

4 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. blogtechnisch unbedarft schreib ich s auch gleich abgewandelt hierher. auch weil mir vieles die letzte woche ganz schön durch den kopf gegangen ist …

    listopad

    chytrá
    unavená
    žena
    mluvila

    blätterfall,
    widerhall
    seiten füllen
    worte hüllen
    glätter schlittern
    weiter twittern

    remember
    november
    *

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