Schönes neues Wohnen

Letzten Dienstag sind wir umgezogen, von unserem chaotischen, schrankfreien PICRC-Zimmer in ein schönes, neues Apartment in Ngermid Hamlet. (So heißen hier die Stadtteile: Hamlet. Klingt seltsam, ist aber so.) Das ist ein Dorf nahe an der Stadt Koror. Richtung Norden und dann rechts runter, vorbei am Hotel Green Bay, etwa drei Meilen vom Institut entfernt. Das Green Bay hätte Aussicht aufs Meer gehabt – wir haben jetzt keine. Dafür haben wirs schön kühl im Erdgeschoss.

Ich sehnte mich ja nach etwas Ruhe – hier beim Aquarium sind andauernd irgendwelche Pumpen in Betrieb, Generatoren und Klimaanlagen, motorisierte Laubbläser, Boote und so weiter, es ist ein ständiges Gebrumme und Gewummere. Draußen am Land (hihi) ist es ruhiger – und sogar kühler. Wir kennen das ja von daheim. Das schönste aber ist: Das Apartment kostet exakt halb so viel wie unser kleines Zimmer hier. Wir hatten es ein paar Tage lang ziemlich schwer, uns zu entscheiden. Es gab mehrere Optionen – verschiedene Kollegen fahren in der zweiten Dezemberwoche nach Hause, da wird also einiges frei, das bereits mit Geschirr, Töpfen, Pfannen, Teppichen, Polstern und Bettwäsche ausgestattet ist – und ein Apartment davon sogar mit einem Balkon mit Aussicht aufs Meer – allerdings liegt es direkt an der Hauptstraße, in einem nicht so schönen Haus mit nicht so vertrauenserweckend wirkender Nachbarschaft – und der jetzige Mieter sagt, die Vermieter seien Arschgeigen.

Das Ngermid-Apartment ist zwar möbliert, zusätzlich gibts einen Kühlschrank und einen Herd, aber sonst ist dort halt nix. Also haben wir hin- und herüberlegt, was wir am besten nehmen sollen, und wie lange wir warten wollen/können. Schließlich fiel die Wahl auf das neu renovierte, aber ausstattungsfreie Apartment.

Man hat uns dann aber seitens des Vermieters (bzw der Administratorin des Vermieters) sogar netterweise ein kleines Startpaket geschnürt, bestehend aus ein paar Tellern und Küchenutensilien, einem Reiskocher, einem Toaster sowie Bettwäsche und Handtüchern. Das alles ist zwar gebraucht, aber sehr liebevoll zusammengetragen, und wir haben uns darüber unheimlich gefreut. Den Rest schaffen wir dann schon.

Schön langsam halt, denn einkaufen gestaltet sich, wie schon mehrfach berichtet, gar nicht so einfach: Man weiß nicht genau, wo man am besten was sucht, welche Größenbezeichnungen etwa für Bettwäsche überhaupt gebräuchlich sind (was genau ist “full size”, was “queen”, was “king”?), und wie man das alles nach der Arbeit unter einen Hut kriegt. Es ist nicht so wie bei uns, dass man für Bettwäsche einen Bettwäscheladen aufsucht und für Haushaltsgegenstände einen Haushaltswarenladen. Alle Supermärkte haben ein anderes Sortiment, die Department Stores sind oberhalb davon; manche haben viel Büromaterial, aber kein Elektro, bei anderen ist es umgekehrt, überall stiefelt man ewig durch die Gänge und findet Dinge, die man gar nicht gesucht hat, aber trotzdem praktisch findet, während man andere, die man gerne hätte, niemals findet. Und es gibt unzählige weitere, kleinere Märkte, die auch alle irgendwas haben – oder auch nicht. Zwischendurch muss man sich natürlich immer wieder darüber einig werden, was man braucht und was nicht.

Was es zB gar nicht gibt, ist ein ordinärer Wäscheständer – so einer aus Metall, zum Auseinanderklappen, auf den man die gewaschene Wäsche in größerer Anzahl zum Trocknen aufhängt. Gibts net. Wäsche zum Aufhängen gäbs dagegen genug – Badetücher, Handtücher, Badehosen, Wäsche, die nicht in den Trockner soll.
Es gibt die kleinen Wäschehängedinger in rund, die oben einen Haken haben, und an denen unten fünfzehn Klammern dranhängen, die aussehen wie ein Kopfhaut-Foltergerät aus der Plastikrevolution. Ich fand ein seltsames Ding aus Holz, das aus allerlei rechtwinkelig zusammengesteckten Rundhölzern bestand und in dem Moment auseinanderfiel, als ich es etwas schärfer ansah. Und es gibt Kleiderhaken, die superrutschig sind, und eine Wäscheleine hinter unserem Haus, die nur zu einem sehr kleinen Teil ihrer Länge unter einem Balkon in regengeschützter Position hängt. Und selbst dieser Teil hängt in 90%iger Luftfeuchtigkeit, da ist kein allzu rasantes Trocknungstempo zu erwarten.

Nur sehr schwer aufzutreiben war ein Mülleimer für die Küche, der einen Deckel hat und nicht gleich 30 Dollar kostet. Offen stehender Müll ist in der Hitze natürlich ein absolutes No-Go. Ich war sehr viel auf Schnäppchenjagd in letzter Zeit.

Was es auch nicht gibt, sind ganz ordinäre “Ausreibfetzen”, also jene grauweißen, großen, grob gewebten Lappen, mit denen man bequem einen Boden aufwaschen kann, wenn man zur Fetzenführung einen hundsordinären, breiten, kurzhaarigen Besen zur Verfügung hat – den es zwar schon zu kaufen gibt, aber nicht unter 15 Dollar. Wir sind nicht arm und auch nicht knickrig, aber wenn man sich für nur vier Monate einen Haushalt ausstattet, schaut man schon ein bisschen, dass einem die Dollars nicht gar so flott durch die Finger rinnen.

Ein weiteres “Gibts nicht” sind ordentliche Regenjacken. Ich hab meine aus Gepäckabschlankungsgründen leider daheim gelassen und dachte naiverweise, in einem Land, in dem’s so viel und so lange regnet, werden sie die einem doch zu asiatischen Preisen hinterherwerfen. Dem ist allerdings nicht so. Jetzt hab ich eine sehr große, schwarze Regenjacke mit einer Drachenstickerei auf dem Rücken, mit Dreivertel-Fledermausärmeln ohne Gummizug, die als Windkanal dienen, sodass sich die Jacke am Boot bei Fahrtwind aufplustert, und ich aussehe wie ein Ungeheuer aus einem chinesischen Sumoringer-Science-Fiction-Trashmovie. Dafür hat sie aber auch keine Kapuze.

Doch es gibt andere Dinge: Root Beer, das mag Martin sehr gern und zischt sich jeden Tag zweidrei davon rein. (Das ist alkoholfrei!) Skippy Erdnussbutter – detto. Schokolade mit Knusperreis. Zuckerrohr zum Knabbern. Homemade Kimchi (scharfes Gemüsezeugs, oft Gurken oder Radi, gerne auch Kohlblätter, oder gemischt). Vorgekochte Tapioca (stärkehaltige Wurzel, schmeckt nach nicht viel, hat aber nette Konsistenz, super als Beilage). Und es gibt an jeder Ecke einen Massagesalon – das ist heute meine nächste Anlaufstelle, sobald ich diesen Eintrag hier fertiggestellt habe. Martin ist noch draußen, Taucher befragen und seinen furchtbar langen Arbeitstag in einer furchtbar türkisen Bucht absitzen.

Meine übernächste Station ist dann der WCTC-Department Store – denn wir brauchen einen billigen Tisch für Outdoor. Da oben, in Ngermid Hamlet, gibt es nämlich – anders als hier direkt am Meer – abends keine Moskitos, und ich möchte abends draußen sitzen und schreiben!

Das mit der Ruhe im neuen Apartment ist aber so eine Sache. Grundsätzlich ist es da draußen in Ngermid schon sehr schön still, und wenn man etwa aus dem Red Roosters Cafe, wo es auch das lokale gleichnamige Bier gibt, nach Hause kommt und sein Hühnchen verdaut, hört man außer dem Geglucker im Bauch nur die Vögel grillen und die Zirpen zwitschern.
Was aber am lautesten zwitschert, sind die Hähne und die dazugehörigen Hennen, und zwar sehr früh am Morgen, wie man das von einem soliden Hahn erwarten würde, aber auch in großer Anzahl. Einen Kater sollte man aus dem Red Roosters also nicht mitbringen, denn ausschlafen ist höchstens bei geschlossenen Fenstern möglich. Man gewöhnt sich natürlich auch daran, aber als mich am ersten Morgen das Krähophon weckte, war mir, als stünde der Hahn direkt neben mir, und so taufte ich unser Apartment kurzerhand “The Red Roosters Revenge”.

Wir genießen aber beide sehr die Privatsphäre, die wir dort jetzt haben, den vielen Platz zum Verstauen von Dingen, das eigene Bad mit richtigem Duschkopf zum In-die-Hand-Nehmen, und den ebenfalls eigenen, sehr sauberen Kühlschrank (an dem ich mich schon zigmal verletzt hab, weil der Griff für das Tiefkühlfach so spitz und in Schulterhöhe lauert und sich außerdem gemeinsam mit dem anderen Griff zur Fingerfalle zusammenrottet, aber ich mag ihn trotzdem (noch)).

Nun, der langen Rede kurzer Sinn:
Wir haben ein zweites Schlafzimmer! Es dürfen vier Personen in unserem Apartment wohnen. Falls sich also von unseren Freunden also wirklich jemand entscheiden sollte, uns hier zu besuchen – für eine Wohnmöglichkeit ist schonmal gesorgt! Alles, was ihr braucht, ist ein Flug – und eventuell ein Auto, denn zu Fuß ist es schon ein bisschen weit in die Stadt, und es geht bergauf, und es ist sauheiß. (Bitte Termin vorher mit uns abklären, nicht dass plötzlich sechs Leute gleichzeitig vor der Tür stehen!)

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