Kayak Day

Am Sonntag war ich auf einem Kajak-Ausflug, während Martin seinen dritten Tauchtag hier genießen durfte. Obwohl ich nicht ganz fit war wegen Schulterschmerzen und meines Ellbogens, hielt ich es für eine gute Idee, den Rest des langen Wochenendes sinnvoll zu nutzen – am Samstag war ja sowieso nur Wäsche und Schreiben angesagt.

Die Kajaktour wird von einem Guide von Sam’s Tours namens Jayden geleitet, gemeinsam mit einem Bootsmann und vier polnischen Engländern, die hier auf Urlaub sind, gehts Richtung Rock Islands. Einer der Engländerpolen heißt Albert und wird vom Guide abwechselnd mit Talbot, Alfred oder Malfoy angesprochen. Es sind grün-gelbe und gelb-rote Kajaks an Bord, und dann noch ein violettes. Dreimal dürft ihr raten, für wen das ist! Von den Männern wollte es jedenfalls keiner, El Reisehase und ich haben uns hingegen gefreut. So unterschiedlich sind die Menschen (und die Hasen!)

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Prinzipiell ist so eine Kajaktour eine grandiose Sache – man hört keinen Motor, alles ist so schön still, man hört nur die Vöglein zwitschern und das Wasser gluckern – sofern der Guide nicht einen Sprechanfall hat und die Stille mit Geschichten über Salzwasserkrokodile durchschneidet. Die Tiere unter Wasser flüchten nicht so hektisch, weil das Booterl schön langsam und gleichmäßig durchs Wasser zieht. Das Wasser ist unglaublich klar, man sieht Fische, Korallen und ab und zu sogar einen Manta vorbeischwimmen.

Wenn’s aber gegen die Strömung und/oder gegen den Wind geht, wird’s echt anstrengend. Insgesamt fahren wir zwei Kajakrunden an dem Tag und gehen dreimal schnorcheln, und ich bin als einzige Frau massiv im Nachteil, mit weniger Muckis in den Armen und Beinen und meiner doch eher zurückhaltenden Körpergröße, vom Rheumaschmerz ganz zu schweigen. Der “Guide”, der besser “Ahead” genannt werden sollte, wartet eigentlich nur selten, vielmehr fährt er voraus und bleibt oft nichtmal in Sichtweite, von den polnischen Kraftstrotzern ganz zu schweigen, die sich oft ihre eigene Wettfahrt liefern, sodass ich ständig hinterherhechle, und das alleine und am Schluss auch körperlich völlig überfordert. Es ist also ein zwiespältiges Erlebnis – eine unfassbar prächtige Naturkulisse, die ich sicher nie vergessen werde, aber auch Überanstrengung und Frustration.

Zuerst fahren wir mit dem Boot zu einer Insel, hinter deren Außenwand sich der Hidden Lake versteckt, besteigen dort nacheinander unsere Kajaks und paddeln mal drauflos. Niemand wird gefragt, ob er das schonmal gemacht hat, und es gibt auch keine Tipps. Man paddelt einfach mehr oder weniger talentiert vor sich hin. Nach einigen Metern im Schatten der Undercuts¹ erreichen wir einen kurzen Tunnel, der naheliegenderweise nur bei Ebbe befahren werden kann. Dahinter liegt der “Hidden Lake”, mit seinen Korallen, seinem klaren Wasser und den Quallen, die dort hausen, umgeben von Fels und Berg, auf dem sich allerlei Grünzeug drängelt – Drachenbäume, Orchideen, Palmen.

  1. Das sind die Einbuchtungen der Inselchen unten an der Wasserlinie, der Fels wird von den Gezeiten nach innen ausgewaschen, und die Inseln erscheinen bei Ebbe als die typischen “grünen Pilze”.

Wir erreichen durch den Tunnel wieder die Außenseite der Insel, hängen dort unsere Kajaks aneinander, verräumen unser Zeug in die Sitztaschen und steigen mit Maske und Schnorchel aus, um den Korallengarten zu bewundern, der sich an dieser Insel im Undercut verbirgt. So viele und so bunte und ungewöhnliche Korallen auf einem Haufen, es ist spektakulär! Nach dem Schnorcheln steigen wir an einer seichten Stelle wieder in die Kajaks ein und paddeln zwischen ein paar Inselchen gegen den Wind zurück zum Boot. (Erstes Mal klar überfordert.)

Mittagspause machen wir an einem langen, weißen Strand wie aus dem Bilderbuch. Am linken Ende liegt ein Teil eines alten Flugzeugmotors im Sand, er steckt dort seit Ewigkeiten fest. Einer meiner englischen Polen sagt: “No problem, I can fix this”.

Für den Long Lake ist es noch zu früh, die Kanälchen, die dorthin führen, sind noch nicht genügend mit Wasser bedeckt, aber die Flut ist schon auf dem Weg zu uns. Also machen wir einen kurzen Stopp an einem Riff zwischen zwei größeren Inseln und lassen uns schnorchelnd vom kräftigen Strömungstaxi ein paar hundert Meter am Riff entlangtreiben. Ich hab in meinem Leben noch nie dermaßen viele Fische auf einem Haufen gesehen! Jedes Aquarium ist dagegen eine fade Ödnis. (Und meine Fotos auch.) Da streiten die Schwärme um ihren Platz, da gibts schwarze, blaue, orangefarbene Fische in unüberschaubarer Menge, kleine, große, weiter unten richtig große Fische. Direkt vor der Maske wirkt es so, wie man sich große Mengen Plankton vorstellt, mitten in den Schwärmen tausender Tiere wird man dahingetragen und kann gar nicht so schnell schauen, wie man vorbeitreibt.

Nach diesem hurtigen Kurzausflug gehts schließlich zum Long Lake. Zuerst müssen wir vom Boot aus die Brandung in Richtung eines Strandes überwinden – immer schön mit dem Rücken zur Welle, und bloß nicht querstellen lassen! Das Kanälchen zum Long Lake zweigt dann an den Ausläufern der Brandung rechts vor dem Strand ab, es geht mitten durch Mangrovenwälder. Es ist immer noch sehr seicht, an einer Stelle müssen wir sogar aussteigen und die Kajaks über eine sandige Erhebung ziehen, um weiterzukommen. Zu Fuß wär’s schneller, aber man treibt mit der Strömung und muss nicht viel tun, außer aufzupassen, dass man nirgends hängen- oder steckenbleibt.

Das Mangrovenkanälchen führt schließlich hinaus in offenere, langgezogene Gewässer mit einigen Inseln. Dort wird eher ziellos herumgepaddelt. Ich erspare euch hier die lange Geschichte von dem Guide, den man sucht und schließlich in seinem Kajak dösend hinter jenen Büschen findet, die den Eingang zum Kanälchen verdecken, und von meiner Frustration über die mangelnde Begleitung. Es versteht sich aber, dass das Mangrovenkanälchen während des ziellosen Herumpaddelns Zeit hat, zum Kanal anzuwachsen, und dass man es gegen die Strömung zurückrudern muss, und dann schließlich auch noch gegen die Brandung zurück zum Boot muss. (Überforderung Nummer zwo.)

Ich bin völlig am Ende, als ich aus dem Kajak steige, und auf der Rückfahrt ist mir eiskalt in meinen nassen Sachen – keine Zeit, meine Tasche im Compartment zu suchen, da sitzt einer drauf, und es geht sofort los, Tempo, Tempo, schaukel, schaukel, eine Stunde lang zurück nach Malakal.

Mein Muskelkater war nicht von schlechten Eltern, aber heute ist es schon besser, und um 17:30 hab ich einen Massagetermin bei Angel, der Masseurin, die der Himmel schickt.

Ich hab mich bemüht, alles Schöne für euch einzufangen, damit ihr es auf den Fotos völlig unangestrengt genießen könnt! Enjoy!

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