Euer Merkwürden

Was an mir merkwürdig ist, will der Kristof wissen. Hm, man findet sich ja selbst ganz normal – man lebt ja mit sich. Wenn also jemand in der Aufzählung etwas vermissen sollte, dann ab damit in die Kommentare!

Ich bin ein Chaot. Meine organisatorische Kompetenz in Sachen Zettelwirtschaft und mein strukturelles Denken ist angelernt. Ab und zu müssen diese erworbenen Fähigkeiten dem nervigen Chaos Einhalt gebieten. Dem Chaoten ist der maßregelnde Wichtigmann ein Dorn im Auge. Die beiden inneren Kontrahenten verstehen sich also nicht allzu gut.

Ich lasse beim Essen fast immer eine Kleinigkeit übrig. Geht einfach nicht mehr rein.
Die Komponenten eines Essens passen gut zusammen, wenn alle gemeinsam im Mund gut schmecken. Der perfekte Happen heißt ‘von allem ein bisschen’; daher brauch ich von jeder Beilage gleich viel. Ist nur noch Fleisch oder Fisch oder nur noch Gemüse am Teller, dann mag ich nicht mehr weiteressen.

Morgens trinke ich Schwarztee. Die Entscheidung, ob mit Milch oder mit Zitrone, treffe ich anhand einer Schnupperprobe am frisch gebrühten Tee; diese kann bei ein- und derselben Teesorte von Tag zu Tag anders ausfallen. Riecht der Tee schon ‘irgendwie nach Zitrone’, darf da keinesfalls Milch rein. Klar.

Wenn ich singen will, singe ich. Im Supermarkt. Unter Brücken mit tollem Hall.

Ich hab einen ausgeprägten Tick für Kleidung, insbesondere für Jacken und Hüte. Ich glaube, er ist genetisch bedingt. Mein Vater hat für heuer Übergangsjackenkaufverbot – von seiner Frau.

Ich kommuniziere mit Pflanzen. Sie sagen mir, was sie wollen, und was sie für mich tun können.
Ich nehme oft Pflanzensamen mit und setze sie daheim ein.

Im Traum mache ich oft Fotos von der Gegend. Nur die Schnittstelle für den Download hab ich noch nicht gefunden.
Bis dahin schreibe ich meine Träume nur auf. Mein erstes Notebook wurde nur für diesen Zweck angeschafft.

Ich habe nur selten Taschentücher, aber immer Zahnstocher dabei.

Bei Gerüchen, Geräuschen, Musik, zwischenmenschlicher Stimmung, Berührtem, Temperatur, Ästhetik, Farben (usw) bin ich sehr empfindlich.

Beim Einparken schalte ich die Musik aus. Stört beim Einparken auf Gehör. ;) Auch beim Arbeiten mit Zahlen hab ich keine Musik laufen. Und schon gar nicht beim Einschlafen. Musik als Berieselung zu verwenden ist mir überhaupt eher fremd.
Ich nehme sie auch zumeist nicht als Ganzes wahr, wie viele Menschen das können, sondern eher einzeln, nach Instrumenten und Stimme getrennt.

Ich finde immer Tippfehler. Zuletzt sogar in den Nachrichten in einer Nahaufnahme der Schriftform des neuen Regierungsprogrammes.
(Apropos Programm, wer hat noch bemerkt, dass auf der Titelseite des vorletzten TV-Media ‘Das beste TV-Pogramm‘ stand? Pogramm – was heißt das? Mit dem Hintern unterschrieben?)

Ich kann das oberste Fingerglied von Zeige- und Mittelfinger einzeln abbiegen, ich gehöre zu den Menschen, die die Zunge seitlich einrollen und die Brauen einzeln hochziehen können, ich habe einen lumbosacralen Übergangswirbel, auch als LWK 5 bekannt, und ein Feuermal über der Oberlippe. Außerdem hab ich einen Muskel links unterhalb der Unterlippe, den ich einzeln betätigen kann. Rechts kann ich das nicht.
An manchen Tagen muss ich unbedingt Naturstoffe tragen, da ertrage ich kein Polyester auf der Haut. Danach ist es mir wieder völlig schnurz.

Ich bin ausgesprochen undiplomatisch. Merkwürdig ist das allemal, das merkt sich nämlich jeder.


Weil Adda die erste Stöckchennochnichtgehabthaberin ist, die kommentiert hat, fliegt es ihr sogleich hinterher.

14 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Ich kann nur die rechte Braue einzeln hochziehen. Aber Zungenrollen kann ich auch …

    Das mit dem undiplomatisch habe ich aber noch nicht gemerkt.

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  2. Leute, die den ganzen Tag mit einem MP3-Player rumlaufen und sich berieseln lassen, sind mir auch irgendwie fremd.

    Den Muskel an der Lippe kann ich rechts bewegen, aber die Augenbrauen einzeln hochziehen geht dafür gar nicht.

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  3. Ha! Hab in meiner Versunkenheit völlig vergessen, das Stöckchen weiterzuwerfen!
    Adda! Jetzt bist du dran! *grins*
    Und darf ich dein schönes Auge samt seinem Pünktchen in meine winzige Sammlung kleben?

    Kristof, dann sind wir Zungenrollgeschwister im Geist, und auch darin ähnlich, keinen gebrochenen Knochen im Körper zu haben.
    Die Undiplomatie bezieht sich mehr aufs gesprochene Wort, weils nicht ganz so überdacht ist wie das schriftliche.

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  4. Die oberen Fingerglieder von Zeige- und Mittelfinger kann ich auch abwinkeln; wie bei Kristof ist bei mir auch nur die rechte Braue motorisiert; meine Zunge rollt sich auf Befehl ebenfalls längs; und mein rechtes Ohr besitzt auch ein gewisses Eigenleben.
    Oh je, wenn ich damit anfange, fällt mir bestimmt noch mehr ein.

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  5. Ich glaube ja, wenn die rechte Braue motorisiert ist, dann muss es auch die linke sein: Sind beide hochgezogen, müsstest du auch die rechte einzeln fallenlassen können – et voilà, die linke ist oben. ;)
    Nimm’s dir doch mit, das Stöckchen! Ich wollte nur nicht schon wieder dich bewerfen, wird doch sonst langsam auffällig!

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  6. Das mit den Fingern kann ich auch – inkl Ringfinger und kleiner Finger (aber nur rechts)- hab ich von meinem Papa geerbt. Zungenrollen funktioniert auch.

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  7. Willkommen in meiner bescheidenen Pfanne, Katiza!
    Tatsächlich! Ringfinger rechts geht bei mir auch.
    Du kannst dir das Stöckchen gerne mitnehmen, wenn du willst!

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  8. ad Tippfehler: die springen mir direkt in die Augen, darf daher immer die Druckfahnen des Schuljahresberichts korrigieren, auch als Pensionist.
    “Pogramm” war keine Freud´sche, war das Angebot der ORFler letztens nicht für selbigen?
    Schön, dass du zu deiner Undiplomatie stehst, die fast schon perverse Harmoniesucht meiner Landsleute geht mir sowas auf den Keks und Streitkultur ist denen auch fremd…ab an die costa, ab 1.10.

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  9. Sehr anständig von euch, dass ihr in Zeiten der neutextlichen etoshösen Kargheit einfach alte Texte hervorkramt. So solls sein. Als Überbrückung geht das allemal. ;)
    Im übrigen: Recht so, Stephan, jeder braucht ein letztes Loch, aus dem er pfeifen kann!

    Dass ich zur Undiplomatie stehe, erwächst aus der Not. Manchmal wünsch ich mir schon auch ein etwas breiteres Ausdrucksspektrum.
    Andererseits ist es schon schwierig genug, herauszufinden, was man eigentlich sagen will, und es seinem Gegenüber entsprechend klarzumachen. Verschleiert man dies vage Wissen noch mit vagen Formulierungen, dann bleibt von der Message mitunter nicht mehr viel Eindeutiges übrig.

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