Dresscode: rural

Ich gebe niedere Empfindungen, wenn überhaupt, ja nur sehr widerwillig zu, aber in dem Fall bin ich wirklich vor Neid grün wie Spaniens Blüten. Im Fall der verehrten Frau Modeste nämlich, die sich auf wundersame, ja magische Weise eine Familienhochzeit erspart hat. Und meine beschriebene, naturkolorierte Untugend bezieht sich dabei wohlgemerkt nicht auf die zugegebenermaßen beneidenswerte, sehr charmante Erzählweise der Frau Modeste, sondern vielmehr auf den modesten Gewinn in der Schicksalslotterie.

Noch grüner bin ich, seit ich heute morgen in der Post die nachträgliche schriftliche Einladung zu einer Familienhochzeit fand, nachträglich deshalb, weil deren Stattfinden und Termin uns schon länger bekannt ist, und wir unser Beiwohnen bereits zugesagt haben:
‚Wir freuen uns, euch zu unserer Hochzeit, blabla, die am … um …, blabla, Festessen, blabla…‘ So weit, so unspektakulär.

Dann jedoch bleibt mein Auge plötzlich auf einem ganz speziellen Satzfragment hängen. Ich trau’s mich ja kaum hinzuschreiben, es ist, als würde es erst dann Realität… Na los, Eto, durchatmen, puuh, und weiter: Da steht…: Trachtenkleidung erwünscht.

Nun mag der deutsche Leser ja der Überzeugung sein, der Österreicher an sich würde ohnehin stets in Lederhosen respektive Dirndl die optische Wahrnehmung seiner Umwelt peinigen, dies ist jedoch eine urbane Legende.
Der Österreicher an sich, insbesondere der unter 50, oder zumindest der, mit dem ich es zu tun habe, pflegt nämlich nicht, sich in Trachtenkleidung der LächerlichÖffentlichkeit preiszugeben. Wiewohl es einige Exemplare geben mag, die – ähnlich einem Fetisch – solche Bekleidung daheim vor dem Spiegel heimlich anprobieren, wenn mir ein solcher Fall auch nicht persönlich bekannt ist.

Nun habe ich ja im April auf St. Maarten mein persönliches Kleidungs-Shopping-Paradies gefunden. Um festzustellen, ob sich von den dort erworbenen, sagenhaften Kleidungsstücken irgendeines einigermaßen für diesen Zweck eignet, habe ich sogleich alles durchprobiert.

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Wie wär’s mit diesem?
Nö, das geht nicht, da sind nämlich gar keine Hirschknöpfe dran. Und Rüschen leider auch nicht.
Außerdem ist das Dekolletee längst nicht tief genug.
Aber es bringt meinen bunten Teint ganz wunderbar zur Geltung, wie ich finde.

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Hm, was hätten wir da noch?
Ah, dieses Kleid trag ich sehr gerne, auch am Strand, das ist herrlich luftig und sehr bequem.

Hm, aber ich weiß nicht… Ob Batikmuster schon ihren Weg in die Trachtenmode gefunden haben?

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Dieses hätten wir auch noch: Wickelhose mit dazupassendem Oberteil. Harmoniert ganz wunderbar mit meinen Hauttönen.
Man beachte die winzige, neckische Bauchfrei-Zone.
Pluspunkt bezüglich Trachtentauglichkeit: Es hat florale Muster.
Ok, ich vermute mal, das fällt trotzdem nicht unter Trachtenkleidung. Vielleicht mit einem passenden Hut…?

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Das ist es! …auch nicht.
Womöglich beschwert sich dann ein Hochzeitsgast über Augenflimmern, und ich bin wieder schuld.
Obwohl der Schnitt schon ein bisschen Richtung Dirndl… nein? Das Linke! Ich mein das Linke!

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Und diese Kombination?
Dieser Hosenrock hat Glitzerstreifen, jaja! Glitziiiiii!
Weil er aber sämtliche floralen Muster vermissen lässt – wenn auch nicht schmerzlich – ist er wahrscheinlich auch nicht das Richtige.
Ich könnte ja einfach behaupten, es wären Trachten, nur eben keine österreichischen?

Ha! Ich werd mir einfach was Neues kaufen. Hm, Universal-Versand ist da nicht hilfreich. ‚Zu ihrer Suchanfrage haben wir leider kein Ergebnis. Oder meinten Sie: Drachen?‘ Muuahaha.

Na, dann geh ich mir eben das da kaufen. Dann hat das Männchen auch eine Freud‘. Aber nur wenn er sich eine Lederhose checkt.
Oder ich kauf mir dieses. Vielleicht auch dieses? Oder am besten das da.

12 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Das „erwünscht“ würde ich in dem Fall wörtlich nehmen. Da steht nicht „ohne Tracht kommst ned nei!“
    Bloß weil zwei heiraten, muss man sich noch lange nicht in mandy-lachs o.ä. komplett zum Horst machen lassen.

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  2. Also, ähm, haben Sie denn tatsächlich so lange Ohren, hm? Und was ist eine Familienhochzeit? Ist das was Österreichisches?

    P.S.: Ich hätte gern noch etwas über Gut und Böse geschrieben, leider macht man mir seit Tagen meinen Wohnsitz streitig, so dass ich momentan keine ruhige Minute habe …

    P.P.S.: Das Blaue geht gar nicht, egal wie Sie so bauchfrei drauf sind. duck

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  3. wie wäre es, ein weißes Bettlaken umzuschlingen und sich als antike Griechin zu tarnen? Ich finde es befremdlich, daß so selbstverständlich davon ausgegangen wird, daß jeder ein Dirndl im Kleiderschrank hat. Also ich habe keins! Aber ich gehöre auch nicht zu den Bayern oder Österreichern. Wir Hessen sind da nicht so traditionell angehaucht. :)

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  4. Rotfell, ich bin auch nicht angehaucht, schon gar nicht traditionell. ;) Bettlaken ist gut, kommt in die engere Wahl.

    TM, wer macht dir den Wohnsitz streitig?? Soll ich Hase zum Kämpfen schicken? Vielleicht gleich im blauen bauchfreien Kampfanzug?
    Ich hätte auch gern Gut und Böse bedient, vielleicht brauchte ich aber auch dieses heutige, zugegebenermaßen sehr oberflächliche Auszeitthema.
    Mit Familienhochzeit meinte ich, ein Verwandter heiratet, dies im Gegensatz zur Freundehochzeit.
    Die Ohren sind bei Hasen tendenziell eher lang, das soll von der geringen Körpergröße ablenken.

    Nachtschwester
    , keine Sorge: kein Horst. Der Beitrag fällt eindeutig unter Satire. Ich kauf mir doch kein Dirndl – hat’s mi?
    Aber was ist „mandy-lachs“?

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  5. Zur Not tut’s doch auch die schottische „Tracht“. Frauen stehen meiner Meinung nach Röcke (wegen mir auch Kilts) eh besser als Männern, schon allein wegen der Beine (zumindest kenne ich wenig Frauen mit sichtbarer Beinbehaarung).

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  6. „mandy-lachs“ war die korrekte Artikelbezeichnung für dieses unwiderstehliche kecke Alpenwahnsinndings.
    Wie wäre es, zu einem strictly Nicht-Tracht-Killer-Outfit ein trachtiges Accessoire zu kombinieren, einen Hut vielleicht, der dir gut steht, einen bestickten Schal? Da wäre doch bestimmt was zu finden.

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  7. so, das machtwort zum tag lautet: „macht nix“.

    es macht nämlich nix, dass wir keinerlei trachtenmode besitzen und von unserer grundeinstellung her auch nicht geneigt sind, dieses auch nur für einen tag vorzutäuschen. aus ebendiesem grund wird auch nichts dafür angekauft. wir kommen wie wir sind und aus. und wenn jemand mosert, dann fahrma einfach weiter dorthin wo gerade kein fasching ist. so schauts aus.

    obwohl manche der einkaufsvorschläge durchaus gewisse reize hätten, aber das ist dann eher ein thema für unter 4 augen…

    im grunde genommen könnt ich ja noch behaupten dass ich in der traditionellen tracht der unternehmensberater daherkomme, aber was wär die tracht der buchhalter? evtl schnell noch ärmelschoner und sonnenblende kaufen?

    wiedemauchsei: die hasenfotos sind ja extrem gelungen :) zukünftig müssen wir folglich in kein kleidergeschäft mehr, denn dank katalogfotos und fotoshop ist das anprobieren jetzt ohne richtige-größe-nicht-finden, etieketten-kratzen, textilindustrie-mief-belästigung, schwitzend-in-gewandstapeln-verschwinden und vor-spiegel-drehen möglich! das ist doch eine positive aussicht!

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  8. mandy lachs: abkürzung? sollte es zB heissen: „über-mandy-lacht-sichs vortrefflich wenn sie das ding trägt“?

    nicht-tracht-killer-outfit: keine schlechte idee, ich nehm den schwarzen anzug und werde das schulterholster darunter tragen, aber so dass es leicht hervorsteht. schwarze sonnenbrille nicht vergessen. und gelegentlich „versehentlich“ eine patrone verlieren. aus der ecke jemanden so lange mit blicken verfolgen bis er nervös wird. jeden mit „mein beileid“ begrüßen und dann ganz überrascht tun dass das da nicht die beerdigung des padrone cagliari ist. sich von jedem mit den worten „ich treff dich dann später noch“ verabschieden, dazu süffisant grinsen.

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  9. Batik war ja noch nie meine Tasse Kräutertee. Aber wichtig ist doch vor allem, dass gefällt was man trägt. Mandydings fänd ich doof. Dein Geschmack wird Dich schon in den richtigen Stoffbahnen zur Hochzeit schweben lassen. :)

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  10. Baumgarf, das mit den unbehaarten Beinen liegt in erster Linie daran, dass wir Frauen uns sehr brav dem Modediktat beugen. Täten wir das nicht, würde dann mitunter das eine oder andere Rehkitz Mama zu uns sagen? Wer weiß!
    Besitze aber keinen Kilt.

    Nachtschwester
    , ach das Ding HEISST so! Das hatte ich ja gar nicht gesehen! Weiter steht da übrigens in der Beschreibung:

    Pure Energie und gute Laune strahlt dieses wunderschöne Dirndl aus. Die zarte Stickerei und die bestickte Schürze setzen sich im Kontrast dazu ab.

    Im Kontrast dazu. Soll heißen: Im Kontrast zum Dirndl strahlen die Stickerei und die Schürze massive Lustlosigkeit und Miesepetrigkeit aus.

    Nö, ich kominier sicher nix. Schon allein aus Mangel an trächtigen Accessoires.
    Ich könnt mir aber ein Geweih aufsetzen.

    Querido,

    …dann fahrma einfach weiter dorthin wo gerade kein fasching ist.

    *Lach!* You made my day!
    Zur Tracht der Buchhalter gehört jedenfalls ein Paar Fußbekleidung in Form von Schuhschachteln.

    …ist das anprobieren jetzt ohne richtige-größe-nicht-finden, etieketten-kratzen, textilindustrie-mief-belästigung, schwitzend-in-gewandstapeln-verschwinden und vor-spiegel-drehen möglich!

    Muuhahaha, you made my day once more! Klingt wie aus der Werbung.
    Mich erinnerte das Hase-Anziehen an meine zweidimensionale, papierene Anziehpuppe aus Kindheitstagen. Die Kleidung für sie war mit zwei weißen Laschen obendran und an den Seiten ausgestattet, zum Festklemmen an der Puppe. Ich hab sie sehr geliebt!

    Die Mafia-Masche würd deine Mutter bestimmt begeistern! Das probieren wir.

    Ole, vielen Dank für das Vertrauen in meine geschmacklichen Qualitäten. Was es auch wird, Mandydings wird es sicher nicht – allein schon, weil du es doof fändest. ;) Ich bin schon ein bissl deppert, aber soo arg isses noch nicht, dass ich jetzt tatsächlich Dirndl kaufen ginge.

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  11. Hmm, den Zusammenhang zwischen haarigen Beinen und Bambi-Ersatzmutter/-vater hatte ich noch gar nicht bedacht. Liegt es vielleicht daran, dass immer mal wieder Jogger Opfer eines Jagdunfalls werden?

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