Bluten einst und jetzt

Ansichten über die Menstruation aus dem Jahr 1836 aus dem Buch ‘Unser Familienarzt’. Ich hab mich dabei gut amüsiert! :))

Wie schon oben bemerkt, tritt in diesem Lande die Menstruation im vierzehnten oder fünfzehnten Jahre ein; in wärmeren Ländern früher, in kälteren später. Menstruation, monatliche Reinigung, Regel, Katamenien, monatliche Periode und Unwohlsein, dies sind welche der zur Bezeichnung dieser Funktion gebräuchlichen Ausdrücke. Bei denjenigen Mädchen, die in Ueppigkeit aufwachsen und deren sittliche und körperliche Erziehung der Art ist und war, daß das Nervensystem dadurch empfindsam wird, tritt die »Monatsregel« viel bälder ein, als bei denen, die an Hausmannskost und Arbeitsamkeit gewohnt sind.

Zeigt sich die Menstruation vor dem vierzehnten Jahr, so wird dies als ein schlimmes Anzeichen betrachtet und deutet auf zu frühe Reife der Organe, während das Eintreten der monatlichen Reinigung nach dem sechzehnten Jahr von allgemeiner Schwäche oder von Störung in den Zeugungsorganen zeugt. Ist jedoch die betreffende Person gesund und alle ihre anderen Funktionen sind regelmäßig, ist sie froh, geistesmunter und nicht trüb- oder schwachsinnig, so sollte man nichts zur Herbeiführung der Menstruation unternehmen, indem durch angewandte Mittel unverbesserlicher Schaden herbeigeführt werden kann.

Trüb- oder schwachsinnig ist ja eine soo schöne Zusammenziehung!


Auf die regelmäßige und gesunde Verrichtung dieser Funktion kommt sehr viel an, denn ihr dankt die Frau ihre weibliche Schönheit und Vollkommenheit; deshalb sollte man sehr vorsichtig sein, daß die Menstruation nicht gestört wird. Eine plötzliche Unterdrückung derselben ist immer gefährlich, und unter den Ursachen, durch welche solche hervorgerufen wird, sind zu nennen: Plötzliche Furcht, Aerger, große Besorgniß und mächtige Gemütsbewegungen. Uebermäßige Anstrengung, lange Spaziergänge oder Fahrten, namentlich über rauhe Wege, Tanzen, vieles Stiegenauf- und ablaufen, veranlassen nicht blos vermehrten Ausfluß, sondern oft auch Vorfall der Gebärmutter.
Ebenso schädlich sind während der »Periode« kalte und warme Bäder, Fußbäder und Naßwerden der Füße, indem man dünnbesohlte Schuhe trägt. Eine junge Dame, die, weil sie gerne während ihres Unwohlseins auf den Ball gehen möchte, ein »Hüftbad« nimmt, begeht eine wahnsinnige Handlung. Welch Elend kann angerichtet werden; wie viele Schmerzen bereiten sich solche Thörinnen!

Namentlich über rauhe Wege! Gnihihii :) Schade, dass man im alltäglichen Sprachgebrauch so selten die Gelegenheit hat, diese Wortgruppe ins Gespräch einzuflechten!

5 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. “…die in Ueppigkeit aufwachsen und deren sittliche und körperliche Erziehung der Art ist und war, daß das Nervensystem dadurch empfindsam wird, tritt die »Monatsregel« viel bälder ein, als bei denen, die an Hausmannskost und Arbeitsamkeit gewohnt sind.”

    “also mädels: hackelts was und fressts mehr knedl, dann habts länger an fried’n”, wäre dann wohl die sensible interpretation jener wohlgesetzten zeilen, die ein findig’ Schelm abzuleiten geneigt sein möchte. damit die monatsregel nicht ganz so bälder eintritt :).

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  2. Ja, Damen mal Hand hoch, wer in Üppigkeit aufwachsen musste. Man kann sich sowas heute ja gar nicht mehr recht imaginiren. Mit Verlaup.

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  3. Man fragt sich ja auch, wie genau jetzt eine ‘körperliche Erziehung’ gestaltet sein mag, dass das Nervensystem dadurch empfindsam würde.

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