Marktfähigkeit zweifelhaft

Ich hab ja schon einige schlechte Filme gesehen, obwohl ich versuche, dies soweit möglich zu vermeiden, denn ich habe keine richtige Freude dran; nicht so wie mein Mann, der sich einen Sport draus macht, Indizien für die Schwachsinnigkeit eines Filmes zu sammeln. Ich weiß nicht, was der vorletzte richtig schlechte Film war, den ich gesehen habe, daher kann ich auch keinen Vergleich ziehen zum letzten.

Die letzte schlechte Serie ist mir präsent, das war wieder mal CSI Miami, die sind ja selten dämlich, und damit meine ich nicht, dass sie es nur gelegentlich sind. Wenn die einen Fall lösen, dann durch reinen Zufall, und es gelingen ihnen Dinge, die überhaupt erst durch ein chronologisch mangelhaftes Drehbuch (und natürlich durch phantastische Bildbearbeitungssoftware) möglich werden.

‘Aber um das geht es nicht’, wie mein Freund Tom immer zu sagen pflegt.

Unlängst nämlich gab es einen Film namens Intrepid, und es ging um… na, eigentlich um alles: Die ungewollte Explosion eines nuklearen Sprengsatzes an einem U-Boot, die vertuscht werden soll, aber eine Superwelle auslöst, die wiederum das Kentern und Kiel-nach-oben-im-Wasser-Liegen eines Kreuzfahrtschiffes verursacht, auf dem sich böse Russen rumtreiben und Auftragskiller, die eine Frau verfolgen und umbringen sollen, die Tochter eines VIPs ist, und daher von einem Navy-Offizier beschützt wird, der sich mit anderen Passagieren zum Maschinenraum durchschlagen will, was aber jäh durchkreuzt wird von einem weißen Hai, der in einem überfluteten Raum des Schiffes sein Unwesen treibt.

Warum zehn schlechte Filme drehen, wenn man mit einem einzigen Film dem Fass zehn Kronen mit einer Klappe ins Gesicht schlagen kann?

Man lernt dabei, dass die wichtigste Requisite beim Drehen eines Schiffsunglückes Koffer sind, die in den Gängen umherschwimmen.
Dass das Ziel eines weiblichen Teenagers, der noch nie zuvor mit einer Faustfeuerwaffe geschossen hat, auch auf 15 Meter durchaus einwandfrei sein kann. Bösewichte erschießen sich immer gegenseitig, wenn sie sich über die weitere Vorgangsweise nicht einig sind.

Russen haben Vollbärte, ebenso wie Schiffskapitäne, nur dass die der Russen braun sind und nicht schlohweiß. Die verfolgte Unschuldige ist immer blond, der Retter stets gutaussehend und gesichtshaarfrei. Dem Auftragskiller hingegen ist es völlig unwichtig, seine eigene Haut zu retten, lieber gibt er sein Letztes, um die ihm völlig unbekannte Zielperson zu liquidieren, auch wenn er dabei ertrinkt oder erschossen wird. Lauter Profis eben.

Am meisten aber hat uns dies beeindruckt: Ein paar Taucher, die kurz zuvor von einem Helikopter aus abgeworfen wurden, um das U-Boot zu inspizieren, blubbern durch das Wasser, man sieht sie mit dem Regler im Mund herumflossen. Der Leiter der Mission steht indes an seinem Funkgerät und hat Kontakt zu seinen Einheiten. Da plötzlich tönt es aus seinem Funkgerät: ‘Hier Taucher eins. Wir haben es gefunden.’

Wenig später meldet dann ein anderer Taucher so klar und deutlich, wie es eben nur mit einem Regler im Mund möglich ist: ‘Wir haben ein Problem!’ Auf die besorgte Rückfrage des Einsatzleiters sagt der Taucher, kurz bevor er in der erwähnten gigantischen Explosion in die Ewigkeit eingeht: ‘Hier stimmt was nicht… Irrrgendetwas stimmt hier nicht!’
Nach dem Krawumms, der natürlich glasklar über Funk übertragen wird, geht der Einsatzleiter zum Telefon und bellt in den Hörer:
‘Geben Sie mir den Oberbefehlshaber!’

Wenn der Film wieder kommt: Unbedingt vermeiden! Selten so viel kopfgeschüttelt.

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