Strengstens untersagt

Was mich an diesem Land nervt? Also, wenn ich es schaffe, abzusehen von wilden innenpolitischen Strampeleien, die nichtmal zum Augenauswischen reichen, zum Beispiel jüngst im Zusammenhang mit Kiotowerten, CO2-Emissionen und Mineralölsteuer?

Dass alles irgendjemandem gehört, und tendenziell alles verboten ist.

Wenn du hier irgendwo auf der Landkarte einen kleinen Teich findest, den du beispielsweise für einen Ausflug mit Frau Hund geeignet hältst, womöglich noch voller Photographie-Intentionen bist, dann kannst du als gelernter Österreicher sicher sein, bei der Ankunft dort eine Einzäunung vorzufinden. Teich hinter Gittern. Ein Schild, das dir erläutert, dieser Bereich wäre Eigentum des Fischereivereins Neududlau oder des Klötenverbands Gigritzpotschn oder weiß der Geier wessen. Der Eintritt ist jedenfalls strengstens verboten. Wie das Amen im Gebet. Nur für Mitglieder.

Jede noch so winzige Schlammpfütze, die noch außerhalb des Besitzes von Vereinen existiert, ist parzelliert. Da haben Hinz und Kunz jeweils eine Miniparzelle, auf der sie dann im Minisommer mit Minigrill und Bier die Kampfgelsenplage genießen. Nur dass Hinz und Kunz bei uns halt eher Woprschalek und Mayerhofer heißen.

Ist ein Teich nicht parzelliert, dann ist er seebadmäßig organisiert, mit Eintrittskasse, Kokosölduft und – natürlich – Hundeverbot, denn wo kommen wir denn hin, wenn heutzutage selbst die Hunde im Sommer baden wollen! – oder es ist dort ein Golfplatz, nur für Mitglieder. Oder das Wässerchen ist einfach eingezäunt. Das Betreten oder gar Baden und Angeln ist dort – selbstverständlich – verboten!

Du findest auf der Karte einen interessanten Weg, der Vorder- mit Hintertupfing verbindet, und an dessen Verlauf auch ein Flüsschen zu finden ist. Ich mag Wanderwege an Flüsschen, und Frau Hund auch. Dann findest du dort verlässlich einen Schranken vor und – jöö! – ein Schild: Es handle sich um eine Privatstraße der Gemeinde Hintertupfing (allein die Kombination!), deren Befahrung überhaupt mit der Todesstrafe geahndet werde, Begehung finde sowieso auf eigene Gefahr statt, und insbesondere seien Hunde mit Beißkorb und Leine zu versehen, widrigenfalls der Halter mit einer Anzeige zu rechnen hätte. Der Bürgermeister. Weit und breit bis zum Horizont – ihr ahnt es schon – ist kein Schwein zu sehen.

Obwohl ich noch nie im großen Amiland war, verstehe ich die Schwärmereien darüber schon, insbesondere wenn es um ‘diese unglaubliche Weite’ geht.

Klar muss ich mich nicht an diese dämlichen Schilder halten. Das Brechen von Regeln gehört ja zu den Regeln dazu. Manche haben sogar Spaß dran.

Ich aber hätte gern mal wieder irgendwas getan, das einfach nur erlaubt ist, in einer Natur, die allen gehört.

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