Es war einmal ein Vormittag

Was ich heute vormittag eigentlich wollte: Sonne für Gartenarbeit nutzen, Wäsche aus dem Trockner holen, äußeren Eingangsbereich mittels Staubsauger von Laub und Ahornsamen befreien, mein Auto, vulgo „Dosenfriedhof“, innen staubsaugen. Daher war ich schon früh auf.

Während ich noch beim Frühstück bin, klingelt es. Der Hund bellt so unbremsbar, dass ich an der Gegensprechanlage kaum was verstehe, also öffne ich dem Herrn mal das obere Tor. Als ich runterkomme vor meine Eingangstür, beginnt der Mensch gerade, mit Mutter L zu sprechen, die alte Frau mit dem Wohnrecht in unserem Haus, von der ich gerne behaupte, dass wir sie mit dem Haus mitgekauft haben. Er sucht den Wasserzähler. Ich nicke ihr zu, dass sie wieder reingehen kann. Gemeinsam finden der Wassermann und ich den Schacht oben, jenseits der Abfahrt, am Eingangstor, und er bewirft mich mit Zählernummern und -ständen. Beim Hinunterschauen lese ich „kobeeR“ auf meinem Schlafshirt. Er hat seines richtigrum an, es steht „EVN“ drauf.

Als wir wieder vom Zählerschacht hinunterkommen zu meinem Eingangsbereich, schwimmen hier gelbliche Flüssigkeiten auf den Fliesen rum, die da gerade eben noch nicht rumschwammen. Fragende Blicke tauschen den Besitzer, dann ist der Wassermann auch schon weg. Hat etwa Mutter L hier vorhin etwas verloren?

Egal, der Schlauch muss her. Ich befreie den Schlauchwagen von Blättern, ziehe den Schlauch aus und schlauche alles fort Richtung Abfluss; dabei achte ich darauf, dass das Laub und die Ahornsamen nicht feucht werden, sonst muss ich später kehren statt staubsaugen. Und nasses Laub von Fliesen kehren gehört bei mir nicht zu den Siegesanwärtern für die perfekte Beschäftigung im Leben.

Jetzt muss ich meine Socken wechseln. Crocs und Gartenschläuche sind zwar aus demselben Material, aber davon abgesehen haben sie nicht viel Kompatibilität. Zumindest dann nicht, wenn man Socken anhat.

Die Betreuerin der Frau L guckt aus der Tür und fragt nach Kohle. Äh, die Heizung geht doch, oder? Nein, Kohletabletten will sie, die Frau L hat nämlich Durchfall.
Ich versuche, mir nicht zu überlegen, was ich da gerade von den Fliesen geschlaucht habe, und lenke mich ab mit dem Suchen, Finden und Runterbringen von Carbo Medicinalis. Hernach muss ich die Betreuerin wortreich davon überzeugen, dass sie mir nicht für einen Streifen Kohle eine ganze Packung zurückkaufen muss.

Aber jetzt wechsle ich meine So-… Das Telefon klingelt. Es liegt noch oben im Wohnzimmer, bei meinem verlassenen Frühstück. Ich hechte hinauf, komme aber die berühmte Sekunde zu spät. Also Rückruf, falscher Abheber – der richtige telefoniert vermutlich gerade mit meiner Mobilbox – und Warteschleife, damit die Firma WWLA mich schließlich wissen lässt, dass die bestellten Thermostatköpfe da sind. Danke. Wiederhören.

Ich wechsle endlich meine Socken. Der Rest vom Frühstück ist mittlerweile nur noch kalt zu genießen. Es ist gerade noch Zeit, den Teller in den Geschirrspüler zu lassen und den Hund in den Garten zu räumen, und ich will mein T-Shirt umdrehen, da klingelt es schon wieder. Über die eher hoch angebrachte Kamera an der Gegensprechanlage hält mir eine eher kleine Frau ihre Nasenlöcher entgegen. „Wir besuchen Menschen, um über die Bibel zu sprechen und was sie uns geben kann!“ Gut, dass der Hund diesmal schon draußen im Garten bellt und nicht mehr neben mir, sodass ich vernehmbar antworten kann: „Wir können über Zeit sprechen und wer sie uns geben kann. Wenn ich mal Zeit hab.“

Ich will das alles sofort bloggen. Aber mein Browser reagiert auf keinerlei Adresseingabe. Überhaupt ist mein Windows insofern recht geistesabwesend, als es mich nichtmal einen Task-Manager starten lässt. Auch der Neustart zieht sich dahin wie heißer Klebepistolenkleber.

Mittlerweile ist es 11:20. Ich habe alle Jalousien geschlossen und die Gegensprechanlage ausgeschaltet. Als nächstes versuche ich jetzt, den Wäschetrockner auszuräumen.

10 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Das mit dem T-Shirt kann ich erklären: die meisten Männer ziehen T-Shirts immer am Kragen beginnend über den Kopf, Frauen mehrheitlich hingegen unten am Bund beginnend. D.h. bei den meisten Männern bleibt diese Links-Rechts-Geschichte stets in derselben Richtung, auch im Dunkeln, auch in Eile, während viele Frauen (glaub über 70%) dazu neigen, ihre T-Shirts und Pullover regelmässig umzudrehen.

    Windows geistesabwesend? -> Linux benutzen.

    P.S.: Diese Seite lässt harmlose Leser nicht über Tor hinein. Man muss zuerst Tor ausschalten, dann geht plötzlich alles.

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  2. Was, du kennst 70% aller Frauen?? Ich bin beeindruckt!
    Angesichts des durchschnittlichen Seitenzustands der T-Shirts in unseren Wäschekörben ist deine Theorie entweder falsch oder trifft nur auf den Angetrauten und mich nicht zu. Das Shirt hat sich im Schlaf selbst gedreht, so muss es sein.

    Ich weiß nicht, wer oder was Tor ist, aber wenn ich ihn treffe, werd ich ihm sagen, dass das so nicht geht.

    Ein Betriebssystemwechsel bringt bei mir nix. Ich kann Abstürze in allen OS.

    Mein iPhone zwischen Foto machen und Anruf beenden

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  3. Die 70% entstammen selbstverständlich einer seriösen Studie. Die hatten das mit Studentinnen und ähnlichem Material getestet, glaub in einem Schlaflabor. Dabei kam dieses für alle verblüffende Ergebnis heraus. Kein Mensch weiss, warum das so ist, es muss ja irgendwie mit Anatomie zusammenhängen.

    Tor

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  4. Da gibts mehrere Möglichkeiten:
    Frauen wissen, dass Krägen leichter reißen als Unterseiten.
    Frauen bleiben sonst mit dem Shirt am BH hängen.
    Frauen können Ihre Arme nicht so gut senkrecht nach oben heben (trifft bei mir zu, Sch…Rheuma)
    Frauen ziehen zum Ausgleich nur zu 30% ihre Socken verkehrtrum aus.
    Frauen isses wurscht, weil sie sowieso zu 70% auch diejenigen sind, die die Shirts vor oder nach dem Waschen wieder auf die richtige Seite drehen müssen.

    Ich persönlich ziehe erst meinen rechten schmerzhaften Arm durch den Ärmel nach innen und dann das Shirt am Kragen nach oben. Aber nicht, wenn ich mir gerade Haarfarbe auf den Scheitel gespachtelt habe und zu spät bemerke, dass ich noch ein Shirt anhabe, das man nicht aufknöpfen kann. Daher kam’s, wie mir nach überhaupt nicht ausgiebigem Nachsinnen wieder einfiel.

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  5. Hä? Was will die evn? Ich hab den zählerstand letztes wochenende elektronisch gemeldet. Unangekündigte besuche gehen schon gar nicht… Komikerpartie das, aber das hat sich ja schon beim betreiberwechesel gezeigt.

    Warum fragt mich nicht mal einer nach der bibel, vor allem wenn ich zufällig zeit hab :) den würd ich schon bekehren…

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  6. mkh, das ist nett, aber selbst die hab ich an diesem Tag noch geschafft, so wie vieles andere auch. Ich war diese Woche einfach grandios! :) Und das sage ich ohne falsche Bescheidenheit. ;)))

    Martin, ich werd die Bibeldame nächstes Mal bitten, am Wochenende wiederzukommen. 8 Uhr ok? :D

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