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Das Gesicht zur Stimme

Nanü, worum gehts denn hier? Bitte zum ersten Eintrag in dieser Serie!

Schön langsam findet eines zum anderen, generell ein sehr schöner Mechanismus des Lebens, wie ich finde.
Im konkreten Fall finde ich das Gesicht zur Stimme, und zwar mitten in Lilys Sidebar. Und bin völlig aus dem Häuschen! Sehe sofort das Buchcover vor mir! ;)
Aber fürs erste bleiben wir mal auf dem Boden, und präsentieren hier stolz, mit Lilys freundlicher Genehmigung:

Der Caniporcus internus, erhascht in einem jener raren Momente,
in denen der Schleier zu unseren parasitären Gefilden dünn wird,
und er kurzzeitig sichtbar ist. (Falschfarbendarstellung)

Lasst euch bloß nicht von seinem unschuldigen Aussehen täuschen! Ihr wisst ja, wenn jemand ein Wässerchen, die Sicht oder das Lebensgefühl trüben kann, dann er!

Von nun an wird sein Konterfei alle Caniporcus-Einträge zieren. Vielen Dank an Lily!


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Statusbericht

Ich bin sprachlos. Ziemlich sprachlos zumindest. Flüstern macht noch die wenigste Mühe, das liegt aber wohl auch an der Müdigkeit. Noch nie hatte ich einen so entzündeten Hals, dass ich vor Halsschmerzen nicht schlafen konnte. Aber es gibt ja für alles ein erstes Mal.

Bis auf das Scheiß-Rheuma war und bin ich ja ein stets gesundes Menschlein. Verkühlungen – extrem selten. Kinderkrankheiten – null. Nur die sonderbarsten Erscheinungen suchen meinen Körper heim. Derzeit ein Muskelzucken unter dem linken Rippenbogen, das sich anfühlt, als suche sich ein Alien seinen Weg in die Freiheit. Ist mir aber wesentlich lieber als das horizontale Muskelzucken am linken Auge, das mich zuletzt über vier Wochen lang plagte. Unterm Rippenbogen gibts nämlich keine Optik, die sich mit jedem Gezucke mitverschieben würde.

Unmotiviert war ich in letzter Zeit, irgendwas Schriftliches von mir zu geben. Virtuelle Post von mir ist rar geworden. Ein Motivationsschub käme da gerade recht, aber woher nehmen…? Da plötzlich liegt ein Päckchen in meinem Briefkasten. Leserpost! Ein schönes Buch, ein lieber Brief. Danke, Susanne! Und bitte keine Hemmungen beim Kommentieren!

Beim Nachbarn wird ein Holzriegelzubau zusammengenagelt, und der Hund meint immer wieder, es muss gebellt werden, es klopft doch! Und die Bleche, die sie heute montieren, klingen beim Hochhieven wie die Beckenschläge in einem Trommelwirbel.

Warnung für AIP-Mitarbeiter: Die Gyrospfanne, das neue Tiefkühlmenü in der Firma, schmeckt wirklich gut, aber es ist verdammt viel Zwiebel drin und ein vermaledeites rotes Sößchen. Auf den langen Etappen bis zum naheliegenden, aber doch weit entfernten Ausweg aus der körperlichen Gefangenschaft entwickeln die beiden mit vereinten Kräften solch unfassbare Luftmengen, dass man wünscht, man könnte – zum eigenen Wohl und auch zu jenem des Lebenspartners – seinen Körper draußen auf der Terrasse abstellen, bevor man schlafengeht.

Es fand mich die Lily im weiten Netz, und so fand ich sie. Sehr schön ist sowas, denn es ist ja soo schwer, heutzutage gute Blogs zu finden. ;D Zur Zeit fräst sie sich durch mein Archiv. So viel Zeit hatte ich für ihre Wortsammlung noch nicht, aber sie schreibt sehr schöne Kurzgeschichten.

Apropos Empfehlungen: Einen grandiosen Reisebericht über Nanjing gibts beim Ceh. Dass ich über seine Geschichten und seine Bildkommentare so gut und laut lachen kann, tröstet mich (ein wenig) über seine Abwesenheit hinweg.
Auch andere Freunde vermisse ich, die zwar nach wie vor im Lande sind, die ich aber trotzdem so gut wie nie zu Gesicht bekomme. Arbeit ist eine echt dämliche Erfindung und gehört eigentlich verboten.

Scheiße. Hier heult die Sirene seit gut 2 Minuten. Was ist passiert?
EDIT: … Uff, Sirenenprobe. Aaaaah! Können die das nicht umfassender ankündigen? Hat mich schon letztes Jahr in Angst und Schrecken versetzt.

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Dir werd ich’s geben!

Ich hab letztens auch über das Geben nachgedacht, und dabei fiel mir ein, wie häufig so manche Beziehung darunter leidet, dass so einiges, was der eine mit Freude und Leichtigkeit geben würde, der andere gar nicht annehmen will – und umgekehrt.
“Aber ich tue doch so viel für dich!”, heißt es dann, und die vorprogrammierte Antwort lautet, “Darum hat dich aber gar niemand gebeten!” Und nur in den kommunikationswilligsten Beziehungen wird dieser Satz eventuell fortgesetzt mit “Warum machst du nicht stattdessen mal…?”

Plötzlich fand ich es sehr seltsam, dass wir mitunter so verdrossen auf die Vorlieben des anderen reagieren. Dieses Seltsamfinden ereilte mich, während ich gerade meinen Hund kraulte. Der Hund an sich lässt sich ja sehr gerne kraulen, wie man weiß, aber sich an den Pfoten berühren lassen, das mag mein Hund zetbeh nicht. Muss man auch erstmal rausfinden, aber ich weiß das, und darum tu ich’s nicht – wenn doch, zieht er die Pfote einfach weg.

Einem Hund bedeutet es nichts, zum Frühstück einen Kaffee hingestellt zu bekommen, er lässt sich nicht zur Begrüßung die Pratze schütteln oder vor dem Schlafengehen schön zudecken, und er mag auch nicht fest umarmt oder mitten auf die Schnauze geknutscht werden. Mir würde das alles auch niemals einfallen – und das nicht wegen hygienischer Vorbehalte, sondern weil mir bewusst ist: Dass ich selbst all das als umhegend, freundlich und liebevoll empfinde, macht es noch lange zu keiner Liebesbezeugung auf Hunde-Art, die ein Hund auch als solche verstehen und würdigen könnte. Darum schenk ich’s mir! Wäre ja auch eine Verschwendung von Zeit und Energie, es doch tun zu wollen.

Ich kose meinen Hund also so, dass er versteht, dass er liebgehabt wird – und das ist ganz einfach.
(Viele Menschen finden ja, dass Katzen noch viel toller (weil so viel schlauer und unabhängiger) sind, bewundern das wortreich und stellen sich darauf ein – aber auch von denen tun sich etliche schwer damit, ihrem Partner seine Bedürfnisse zuzubilligen.)

Es fällt uns leicht, uns auf einen Hund auf diese Art einzustellen, weil wir wissen, dass er ein Hund ist – und daher nicht so ticken muss wie wir selbst. Warum soll es so viel schwieriger sein, im Partner oder Mitmensch ein eigenständiges Wesen zu sehen, das auch seine eigenen Vorlieben haben darf? Wieso halten wir all das, was wir selbst leicht zu geben imstande sind, oder was wir selbst gerne hätten, automatisch für das Richtige für unser Gegenüber, und wieso können wir uns, so von Mensch zu Mensch, nur bedingt auf Abweichendes einlassen? Warum negieren wir die Wirklichkeit so vorsätzlich?

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A-3. C.i. exagitans / hystericus: Die Hysteriker-Fraktion

Dieser Artikel ist Teil 5 von 11 in der Serie "Schweinehunde" ...
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A-3. C.i. exagitans / hystericus: Die Hysteriker-Fraktion

‘Der Himmel wird uns auf den Kopf fallen!’ / ‘Wer Angst hat, lebt länger.’

Diese beiden Exemplare treten so häufig in Personalunion auf, dass die Beschreibung in einem gemeinsamen Kapitel erfolgen kann.

Das Bestreben dieser doppelköpfigen Schweinehundschlange ist es, deinem Auffassungs- und Denkvermögen schwere Schlagseite beizubringen und dir übertriebene Emotionen und Ängste einzuflüstern, und zwar bevorzugt mit Lappalien als Anlass. Exagitans kann kleine Handlungen oder Aussagen deiner Mitmenschen aufbauschen, und Hystericus sorgt für deine entsprechende Reaktion, sodass ebenjenen Mitmenschen Hören und Sehen vergeht.

Unter ihrem Regiment outest du dich mit schöner Regelmäßigkeit als Zicke, Scheißerl, Heulsuse oder als Angsthase mit apokalyptischen Visionen.
Du hörst dich in der Folge Sätze sagen, von denen du nie gedacht hättest, dass du sie mal sagen würdest. (“Wenn du jetzt nochmal davon anfängst, schreie ich!” – “Ich schaff das alles nicht mehr!” – “Wir werden alle stäääärben!”)

So klein kann das schwarze Etwas in deinen Haaren gar nicht sein, dass Exagitans und Hystericus es in deiner Wahrnehmung nicht zur Vogelspinne aufblasen und dir ein ebenso langes wie spitzes Kreischen und viel hektisches Fuchteln entlocken können. Das ist vermutlich sehr schmeichelhaft für die winzige Spinne, für dich aber weniger.
Du befindest dich sozusagen in einem Geisteszustand, den man eigentlich nicht mehr als solchen bezeichnen kann. Die Fähigkeit, die Information oder Situation realistisch einzuschätzen, fehlt dir vorübergehend völlig.

Andererseits kann das Zusammenwirken dieser beiden Schweinehunde, je nach Oberhand, auch dazu führen, dass du vor Angst wie gelähmt bist, wenn Exagitans, der Angstbeißer, seine Spielchen treibt. Du weißt, du solltest etwas unternehmen, oder du willst es, aber dein Körper widersetzt sich deinen Anweisungen.

Er hat sich nämlich von deinen Urinstinkten abgeschaut, wie sie dich im Zaume halten: Sie sollen dich vor dem Tod bewahren, vermeiden, dass du verhungerst, erfrierst, eine Klippe hinunterstürzt oder von einem wilden Tier gefressen wirst. Mit Angst bringen sie dich dazu, vernünftig zu bleiben. Und so macht der Angstbeißer es auch mit dir, allerdings ist er der Hüter der Miniatur-Anlässe. Er übertreibt es aber natürlich maßlos und hält sich dabei für wahnsinnig wichtig, ja lebenserhaltend.

Er erzählt dir, dass du sterben könntest, wenn du auch nur irgendwie in Aktion trittst, wenn du dich bemerkbar machst, dich beschwerst, vor dieser Menschenmenge sprichst, auf diese Bühne gehst und singst, diesen einen wahnsinnig interessanten Menschen einfach ansprichst, oder wenn du alleine ausgehst oder auf Urlaub fährst.
Und andere Menschen mit eigenem Angstbeißer-Schweinehund werden dir diese Sicht bestätigen, deine Angst bekräftigen, die Gefahr attestieren, gerne auch schriftlich, wenn du darauf bestehst: Ja, das Leben ist in der Tat wahnsinnig gefährlich! Denn: Der Himmel könnte dir auf den Kopf fallen! Aber ich hab Neuigkeiten für dich und deinen Parasiten: Du könntest auch sterben, wenn du im Bett liegenbleibst. Ein hoher Prozentsatz der Menschen stirbt nämlich im Bett (92, für jene, die’s gerne genau mögen).

Wenn du den Angstbeißer erstmal durchschaut hast und beschlossen hast, dich von seiner Panikmache nicht mehr anstecken und paralysieren zu lassen, gewinnst du alles. Du gewinnst Energie, Freunde, Freude, Leben. Natürlich riskierst du dabei auch einiges: verletzt zu werden, körperlich oder seelisch; dich bis auf die Knochen zu blamieren; dich einem Konflikt zu stellen, anstatt womöglich noch zu versuchen, die Wogen zu glätten; oder Ängste heraufzubeschwören, die du dir dann auch ansehen musst, durch die du hindurchgehen musst, um auf der anderen Seite, jener mit der Freiheit, anzukommen, denn – auch hier bin ich ganz aufrichtig – es gibt keinen Weg um sie herum.

Aber seien wir uns ehrlich: gestorben ist an alledem noch niemand. Wenn du die Welt anschubst, dann schubst sie zurück. Manchmal zärtlich, manchmal mit weniger Feingefühl. Aber immer wird dadurch etwas in Bewegung kommen, das zuvor unter der uneingeschränkten Herrschaft des Angstbeißers in sturem Stillstand verharrte. Denn wie oft sprechen wir manches nicht aus, obwohl es oft sogar positiv und herzlich wäre, aus Angst, als Schmeichler oder als Phrasendrescher zu gelten, wenn wir wahrhaftig empfundene Anerkennung aussprechen? Wie oft fressen wir Ärger in uns hinein – aus Angst vor dem scheinbar sicher folgenden Konflikt?

Geh raus in diese Welt! Sei endlich so herzlich, wie du tatsächlich bist, sprich deine Wahrheit aus und kümmere dich nicht um das Urteil der anderen, das du ohnehin nicht vorhersehen kannst. Sag genau das, was du sagen möchtest, ohne dich zurückzuhalten! Such die Dinge, die dir Freude machen, und mach sie, anstatt sie nur zu denken oder zu wünschen.

Der Angstbeißer wird sich bald trotzig in seiner Achselhöhle verkriechen, wo er es sich gerne bequem macht, und du bist endlich frei von seiner Angst, und frei, zu leben wie es dir gefällt.


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Aufruf

Treibe mich am Wochenende völlig überraschend in Hamburg rum, und fahre anschließend (voraussichtlich am Montag nachmittag) auf verschlungenen Wegen zurück in die Heimat. Auf diesen Wegen gibts bisher eine fixe Station, und zwar am Montag oder Dienstag: Fürth.
Wer noch heimgesucht oder getroffen werden möchte, der bemaile oder besmse mich!

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Die Köpfe ab?

Beunruhigend ist, dass die Anzahl der in der Welt inhaftierten Blogger drastisch zunimmt, weil jemandem deren Meinung nicht gefällt. Natürlich ist es gut, wenn auf der Verbreitung zweifelhaften Contents (rassistisches Gedankengut, Kinderp0rnos) jemand die Hand drauf hat. Aber die freie Meinungsäußerung zu Korruption und Menschenrechten fällt nicht unter zweifelhaften Content.

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Ich warte

Da schießen sie Menschen in den Weltraum, die dann da oben leben; ich kann drei von mir getippte Sätze in Nullkommanix auf die andere Seite der Welt schicken; es gibt atmungsaktive aber wärmeisolierende Kleidung, haifischhautnachempfundene Nano-Oberflächen und sogar berolltreppte Aufgänge zum Fitnesscenter.

Wann entwickeln die für T-Shirts endlich Einnähschildchen, die nicht im Nacken kratzen?