Gespart!

Hab heute wieder mal in die Flimmerkiste geschaut. Ich bin ein bekennender Serien-Junkie. Allerdings nehme ich sehr oft auf HDD-Recorder auf, was ich sehen möchte, und überspringe dann später die Werbeblocks. Heute jedoch hab ich mal bewusst hingeschaut und drei Werbeblocks lang aufgepasst. Ich wollte herausfinden, was es mich kostet, wenn ich alles kaufe, was in einem einzigen Werbeblock angepriesen wird. Daher überschlug ich mal, wie groß die Lücke ist, die so ein Werbeblock in die Brieftasche reißt.

Zwei der Blocks kamen bei vox, einer auf ORF 1. Langfristige Verträge werden nicht bewertet, Reminder (5- bis 10-sekündige Spot-Zusammenfassungen zur besseren Einprägung) zählen den Wert des ursprünglichen Spots mal zwei. Und ich kaufe natürlich immer nur ganze Produktserien, sofern sie feilgeboten werden.

Im ersten Block kaufe ich gleich dreimal den Sieger bei Stiftung Warentest, ich nehme Unmengen Vitamin C zu mir, habe Vorrat an essentiellen Fettsäuren für mindestens 60 Tage, und ich putze antiallergen, und zwar auf höchstem Niveau. Unvergleichliche Geschmackserlebnisse und besondere Genüsse ziehe ich mir ungeniert rein, unter anderem in Form von Marmelade und Schokolade mit Nüssen und siebenundachtzig weiteren besten Zutaten. Meine Finanzen sind gecheckt, und es ist für meine Zukunft gesorgt, dafür gehe ich allerdings in mindestens drei Fällen langfristige Verträge noch unbekannter Höhe ein. So eine kleine Unterschrift, was macht das schon? Wirkstoffe konzentriere ich an entzündlichen Stellen, mein Cholesterin senkt sich um insgesamt 103% (nur das böse natürlich), und auf Vorrat liegen nun Reinigungstabs und tiefenwirkende Mundspülung für meine Dritten, die ich mir leider nicht mehr leisten können werde. Ich habe meine Haare gefärbt, geschont und dabei noch 20 Minuten gespart, mich für einen guten Zweck engagiert und die Freude an Bewegung wiederhergestellt.
Und das alles um nur unglaubliche 150 Euro!

Im zweiten Block gönne ich mir besondere Dinge zu diversen Firmenjubiläen, und bestimmt nicht zu deren Nachteil, das besagt zumindest die Meinung, die ich mir auf Aufforderung getreulich gebildet habe. Ich genieße sicheren Schutz und abwechslungsreiche Geschmacksrichtungen, muss aber zu meiner Bestürzung auch Geranien, eine Gartenliege und einen Elektromäher mitnehmen. (Dabei hasse ich die Dinger. Ein echter Mäher hat Benzin in sich drin!) Dafür darf ich allerlei Technologien und Komplexe gezielt anwenden und mannigfaltige Effekte erzielen, meine Kurven sind wieder straff, elastisch und glatt, und ich verliere gar fünf Kilogramm – und das nicht nur durch zeitweiliges Abstellen der Einkaufstasche! Ich muss Würstchen mit ekligen Namen von ebenso ekligen Promi-Werbegesichtern erwerben, knochenstarke Kindernahrung zu mir nehmen (puh, das staubt!), Milchreismischungen selber basteln und hinterher noch locker-würziges aus knusprigem Kartoffelteig vertilgen. Anschließend freue ich mich über meine fettigen Fingertapper auf dem Touchscreen – für Individualisten! – habe außerdem meinen CO²-Ausstoß endlich auf unter 120g/km gesenkt, und bestelle in meinem Schwung noch schnell zwei E-Roller um je 1.660. Bei alledem schwebt über mir mein Kranz wie-schwereloser Haare.
Diesmal sind nur zwei langfristige Verträge dabei. Insgesamt ein grandioses Shoppingerlebnis. Dafür kostet mich der ganze Spaß aber auch schon satte 38.903,77 Euro.

Am teuersten erwischt es mich aber bei ORF im dritten Block.
Hier erreiche ich langfristige Ziele mit neuem Lifestyle, lerne etwas über Befruchtung unter Bonbons, die ich anschließend verzehre (Die Bonbons natürlich, aber genau genommen isst man die Befruchtung natürlich mit. Mir graust echt vor gar nix!), ich vernichte Schokolade wie eine Süchtige und komm mir dabei auch noch vor wie in den Alpen – nehme davon aber kein Gramm zu, schließlich habe ich auch ein Medikament zur Gewichtskontrolle in meinem Warenkorb. Gegen den Zuckerflash ist aber leider keines dabei. Studien legen mir stattdessen quicklebendige Bakterien für meinen Darm nahe, ich desinfiziere Wunden am laufenden Band, gewinne kein Auto, esse dafür aber noch mehr Schokoriegel. Weiters erwerbe ich ein sensationelles Studio-Album sowie Kapital- und Zinsgarantie, muss kreischenden Kindern das Gumminaschwerk abjagen und mir zum Muttertag gratulieren lassen, und das alles, während mir unter meinen drei neuen Kleidern für je 4,99 bereits der Schweiß auszubrechen beginnt, wovon ich mit meinen knallrot geschminkten und voller Allüren steckenden Lippen abzulenken versuche. Drei Kindershirts für je 2,99 hab ich auch in der Tasche – wem soll ich die bloß…? Schließlich erlöse ich noch die Kartoffeln, zu denen diese fiesen Menschen grob gewesen sind, senke im Vorbeigehen meine Energie- und Heizkosten und setze außerdem ein bis zwei Zeichen. Vier langfristige Verträge in schwer kalkulierbarer Höhe gehe ich ein.
Den in einem der Spots versprochenen Muttertagsrabatt von 30% ziehe ich mir frech von der Gesamtsumme ab. Die beläuft sich danach aber immer noch auf stolze 40.169,50.

Zur Verteidigung des Heimatsenders ist anzuführen, dass auf ORF die Sendungen nicht durch Werbespots unterbrochen werden. Nur jeweils zwischen den Sendungen gibt es einen Block – bei vox sind es während einer Serienepisode schon zwei.

Fazit: Shoppen ist anstrengend. Man muss sehr genau aufpassen, weil alles so schnell geht. Auf ORF1 wird man besonders schnell arm, dafür nicht so oft. Und ich bin jetzt um insgesamt 79.223,27 ärmer. Und ein paar Zerquetschte.

31 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Shoppen ist im Gegensatz zu Einkaufen nicht nur anstrengend, es ist schlicht idiotisch und eine Beleidigung jedes noch denkenden Hirns. Beim Einkaufen erwirbt man etwas für sich, beim Shoppen etwas für andere!

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  2. Das ist keine Theorie, Fräulein Susi, sondern ein sog. Faktum. Der Shopper kauft nicht unwesentlich (und man darf fragen: überwiegend?) im Interesse der Firmen, die den Plunder herstellen. Drum ist er ja anfällig für allerlei Moden, Werbung, Zeitgeist, Bestsellerlisten, Mundpropaganda und was es sonst noch an subtilen Einflysterungen gibt über Dinge, die er zwar nicht braucht, aber jetzt unbedingt haben muss, bis er am Ende gar nicht mehr anders kann als zuzugreifen … Daraus erwächst ein signifikanter Unterschied zu jemandem, der schlicht einkauft, auch wenn der Vorgang des Tauschs einer Ware gegen Geld derselbe ist.

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  3. Soll sein, man kann das natürlich so sehen. Trotz meines Augenzwinkerns ist in diesem Eintrag ja durchaus eine gewisse Kritik am System enthalten.
    Andererseits kann man sich auch einfach drüber freuen, dass man sich in einer materiellen Welt mit materiellen Dingen umgeben kann, insbesondere, wenn einen das eine oder andere Ding tatsächlich langfristig glücklich macht und man es sich auch leisten kann. Ich teile die imho aus den Poren diverser Religionen ausdünstende Einstellung nicht, dass nur böse Menschen über materiellen Besitz verfügen, und dass das wahre Glück in der Askese liegt. Dazu bräuchten wir Seelen nämlich keine materielle Welt.
    Und schließlich zahlt der Shopper ja letztlich auch in die eigene Tasche, wenn er auch weiterhin Arbeit haben möchte, denn auch die Firma, in der er arbeitet, lebt davon, dass jemand ihre Dienstleistungen oder Produkte kauft. Natürlich ist auch eine gänzlich andere Welt mit anderen Systemen vorstellbar, aber im Moment läuft es eben so.

    Aber eigentlich versteh ich nur deine verbale Differenzierung nicht. Warum bezeichnet der englische Ausdruck automatisch die pöhse Ausprägung?

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  4. Nein, nein, nicht böse, nur idiotisch, also laienhaft. Ich mach das niemandem zum Vorwurf. Die allermeisten Dinge überblickt man nicht (ich auch nicht) und man tut ja heute auf der Gegenseite alles, um möglichst wenig Hintergründe offenzulegen, beispielsweise über Produktionsstandorte, Herstellungskosten- und -bedingungen, Designziele, bekannte Mängel, Quersubventionierungen, Beteiligungen usw. Das soll alles schön im Dunkeln bleiben. Wir werden heute auch ganz selbstverständlich dorthin erzogen, wo wir künftig nach Kräften unser Dasein fristen, nämlich zu der Rolle als Konsument, d.h. Verbraucher und Verschwender, in stärkerem Masse noch als zu unserer Rolle des Produzenten. (Auf Produzenten kann man gern verzichten, auf Konsumenten nie …) Der Einzelne ist in dieser Angelegenheit durchaus nicht in jeder Hinsicht frei im Geiste.

    Und das Augenzwinkern hab ich schon gesehen. (Ich habe ja drum mit meinem furchteinflössenden Morgenstern auch nur ein bisschen augenzwinkernd herumgefuchtelt und gar nicht zugehauen …)

    In Zeiten des Niedergangs sind die moderneren Worte jeweils die des fortschreitenden Verfalls, heute also die englischen und pseudoenglischen, iPod, händi, news, blockbuster, shopping, “wash bag” las ich kürzlich auf einer deutschen Seite, das Wort “Waschbeutel” war einfach nicht mehr haltbar, es war zu hoch entwickelt …

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  5. ich darf in aller höflichkeit widersprechen. englische worte in der deutschen sprache sind keineswegs zeichen des verfalls, sondern eine seite des ganz normalen prozesses der einflussnahme von sprachen aufeinander, die mit der gesellschaft mitleben – und dies immer schon getan haben. dieser prozess – wie fast alle entwicklungsprozesse unserer modernen gesellschaft – werden natürlich durch die wirkung der medien beschleunigt und intensiviert. wer allerdings glaubt, anglizismen aus der deutschen sprache raushalten zu können, sie dadurch “rein-” und somit “besserhalten” zu können, kämpft nicht nur eine verlorene schlacht, er stellt sich auch gegen einen völlig natürlichen prozess, der stattfindet, seit es sprachen gibt – und sie nicht verarmen lässt, sondern im gegenteil in summe gesehen bereichert.
    dass es dabei im einzelfall künstliche und ziemlich idiotische konstrukte gibt, bleibt natürlich unbenommen. diese sind allerdings auch nur kurzlebig. sind sie es nicht – dann sind sie einfach teil der lebendigen sprache und haben offenbar eine gewisse expressive, syntaktische oder semantische bedeutung. all dies sind nicht meine argumente, sondern grundlegende statements *hihi* jener damen und herren, die sich wissenschaftlich mit sprache und deren veränderungen auseinandersetzen. (womit ich die linguisten meine. nicht teenager.)
    es ist allerdings interessant, mit welch kontinuität es zu jeder zeit menschen gab und gibt, die sich über den verfall der eigenen sprache sorgen mach(t)en. schön beispielsweise so mancher – immerhin etwa 2.000 jahre alter – text von juvenal in diese richtung. (und wehe, es bringt jemand das argument, latein wäre ja auch ausgestorben *g*.) hätten sie alle recht gehabt mit ihren befürchtungen um die verarmung von sprache, wären wir bereits seit hunderten von jahren wieder zurück bei den urlauten. deshalb empfinde ich es auch als weit irritierender, wenn leute glauben, sie müssten sich altertümelnden deutsches befleißigen, um sich vom tumben pöbel abzuheben. in wirklichkeit verkennen gerade sie die grundlegenden kulturprinzipien einer lebendigen vernakularsprache in weitaus höherem maße.

    aber eigentlich wollt ich nur fragen, ob ich einen von deinen schokoriegeln haben kann, susy … ]:)

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  6. … und da ich mir selbst versprochen habe, mir nicht mehr als einen neuen feind pro Tag zu machen, enthalte ich mich jetzt eines kommentars zur wuchtel des monats ];).

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  7. Aber das ist doch mal ein Geschäftsmodell. Wenn du nun die gesparten knapp 80.000 Euronen auf ein Konto einzahlst, hast du bald ein erkleckliches Sümmchen angesammelt (vorausgesetzt, du guckst auch weiterhin brav Serien oder Filme an). Dann kannst du dir schnell ein Traumhaus kaufen (womöglich gar eines, dass beworben wurde, was den Nebeneffekt hätte, dass die Werbenden merken, dass ihre Werbung funktioniert und weiter werben, wodurch du noch viel mehr sparen kannst etc.).

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  8. Ähm … die deutsche Sprache rein halten? Nun also, das war zwar nicht mein primäres Anliegen und ich bin eigentlich auch kein ausgeprägter Verfechter. Ich behaupte allerdings schon, dass neumodische Worte und Wortkombinationen wie “Handy” oder “wash bag”, die nämlich gar kein Englisch und also auch keine Anglizismen sind, ein Verfallsmoment kennzeichnen. Diese falsch angewendeten Worte, die wie Pilze aus dem Boden schiessen, sind eben keine Bereicherung, sondern eine Verarmung. Und der angesprochene Verfall besteht in einem weithin etablierten “Ich hab keine Ahnung, mache mir aber gar nichts draus – es ist mir schlicht egal.” Ein kleines Detail der schleichenden Deppenrevolution spätestens seit Anfang der 90er Jahre.

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  9. Bei allem Verständnis für vehement vorgetragene Meinung: Oben schrubst du noch von “englischen _und_ pseudoenglischen” Worten, die Kennzeichen des “Verfalls” sein sollten.
    Wenns da nicht um Sprachreinhaltung geht, dann ist das zumindest ein sehr lauter Klagegesang.
    Was das Nichtenglische betrifft: “Waschbeutel” ist (in dieser Gegend hier- Nordwestdeutschland) auch bedeutungsunklar (und somit kein Deutsch?)- ein Aussterben aufgrund zu “hoher Entwicklung” zu konstatieren ist somit mindestens verwegen.

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  10. Yeah, baumgarf, super Idee! Wir könnten ein gemeinsames Konto eröffnen, was meinst? :D

    Der Waschbeutel ist demnach offenbar so hoch entwickelt, dass ihn kaum jemand kennt! ;) Bei uns heißt das übrigens Toilettbeutel. Ein Beutelchen zu besitzen, das mit Zahnbürste, Kamm und Seife gefüllt ist, mit dem Besitz von Kultur gleichzusetzen, reizt uns Österreicher hingegen zum Lachen.

    Ich teile weder die eine noch die andere Ansicht so richtig. Es ist an beiden was dran. Ich finde zu viele englische Ausdrücke in einem Satz genauso daneben wie zu viele hochgestochene Fremdwörter. Es gibt hierzulande Menschen, die nie englisch gelernt haben und sich daher häufig schwer tun, überhaupt was von dem Kauderwelsch zu verstehen, das in der Werbung, in den Medien und manchmal auch im Volk gesprochen wird. Natürlich kann auch so jemand neue Ausdrücke lernen, er wird aber noch weniger spontanen Bezug dazu empfinden als der Rest von uns, die wir zwar Englisch gelernt haben, es aber auch nicht als Muttersprache empfinden.

    Das Bedürfnis, sich abzugrenzen, auch sprachlich, entspringt imho einer Urangst vor dem ‘Übernommenwerden’ durch andere Wesenheiten, andere Menschen, andere Nationen. Verständlich, aber trotzdem sinnlos. Ich liebe Dialekte und fremde Sprachen, finde viel Faszinierendes darin – daher bin ich für eine Vielfältig-Erhaltung der Sprache, für ein möglichst breites Spektrum an Worten in Muttersprache, Dialekt und Fremdsprache, sodass man in jeder Situation das jeweils treffendste parat hat.
    Gegen das Aussterben von deutschen Worten empfehle ich die Adoption eines Wortes von der schwarzen Liste. :)

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  11. Lily, wir Ösis sind so stolz, dass wir uns fallweise waschen, darum bezeichnen wir dieses Ding als “Kulturbeutel”

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  12. a bisserl a senf von mir dazu….
    ich hab absolut nix gegen anglizismen und stimm dem ceh ziemlich zu. (handy ist zum beispiel ein sehr praktisches wort.)
    das einzige, was mich ein bissl stört sind institutionen, die glauben “zeitgeist” demonstrieren zu müssen. (durch meist eher blöde wortschöpfungen) warum man wohl in wien Putzbrigaden “waste watcher” und “kehr force” nennt?
    und warum die Putzbrigade am heiligenstädter bahnhof jacken trägt, auf denen “cleaning” steht…. wahrscheinlich wegen der tausenden touristen in heiligenstadt.
    und das derzeit stark vorkommende “voting” nervt auch ein bissi…

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  13. Ich adoptiere hiermit (und bin gleichzeitig der Inbegriff desselben) das Wort “Flegel”, was mir im weiteren alle Möglichkeiten öffnet, mich dementsprechend usw.

    Lily u.a.: es ging um die Frage, warum die englischen Worte für das Böse herhalten müssen, verbunden mit der impliziten Frage danach, warum die deutschen nicht. Meine Antwort darauf hat eigentlich das Thema “Reinhaltung der deutschen Sprache” nicht einmal gestriffen. Das von mir gebrauchte Wort “Niedergang” bezog sich letztendlich auf die Kultur an sich, vor allem die des Einkaufens.

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  14. Manchmal ist es zum Brüllen, welche Blüten mangelnde Sprachsicherheit treibt, wenn sich Institutionen und Firmen da viel Mühe mit modisch klingendem Unsinn geben. Da kann ich nur zustimmen. Die Feinheiten des Bedeutungsunterschieds, die es ja tatsächlich zwischen Shoppen und Einkaufen gibt, sind aber nur deshalb spürbar, WEIL es diese unterschiedlichen Begriffe gibt. “Kaufen um des freizeit-mehrwertbringenden Genussgewinns willen” empfinde ich zwar als bedeutungsgleich mit Shoppen, aber doch weniger einprägsam und griffig.
    Bei Waschbeutel war ich mir echt nicht sicher, ob das gemeint war, was man hier (auch) Kulturbeutel nennt, oder vielleicht diese Säckchen, denen man empfindliche Textilien vor dem Hineingeben in die Waschmaschine anvertraut.
    Früher nannte man sowas gern “Reisenecessaire”, was genausowenig deutsch ist, wenn auch vielleicht damals etablierter als so ein Schwachfug wie “Wash Bag”.

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  15. Ähm … der Waschbeutel ist (obwohl es sich genaugenommen nie um einen Beutel handelt) in meiner sprachlichen Sozialisation das Wort Nr.1 für dieses Feuchtraumutensil. Der Kulturbeutel, über den man hier in CH auch lacht, ist hingegen ein vornehmlich westdeutsches Wort. In CH handelt es sich selbstverständlich um ein Neccesair. (siehe übrigens hier, es ist erstaunlich, was es für Blüten treibt)

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  16. hubbie! Schäm dich. Ich wollte ja gerade demonstrieren, dass wir Ösis nicht… usw. Gleiche Gedanken ja, aber unterschiedliche Zielrichtung.

    Ach, rudolfottokar, kehr force find ich wiederum lustig. :) Ist doch nett, wenn nicht immer alles so amtsdeutsch über die Bühne geht. Oder gefällt dir “Öffentliche Mitarbeiter zur Reinhaltung des fußnahen Untergrundes vermittels besenartiger Werkzeuge” vielleicht besser?

    Lily, ich spüre kaum Unterschied zwischen einkaufen und shoppen. Außer vielleicht, dass Shoppen eher Spaß macht. Einkaufen ist mehr das Erjagen von Lebensmitteln zwischen hunderten Menschen, die zu glauben scheinen, der Supermarkt hätte zum letzten Mal für die nächsten 1000 Jahre geöffnet – also das, was ich so absolut nicht pack.

    TM, gut dass dir in das Feuchtraumutensil kein zweites t reingerutscht is. *lach!*
    (Ad Link und ist gar kein Englisch: ‘Wash bags for men, travel leather wash bag, mens shaving, wash bags UK, executive-shaving.co.uk’ klingt aber schon, als gäbe es das Wort im Englischen durchaus.)

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  17. mittlerweile brauch ich kaum mehr zu kommentieren, weil ich eh schon fast allen zustimmen kann – besonders rudolfottokar und toshilein treffen den nagel auf den heuboden ]:D.

    ich finde, dass man zwischen künstlichen und bemühten neuschaffungen (seien sie jetzt dämlich oder lustig … “kehrforce” find ich lustig, heiligenstätter “cleaning” dämlich) und “echten” neuen vokabeln (wie das “handy”, das gerade WEIL es nicht englisch ist ein großartiges beispiel für eine pidgin-tendenz unserer eigenen sprache und tatsächlich nur ausgesprochen unvollkommen durch “mobiltelefon” ersetzbar ist).
    sei es wie es sei, ob es der einzelperson gefällt oder nicht, manche wörter finden eingang in den aktiven sprachschatz, manche nicht, manche entstehen neu, manche gehen verloren. ich kann generell damit leben, eine allzu große “verkünstlichung” der sprache – egal in welche richtung – als nervig, alles andere als faszinierend zu empfinden ]:).

    nur … zugegeben … an das aus castingshows nicht mehr wegzudenkende “performen” werde ich mich wohl nie gewöhnen. da stößt selbst meine sprachtoleranz an ihre grenzen *g*.

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  18. also im sinne der vereinfachung plädiere ich jetzt für die häufigere verwendung des wortes “dings” für alles mögliche. “gib mir mal das dings da drüben”, mit der entsprechenden handbewegung verbunden, erspart zB den heftig kritisierten gebrauch von so schlimmen worten wie “handy”.

    :P

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  19. Oh ja, Dings ist klasse. Es gibt aber immer noch Leute, die beleidigt sind, wenn man sie mit “Dings” meint. Hierzulande sagt man auch gern “Dingens”, was dann mehrsilbig derzeit verbal nicht zur Verfügung Stehendes adäquat ersetzen soll.
    Sollte man auch noch ein paar Buchstaben einsparen wollen, empfiehlt sich das gute alte “Äh”.
    “Gib mir mal das -äh- rüber” ist, verbunden mit angemessener Gestik, ja durchaus auch sehr aussagekräftig.

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  20. way to go, Martin, ich empfehle dazu die Lektüre von “Das ewige Leben” (Wolf Haas) und zitiere aus meiner Buchbesprechung mit dem Titel “ding(s)”:

    „ding(s)“ ist ein so genannter Hilfsausdruck, dessen wir uns bedienen, wenn sich uns mitunter die cortikale Masse durch unerklärliche synaptische Fehlschlüsse verweigert, im Redefluss den gerade passenden Ausdruck setzen zu können…..ist von mir, nicht vom Haas…..hätte aber sein können ;-)

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  21. Ich freu mich sehr über die rege Diskussion! Werd bald wieder irgendsoeinen Bledsinn verfassen. :)) Immer wenn ich’s net bsonders ernst mein, wird hier diskutiert. Woran liegt das eigentlich?

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  22. Das ist eins der ungeklärten Rätsel des Bloggens. Die Kommentarfrequenz ist stets umgekehrt proportional zu der Mühe, die man sich macht, was Besonderes zu verfassen. Absichtlich funktioniert das aber nicht- wenn man keine Lust hat und einfach nur was runternudelt, liest es kein Mensch.
    Zumindest fühlt es sich so an.

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  23. Hey! Ich hab mir durchaus Mühe gegeben! Ich hab sie nur nicht besonders ernst gemeint.
    Und wenn ich keine Lust hab, schreib ich doch nicht!

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  24. Hups. Ich wollt nichts unterstellen… Damit ist nur gemeint, dass man manchmal das Gefühl hat, wirklich was Wichtiges zu schreiben, voller Erkenntnis und so- und daran drechselt man dann ordentlich rum, mit dem Erfolg, dass es trotzdem keiner mag.
    “Lust haben” bezog sich auch nur auf die Drechselei und bedeutungsvolles Feulen am Inhalt. Das ist mir manchmal zu viel, dann lass ich einfach den Fingern ihren Lauf.

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  25. Drum hab ich keine Kommentare! Der Fluch dessen, der sich Mühe gibt …

    Ich hab mal 15 Kommentare gehabt … ich weiss das, denn es war das einzige Mal über zehn, und es ging ums Fressen. Vielleicht sollte ich auch nicht immer wieder einmal behaupten, Kommentieren sei eine Art Reviermarkierung, etwa wie ein Hund zwanghaft an eine Laterne pinkeln muss, um sich als Hund zu fühlen.

    (Oops – hab ich das laut gesagt? Egal, hat ja niemand gehört …)

    P.S.: “Hey” sieht mir schon wieder ziemlich anglisiert aus. Mit Verlaup.

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  26. Genau! Wie eine ziemlich geizig… ääh … in finanziellen Belangen sehr umsichtige Freundin von mir sagt: Man wird nicht reich von dem, was man verdient, sondern von dem, was man nicht ausgibt.
    Die baumgarfsche Geschäftsidee ist tatsächlich sehr inspirierend:
    Ich erzähle jetzt mindestens drei Leuten (ein paar Ungustln werden sich im ferneren Bekanntenkreis schon finden), dass man an einem einzigen Abend fast 80.000 Euros Gewinn machen kann, indem man sie nicht ausgibt. Wenn mir die drei Ungustln jeweils 80.000 überweisen, ich also um 240.000 reicher bin, dürfen sie ihrerseits andere vermögensvermehrungswillige Leute von dieser genialen Idee überzeugen usw.
    Ah so, das is nicht neu? Ja mei, es kommen doch eh nur ganz wenige Pyramidenspiel-Initiatoren in den Häfen. Und für den Fall der Fälle ist die Verteidigungslinie:
    Bitte, ich kann nichts dafür, ich habs im Internet gelesen.
    Yess!

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  27. Gnihi, Lily, ich hab dich schon verstanden. Wollt dich nur ein bisserl schocken. ;) Und ja, manchmal ist das so, wie du schreibst. Aber so krass nehm ich das nicht wahr. Der Humorfaktor ist allerdings recht oft umgekehrt: Wenn ich’s scherzhaft mein, wird gaanz ernsthaft diskutiert. Schreib ich was Ernstes, wird geblödelt. 8)

    Nö, TM, du hast keine Kommentare, weil du so streng bist! (im Blog) :P Und weil meistens schon alles gesagt scheint. Und, nicht zuletzt, weil du die Kommentarfunktion abgeschaltet hast!
    Und hey find ich total okay. ‘Haltet ein, Elende!’ wär zwar auch gegangen, aber dann macht man sich wieder über mich lustig.

    susanne, sagst mir aber bitte noch rechtzeitig bescheid, damit ich mit meiner Domain auf die Bahamas umziehen kann. :D

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