Aufgeweicht zurück

Es war ein geruhsames Wochenende mit gutem Essen vom Buffet, warmem Thermalwasser, Infrarotkabine, Dampfbad mit naturgegebenem Sichtschutz, Wasserrutsche mit Blindflugabschnitten, Blubberblasen im Freiluftbecken – und zwar vom Betreiber beabsichtigte Blubberblasen, keine selbstgemachten!

Vielleicht abgesehen von der Anfahrt – ein kostbares Stündchen haben wir im Stau liegengelassen. Abgesehen auch von den Schwierigkeiten beim ersten Öffnen der Zimmertür mit dem Magnetarmband, vierter Stock, bepackt mit allem, was man für ein Wochenende so braucht, inklusive Kameratasche. Die Tür geht nicht auf. Mit schmerzhaft voller Blase nochmal zurück zum Start respektive zur Rezeption, weil dort niemand das Telefon abnimmt, mit neuem Armband wieder hinauf, schnell, um potentiellen Gepäckdieben das Zeitfenster zu verkleinern; wieder vor der Zimmertür, mit anderem Armband aber gleicher Erfolglosigkeit, auf den Techniker warten, *hüpfhüpf*, der natürlich genau nach meinem hundertsten, diesmal endlich erfolgreichen Öffnungsversuch kommt und mich weitere schweißtreibende Minuten am WC-Gang hindert, weil er das Öffnen der Tür jetzt mindestens vierzigmal probieren muss.

Abgesehen von den langen Latschern, die man innerhalb der Anlage hinlegen muss, bevor man sich in der Thermenhalle oder im Saunabereich wiederfindet. (Die Kirche schultern, Burschen, und ab gehts, ums Kreuz marschieren! Hier kein Durchgang. Hier nur alarmauslösender Notausgang. Zum Restaurant bitte einmal gaaanz rundherum.) Und abgesehen von den organisatorischen Kapriolen seitens des Hotels, die sogar meinen Chef immer mehr aus seiner sonst so gelassenen Reserve zu locken vermochten.

Seltsam auch die Verteilung des blauen Dunstes: Nichtraucherzone dort, wo’s mit Ledercouchen und Kaffeetischchen gemütlich wäre und wo ohnehin fast nie jemand sitzt (wahrscheinlich, weil man dort nicht rauchen darf). Raucherzone dafür dort, wo die Kinder sich vorzugsweise rumtreiben, nämlich in der Kantinenatmosphärenzone mit Billardtisch, Flipper, Tischfussball (vulgo Wuzler) und Internet-PC.

Aber wie gesagt, sonst war’s sehr nett. Ich weiß jetzt jedenfalls, wo ich hinfahre, wenn ich mal Kinder habe.

6 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Du verkennst die Absicht dahinter: Die langen Wegstrecken innerhalb des Hotels gehören zu den Leibesertüchtigungen, das nennt sich dann Walking (ehed.: Spazieren gehen), wer will, darf auch nordisch laufen (vulgo: am Stock gehen).
    Aber es freut mich, dass du dieses furchtbare Wochenende gut überstanden hast ;o)

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  2. Nein, gzb, dazu fehlte eindeutig die finnische Sauna.
    Hab ich übrigens die nächtlichen motorähnlichen Geräusche erwähnt, die mich am Einschlafen hinderten? ;)
    (Ernsthaft, es war eeh total ok.)

    Na schon, baumgarf, aber unsereins, das mit Sport halt nicht soo viel am Hut hat, solcherart zur Ertüchtigung zu zwingen? Dazu lasse ich mich dann doch noch lieber von entsprechenden Damen bzw. Herren animieren als von langen Zimmerfluchten.
    Und schließlich fällt das Zutalflitzen in der Wasserrutsche ja auch unter Bewegung. Irgendwie.

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  3. die hoffentlich optimierte korporale Identitaet – die deiner Firma – ist ja auch was Positives, nicht?
    P.S.: hat dich dein Hund noch willkommen geheissen?

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  4. Unsere Identität ist sowieso total optimal, hubbie! Aber es war natürlich vom sozialen Standpunkt her sehr ok. :)
    Die Begeisterung meines Hundes hielt sich in Grenzen; sie war übers Wochenende bei meiner Freundin und ihrem Mann, da gabs Schweinsbraten und so. Ich glaub, sie wär lieber dort geblieben. *g* Warum?
    (Ja, weiß auch nicht, irgendwas hat’s mit der Zeit derzeit. *korrigier*)

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