Teilen: Leben, Weisheit, Meinung

Heute werde ich nicht den Staub meiner grenzenlosen Weisheit über eure Hirne und Herzen pusten.
Heute möchte ich subjektive Meinung lesen. Eure!

Meine Frage lautet:
Wie teilt man ein Leben miteinander?

Was sind für euch die wesentlichen Aspekte dabei? Wie bezieht man den anderen mit ein? Wie hält man einander auf dem Laufenden? Und worüber – was wollt ihr erfahren, und was nicht unbedingt? Oder anders: Was teilt ihr mit, was behaltet ihr für euch?
Verliert man den Kontakt leichter, wenn man nicht zusammen wohnt oder sich selten sieht? Wie bietet ihr eure Hilfe an, und wie oft bittet ihr selbst direkt um Hilfe?
Wie verschafft ihr euch Alleinzeit? Wie erhält man die gegenseitige Wertschätzung aufrecht?
Worauf kommt’s eurer Meinung nach an?

Es geht natürlich um Partnerschaft, aber nicht nur. Auch um Freundschaften, letztlich um jede ernstgemeinte Teilnahme am Leben anderer – und um die Einladung anderer in euer eigenes Leben. Meine Fragen sind nicht als strenger Rahmen zu verstehen, nur als Anregung.

Natürlich hab ich dazu eigene Überlegungen. Aber mich interessiert, wie ihr das seht und handhabt – und statt erstmal Output zu liefern und dann zu schauen, was kommt, bitte ich heute mal ganz dreist um Input.
(Darf von BloggerkollegInnEn auch gerne als Stöckchen mitgenommen werden – bitte um Trackback.)

Danke für eure Mühe!

7 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Eins der wichtigsten Dinge ist wohl: Dranbleiben, auch, wenns mal scheisse läuft. Das erhöht die Wertschätzung ungemein. Grosszühig sein, über kleine Unannehmlichkeiten hinwegsehen. Sich bewusst machen, dass niemand perfekt ist, auch man selbst nicht. Dass es auch an einem selbst Dinge gibt, über die der Partner hinwegsieht. Es wird heutzutage viel zu schnell Schluss gemacht, oder Freundschaften aufgekündigt. Tolerant sein, einstecken können, sind wichtige Fähigkeiten.

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  2. Leben teilen.. mit wem teilen wir denn so unser Leben? Mit Partnern, mit Freunden, mit der Familie… Kann man das so abgrenzen? Verschwimmen nicht die Grenzen zwischen Partnerschaft und Freundschaft, vielleicht sogar Familie und spielt nicht hochgradige Sympathie bis hin zu Liebe in allen Bereichen hinein?

    Meine Beste Freundin ist irgendwie auch eine Partnerin. Wir leben nicht zusammen in einem Haus, aber 5 Minuten entfernt, sind unterbewusst immer näher zueinander gezogen, sie ist verheiratet, eigentlich ganz glücklich, genießt viele Freiheiten, ihr Mann hat gelernt, dass ich keine Konkurrenz bin und wir beide wissen, dass wir uns blind vertrauen können, sie ist eine Mischung aus allem: zweite kleine Schwester, Freundin, Partnerin, Kumpel zum Pferde stehlen.

    Wir teilen Zeit im Alltag, betreuen gemeinsam unsere Tiere, wir schauen, dass wir uns mindestens einmal in der Woche richtig sehen und da gibt es auch Rituale: Rituale wie sich gute Nacht zu wünschen, fast täglich Kontakt zu halten und das Band, das uns unterbewusst verbindet, das einen nervös werden lässt, wenn man nix voneinander hört. Sorgen machen. Unterstützen, jederzeit erreichbar sein für den anderen und auch in Notsituation unkonventionelle Hilfe zu leisten. Erwartet man das von ihrem Mann? Natürlich auch, aber ist es nicht schön, einen Freund an der Seite zu wissen, der das Auf und Ab der Liebe überstehen kann, weil Sex keine Rolle (mehr) spielt?

    Dieses Vertrauen musste über Jahre gelernt werden, wir kommunizieren​ sehr unterschiedlich, ich denke viel und emotional, sie ist sehr kurz und trocken und wir mussten überschäumende Emotion in die Freundschaft zwingen, aber seit heftigem Kampf um die Freundschaft mit Bangen und Tränen und viel Bemühen sind wir endlich synchron.

    Ist da bei mir noch Platz für eine Liebe? Ich würde ganz klar ja sagen, aber sie muss es akzeptieren. Sie muss akzeptieren, dass es keinen Absolutheitsanspruch gibt. Über die letzen Beziehungen habe ich gelernt, was mir wichtig ist, was ich bewahren möchte und was ich auf keinen Fall stören möchte (Ort, Zeit für die Wichtigsten, Tiere, Hobbies…). Das macht die Partnerwahl nicht leichter, aber es schärft das Profil und hilft, gleich mal die aus der Wahl auszuschließen, die nicht hineinpassen. Es gibt mich dann halt nur, wenn ich trotzdem die Freiheit habe, die Freundschaft zu halten und zu pflegen, wer das kann, findet in mir einen treuen Gefährten und wird gern in mein Leben hinein gelassen.

    Und wie halten wir es mit dem Kontakt? Mit ihr fast täglich, mit den anderen wirklich engen Freunden alle paar Tage, oft nach Bauchgefühl. Ich bin ein schriftlicher Typ, lieber Messenger als Telefon, dafür feile ich an einer Nachricht aber auch mal ne halbe Stunde, bis sie mir gefällt.

    Am wenigsten Kontakt habe ich mit meiner Schwester und das schmerzt, aber wir haben wohl beide sehr stark unser eigenes Leben. Vielleicht auch deswegen die intensive Pflege der Freundschaft zur „Zweitschwester“…

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  3. Meine langjährige Erfahrung im Zusammenleben mit Frauen führte zu dreierlei grundlegenden Erkenntnissen,
    erstens:
    Sigmund Freud hatte vollkommen recht, als er sagte: »Die große Frage, die ich trotz meines jahrzehntelangen Studiums der weiblichen Seele nicht zu beantworten vermag, lautet: „Was will eine Frau eigentlich?“«
    zweitens:
    Das Zusammenleben mit Frauen ist nicht einfach: man kann nicht mit ihnen zusammenleben, aber man kann sie auch nicht einfach erschießen.
    und drittens:
    Frauen zählen gewiss zu den mangelbehaftetsten Geschöpfen welche die Natur hervor­ge­bracht hat, aber ich kenne keine vollkommeneren.

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  4. Theorie:
    Wertschätzung. Alles was lebt, sich bewegt, wächst und vergeht oder einfach passiert hat Sinn, wenn auch nicht für jeden sofort ersichtlich. Wir leben in einem sehr komplexen System und könnten wenn möglich ausgleichend wirken. Geben und nehmen könnte in unserem beeinflussbaren Umfeld im gleichen Verhältnis stehen.

    Respekt. Alles Leben und die daraus resultierenden Aktionen muss man nicht in nützlich oder sinnlos einteilen. Keine Aktion bleibt ohne Reaktion. Gehen wir also respektvoll mit dem Leben um uns herum um, dann sollte uns das auch selbst so widerfahren.

    80/20 Regel. Wenn etwas gut ist, dann reicht das (in der Regel) aus. Gerade die „fehlenden“ 20% machen aus vielem etwas einzigartiges.

    Praxis:
    Ich persönlich versuche die (meine?) drei Punkte der Theorie aus Wertschätzung, Respekt und der 80/20 Regel so gut es geht umzusetzen. Praktisch ist das natürlich nicht immer möglich, denn wir Menschen verlieren schnell den Überblick und haben selten eine echte Ahnung davon, was unserer Handlungen für tatsächliche Auswirkungen haben. Wir können uns aber ziemlich gut zusammenreissen, mal ein Insekt aus dem Fenster scheuchen als es an die Wand zu klatschen, mal einen lebenden Blumenstock verschenken als abgeschnittenes und damit totes Zeugs vom Discounter, mal einem anderen die Hand reichen als sich „mach es doch selber“ denken usw. Ich hatte damit meist Erfolg im Leben.

    Mein Umfeld teilt (glaube ich) ganz gern das Leben mit mir. Zum Beweis verweise ich aus dem Stegreif auf einige nahezu „lebenslange“ Freundschaften, Beziehungen (ja, waren mehrere – aber ich habe zu den meisten noch ein sehr gutes Verhältnis), Pflanzen aus der Studienzeit (die noch leben) und einen Pulli, den ich seit über 30 Jahren im Schrank liegen habe (und jedes Jahr an Weihnachten trage).

    Ein Patentrezept, wie „man sein Leben miteinander Teilt“ gibt es sicher nicht. Da wir alle unterschiedlich fühlen, denken, leben und wahrnehmen muss auch jeder seinen eigenen Weg finden. Für mich gehört dazu Wertschätzung, Respekt und die 80/20 Regel und noch ein paar andere Kleinigkeiten die wohl ein Buch füllen würden. So kann ich mein Leben mit anderen teilen.

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  5. Das Leben teilt sich am besten mit jemand, mit dem man sehr gern zusammen ist, den man gut riechen kann, der ungefähr aus derselben Generation stammt wie man selbst, damit der Erfahrungshorizont verständlich ist für den anderen und man gemeinsame Erfahrungen machen kann, die einen verbinden.

    Vertrauen zueinander und Respekt voreinander, die Wertschätzung, sind selbstverständlich und können entweder immer mehr wachsen oder tief erschüttert werden, wenn einer etwas Dummes macht. Trotzdem kann man dann zusammenbleiben und dem anderen eine Chance geben, das wieder gut zu machen, sich zu entschuldigen, einen neuen Anfang zu machen, das geht manchmal auch 2 – 3 Mal, bis irgendetwas in einem zerbricht. Dann muss man sich leider trennen.

    Das Alleinsein ist unbedingte Voraussetzung dafür, sein Leben miteinander teilen zu können. Meiner Erfahrung nach geht das in der gleichen Wohnung sehr gut, wenn jeder seinen eigenen Bereich hat, zumindest jeder ein Zimmer, was seins/meins ist. Man kann sich dann täglich gegenseitig besuchen, mehrmals, oder auch mal ein paar Stunden allein und ungestört sein. Gerade als Elternpaar ist das enorm wichtig, damit sich die Personen nicht „auflösen“, sondern auch immer wieder bei sich sind.

    Bürgerliche Wohnungen mit Wohnzimmer/Schlafzimmer/Kinderzimmer sind Beziehungskiller. Unsere Wohnung z.B. besteht aus seinem Zimmer ( TV, Schreibtisch, Sofa, Musikinstrument) meinem Zimmer (TV, Sofa, Esstisch, Schreibtisch, Bücherregale) einem gemeinsamen Schlafzimmer mit Doppelbett und Einbauschränken, einem halben Zimmer (Klavier, Regale mit Ordnern, Kommoden, Wäscheständer) und wird immer wieder umgestellt. Unsere Räume (70 qm, nicht besonders groß) sind zum Leben und Arbeiten da und nicht zum Repräsentieren für Besucher.

    Hilfe anbieten versteht sich auch von selbst, aber nur wenn der Partner nicht allein zurecht kommt und ausdrücklich um Hilfe bittet, niemals unaufgefordert.

    Viel Sprechen ist wichtig. „Wir verstehen uns auch ohne Worte“ gibt’s und ist auch irgendwie magisch, aber führt leider auch zu leicht zu „ich dachte“- Missverständnissen, auch nach Jahrzehnten noch.

    Von Fernbeziehungen und getrennten Wohnungen halte ich nichts, aber es mag Leute geben, die es anders überhaupt nicht miteinander aushalten würden.

    Jeder Mensch braucht ein paar Geheimnisse, man muss sich nicht wie ein offenes Buch präsentieren. Immer zum Besten des anderen: wenn ich meinem Liebsten etwas vorenthalte, was ihn verletzen könnte, so ist das gut für ihn, sofern unsere Beziehung nicht auf einer Lüge basiert.

    Das Leben ist so kurz, mein Liebster und ich sind seit 35 Jahren zusammen, hatten furchtbar harte Zeiten, existenziell und in der Partnerschaft, auch Perioden ohne Liebe und Sex, viel Streit, es war alles dabei. Aber auch viele schöne Jahre. Und 20 Jahre lang unser Kind mit und bei uns. Und das Wichtigste: wir mögen uns immer noch sehr, sind die allerbesten Freunde, schauen zu wie der andere alt wird und sehen immer noch die schönen Bilder aus unserer gemeinsamen Jugend, wenn wir uns in die Augen sehen.

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  6. Da hier schon sehr viel über das Thema geschrieben wurde, halte ich mich jetzt bewusst kurz.
    Ich weiß nicht, ob es ein Universalrezept gibt, denke aber eher nicht. Das kommt ganz auf die beteiligten Personen an und was diesen wichtig ist. Für mich persönlich ist es in einer Partnerschaft essenziell, sich gegenseitig genügend Freiraum zu lassen und keine Besitzansprüche auf den Partner zu erheben. Dann empfinde ich die Zeit, die man miteinander verbringt als wesentlich „qualitativer“ als man klebt nur zusammen und hört auf als eigenständiger Mensch zu existieren. Das ist auf Dauer unbefriedigend und führt irgendwann zum persönlichen Supergau. Ebenfalls als problematisch sehe ich es an, wenn die Quantität „dem anderen zuliebe“ etwas zu tun, was man selber eigentlich nicht will, ein gewisses Maß übersteigt (auch wenn das auf Gegenseitigkeit beruht). Das führt irgendwann zu innerer Unzufriedenheit auf beiden Seiten und ist IMO ein Zeichen, dass die beiden Personen eigentlich nicht wirklich zusammen passen. Wenn man den richtigen Menschen fürs Leben findet, dann sollte das irgendwie ohne Krampf funktionieren und sich alles von selbst ergeben (sonst ist es die falsche Person).

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