Tosha zieht um

Ja, hier in meiner bescheidenen Pfanne war in letzter Zeit wieder mal sehr wenig los – ganz Pompej auf mein Haupt – und das hatte wiedermal einen triftigen Grund, diesmal sogar einen recht massiven.

Nach einigen Jahren eines Ungleichgewichts, das die Waagschale mit der Aufschrift „Unglücklich“ immer öfter in bodennahe Bereiche beförderte, nach gründlicher Überlegung, einigem Zaudern sowie ebenso reichlicher wie monatelanger Diskussion mit dem Mann, den ihr hier als den mir rechtmäßig Zugemuteten kennt, habe ich mich von ihm scheiden lassen.

Der offizielle Scheidungstag war der 4.2.2016 – wobei „Tag“ mehr als übertrieben ist; es war ein halbstündiger, recht formloser Akt beim BG Wien-Döbling, der ihn zum Ex-Zugemuteten der wüsten Bloggerin machte.

Das bedeutete sehr viel seelischen Stress in den letzten Monaten, schier endloses Gedankenkarussell; wenig, dafür aber auch schlechten Schlaf; eine Menge hässliche Situationen und haufenweise Momente der Ernüchterung, die ich in der einen oder anderen Form noch zusammenfassen werde – 270 Seiten Tagebuch sind ja eine solide Grundlage. Ich und meine Seele kamen in dieser Zeit aus dem Staunen nicht heraus, und zwar, dank der vielen lieben Menschen um mich herum, zum Glück an beiden Polen meiner Empfindungsskala… und jenseits davon, und auch überall dazwischen. Es war wie in einem packenden, aber dennoch ziemlich schlechten Film, mit haarsträubenden Szenen, die, müsste man sie mit Hashtags versehen, am ehesten diese tragen würden: #kannstedirnichtausdenken und #Entenhausen.

Am Ende einigten wir uns. Und ich musste schließlich in den letzten Wochen aus dem gemeinsam bewohnten Haus in LDorf an der Irrsinn ausziehen. Ich miete eine kleine Wohnung in der transdanubischen Wildnis (i.e. nördlich der Donau). Sie hat einige Vorzüge, nur nicht die, die ich eigentlich wollte – Balkon und Badewanne – doch sie war trotzdem meine Wahl, weil sie sich einfach richtig anfühlt. Sie hat zwar zwei Zimmer und eine Küche, aber die Größe, im Vergleich mit dem Haus… sagen wir mal so, es ist gut, dass ich jetzt fünf Kilo weniger habe als bisher. Es wär wegen der engen Durchgänge.

Nun wohnt man ja nicht zwölf Jahre lang in so einem Haus, ohne den vorhandenen Raum weidlich auszunutzen. Und ihr wisst, dass ich nicht nur zuhause arbeite, sondern auch allerlei andere Dinge mache wie fotografieren, malen, airbrushen, nähen… All das ist schöner Zeitvertreib, aber leider mit der Anwesenheit von allerlei Ausrüstung und Zubehör verbunden.

Zieht man von etwas Kleinem in was Größeres – wie das oft der Fall ist, wenn man zusammenzieht oder die gemeinsame Wohnsituation verbessert – dann wird der Raum mehr, und man freut sich über den dazugewonnenen Platz, als hätte man ihn gestohlen.
So war das bei mir schonmal nicht.
Zeug, Zeug, Zeug, es ist überall, es endet nicht, und es ist umfangreich. Schwer. Und staubig. Und man muss es nicht nur in der Hand halten, es anstarren und sich fragen, was man damit genau soll – man muss es einpacken, und das auch noch pro Karton in einer nicht nur möglichst logischen, sondern auch tragbaren Zusammensetzung. Und das meine ich nicht metaphorisch.

Diese Kartons wiederum muss man erstmal zusammenbauen bzw. in meinem Fall mit Klebeband zusammenkleben. Und eines weiß ich: Wenn ich in den nächsten Monaten noch ein einziges Mal den Anfang eines Klebebandes auf der Rolle suchen muss, krieg ich einen sogenannten Gaachen (höchst ösischer Zornesausbruch, gibts in dieser Form nirgendwo anders).

Der vernünftige Mensch sortiert ja erstmal aus, schmeißt 50% des Zeugs weg – idealerweise den unnötigen Teil – und packt dann nur die andere Hälfte ein.
So war das bei mir schonmal nicht.
Mir blieb dafür nur wenig Zeit, denn nach monatelangem Bremsen konnte es dem werten Ex plötzlich gar nicht schnell genug gehen. Ob ich denn schon bald den Schlüssel abgeben könnte. Am besten noch, bevor ich mit dem Auszug fertig bin. Ob ich die Couch schon mitnehmen könnte, weil er ausmalen will und den Fußboden rausreißen. Es wären ja ohnehin die großen Stücke, die zuerst in eine kleine Wohnung müssen, rechnet er mir vor.

Mitnichten, es ist vielmehr der Stauraum, der zuerst in eine kleine Wohnung rein muss. Es sind Schränke, deren Aufbau häufig im Liegen stattfindet (also, es ist der Schrank, der dabei liegt, nicht die Frau mit dem Akkuschrauber, ähem) und der von der verstockten Anwesenheit eines ausladenden Sitzmöbels stark beeinträchtigt wird (der Aufbau, nicht der Akkuschrauber). Es sind alle anderen Dinge, die von der Eingangstür gesehen in die Wohnungsbereiche hinter der Couch müssen, weil man sie später, wenn das große Stück erstmal dasteht, schlicht nicht mehr vorbeibewegen kann, ohne unschuldige Wände wegzustemmen.

Und so stricke ich mir nach und nach meine eigene Reihenfolge und spiele mein ganz persönliches Sokoban 4D – auf Länge, Breite, Höhe und Zeitpunkt. Ich sorge für Schränke, ein Hochbett und borge mir verschiedenes aus – allerlei kleine Interimsmöbel und eine Musikanlage. Ohne Musik geht schließlich gar nix.

Ein Tag des Neu- und Gebrauchtmöbel-Abholens und Aufbauens im Jänner mit zwei wunderbaren Helferleins namens N. und A. wird von mir den ganzen Vortag lang minutiös vorausgeplant, damit so viel wie nötig so reibungslos wie möglich an diesem einem Freitag passieren kann. Man möchte ja meinen, ein ganzer Tag Planung für nur einen Tag Action sei doch reichlich übertrieben, aber genau genommen rechnet sich die Planung, denn eine geistige Fehlleistung kann ja durchaus auch mehr als einen Tag Zeitverlust bedeuten. Und Zeit ist, was wir nicht haben.

Also mache ich eine Excelliste mit Zeitlinie, damit ich nichts vergesse. Zur Belohnung klappt dann auch alles wie am Schnürchen, wir holen an einem Tag zwei große Schränke von Carla, sowie einen kleinen Schrank, mein Hochbett und diverse Kleinmöbel von Ikea, bauen die ersten Stücke auch gleich auf, und retournieren am Abend noch eine Matratze.

Ich miete mir an diesem Tag so wie auch an allen folgenden Umzugswochenenden einen Mercedes Vito bei ShareMe. (Die Freunde dort sind übrigens auch eine Empfehlung: günstig, unkompliziert und freundlich.)

Und dazu muss ich was loswerden: Ich fand das ja eigentlich ziemlich herkömmlich und auch vorschriftsmäßig von mir, und nachdem wir jetzt doch schon 2016 haben und nicht 1951, könnte man eine in Mitteleuropa unaufgefordert antanzende Kombination Frau-Lieferwagen auch einfach mal unkommentiert lassen.
So war das bei mir schonmal nicht.
Wie kommt es, dass eine Frau, die einen Lieferwagen fährt, als Exotikum der Extraklasse betrachtet wird? Es gab kaum jemanden, der dazu nicht seine Brauen hob und/oder seinen Senf abgab. Ja, ich bin klein und ja, der Vito ist größer als ich. Aber die Sitze lassen sich gut einstellen, und das Ding fährt sich im Großen und Ganzen wie ein Pkw, noch dazu mit richtig Power unterm Arsch. Es gibt halt keinen Mittelspiegel, und das Reversieren muss man ein bisschen üben. Und?

Selbst wenn die Reaktionen meist eher Richtung Anerkennung tendierten (und nicht als Drohungen und Repressalien daherkamen, ich betrachte mich also mitnichten als die österreichische Manal al-Sharif), finde ich die Reaktionen auf meine kurze Affäre mit dem Vito insgesamt eher befremdlich. (Hier bitte noch einen formvollendeten, wenn auch etwas angegraut wirkenden Satz mit „…in den Köpfen noch nicht angekommen“ imaginieren.)

Die vielen Kratzer und Beulen an den diversen Vitos, die ich im Lauf der Zeit mietete, muss man zu Mietbeginn beim Rundgang alle entsprechend würdigen, damit man sie später auch wiedererkennt – und ich merke dem Vermieter gegenüber stets an, dass ich sie allesamt zuverlässig zurückbringen werde. Aber hinzugefügt habe ich nicht einen einzigen Schaden. Auch keinen kleinen. Sondern gar keinen. Nicht, dass ich das extra erwähnen müsste. Und wir hatten einen Wintereinbruch am ersten richtigen Umzugswochenende…

– Fortsetzung folgt –

3 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Pingback: Wunschliste | Etoshas Pfanne

  2. Und wer hat das Hunderl bekommen? Trennungen sind schrecklich nüchtern. Ich wünsche Dir alles Gute für die Zukunft und dass Du Dich nicht unterkriegen lässt!

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